Schlagwort-Archiv: schräg & abgedreht

Wie Kim Kardashian

„Was willst du?
Den Mond, die Erde, die Milchstraße, das Universum?
Ich gebe dir, was du willst.
Willst du Reichtümer, Berühmtheit, Gesundheit?
Was willst du dann?
Wie bitte, einen Arsch wie Kim Kardashian?
Das kann nicht sein, niemals, nein!
Oder doch?
Zwickt mich, und ich glaub an Gott.“

Kleidung für die Frau ohne Kopf im Somalishop

Kleidung für die Frau ohne Kopf im Somalishop

Johannes Tosin
(Text und Bild)

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 22075

Im Büro

Was ich gerade mache?
Aktenstudium.
Ha-ha, stimmt ja gar nicht!

Ich sehe mir meine Bierdeckelsammlung auf dem Computer an.
Die habe ich nämlich digitalisiert,
je ein Bild von der Vorderseite und eines von der Rückseite.

BÜRO

BÜRO

Johannes Tosin
(Text und Bild)

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 22029

Die Misch Oschttirol

Ich bin in Lienz, um Fotos zu machen. Es herrscht Lockdown. Zwei Polizisten kommen auf mich zu.

Der erste Polizist: Grüsch Gott, Bürger, bitte weischen Schie einen Lichtbildauschweisch und dasch Impfzertifikat vor!

Kein Problem, ich habe beides bei mir und zeige es den Polizisten.

Der zweite Polizist: Schie kommen ausch Krumpendorf, wasch tun Schie dann hier?

Ich: Ich will die Miss Osttirol kennenlernen.

Der erste Polizist: Die Misch Oschttirol? Die isch nit hier. Die isch aufm Berg.

Ich: Auf welchem denn?

Der zweite Polizist: Auf dem da.

Er deutet mit dem Daumen nach schräg links.

Ich: Gut, danke für die Auskunft, meine lieben uniformierten Freunde. Dann werd ich meinen Arsch mal dorthin bewegen.

Dacharbeiten am leeren Heuschober

Dacharbeiten am leeren Heuschober

Johannes Tosin
(Text und Bild)

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 22010

Loch im Kopf

In meinem Kopf ist ein großes Loch. Eine Amsel hat sich darin ihr Nest gebaut. Oft sitzt sie am Rand des Lochs und zwitschert. Auch ein Eichhörnchen hat das Loch entdeckt. Dann sammelte es eine Eichel und eine Haselnuss, aber danach hatte es wieder vergessen, wo das Loch sich befand, und die Amsel konnte bleiben, wo sie sich niedergelassen hatte, in einem Loch in meinem Kopf.

Die Amsel startet vom Nullleiter der Stromleitungen

Die Amsel startet vom Nullleiter der Stromleitungen

Johannes Tosin
(Text und Bild)

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 21029

Geschichten, die das Leben speit – Bonustrack 2

Der Priester setzt nach der Predigt während des Hochamtes Folgendes auseinander: “Liebe Kinder! Haben wir nun ein Rätsel. Wo ist die Heiligenfigur auf der Titelseite unseres Pfarrblattes zu finden, hm? Noch einmal: Wo gibt es hier in der Kirche dieses Foto zu sehen? Das ist unser heutiges Rätsel!“

Plötzlich erhebt sich eine junge Dame Mitte sechzig aus den hinteren Reihen und schreit nach vorne: „Mariusz, das ganze Leben ist ein Rätsel!“

Der Priester: „Was? Was meinen Sie bitte?“ Sie erwidert amüsiert: „Hast schon richtig gehört! Das ganze Leben ist ein Rätsel! Haha!“ Sie lacht, steht auf und geht.

Elmar Mayer-Baldasseroni
https://elmarmayerbaldasseroni.wordpress.com/

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 20050

Geschichten, die das Leben speit II – Der Herr Nachbar

„Komm heraus, Du Wolf! Heraus mit Dir!“ schrie der mit Anabolika bis oben hin vollgepumpte Türstehernachbar und klopfte dabei mit beiden Hammerfäusten wie rasend an die dünne Genossenschaftswohnungsaußentür der zarten rothaarigen Physiotherapeutin Dorli. Dabei pumperte er wie ein Besessener völlig irr hämmernd an die dünne Spanplattentür mit weißen Plastikfurnieren. „Heraus, Du Wolf!“ Dorli war schockiert und stand wie in Schockstarre im Gang, während der Irre draußen brüllte wie am Spieß. Plötzlich krachte es, die Türe splitterte und seine dicke gedopte Kraftsportlerfaust steckte mitten im Türblatt. Unvermittelt griff dieser abgefahrene Henker dann nach innen und öffnete dabei die Türverriegelung und verschaffte sich gewaltsam Einlaß zur 32-m²-Single-Wohnung der Kärntner Landesbediensteten, die schon so manchen Falott das Flüchten gelehrt hatte.

Dorli nach dem Geschehnis im Originalton: „Anabolika – Du wirst zum Stier und kannst Di nimmer kontrollieren!“

Als er wutschnaubend auf Dorli loszugehen drohte, faßte sich diese ein Herz und erinnerte sich an ihre Nahkampfausbildung als Hauptschullehrerin in Klagenfurt-Viktring: Sie packte den Strolch fest an den Eiern, zwickte ordentlich zusammen und sah ihm schnürlgerade in die Augen: „Laß mich in Frieden, Du Beidl, hörst Du?“ Da wurde Mr. Anabolika plötzlich munter und erwachte aus seinem Tablettendelirium, machte kehrt und sagte: „Und des ane sog i Dir: De Tür ersetz i Da!“

Elmar Mayer-Baldasseroni
https://elmarmayerbaldasseroni.wordpress.com/

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 20047

(Auf Wunsch des Autors wurde bei diesem Text auf manche Lektoratskorrektur verzichtet und der Text großteils im Original belassen.)

Geschichten, die das Leben speit I – Wiener Altweibersommer

Esmeralda trug nicht nur einen extravagant famosen Namen, sondern nannte auch einen betörend schönen Mädchenkörper und ebenso formidable Formen ihr Eigen. Es gebrach ihr nicht an atemberaubender Schönheit, ihre dunklen Locken fielen in wundersamen Wellen von ihrem Haupte herab. Esmeralda studierte in Wien und fand eine günstige Bleibe in der Inneren Stadt in der Basiliskengasse, wo der Sage nach eine teuflische Echse ihr Unwesen getrieben hatte. Ihre Vermieterin war freundlich und voll der Wienerischen Aufrichtigkeit, Herzlichkeit und Höflichkeit gewesen, sie trug das sogenannte Goldene Wienerherz sicher am rechten Fleck.

Eines Tages kam sie nach den Vorlesungen in ihr Neun-Quadratmeter-Zimmer heim und mußte entdecken, daß ihr Bettchen absolut von oben bis unten klitschnaß vollgepißt war, jemand mußte ihre Bettstatt systematisch von oben bis unten vollgebrunzt haben wie aus Kübeln und Kanistern, wieder und wieder, kein normaler Mensch konnte so viel Urin in seiner Blase halten, das mußte schon der riesenhafte Basilisk selber gewesen sein, ein wahres Monstrum.

Als Esmeralda damit ihre gutkatholische Vermietersfrau konfrontierte, lief diese zunächst rot an, unterdrückte ein Grinsen und meinte schließlich, dies konnte nur ihr böser Kater Emil verbrochen haben, dieser pelzige Lauser, es tue ihr recht leid. Esmeralda nahm die Entschuldigung an und kam insgeheim ins Grübeln – wie konnte diese Handvoll eines süßen Kätzchens, der siebenwöchige kleine weiße Kater Emil, Gallonen von nach Whisky stinkender Pisse fabriziert haben, wo doch die Türe stets verschlossen gewesen war und alle Welt wußte, daß Madame Basilisk einen Hang zu alten schottischen Destillaten hatte?

Seltsam, aber so stand es geschpieben.

Elmar Mayer-Baldasseroni
https://elmarmayerbaldasseroni.wordpress.com/

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 20046

(Auf Wunsch des Autors wurde bei diesem Text auf manche Lektoratskorrektur verzichtet und der Text großteils im Original belassen.)

Kollege Werner

Kollege Werner kommt mit einem riesigen Hufeisenmagneten ins Gemeinschaftsbüro. Der Magnet ist so groß, dass ich mich wundere, dass Werner ihn tragen kann. Werner und ich waren noch nie Freunde. Nun kommt er auf meinen Arbeitsplatz zu und schreit: „Bühring, du Kollegenschwein, jetzt wirst du sehen, was du davon hast!“ Er versucht, den Hufeisenmagneten gegen meinen Desktop-Computer zu halten. So ganz gelingt ihm das nicht, der Magnet steht schief gegenüber dem Computergehäuse, dennoch wird der Bildschirm schwarz. So wie es aussieht, sind alle Daten futsch. Na ja, so schlimm ist das auch nicht. Es sind ja nur Firmendaten. Außerdem gibt es ein Backup. Gibt es ein Backup? Welchen Datums?

Der leere Bürostuhl im beleuchteten Fenster

Der leere Bürostuhl im beleuchteten Fenster

Johannes Tosin
(Text und Bild)

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 20031

Sedierung

Kleiner weißer Halbmond
lädt mich ein,
Die Tür geht auf
synthetische Ruhe,
Wände verschwimmen
durch das Glas
blicke ich ruhig auf die Außenwelt,
Hier spricht keiner
Weiße Nächte blicken herab
Stunden ziehen vorbei
bis das Glas zerbricht

Florian Pfeffer

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht| Inventarnummer: 19121

Unschärfe

Die Welt erklärt sich mir in mehr oder weniger großen farbigen Flecken.
Der Himmel als zentrales Element, eine blassblaue, unregelmäßig runde große Fläche im Zentrum, mit weißen Schlieren; beim Blick von unten flankiert von bewegten Arealen in verschiedenen Grüntönen.

Ich rühre mich nicht vom Fleck. In der Abendsonne hab ich mich so weit weggedöst. Mein Umfeld sieht aus wie eine Landschaft von Paula Modersohn-Becker.

Ein Blick zur Seite, und es fügt sich eine Kombination aus anderen Farbfeldern zu einem neuen expressionistischen Bild: Es bewegt sich stärker und öfter als das vorige Motiv über mir. Kleine und größere Figuren, bunte Farbpatzer und -kleckse und immer wieder Grün dazwischen. Im Hintergrund ein waberndes fernes reizvolles kühles Blau. Ich richte mich kurzzeitig ein bisschen auf: eine geometrische Tiefebene in Blau, weiße Lichtspritzer auf der Oberfläche.

Ich komme nicht vom Fleck. Eigentlich wollte ich lesen, doch kann ich kaum die Augen offenhalten. Das macht nichts, denn da sind noch die Lautmalereien, mehr oder weniger vernehmliche Geräusche. Spitzes Kindergekreische und weiches Plätschern, Gesprächsfetzen.

Einen blauen Fleck riskieren. Freiwilliger Konturverzicht, ein Wagnis? Ich kann meinen Mut gar nicht hoch genug einschätzen! Versuche halbherzig, mich wachzudenken, doch bleibe ich matt und müde. Ich grinse kraftlos in mich hinein und verweigere träge der Welt meine Aufmerksamkeit; einen Fleck auf der weißen Weste haben.

„Bitte beachten Sie: Das Strandbad wird in fünfzehn Minuten geschlossen.“

Allmählich sollte ich doch die Badesachen zusammenpacken und vor allem endlich meine Brille wieder aufsetzen. Vom Fleck weg. Sozusagen.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 19093