So ein Theater

Das Licht geht aus, und es wird still, es öffnet sich der Vorhang sachte.
Ein Geist erscheint, ein kleiner dicker, das Publikum, das lachte.
Der Mann im dritten Rang rutscht unruhig hin und her.
Der Abstand ist zum Vordersitz zu eng, da wird es schwer.

Vom Studium kehrt Hamlet unbeschwert zurück nach Haus.
Des Vaters Geist enthüllt, dass Bruder Claudius ihn ermordet hätt’, oh Graus!
Der Unhold wollt’ Gertruden gar zu Frau, und seinen Thron!
Wegen der Enge schmerzt das Knie jetzt teuflisch schon.

Nun also fordert Papas Geist den Sohn auf, diesen Mord zu rächen.
Doch Hamlet selbst verbirgt sich hinter seinen Schwächen.
Konfliktbeladen zögert er, die Rache zu vollziehen.
Der Mann im Publikum kämpft zusehends mit Schmerzen in den Knien.

Irrtümlich tötet Hamlet Ophelias Vater, den Polonius.
Ophelia wird irr, nimmt sich das Leben und macht Schluss.
Der Onkel Claudius verbirgt gekonnt stets seine Schuld.
Der Mann im Publikum verliert schon die Geduld.

Jetzt woll’n sie Hamlet gar nach England schicken,
doch dieser Plan, ihn dort zu töten, soll nicht glücken.
Stattdessen trinkt Mama Gertrude gift’gen Wein.
Am miesen Sitzplatz schläft das Bein des armen Mannes schließlich ein. 

Zu allem Übel müssen Hamlet und Laertes auch noch fechten,
doch Claudius reicht Giftschwerter anstatt der echten.
Die beiden Kontrahenden sterben an den Folgen dieser Klingen.
Der Typ im dritten Rang muss sich zum Zuhör’n zwingen.

Doch ehe Hamlet stirbt, macht er noch rasch den Claudius kalt
und bittet seinen Freund, der einzige der überlebt, Horatio halt,
erzähl doch, weil’s sonst keiner glaubt, du unsere Geschichte.
Das macht die Illusion von Schmerzfreiheit im Rang zunichte.

Der König Fortinbras fasst die Gelegenheit beim Schopf
und er ergreift die Macht. Die Hauptfiguren kostet es den Kopf.
Das Reich, das fällt ihm zu, ganz leicht und ohne Kampf.
Der Mann im Publikum, der kriegt im Wadl einen Krampf.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau’n | Inventarnummer: 25155




November

Der November ist kalt und grau
Seine Tage sind kurz, seine Nächte sind rau
Die bunten Blätter fallen von den Bäumen
Es ist eine Zeit zum Träumen
Starke Winde wehen, der Himmel weint
Die Sonne nur mehr selten scheint

Doch in seiner Stille breitet sich Ruhe aus
Wir finden Trost in unserem eigenen Haus
In seiner Dunkelheit finden wir Licht
In seinem Ende ist der Winter in Sicht

November, auch wenn du garstig und ruppig scheinst
Ist es doch so, dass du viele Gefühle vereinst
Du bist ein Monat der Ruhe und der inneren Einkehr
Schön, dass es dich gibt – wir danken dir sehr

Copyright: Wilfried Ledolter

Copyright: Wilfried Ledolter

Wilfried Ledolter

www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 25221




Bisher auf verdichtet.at zu finden:




Archiv 2024




Archiv Oktober 2025

25.10.25: Wilfried Ledolter: Vor der Kondi
25.10.25: Bernd Watzka: Das große Mahl
25.10.25: Michael Timoschek: Ein letztes Mahl
25.10.25: Norbert Johannes Prenner: Idole
25.10.25: Johannes Tosin: Das Blatt des Ahorns
19.10.25: Claudia Dvoracek-Iby: Schneefall
19.10.25: Bernd Watzka: Die Hummel oder das Geheimnis des Lebens
19.10.25: Norbert Johannes Prenner: Neid
19.10.25: Johannes Tosin: Marmot Dumpling Two
12.10.25: Cornelia Hell: Großstadtepisode
12.10.25: Norbert Johannes Prenner: Platz da
12.10.25: Bernd Watzka: Kaulquappe und Barsch
12.10.25: Johannes Tosin: Der kleine Mann
5.10.25: Claudia Lüer: Atempause
5.10.25: Norbert Johannes Prenner: Vocal-Bashing
5.10.25: Bernd Watzka: Der Ohrenschlüpfer
5.10.25: Johannes Tosin: Der schöne Traum, der Austausch und der Schmerzensmann




Vor der Kondi

Es streuselt der Kuchen
Es sachert der Würfel
Es punscht der Krapfen
Es mohnt der Strudel
Es gugelt der Hupf
Es schaumt die Rolle
Es vanillen die Kipferl
Es hafern die Kekse
Es topft die Golatsche
Es kärntnert der Reindling
Es geburtstagt die Torte
Mit Wasser im Mund stehe ich unentschlossen vor der Pforte

Wilfried Ledolter

www.verdichtet.at | Kategorie: Lesebissen | Inventarnummer: 25222




Ein letztes Mahl

Was auch immer sich im kleinen steirischen Dorf Gratwein zutrug – Melitta Knehs wusste davon.
Sie war siebenundfünfzig Jahre alt, glücklich und vermögend verwitwet und widmete ihre Zeit ihrer Spitzhündin namens Ella und den Dingen, die im Ort vor sich gingen.
Melitta hatte sich als große Aufdeckerin einen Namen in Gratwein gemacht, zumindest sah sie das so. Die übrigen Einwohner des Dorfes, etwa dreitausend an der Zahl, sahen die Sache anders: Für sie war diese Frau einfach eine Plage, der man aber besser nichts entgegensetzte, aus wirtschaftlichen Gründen.

Ihr vor Jahren verstorbener Mann, Oswald Knehs, war der Besitzer des größten Sägewerkes im Ort. Außerdem hatten ihm ein Gasthaus, ein Lebensmittelgeschäft und das örtliche Bordell gehört.
Er war dem Trunk nicht abgeneigt, und oft kam es zu unschönen Szenen im Hause Knehs, wenn Oswald nach ausgiebigen Touren durch seine beiden Gastronomiebetriebe auf allen Vieren in das eheliche Schlafzimmer zu schleichen versuchte.
Eines Tages ging im Dorf die Meldung vom plötzlichen Tod des vermögenden Mannes um. Es wurde hinter vorgehaltener Hand getuschelt, doch wagte niemand öffentlich darüber zu sprechen, zu groß war die Furcht, als Urheber einer Falschmeldung zu gelten. Darüber hinaus hatte sich Melitta Knehs nicht zu dem Vorfall geäußert. Sie schwieg eisern und machte nicht den Eindruck, über den Verlust des Mannes traurig zu sein, der ihr Treue bis in den Tod versprochen sowie angetrunken ein von ihr abgefasstes Testament unterfertigt hatte.

Einer der drei Gratweiner Polizeibeamten gab in bierseliger Runde am Tresen eines Gasthauses Details zum Besten: Melitta hatte ihren Gatten auf die Jagd begleitet, was ungewöhnlich für sie war, denn sie verabscheute das Töten von Lebewesen. Sie musste ihren Mann mit einem Rehbock oder einem großen Eber verwechselt haben, jedenfalls war der Mann tot.
Die an der Theke stehenden Gratweiner Trinker bedrängten den Polizisten, Details preiszugeben. Nachdem dieser zwei weitere Gläser Schnaps geleert und seine Dienstwaffe sicher auf einem Garderobenhaken verstaut hatte, fuhr er fort.
Beide hatten einläufige Schrotflinten dabeigehabt, doch seltsamerweise war Oswald mit zwei Wunden auf der Brust und einem Tannenzweig im Mund aufgefunden worden.
Plötzlich wurde es still im Gasthaus.
Selbstmord schied aus, also stand die Annahme im Raum, dass es sich um einen tragischen Jagdunfall gehandelt haben musste, so stellte es der Polizist dar.
Als einer der Gäste die Tatsache, dass zweimal aus einer einläufigen Flinte auf Oswald Knehs geschossen worden war, erwähnte, und ein weiterer Gast den Tannenzweig im Mund des Verblichenen anführte und vom Ritual der letzten Äsung sprach, da nahm der Ordnungshüter Haltung an, seine Waffe von der Garderobe ab und begab sich in die Mittagssonne, die jeden konsumierten Schnaps unbarmherzig bestraft.

Die Umstände des Todes von Oswald machten bald die Runde im Dorf, doch Melitta schwieg. Sie ordnete ihre Angelegenheiten, verkaufte erst das Sägewerk und dann das Gasthaus. Der Verkauf des Freudenhauses gestaltete sich einigermaßen schwierig, doch schließlich einigte sie sich mit der Frau, die sich in diesem Betrieb vom ersten Stock an die Bar im Erdgeschoss hochgearbeitet hatte. Dass diese Frau bei der Beerdigung ihres Chefs am lautesten geweint hatte, wurde in Gratwein als erfrischendes Detail in der ansonsten dunklen Causa gerne angenommen und eifrig weiterverbreitet.
Melitta schwieg, bis ihre Unschuld vom Grazer Gericht festgestellt wurde. Der Aufsichtsjäger aus dem Nachbarort Gratkorn war als Gutachter hinzugezogen worden und hatte festgestellt, dass Oswald Knehs seine Waffe ohne weiteres gegen die eigene Brust hätte richten können. Melitta wäre wahrscheinlich zu ihrem Mann geeilt und hätte die Flinte dabei verloren oder weggeworfen, und ein mit den Eckzähnen geschickter Eber hätte durchaus den Abzug betätigen können.
Der Richter starrte den Gutachter erst ungläubig an, dann blickte er liebevoll auf seine Armbanduhr, die rotgolden und neu in der Sonne glänzte, woraufhin er den Wildschweinen in Gratweins Wäldern erhöhte Gefährlichkeit attestierte und Melitta freisprach.

Diese machte sich sogleich daran, sich all der Dinge, die sich in Gratwein zugetragen hatten und um die sie sich aufgrund einer kurzzeitigen Liaison mit dem Gratkorner Aufsichtsjäger nicht hatte kümmern können, anzunehmen.
Da sie jedoch bald bemerkte, dass die Menschen, die sie auf der Straße ansprach, ihr mit einer Mischung aus Furcht und Abscheu begegneten, verlegte sie sich darauf, ihre Kommentare und Vermutungen über das Internet unter die Leute zu bringen.
Das ging naturgemäß schneller als die Belästigung von Menschen, zumal sie bei dieser nicht mit der Tür ins Haus fallen konnte, sondern erst ein Gespräch beginnen musste, dem sie den Anschein von Harmlosigkeit verlieh, um ihr Gegenüber nicht zu verschrecken und in die Flucht zu schlagen.
Ihre gewonnene Zeit investierte sie in Spaziergänge mit ihrer Spitzin Ella und dem Lernen für die Jagdprüfung. Sie hatte nämlich Gefallen an der Jagd gefunden, an den vielen Möglichkeiten, mit mehr als nur leeren Händen aus dem Wald zu kommen. Sie bestand die Prüfung mit Bravour, und auch beim Schießtest zeigte sie eine gute Leistung, obwohl sie zuvor laut eigenen Angaben erst ein einziges Mal  eine Waffe abgefeuert hatte.

Im sozialen Netzwerk, in dem sie ihre Meinungen, Ansichten und Unterstellungen verbreitete, befreundete sie sich virtuell auch mit Menschen, die nicht in Gratwein oder einem der umliegenden Dörfer wohnten. Sie geizte auch nicht mit Informationen über ihren sehr gehobenen Lebensstandard und lud auch etliche Fotos ihrer Villa hoch, die von einem parkähnlichen Grundstück eingesäumt war.
Sie erhielt etliche Nachrichten von Männern ihres Alters, doch beantwortete sie keine einzige, denn sie sah sich nunmehr als Solitär, wie der in Weißgold gefasste Brillant an ihrem Finger.
Dennoch war sie nicht einsam, denn sie hatte eine Haushälterin eingestellt. Sie hatte immer eine Haushaltshilfe haben wollen, doch die Furcht, dass ihr Mann sich dieser hätte körperlich nähern können, hatte sie darauf verzichten lassen.

Eines Tages läutete es am Eingangstor des Grundstückes, und da die Haushälterin gerade einkaufen war, öffnete Melitta das Tor und wies die Person, die draußen stand, an, zur Villa zu kommen.
Sie öffnete deren Türe und erstarrte. Vor ihr stand ein Mann von, wie sie schätzte, dreißig Jahren und bat sie um Geld. Sie wies ihn brüsk ab, doch der Mann, der sich als Clemens vorstellte, ließ sich nicht abwimmeln. Eloquent setzte er die inzwischen im Gesicht rot angelaufene Melitta Knehs davon in Kenntnis, dass er sehr wohl für das Geld arbeiten wollte. Den Rasen wollte er mähen, die Bäume und Sträucher in Form halten und den Gemüsegarten pflegen. Die Wörter, die er verwendete, ließen Melitta annehmen, dass es sich um einen Mann von höherem, wenn nicht gar hohem Bildungsgrad handelte.
Mit einer knappen Handbewegung gab sie Clemens zu verstehen, dass er ihr in ihre Bibliothek folgen sollte.
Sie tranken alten Cognac und unterhielten sich über das Anliegen des Mannes.
Da der Mann keine Bleibe hatte, gab die Hausherrin Anweisung, die am Rande des Grundstückes gelegene Jagdhütte des verblichenen Oswald Knehs so herzurichten, dass sie Clemens als Unterkunft genügen würde.
Da sich in der Hütte auch ein Raum befand, in welchem das erlegte Wild zerlegt wurde, gab es Wasser, einen Schlauch, mit dem er sich duschen konnte, und sogar über einen Abort verfügte sein neues Heim.

Clemens verrichtete die ihm aufgetragenen Arbeiten schnell und gründlich, sodass Melitta sehr zufrieden war und ihm jedes Monat eine kleine Prämie zukommen ließ. Er rauchte nicht, trank wenig und seine Freizeit verbrachte er damit, in schwarze Notizhefte zu schreiben. Jeden Sonntag durfte er in die Villa kommen, um sein Mittagsmahl einzunehmen.
Melitta genoss die Gespräche mit Clemens, der belesen war und über Malerei Bescheid wusste, so sehr, dass sie ihn an jedem Sonntag ein klein wenig mehr ins Herz schloss.
Melitta wollte unbedingt wissen, was Clemens in seine Notizbücher schrieb. Heimlich suchte sie nach diesen, doch hatte er sie so gut versteckt, dass sie neugierig bleiben musste.
Mit der Haushälterin verstand sich Clemens gut, und bald fragte diese Melitta, ob er nicht in eines der Gästezimmer übersiedeln könnte. Diese war außer sich vor Wut und beschied ihrer Angestellten in deutlichen Worten, dass in ihrer Villa niemals jemand einziehen würde, der nicht von ihrem Stand wäre. Die Haushälterin bat um Verzeihung, sie würde niemals wieder darauf zu sprechen kommen.

Dann fand Melitta die Notizbücher und las sie. Mit zitternden Händen legte sie sie in das Versteck zurück. Sie enthielten die Lebensgeschichte eines jungen Mannes, dessen Vater ihn verleugnet, aber dennoch großzügig unterstützt hatte. Seine Mutter hatte ihn alleine großgezogen, und als sie eine Stelle als Haushälterin bei der Witwe von Clemens Vater antrat, vereinten sich ihre Wege aufs Neue. Um seinen Vater rächen zu können, so schrieb Clemens, musste er Oswald Knehs Witwe aus dem Weg räumen.
Melitta eilte in die Bibliothek, wo der Waffenschrank stand, doch dieser war geöffnet und zwei einläufige Schrotflinten waren entnommen worden.
Sie wollte aus der Villa laufen, doch Clemens und seine Mutter versperrten ihr den Weg. Sie zwangen Melitta, mit ihnen in den Wald zu fahren, die Flinten nahmen sie mit.
Bevor sie zu der Stelle gelangten, an der Oswald Knehs sein Leben verloren hatte, brach Clemens einen Tannenzweig vom Baum und schob ihn Melitta in den Mund. Als letzte Äsung.

Michael Timoschek

www.verdichtet.at | Kategorie: drah di ned um |Inventarnummer: 25220




Ein guter Freund

Wo sind denn bloß, eh ich beginn, alle meine Freunde hin?
Mit denen ich gescherzt, gelacht, ins Leben eingetaucht?
Jetzt merke ich, ja, immer öfter, dass ich alleine bin,
da frag ich mich, hab ich sie wirklich alle schon verbraucht?

Gute Freunde braucht ein jeder, ein guter Freund ist für dich da.
So einer, dem ich fast alles sagen und auf den ich mich verlassen kann.
Einer, den du fast immer fragen kannst, verlässt dich das Geschick. Sag ja,
ich brauch dich jetzt, was soll ich tun? Was fang ich ohne dich bloß an?

Aber, wer weiß schon, ob ein guter Freund immer das Beste für dich will?
Doch immerhin, der meckert nicht an dir herum und nimmt dich, wie du bist.
Und wenn du etwas von ihm brauchst, gibt er dir das Gefühl,
dass er es mit dir ehrlich meint und ihm weg’n dir nichts wirklich lästig ist.

Ein guter Freund, der hört dir zu und gibt dir einen Rat, wenn er es kann.
Vielleicht verzeiht er dir, wenn einmal etwas nicht in Ordnung war.
Und wenn man später drüber spricht, war’s nicht korrekt, was da begann,
dann lacht er drüber und er sagt, mach dir nichts draus, ist alles wieder klar.

So manche Freundschaft braucht’s , das Sich-oft-auf-die-Probe-Stellen,
denn schließlich darf ein jeder eine and’re Meinung haben.
Wenn sie das aushält, ist es auch hart in manchen Fällen,
und sie besteht, dann halt sie fest, dann gibt es keinen Grund mehr, zu verzagen.

Hält eine Freundschaft dir, genauso stark wie diese, musst du sie pflegen, so gut es eben geht.
Ohne dein Zutun wächst beinahe nichts nur so von ganz allein.
Denn sie gedeiht und blüht von eurer Ehrlichkeit und nicht zuletzt eurer Loyalität.
Begleitet sie dich, durch gute und durch schwere Zeiten, halte sie fest, dann ist sie dein.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25219




Schneefall

Um Punkt sechs Uhr morgens stehe ich auf. Auch diese Nacht habe ich allein auf der Couch im Wohnzimmer verbracht, und auch diese Nacht hat mich die Sorge um dich kaum schlafen lassen.

Bedrückt registriere ich das unter der geschlossenen Schlafzimmertür durchschimmernde Licht, als ich leise daran vorbei Richtung Küche gehe. Dass du neuerlich nachts das Licht eingeschaltet lässt, ist ein weiteres alarmierendes Zeichen für mich. Unweigerlich muss ich an meine Mutter denken, die ebenfalls eine Zeitlang nur bei Licht schlafen konnte. Auf mich, den damals Siebenjährigen, wirkte das irritierend, ja, bedrohlich: Erwachsene sollten keine Angst im Dunkeln haben.

Ich verzichte auf ein Frühstück, öffne die Balkontür, gehe hinaus, um draußen zu rauchen. Aufseufzend lasse ich mich in den Schaukelstuhl sinken, wickle eine Decke um mich, suche, während ich mir eine Zigarette anzünde, nach etwas Blau am Himmel, vergeblich; suche ebenso vergeblich nach etwas Leichtigkeit in mir selbst. Es gibt kein Entrinnen. Die Welt draußen spiegelt offensichtlich meine Innenwelt. Bedrückendes Grau beherrscht das Außen und lastet schwer in meinem Inneren. Dabei will ich doch vor allem jetzt, in deinem Zustand, heiter, voll Zuversicht, will der berühmte Fels in der Brandung sein.

Ich dämpfe die Zigarette aus, hole tief Atem – und atme plötzlich Schneeluft. Ja, es riecht eindeutig nach Schnee. Verwundert schüttle ich den Kopf. Ich muss mich täuschen, schließlich ist doch erst Ende September. Doch da – es beginnt tatsächlich leicht zu schneien. Aus dieser dunklen Wolkendecke so völlig überraschend zartes Weiß fallen zu sehen, wirkt sich seltsam tröstend auf mich aus. Zuversicht beginnt sich in mir auszubreiten, je länger ich die tanzenden Flocken betrachte.

Es scheint mir inzwischen unmöglich, den Blick von dem weißen Schauspiel vor mir zu wenden, unmöglich, aufzustehen, unmöglich, ins Büro zu fahren, so wie gestern mit dir vereinbart, eigentlich vehement von dir gefordert.

„Ich ertrage es nicht, dass du die ganze Zeit an mir klebst, Oskar“, hast du mich plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, beim Abendessen angefahren. „Keine Sekunde lässt du mich allein, obwohl es dazu überhaupt keinen Grund gibt. Ich bin schwanger und nicht krank, also bitte, bitte, geh ab morgen wieder arbeiten!“

Deine Stimme ist immer schriller, immer unangenehmer, jedes deiner Worte zu schmerzhaften Stichen in meinem Gehörgang geworden, wimmernd habe ich mir schließlich die Ohren zuhalten müssen, habe dich angefleht: „Bitte, Anna, ich bitte dich, schrei doch nicht so.“

Doch du bist umso lauter geworden, hast gebrüllt, was das nun wieder solle, die Lautstärke deiner Stimme sei doch dieselbe wie immer, du hast dich hineingesteigert, wie so oft in letzter Zeit, hast das Besteck auf den Tisch geknallt, bist aufgesprungen, hast geschrien, dass das nicht mehr so weitergehe, du willst normal mit mir reden können und nicht flüstern müssen, dass die Kommunikation zwischen uns generell nicht mehr funktioniere, dass meine Harmoniesucht völlig überzeichnet und abnormal sei, ich sämtlichen, auch völlig harmlosen Auseinandersetzungen panisch ausweiche, vor jeder noch so kleinen Reibung flüchte, dass du – ja, dass du meine Art nicht mehr erträgst, meine übertriebene Fürsorge, meine unerträgliche Sanftheit, meine ständige stille Anwesenheit – und dann, als ich dich beruhigen wollte: „Anna, bitte, reg dich doch nicht so auf, denke an unser Baby“, hast du sogar vor Wut ein paar Bücher aus einem Regal gerissen und zu Boden geschleudert.

Wieder fällt mir die Parallele zu meiner Mutter auf, denke an deren Gereiztheit und Unberechenbarkeit. Manchmal, wenn das Nachbarskind zu Besuch war und wir in meinem Zimmer spielten, hat sie uns lächelnd Saft und Kuchen gebracht, war herzlich und fröhlich, doch nur Minuten später hat sie die Tür aufgerissen und uns böse angebrüllt, dass wir gefälligst leiser sein sollen, sie halte diesen Lärm nicht aus. Und wie oft, wenn ich ihr irgendetwas erzählen wollte, hat sie mich hysterisch angeschrien: „Sprich mich jetzt ja nicht an, Oskar! Lass mich in Ruhe, geh weg von mir, ich will allein sein“, um sich dann kurz darauf weinend bei mir zu entschuldigen.

Mir ist kalt, ich wickle die Decke enger um mich, denke wieder an dich, an den schönen Beginn unserer Beziehung, und daran, dass du dich doch gerade wegen meiner ruhigen Art, die dir nun so missfällt, in mich verliebt hast. Endlich jemand, der nicht ständig diskutieren und recht haben muss, hast du damals gesagt, endlich jemand, der zuhören kann. Noch vor wenigen Monaten verliefen unsere Tage harmonisch – nie hast du Streit mit mir gesucht, im Gegensatz zu jetzt.  Wie sehr du dich doch verändert hast, speziell in den letzten Wochen. Wieder steigt heiß Sorge um dich in mir auf, und ich fasse den Entschluss, mich weiterhin im Büro krankzumelden, bei dir zuhause zu bleiben, auf dich achtzugeben, auch wenn du das nicht möchtest. Auf keinen Fall werde ich dich alleinlassen. Der Fehler von damals wird sich nicht wiederholen.

Damals – da hatten die Eltern alles für eine Woche Winterurlaub vorbereitet, das Hotel war reserviert, die Koffer gepackt, doch dann, kurz vor der Abfahrt, hat die Mutter zum Vater gesagt: „Sei mir nicht böse, aber ich möchte zuhause bleiben. Ich bin müde, schrecklich müde, ich brauche Ruhe – brauche dringend ein paar Tage nur für mich. Bitte fahrt ohne mich, lasst es euch gutgehen in den Bergen, du und Oskar.“

Als der Vater gezögert hat, ist sie wie so oft wütend geworden: „Jetzt lasst mich doch endlich mal allein! Du und Oskar, ihr klebt ja die ganze Zeit über förmlich an mir. Und immer deine unnötige Sorge um mich, das macht mich fertig! Kapier doch endlich: Ich bin schwanger und nicht krank!“

„Stopp. Aus. Stopp“, sage ich jetzt halblaut, und die inneren Bilder der Vergangenheit verblassen und verschwinden folgsam, ich schließe die Augen, ziehe die Decke bis übers Kinn, schrecke auf, als du plötzlich mit wirrem Haar im Morgenmantel vor mir stehst. Offensichtlich bin ich trotz der Kälte eingenickt.

„Was ist mit dir, warum bist du nicht im Büro?“ Du klingst müde, abgekämpft.

„Ach, Anna – also, ich bleibe doch noch zwei, drei Tage zuhause. Ich gebe im Büro Bescheid, das ist kein Problem“, stottere ich, sehe, wie du deine Lippen zusammenpresst, die Stirn in Falten legst.

„Aber was sagst du zu diesem Wunder: Schneefall im September.“ Ich werfe die Decke von mir, stehe auf, strecke meine Hand über die blühenden Balkonpflanzen, um ein paar Flocken aufzufangen, sehe hinunter in den glitzernden Innenhof. „Der Schnee bleibt sogar liegen, schau!“

Du schaust nicht. Du starrst mich an, lange und sonderbar fassungslos, dann fauchst du: „Jetzt spinnst du also komplett!“

Du wendest dich ab, gehst hinein. Ich folge dir, doch du durchquerst schnell die Küche, gehst, die Tür vor mir zuknallend, ins Wohnzimmer. Deprimiert höre ich dich schimpfen: „… vollkommen übergeschnappt … wird immer ärger, redet von Schnee bei diesem schönen Wetter …“

Dann ist kurze Zeit Stille, und nun vernehme ich gedämpft deine veränderte, ruhige Stimme: „Hi, ich bin’s, Anna …“

Mehr verstehe ich nicht, offensichtlich bist du telefonierend weiter ins Nebenzimmer gegangen. Kurz darauf kommst du zurück, würdigst mich keines Blickes, während du eine Tasse aus dem Küchenschrank nimmst, den Wasserkocher einschaltest, dann Tee aufgießt und sagst: „Oskar, ich habe vorhin Mark angerufen. Wir haben Glück, ein Patient hat abgesagt, um zehn Uhr können wir zu ihm in die Praxis.“

Das kommt völlig unerwartet. Ich muss mich bemühen, meine Erleichterung nicht allzu offen zu zeigen. Ich habe dich unterschätzt: Es ist dir also sehr wohl bewusst, wie gefährdet du bist. Sicher hat es dich enorme Überwindung gekostet, Mark anzurufen, deinen Cousin, der ein paar Straßen von uns entfernt seine psychiatrische Praxis hat.

„Ich finde das großartig von dir“, sage ich und bemühe mich, meine Stimme fest und nicht allzu bewegt klingen zu lassen. „Ich meine, eben auch im Hinblick auf unser Baby.“

Du meidest meinen Blick, nippst nervös an deinem Tee, gehst unruhig hin und her.

„Ich ziehe mich dann mal an, wir sollten bald losgehen“, sagst du, verschwindest im Badezimmer. Während ich mich anziehe, nehme ich mir fest vor, dir eine Stütze zu sein, vor allem nichts zu tun oder zu sagen, was dich reizen könnte.

Als du jedoch kurze Zeit später im dünnen Kleid und Sommerschuhen vor mir stehst, kann ich mich nicht zurückhalten und sage so sanft wie möglich: „Entschuldige, Anna, ich will dich sicher nicht bevormunden, aber du hast doch nicht ernsthaft vor, bei diesem Wetter so gekleidet rauszugehen?“

Ich deute zum Balkonfenster, hinter dem es unentwegt schneit. Ich selbst habe mir dem Wintereinbruch angemessen Daunenjacke und Stiefel angezogen.

Deine grüne Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen. „Es ist September, es ist warm draußen, blauer Himmel, herrlichster Sonnenschein. Zieh du an, was du willst, Oskar, aber bitte, bitte, sag ja nichts Verrücktes mehr von Schnee, sag am besten gar nichts mehr, bis wir bei Mark sind!“

Du schnappst deine Tasche, öffnest die Wohnungstür. Ich bin versucht, dir zu widersprechen, greife nach meinem Smartphone, um wetter.com einzugeben und dir die frühwinterlichen Tatsachen, die du einfach leugnest, die du ins Gegenteil verkehrst, in digitaler Form zu präsentieren, denke dann aber an deinen Zustand, an das Baby, und sage nichts, binde mir einen Schal um und folge dir die Treppe hinunter.

Unten im Eingangsbereich wartest du, legst mir kurz deine Hand auf die Schulter.

„Ach, Oskar“, sagst du nun leise. „Ich möchte nicht ständig mit dir streiten, mir ist – mir ist einfach alles zu viel. Wir werden mit Mark reden, er wird uns hoffentlich helfen können. Gehen wir jetzt.“

Ich nicke dir betont aufmunternd zu und öffne die Haustür, was mir Mühe bereitet, denn ein starker Schneesturm wirft sich dagegen, und weht mir eiskalt ins Gesicht, als ich nach draußen trete. Ich blinzle, kann kaum die Augen offenhalten, teils wegen dem Sturm, teils wegen dem strahlenden Weiß, das die ganze Umgebung bedeckt und mich blendet. Du gehst vollkommen unbeeindruckt von all dem an mir vorbei, obwohl du beinahe bis zu den Knöcheln im Schnee versinkst, hältst deinen Kopf aufrecht wie immer, als ob du den eisigen Wind nicht spüren würdest, nicht das Nass, das er dir ins Gesicht, auf dein Haar, in deinen Nacken weht.

„Was ist denn? Nun komm doch!“, drehst du dich zu mir.

Ich schlinge den Schal enger um meinen Hals, stemme mich gegen den Sturm und stapfe zu dir. Der Schnee knirscht laut unter meinen Schuhen.

„Wahnsinn, nicht? Plötzlich Winterwetter!“, entschlüpft es mir. „Frierst du nicht, Anna? Soll ich dir eine Jacke holen?“ Angst um dich steigt in mir auf. Ich kann dich kaum ansehen in deinem dünnen Kleid, das nass an deinen Beinen klebt.

„Oskar, ich warne dich: kein Wort mehr übers Wetter! Mir ist warm, ich brauche keine Jacke“, ist deine böse Antwort, du drehst sich weg, gehst weiter.

Verzweifelt bemühe ich mich, mit dir Schritt zu halten. Ein Radfahrer fährt vorbei. Wie kann man nur zu diesen Bedingungen mit dem Rad unterwegs sein, in kurzen Hosen noch dazu?  Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich muss mich Schritt für Schritt vorwärtskämpfen, der Sturm lässt nicht nach, stellenweise ist es auch sehr rutschig. Unter der Schneedecke liegt anscheinend eine gefährlich glatte Eisschicht, sodass ich alle Mühe habe, das Gleichgewicht zu halten. Das Tröstliche, das der Schneefall am Morgen in mir ausgelöst hat, hat sich längst in Bedrohliches gewandelt. Wie gerne hätte ich dies einfach ausgesprochen. Früher hättest du mich verstanden, hättest meine Gedanken aufgegriffen und sie weitergesponnen, nun aber geht du ein paar Meter vor mir, gefühllos, eine Fremde, die weder Kälte und Nässe noch meine stetig wachsende Angst und Verzweiflung zu spüren scheint.

Als ich um die Ecke biege, passiert es. Ich rutsche aus, lande mit dem Gesicht voran unsanft im Schnee. Ich höre jemanden schreien, laut und anhaltend schreien. Ich halte mir die Ohren zu, presse mein Gesicht in den Schnee. Und jetzt steigt unaufhaltsam und eiskalt die Erinnerung in mir auf. Genauso wie ich jetzt daliege, der Länge nach, das Gesicht im Schnee, genauso ist meine Mutter gelegen, genauso haben mein Vater und ich damals die Mutter vorgefunden. Nach den Tagen in den Bergen das Heimkommen in ein verlassenes Haus, auf dem Küchentisch leere Tablettenschachteln, leere Schnapsflaschen. Hinterm Haus, im schneeweißen Garten, die Mutter – so ruhig, so still, so alleine – die Mutter, in einem viel zu dünnen Kleid regungslos auf einer Schneedecke liegend. Ich sehe vor mir, wie mein Vater sich über sie beugt, panisch immer wieder ihren Namen ruft, wie er hektisch ins Haus läuft, drinnen den Notruf wählt, sich gleich darauf wieder neben die Mutter in den Schnee kniet, laut schreit und weint, sehe mich starr und stumm daneben stehen und denken: ‚Nein, Papa, hör auf zu schreien, Mama möchte doch ihre Ruhe haben‘, sehe mich still auf meine Mutter schauen, auf den Schnee, der sanft zu fallen beginnt und mich seltsam tröstet, auch noch, als mich irgendjemand in die Arme nimmt und wegträgt …

Aber jetzt, jetzt –, registriere ich plötzlich, jetzt bin ich nicht still, jetzt schreie und weine ich, ähnlich wie damals Vater, verzweifelt und laut. Ja, derjenige, wegen dessen markerschütternden Schreien ich mir die Ohren zuhalten muss, bin ich selbst.

Von weit weg höre ich eine fremdklingende erschrockene Stimme: „Oskar! Oskar, sag mir, was ist mit dir? Komm, steh bitte auf, ich stütze dich. Hast du dir wehgetan?“

Du? Ja, du bist es. Anna. Ach, du weißt ja nicht, warum ich schreie und nicht damit aufhören kann, du kannst nicht wissen, dass mich durch meinen Sturz in den Schnee die Erinnerung soeben dermaßen überwältigt hat, dass ich schreien muss wie noch nie in meinem Leben, mich nicht unter Kontrolle habe. Nie habe dir davon erzählt, kein Wort von meiner toten Mutter im Schnee, nichts von ihren Depressionen, ihrer Schwangerschaft – nur dies: „Meine Mutter hatte einen Unfall als ich sieben Jahre alt war.“

Du hilfst mir auf, sagst nichts, als ich mir schließlich benommen den Schnee, den Schreck, die Erinnerung von der Kleidung klopfe, nimmst mich liebevoll stützend in den Arm, als wir langsam und schweigend weitergehen, jeder Schritt eine Qual für mich.

Zitternd nehme ich meinen nassen Schal ab, ziehe die schneeschwere Jacke aus, als wir endlich das Vorzimmer von Marks Praxis betreten. Du stehst neben mir, wischt dir mit einem Taschentuch die Nässe aus dem Gesicht, ich sehe dich an – aber nein, das ist kein Schnee, das sind Tränen, die du wegtupfst. Mark kommt uns entgegen. Hinter ihm dröhnen in unangenehmer Lautstärke Stimmen aus einem Radio, automatisch halte ich mir schützend die Ohren zu. Dennoch dringt eine fröhlich klingende Frauenstimme in meinen Gehörgang:

„Die Wetteraussichten: Es ist und bleibt ungewöhnlich mild heute, wolkenloser Himmel, Sonnenschein, bis zu 28 Grad.“

Claudia Dvoracek-Iby

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25218

 

 




Durch meinen Kopf

Ich streife durch meinen Kopf, und was sehe ich da?

Bäume, von denen ich nichts wusste, Blumen, von denen ich nicht wusste,
violettes Gras, von dem ich nichts wusste, rosaroter Weizen, von dem ich nichts wusste.

Ich bin der Wald, die Wiese und das Feld.
All das bin ich, ohne zuvor davon eine Ahnung gehabt zu haben.

Ich bin weit mehr, als ich stets dachte.

Der Blick von St. Johann im Rosental über das hohe violette Gras unter dem gelben Himmel und die Krähe im Flug am 17. Mai 2024

Der Blick von St. Johann im Rosental über das hohe violette Gras unter dem gelben Himmel und die Krähe im Flug am 17. Mai 2024

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 25217