Herlicek – Wärmefänger

Hitzewellen quälen die Stadt,
nicht nur Herlicek ist platt.
Dagegen muss man etwas tun,
Herlicek grübelt, kann nicht ruh’n.

Plötzlich geh’n ihm auf die Lichter –
er baut ein Gerät mit Trichter.
Man kurbelt rasch bei Sonnenschein,
dann saugt die Maschine Hitze ein.

Bald hat er drei Tonnen Hitze
in seinem Wärmefänger – spitze!
Er verkauft sie beim nächsten Frost
zum Kilopreis per Post.

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26200




Herlicek – Sommerregen

Hochsommer, der Asphalt wirft Blasen.
Nur Touristen auf den Straßen.
Herlicek ist auf seinen Wegen,
da erwischt ihn – Sommerregen.

So ein Guss ist zum Genießen!
Blümchen bringet er zum Sprießen.
Er sorgt für eine klare Luft
und grasig-wunderbaren Duft.

Er ist ein willkomm’ner Diener
für den ewig grantigen Wiener.
Denn es tut der Sommerregen
auch Touris von den Straßen fegen!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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Herlicek – Petri Heil Im Stadtpark

Es ist eigentlich sehr arg:
Herlicek angelt nachts im Park –
im Stadtpark, um genau zu sein.
Er wartet abends, bis er allein.

Er setzt sich ans Bassin, der Gute
und holt raus die Angelrute.
Hoffnungsvoll blickt er zum Teich;
man weiß, der ist an Fischen reich.

Schon beißt einer, die Angel zittert.
Herlicek einen Karpfen wittert!
Er reißt an, die Enten quaken –
ein großer Stöpsel hängt am Haken.

Dann gluckst und gurgelt es im Teich,
das Wasser, das rinnt ab sogleich
(wie daheim in der Badewanne).
Mein Gott, was für eine Panne!

Die Frösche sind zu Recht empört,
weil so was sich hier nicht gehört.
Herlicek sitzt vorm leeren Becken,
die Fische strampeln ums Verrecken.

Er sammelt sie auf und wirft sie rein
in den nahen Wienfluss, das ist fein.
Nur einen Fisch nimmt er mit nach Haus –
der wird sein hochverdienter Schmaus.

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26198




Das Meer

das Meer ist ein Symbol
…………………………………….für das Kommen und das Gehen
…………………………………….für das Überwinden weiter Entfernungen
…………………………………….für Unendlichkeit

es steht
für zu vieles
um eine Metapher zu werden
oder ein konkretes Symbol zu sein

wir Menschen brauchen Symbole Metaphern
wir brauchen das Meer
das Meer braucht uns nicht

das Meer verweigert sich
keiner Kreatur
…………………….. groß oder klein
…………………….. hässlich oder schön
…………………….. keinem Schiff
…………………….. keinem Müll
…………………….. keinem Menschen schwimmend in Not
…………………….. keinem Menschen ertrinkend in Gier

das Meer kann dich umarmen oder verschlingen
zu unterschiedlichen Zeiten
zur gleichen Zeit

…………… sprechen wir von ‚Umarmen‘ oder ‚Verschlingen‘
machen wir eine Metapher mit ‚Meer‘
das Meer ist keine Metapher
…………… weder ein Symbol für das Leben
…………… noch für den Tod
…………… das Meer ist ‚einfach nur‘
…………… das unvergleichliche
…………… unendlich scheinende
…………… alternativlose Meer

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: about | Inventarnummer:  26197




Zurück zu meinem ältesten Freund

Den ganzen Tag über
haben sie Mauern errichtet,
Fensterläden geschlossen,
um mich von dir fernzuhalten.
Die ganze Nacht über
haben sie mir Buffets vorgesetzt,
mich in Boutiquen und Bars geschleppt,
mich mit Partyspielen, Kino und Karaoke
zugedröhnt,
um dich mir vorzuenthalten,

bis der Barkeeper von „Ye Olde Ocean“,
dieser spanischen Bar für englische Touristen,
herausfindet, dass ich meine letzten Pesos
ausgegeben habe,
mich in die tiefschwarze Nacht hinauswirft,
was eine meiner frühesten Erinnerungen
aus dem Langzeitgedächtnis auftauchen lässt:
mein Kleinkind-Ich, mich an jedem
Sommerwochenende aufs Neue
mit dem großen, blauen Ozean anfreundend.

Endlich ziehe ich mir die Sandalen aus,
laufe vergnügt über den erst noch trockenen,
dann nassen Sand
schnurstracks hinein
in eine neue Berührung mit meinem
ältesten Freund, dem Ozean.

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer:  26196




Archiv Juli 2026

25.7.26: Antonia H.: Sommer
25.7.26: Manuela Johanna Holl: Gedanken auf Papier
25.7.26: Norbert Johannes Prenner: Ein Untag
25.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Dürre
25.7.26: Johannes Tosin: Schmetterling
25.7.26: Michael Bauer: Adina
25.7.26: Johannes Tosin: Das schwärzeste Schwarz
18.7.26: Bernd Remsing: Fußball-WM 26
18.7.26: Johannes Tosin: Ich warte auf die Sonne
18.7.26: Frank Joussen: Rehe im Weizenfeld
18.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Jedermann
18.7.26: Norbert Johannes Prenner: Musik
18.7.26: Antonia H.: Reisenotizen Pomo-Reservat
18.7.26: Johannes Tosin: Die sehr hohe Chance
11.7.26: Antonia H.: Reisenotizen New York
11.7.26: Johannes Tosin: Von woanders
11.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Wein-Experte
11.7.26: Johannes Tosin: Der Tod wartet nicht auf mich
11.7.26: Norbert Johannes Prenner: Big Apple
3.7.26: Bernd Remsing: Kuckuck
3.7.26: Norbert Johannes Prenner: Eukalyptus
3.7.26: Antonia H.: Reisenotizen Kalifornien
3.7.26: Dario Schrittweise: Die Himmelsreisen des Träumers
3.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Sommer-Sehnsucht
3.7.26: Johannes Tosin: Tirili
3.7.26: Johannes Tosin: Die honigsüße Sünde




Alleine mit dem Haubentaucher!

Unsere Katze Lady Strange wendet mir ihren Hintern zu. Sie hat bemerkt, dass meine Frau und unser Sohn Michael bald wegfahren werden, da die linke Hintertür ihres Jeeps offen steht und die beiden sich umgezogen haben. Jetzt bin ich gleich wieder alleine mit dem Haubentaucher!, denkt sie vermutlich.

Wenn ich etwas zu essen habe hingegen, bin ich ihr Lieblingsmensch. Er ist der Größte und der Stärkste der drei, denkt sie dann wahrscheinlich, deshalb hat er immer das beste Futter. Davon will ich auch etwas abhaben!

Egal, was ich gerade verzehre, Mortadella oder Leberkäse in einer Semmel, sogar ein Tortenstück, sie kommt ständig zu mir und will davon ihren Teil kriegen.

Schlag und Parmesan frisst sie besonders gern, da macht es keinen Unterschied für sie, wer dies gerade zu sich nimmt.

Die Katze Lady Strange auf dem Garagendach hinter Buchenblättern am 13. Juli 2026

Die Katze Lady Strange auf dem Garagendach hinter Buchenblättern am 13. Juli 2026

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 26191




Sommer

Wunderlich wird mir, wenn Schwalben ziepend jagen.
Mich überkommt dann die Sehnsucht aus Kindheitstagen,
im Blau des Himmels zu verschwinden
und nur mehr dort mich wiederfinden:
wo der Sommer niemals endet.

Zwar spiele ich, seit alt geworden, mit der Hitze Verstecken.
Noch nie entging ich, trotz Erfahrung, dem Entdecken
das ich mit salzig feuchter Haut bezahlt,
auch im dunklen Haus, im kühlen Wald.

Der Glut entgegne ich mit kalten Güssen,
Vergeblich. Gleich werd’ ich wieder schwitzen müssen.
Meinen größten Fächer schnapp ich dann,
treib träge Luft gegen Gedankenschmelze an
und schelte den Sonnenschirm, der zu Unzeiten resignierte.

Der Freiheit und der Muße zugewendet,
bitte einen Sommer, der nie endet!
Kühles Nass, wohl temperierte Reisen
voller Erlebnisse, die auf Neues weisen.
Alles nehm ich, was Leib wie Herzens Mitte weiter wärmt.

Im Herbst sind wir beide müde, brauchen unsre Ruh,
das Jahr und ich, denn: Frische Memoiren
sind ein wenig steif wie neue Schuh’,
bis sie eingegangen sind auf Alltags-Trottoiren.
Die Schwalben sind … stumm. Längst nach Afrika verzogen.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: an Tagen wie diesen … | Inventarnummer: 26188




neologisch

Ich sage dir, geliebte Daisy,
Sprache ist heut wirklich crazy.
Drum frag mich nicht, wie soll das geh’n,
denn du wirst zero mich versteh’n.

Zum Beispiel, checkst du?, steht am Ende,
ob du dieses rezipierst?
Und verzweifelt ringen Hände,
hoffend, dass du es kapierst!

Oidi!, löst bei dir ’nen Trigger,
hingegen, Oida steht für Mann.
Woanders sagt man, hallo, Diggah!,
im Norden, dort, beim Alleman.

Halt die Klappe, das ist komisch,
kürzt mit syban mancher ab.
Anglophil, sprachökonomisch.
Ist doch stimmig, kurz und knapp.

Geht einmal etwas daneben,
kann man hören, das ist tot!
Bedeutet langweilig und peinlich,
desolat oder marod.

Das Wort krass, ich sag nur uff!
Dieses Wort ist längst passé!
Heutzutage heißt das tuff,
Schon von gestern. Alter Schnee.

Baust du Mist, zeigst du die Schere,
and that means, ist deine Schuld.
Synonym leistet, das wäre,
so, wie hab mit mir Geduld!

Mit lowkey mahnt man, unauffällig!
Nur ein bisschen, nicht zu viel!
Damit meinen guys einhellig,
brems mal etwas dein Gefühl!

Ach, mit dieser Sonnenbrille
fühl ich mich wie Talahon.
Klingt aufs Erste nicht nur schrille,
und überdies, wer kennt das schon?

Hell no!, widerstrebt dir was,
entsetzt verziehst du dein Gesicht,
Simultan bedeutet das,
Hölle, nein!, das will ich nicht!

Yurr, fragt jemand, schon geseh’n?
Wird als Einleitung benutzt.
Knurr, sag ich, lass mich bloß geh’n.
Is’ kein Wunder, wenn du zuckst.

Das Wort des Jahres, das ist goofy,
albern, deppert oder blöd.
Vierzehn Nothelfer, die ruf i’!
Neologisch, das ist öd!

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 26190




Schmutzwäsche

Wärst du Wäsche, wärst du weiße,
aber du wärst Schmutzwäsche,
mein Lieber.
Du weißt, warum ich dich so bezeichne.

Ich dagegen wäre blütensaubere rote Wäsche,
ein feuerroter BH, ein glutrotes Höschen,
denn rot ist die Sünde.
Und die Sünde bin ich.

Das Rote-Unterwäsche-MARIE-JO-Mädchen am 21. September 2022

Das Rote-Unterwäsche-MARIE-JO-Mädchen am 21. September 2022

Johannes Tosin (Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: ü18 | Inventarnummer: 26189