Archiv Juni 2026

27.6.26: Norbert Johannes Prenner: nachtdanachschwer
27.6.26: Antonia H.: Reisenotizen Ausgangsbasis
27.6.26: Antonia H.: Reisenotizen Amerika
27.6.26: Johannes Tosin: Origami
27.6.26: Bernd Watzka: Herlicek – Italien daheim
27.6.26: Robert Müller: Der schlaue Feigling
27.6.26: Johannes Tosin: Der böse Traum
21.6.26: Norbert Johannes Prenner: Memento vivere
21.6.26: Robert Müller: Abschied von Wien
21.6.26: Johannes Tosin: Dein Ziel
21.6.26: Bernd Watzka: Herlicek – Urlaub im Süden
21.6.26: Johannes Tosin: Der junge Schafhirte
14.6.26: Claudia Dvoracek-Iby: Und immer ist nie
14.6.26: Norbert Johannes Prenner: Ohne Reue
14.6.26: Michael Bauer: 1972er Cortina
14.6.26: Bernd Watzka: Herlicek – Im Beisl
14.6.26: Johannes Tosin: Wanderer
14.6.26: Johannes Tosin: Sternenfahrer
7.6.26: Tom Schwericke: Schriftenmeer
7.6.26: Claudia Dvoracek-Iby: Besucher
7.6.26: Antonia H.: Denke? Danke!
7.6.26: Günther Androsch: Annäherung an Schnittkes St. Florian
7.6.26: Norbert Johannes Prenner: Unsicher
7.6.26: Johannes Tosin: Katze
7.6.26: Bernd Watzka: Herlicek – Nachts im Park
7.6.26: Johannes Tosin: Das Gottesurteil




Der schlaue Feigling

Es war ein schöner Ausflug nach Stoob im Burgenland. Durch das Dörfchen mit seinem Blumenschmuck und den schönen, eigenwillig ausgestalteten Häusern war angenehm zu flanieren, bis hinter einem halbhohen Drahtzaun ein kleiner Hund auftauchte, der den harmlos
vorbeigehenden Sebastian zähnefletschend verbellte und nebenher lief in der klaren Absicht, den unerwünschten Besucher auf ein Netzleiberl zu zerreißen, wenn nur dieser hinderliche Zaun nicht wäre.

Sebastian ging ruhig weiter, diese Handvoll Hund nicht einmal ignorierend, bis auf einmal – der Zaun weg war! Das elektrische Rolltor vor der Hauseinfahrt war offen – und da standen sich Sebastian und der vorhin noch so aggressive, nunmehr Schock-erstarrte kleine Köter unmittelbar gegenüber.

Nun hätte er sich ja auf Sebastian stürzen und ihn zerbeißen, zerreißen müssen – während Sebastian mitleidig hinuntersah und überlegte, dass bei einem tatsächlichen Angriff ein mittlerer Fußtritt die Situation bereinigt hätte. Bis der schlaue Hund einen Meter zurück hinter den Zaun lief und von dort wieder seine Drohung hinausbellte.
Aber nicht sehr überzeugend, denn sowohl Sebastian als auch der Hund wussten, dass es ein strategisches Rückzugsgefecht war.

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 26162




Reisenotizen New York

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]

„Wenn du es dort schaffst, schaffst du es überall“, wie Frank Sinatra singt, geht mir am Gluteus maximus vorbei. Mein Lieblings-New-York ist das eines Sonntagmorgens im August. Da wird es geradezu beschaulich und mystisch, weil die Luftfeuchtigkeit die Skyline gnädig in Nebel hüllt.

Ich schätze, Beton- und Glastürme sowie Wolkenkratzerschluchten zählen ebenso wenig zu meinem Biotop wie getriebene Menschenmassen zu meinem Habitat.

Der Central Park ist eine Betongusslandschaft, aber eine, die immerhin noch hübsch anzusehen ist.

Und so verbleibe ich mit dem Gedanken, dass es mir reicht, dass King Kong an der Spitze des Empire State Buildings war. Es ist ihm ja nicht gut bekommen, was hätte ich dann sonst Großes versäumt?

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26160




Reisenotizen Kalifornien

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]

Nein nicht das blonde, gewachste, niemals alternde, showmäßige, regen-lose mit einem Lächeln, bei dem dich ein makellos weißes Lattenzaungehege im Mund eventuell auch daran hindert, näher zu treten. Nein, das nördliche, ländliche Kalifornien, nördlich der Stadt San Francisco, von welcher aus Hippies dank Silikon und Informatik zu Hightech-Milliardären mutierten.

Dort liegt an einem See, der den schweizerisch-italienischen Binnengewässern an Form und Schönheit in nichts nachsteht (wohl aber mit seiner gastronomischen Infrastruktur weit abfällt) ein Städtchen, das so arm ist, dass man entlassenen Gefängnisinsassen freiwillig Bustickets bis dorthin bezahlt, damit sie nicht auf den dummen Gedanken kommen, ihr Strafregister um paar Einbrüche und Eigentumsdelikte zu erweitern.

Dank Waldbränden und Hochwasser hat es die Ortschaft sogar bis in die internationale Presse geschafft.

Typisch für Kalifornien? Nein, aber auch nicht selten. Gleich „nebenan“ befindet sich das sich mondän gebende Napa Valley.

—

Kalifornien gilt als ein sehr liberaler Staat. Im Land der Freiheit ist es das freieste Land. Jeder/jede darf völlig gesetzeskonform stinkreich werden, kiffen oder auch arm und staatlich weitgehend ignoriert sein Leben fristen. Es ist hier erlaubt, willkürlich mit einer Knarre herumzuballern, allerdings nicht, wenn man sich auf fahrbaren Untersätzen befindet. Dafür ist Sonnenschein sogar gesetzlich garantiert.

—

Ist nur mir aufgefallen, dass jegliche Art von Tektonik, sei sie sozial oder geologisch, so lange Furchen und Aufwerfungen hinterlässt, bis sogar die ganze vereinigte Nation so gespalten ist, dass es kein „Hinüber“, geschweige denn ein „Herüber“ mehr gibt? (Dieser Gedanke kam mir beim Anblick einer Erdbebenspalte, die sich innerhalb von zwei Jahren von einer Ackerfurche zu einem echten Graben von fünf Metern Tiefe und mehreren Kilometern Länge entwickelt hatte.)

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26159




Reisenotizen Amerika

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]

… hätte ich lieber ohne die meisten Menschen, die sich vornämlich nach einem Financier von Kolumbus’ Expeditionen, Amerigo Vespucci,  benennen. Doch würden diese sich Isabellaner nach der Sponsorin Isabella von Kastilien heißen, wäre das zwar feministisch, würde aber nichts an den für die Indigenen unfreundlichen Umständen der Landnahme ändern.

USA: US AGAIN.

Irgendwie ein halbgarer Eintopf, der ständig kurz vor dem Überkochen scheint. Aberwitze scheinen aus meiner Sicht tatsächlich so amerikanisch zu sein wie Amerikanern die Illusion ihrer Unbegrenztheit und ihr Unverständnis des „Kleingeistes“ alter Welten.

Kein Wunder, dass außenpolitisch immer wieder in fremde Suppentöpfe gespuckt wird.

—

Wer hält schon angesichts der Schönheit eines, sogar des eigenen Landes inne, wenn man es ausbeuten kann?

—

In Amerika fühle ich mich meistens vorübergehend freundlich wahrgenommen (dieses bei multiplen Begegnungen sogar im Stakkato) aber trotz Kenntnissen der Sprache und Kommunikationsgepflogenheiten selten wirklich verstanden.

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26158




Reisenotizen Ausgangsbasis

Ohne Standpunkt keine Perspektive. Als Abreisende (noch eingehüllt in Wohligkeit meines Herkunftslandes Österreich) verlasse ich meine Komfortzone und kann vorübergehend lieben Gewohnheiten entsagen, die sich so nur zu Hause pflegen lassen. Wobei die Wohligkeit weniger in der unhinterfragten Akzeptanz aller heimatlicher Mentalitäten besteht. Es gibt auch welche, mit denen ich mich nicht identifiziere. Das Wohlgefühl ziehe ich daraus, wohlbehalten und weitgehend unbeschadet aufgewachsen und gealtert sein zu dürfen.

Das Wegfahren allerdings fühlt sich wie ein Kaugummi an, den ich von den Schuhsohlen entfernen muss, weil mein Gemüt an der Gemütlichkeit des Verweilens haftet. „Angekommen“ erlöst mich von den Unwägbarkeiten des Unterwegsseins.

Ich verzichte vorübergehend bei Reisen sogar ohne größere Verlustängste auf meine Muttersprache, welche sich laut Christian Morgenstern zwischen „sich zusammenreißen“ und „sich gehenlassen“ bewegt. Es hilft mir durchaus, mich in einer (angeblich) nationalen Haltung verwurzelt zu wissen, die Extreme meidet (dass sie auch Anstrengungen meidet, wenn es drauf ankäme, ist eine andere Geschichte).

So gewappnet wage ich es, meine wirklich streng subjektiven Ansichten und Einsichten über andere Länder kundzutun.

 

Lesen Sie dazu:

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26157




Der schwarze Schatten

Gestern stand mein kürzlich verschiedener Schwager Gerald vor unserer Haustür, in seiner gegenwärtigen Existenzform als schwarzer Schatten. Er sprach nicht, wahrscheinlich weil er es nicht konnte. Als ich ihn mit meinen Augen zu fixieren versuchte, war er wieder verschwunden, ohne sich fortzubewegen. Er war einfach nicht mehr vorhanden.

Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. - Maria und das Jesuskind

Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. – Maria und das Jesuskind

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26152




Herlicek – Jedermann

Nach Salzburg fährt der Herlicek,
wo grad der Jedermann verreckt
Im Reisebus sind 30 Wiener,
mit dabei – Grüner Veltliner

Am Domplatz sitzt er, Reihe drei,
das Bühnengeschehn ist einerlei
Lieber ruft Herlicek (frank und frei):
„Gibt’s Spritzer hier? Und Wi-Fi?“

Als Jedermann dann abtreten soll,
lacht Herlicek: „Das find ich toll! –
ist wie bei „Stirb langsam“ – echt;
nur a bissl schneller wär net schlecht!“

Das Publikum ist irritiert,
Damen schauen ganz pikiert
Auch die Schauspieler kriegen’s mit –
Jedermann gerät aus dem Tritt

Dem Hochmair wird es zu bunt,
er will jetzt eine Ruh da unt‘,
Schreit, dass man’s hört im hintersten Eck:
„HER – LI – CEK!!!“

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
Informationen zu Live-Terminen, Buchbestellungen und Videos

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26156




Herlicek – Wein-Experte

Herlicek sucht neue Werte,
also wird er Wein-Experte
Die VHS bietet einen Kurs,
der macht klug und noch mehr Durst

Herlicek schreibt sich brav ein,
damit er kennt bald jeden Wein
und ihn vor Ort gründlich studiert
(Verkostungen sind inkludiert)

Vertraut mit all den Unterschieden
zwischen Lagen und den Rieden,
Jahrgang, Farbe und Geschmack,
wird er mit Wissen vollbepackt

Am End hat er gelernt fürs Leben,
was sich lohnt, weiterzugeben –
das Kriterium für Qualität:
Wein muss schmecken, früh bis spät

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
Informationen zu Live-Terminen, Buchbestellungen und Videos

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26155




Herlicek – Sommer-Sehnsucht

„Herrgott, was ist das für ein Sommer!“,
flucht Herlicek (er ist kein Frommer)
Regen, Wind und kühles Wetter –
da war Petrus schon mal netter!

Wie schön war früher dieses Schwitzen,
man konnte nur noch reglos sitzen
Brennend heiß war der Asphalt,
heut bleiben unsre Sohlen kalt

Statt Tropennächte über 20 Grad
erholsamer Schlaf, das ist schon fad
Wann werdet ihr unser Gemüt erhellen,
ihr guten, alten Hitzewellen!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
Informationen zu Live-Terminen, Buchbestellungen und Videos

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26154