Herlicek – Klima-Kleber auf der Baustelle

Schwer liegt er uns im Magen,
der österreichische Bodenfraß.
Herlicek kann’s nicht ertragen;
die Versiegelung ist ohne Maß!

Dagegen muss man tun, was man kann:
Herlicek ist ein Mann der Tat.
Es heißt, man fängt im Kleinen an –
wartet nicht auf Gesetze vom Staat.

Gemäß seinem stürmischen Wesen,
läuft er runter zur Großbaustelle;
will Betonierern die Leviten lesen –
er ist heut ein strenger Geselle.

Herlicek hört noch: „Hey, Sie da! Halt!“ –
doch er steckt schon im frischen Asphalt.
Jetzt gilt er gar als Klima-Kleber,
ihm läuft eine Laus über die Leber.

Mit einem Schlagbohrer müssen sie
den armen Herlicek am End befrei’n.
Er fühlt eine tiefe Lethargie,
geht nach Haus‘, lässt’s Protestieren sein!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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Woodplay

In diesem Fall stellt sich die Frage,
dauert etwas gar drei Tage,
ist es vom Hudson bis zur Elbe
oftmals nicht immer dasselbe.

Rockmusik ist manchen heilig,
und die Fans, die haben’s eilig,
folgen ihrer Lieblingsband
bis ans Ende dieser Welt.

Warum man ein Musikevent
der Dauer wegen bloß so nennt?
Nämlich so wie damals dieses
Woodstockfestival, so hieß es.

Welten trennten die Idee
voneinander, eh und je.
Blasmusiker klau’n den Namen
für ein Fest in diesem Rahmen.

Damals war das Ziel drei Tage,
Love and Peace, in ruhiger Lage.
Zwischen Hasch und Mescalin
hört man auf die Musik hin.

In Bethel borgte ein Milchbauer
dreihunderttausend Fans, genauer
Hippies wie auch Musikern,
sein Weidefeld dafür recht gern.

Trotz Dauerregens riss Joe Cocker
alle Teilnehmer vom Hocker.
Janis Joplin’s no more pain
folgten Tränen, love in vain.

Statt Tenorhorn bläst die Anna
vor sich Schwaden aus Marihuana.
Lässt man diese Szenen tauschen,
hörte von fern man dumpfes Rauschen,
trotz des überlauten Trubels
das Tröten des Klarinettenmugels.

Die US-Hymne spielte Hendrix
nach Santana, als Appendix.
In Hintertupfing zwischen Ästen
serviert der Wirt den werten Gästen
eine Halbe und ein Schnitz
am Baumkronenweg, kein Witz!

Und im Schlafsack, nah der Bühne,
liebt ein langhaariger Hüne
eine hübsche Hippiebraut,
nach dem Motto Twist and Shout.

In Hühnerzipfl intoniert
am Flügelhorn, hoch motiviert,
Liebe böhmisch, mit Elan,
der Seppl, weil er’s so gut kann.

Doch Pete Townshend von  The Who
gibt am Verzerrer keine Ruh.
In Tupf am Wald dort quiekt die nette
Klarinette der Anette.

Vielleicht ist ein Vergleich nicht gut
und macht bei allen böses Blut?
Könnt man Marathon nicht sagen?
Man müsste bloß die Bläser fragen.
Fragt sich, gibt’s da was zu schmollen,
bei Festen, die nicht enden wollen?

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

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Im Imperial War Museum, London

Auf der Galerie hoch über den berühmten Panzern, Raketen,
der Nachbildung der ersten Atombombe
wendet sich der junge Kriegsveteran ab
von den Glastüren zur Kunstgalerie
mit ihren Gemälden
…….von vergasten, verkrüppelten Soldaten,
…….von verwundeten, verhungerten Zivilisten,
…….von gewöhnlichen Menschen,
…….hingeschlachtet in sinnlosem Zorn
…….gewöhnlicher Menschen
und steuert seinen Rollstuhl
abrupt in Richtung „Behindertentoilette“.

Wie hoch:
…….die Kosten für die Kriege des britischen Empires?
…….die Kosten, um die Schmerzen dieses jungen Mannes zu lindern?
Wie gering:
…….unser Engagement, um alle Kriege zu beenden?

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26112




“Napalm Girl” mit Junge

für meinen Sohn Julian

Dad, Daad! schreit er,
seinen Kopf gegen meine Schulter gedrückt,
zittert er am ganzen Körper,
schlägt er mit seiner rechten Hand
auf meinen Rücken,
ohne Kraft, aber voller Empörung.
Wie konnten die Amerikaner das tun?
Wir stellen uns vor, genau dort zu stehen,
wo der Fotograf stand
und sein berühmtes Foto „Napalm Girl“
wirkt dreidimensional:
Das abgemagerte, nackte, verstümmelte Kind
rennt auf uns zu
und meine Tränen beginnen zu fließen,
für das weinende vietnamesische Mädchen,
für meinen weinenden deutschen Jungen.

Wir können, wir brauchen uns den Rest
der Ausstellung des Terrors nicht anzusehen.
Wir treten hinaus in den erbarmungslosen Sonnenschein,
um demütig auf den friedlichen Straßen Saigons
zu unserem Hotel im westlichen Stil zu gehen.

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26111




Die Vergänglichkeit

Das Seiende verschwindet auf leisen Sohlen ins Verblichene.
Das Zukünftige lauert heimlich und begierdevoll – überall.
Was es bringen wird, weiß keiner.
Ob gut, ob schlecht, ob mittelmäßig.
Es überrascht und überrennt uns unablässig.
Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens das Mittelmaß
Mit guten Spitzen uns besucht.
Und das Schlechte, wenn überhaupt, nur für kurze Augenblicke weilt.
Und danach sehr bald von dannen eilt.

Copyright: Wilfried Ledolter

Copyright: Wilfried Ledolter

Wilfried Ledolter

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Die Erinnerung an Gerald

Gerald war die reine Lebensfreude. Ich erinnere mich, wie er auf dem Bauernhof draußen stand, eine Zigarette rauchte und sagte: „Hach, was für ein schöner Tag!“, während die warme Frühlingssonne auf ihn schien. Er war so sorglos, so völlig unbekümmert, das war seine intuitive Strategie. Er war sehr schlau und erzählte gerne Witzchen. Alles nahm er wolkengleich leicht. Er selbst war sein Mittelpunkt, aber das ist doch bei jedem so, nicht?

Johannes Tosin

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26105




Wenn es im Kopf rumpelt

Draußen rumpeln gummiharte Räder über einen Gehsteig. Das Echo pocht an die Wirbelfortsätze meines Rückgrats. Meine Ohren langweilen sich, weil sie schon zu oft dieses Geräusch gehört haben: Ein Skater fährt über die karierte Topographie des Pflasters heim.

Ach übrigens:
Kann man einen hilfreichen Satz wie ein Pflaster über zerrissene Gedanken kleben?

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H. (Foto und Text)

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Alltagshelden

Die sind Helden, die durch Mut
bewiesen haben, sie war’n gut.
Wer aus der Masse sich erhoben,
den wollen wir besonders loben.

Ein Risiko ging mancher ein,
zu helfen, um ein Mensch zu sein.
Selbstlos steht des and’ren Wohl
über dem eig’nen, wenn es soll.

Die Tat, die nennt sich vorbildhaft,
die’s über das Normale schafft.
Doch nicht bloß der Kugel wegen,
Helden werden durch den Degen
oder auch durch Muskelkraft
zu dem, was sie sind, gemacht.

Der Mensch verleiht auf dieser Welt
solchem Tod den Status Held.
Aber was ist mit den vielen,
die krepieren an Gefühlen?
Die durch Schänden, Kränken, Denunzieren,
Ehrabschneiden, Attackieren
sterben, weil sie resignieren?

Jemand, der/die mit letzter Kraft
den Kampf gegen den Tod nicht schafft?
An den Folgen schwerer Krankheit
oder Schäden aus der Kindheit
Schmerzen leidet, nachts und tags?
Helden sind sie, des Alltags!

Man würdigt Alltagshelden nicht,
auf Sockeln nicht, nicht im Gedicht.
Und niemals wird ein Platz benannt
nach wem, dem/der das Herz verbrannt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

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Tagebuch Georg D. 13.3.2026

Liebes Tagebuch!

Jetzt ist mir schon wieder etwas passiert. Ich habe meinen Führerschein abgeben müssen, wegen einer Lappalie.

Ich war unterwegs und plötzlich habe ich Hunger bekommen. Also bin ich zu einem McDonald’s gefahren und habe mich hineingesetzt. Nach drei Cheeseburgern und einer Cola wollte ich weiterfahren, da habe ich bemerkt, dass ein Kindergeburtstag beim Schachtelwirt im Gange war.

Die Kinder waren lieb, die Mütter schön, und so habe ich mich dazuges(t)ellt. Es war auch wirklich sehr lustig. Als mich jedoch die kleine Maria, das Geburtstagskind, nach einem Geschenk gefragt hat, und ich nichts für sie hatte, war sie traurig. Ich war auch traurig und fragte sie, ob sie einen Cheeseburger wollte, doch sie lehnte ab.
Da kam mir eine gute Idee.
Ich fragte sie, ob sie eine Art Puzzle spielen wollte, und sie bejahte.

Also ging ich zu meinem Wagen, holte mein Jagdgewehr heraus, zerlegte es neben dem Auto und ging mit den Teilen wieder nach drinnen.
Die Kinder waren begeistert und versuchten, das Gewehr zusammenzubauen, und auch die Mütter blickten verzückt auf den schönen Lauf in meiner Hand.

Nach einer halben Stunde hatten die Kinder es geschafft, und ich applaudierte und verließ das Lokal.
Im Auto dachte ich an die Dinge, die mir in letzter Zeit widerfahren sind.

Dass der linxlinke Babler mich aus der Partei werfen hat lassen! Du liest schon richtig, liebes Tagebuch! Für den Babler ist mir jeder Buchstab zu viel!

Und dann dachte ich an die Sache mit dem Gewehr, das ich habe im Auto liegen lassen.

Plötzlich erschrak ich. Ich hatte mein Gewehr beim Mäci gelassen und wusste nicht, ob sich nicht vielleicht doch eine Patrone in der Kammer befand.
In einer Pannenbucht atmete ich tief durch und analysierte die Situation.

Gut, ein kleines Kind kann ein Gewehr nicht so ohne weiteres bedienen, doch vielleicht eine der Mütter oder eine Kellnerin vom McDonald’s.
Also beschloss ich, zurückzufahren und meine Waffe abzuholen.

Da ich Angst hatte, wegen der Büchse erneut in der Zeitung zu stehen, bin ich eben schnell gefahren.
So schnell, wie es mit einem Mercedes eben geht.

Meinen Porsche habe ich nämlich Nathalie Benko geborgt. Die Arme hat ja nichts mehr, und so soll sie wenigstens nicht mit einem Japaner von einer Adresse zur nächsten reisen müssen.
Ein wenig Dankbarkeit war natürlich auch dabei. Vor allem dem René Benko gegenüber.

Als ich quasi im Waffenverbot gesessen bin, hat er mich großherzig mit auf die Jagd genommen. Ich habe mir eine seiner Büchsen ausborgen dürfen, und mit der Holland & Holland habe ich tatsächlich einen schönen Hirsch erlegt.
Ich frage mich immer noch, warum so viele Leute gesagt haben, dass auf dem Foto mit der Trophäe nicht nur ein Hirsch zu sehen ist …

Auf jeden Fall bin ich schnell gefahren und wurde angehalten. Ein Polizist hat mich angehalten und meine Papiere kontrolliert. Ich glaube, er hat gewusst, wer ich bin, denn er hat meinen Kofferraum kontrolliert und das Handschuhfach auch.
Ich sag es dir, liebes Tagebuch, ich bin im wahrsten Sinne des Wortes auf einer glühenden Makarov gesessen. Ich glaube, eine nicht registrierte Pistole nennt man ja eine heiße Waffe.

Na ja, jedenfalls hat mich der Polizist weiterfahren lassen, als ich ihm gesagt habe, dass meine kleine Berta beim McDonald’s auf einem Kindergeburtstag ist und dringend abgeholt werden möchte.
Zum Glück gebe ich allen meinen Waffen niedliche Namen. Hätte ich Beretta gesagt, wäre der Mann sicher hellhörig geworden.

Nun habe ich keinen Führerschein mehr, doch das macht nichts. Wenn ich etwas zu erledigen habe, nehme ich einfach meinen neuen Taycan. Das ist ein E-Auto, also geht das zur Not auch ohne Führerschein.

So, liebes Tagebuch, nun muss ich aber weiter.

Ciao, dein Schurliburli

Michael Timoschek

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary |Inventarnummer: 26089