Fisch-Haiku
Magere Fische
ein aufeinander Hocken
Knochen an Knochen
Tim Tensfeld
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www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 26035
Wal-Haiku
Nordmeer mit dem Wal
zufälliges Begegnen
mit dem Reisenden
Tim Tensfeld
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www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 26034
Blüten-Haiku
Magerøya blüht
auf Fels wächst die blaue Pracht
bei nördlicher See
Tim Tensfeld
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Meeres-Haiku
Möwenkreisflüge
Meer schluckt und spuckt Muscheln fort
Dünengesichter
Tim Tensfeld
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www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 25242
Jahreswechsel
Höhen, Tiefen, die gewesen, misst der letzte Blick.
Alter Kummer bleib beim Alten, lass das neue Jahr in Ruh!
Krach erschallt, Musik ertönt, schau nicht mehr zurück.
Lachen wir uns an, nicht aus, prosten wir uns zu!
Umringt von Lieben ist am besten: Jetzt genießen!Worte, Taten, gute Saaten muss man zeitig säen,
sollen sie gedeihen und zur Erntereife sprießen.
Wünsche hat man schon gesehen,
welche übermütig über Horizonte wehen
Vogelschwärmen gleich, lassen sie sich säuselnd nieder.
Picken kleine, feine Keime, sprenkeln spröde Böden fruchtbar.Was verschwindet, was bleibt – was kehrt wieder?
Sorge? Immer kommt und vergeht: Was ist, was wird und war.
Antonia H.
www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 25134
Archiv Dezember 2025
28.12.25: Tim Tensfeld: Meeres-Haiku
28.12.25: Antonia H.: Jahreswechsel
28.12.25: Bernd Watzka: Das Glücksschwein
28.12.25: Norbert Johannes Prenner: Der Railjetsimulator
28.12.25: Johannes Tosin: Der Code der Farben
20.12.25: Frank Joussen: Das Wunder im Verborgenen
20.12.25: Norbert Johannes Prenner: Die stillste Zeit im Jahr
20.12.25: Michael Bauer: Der Junge will doch was essen
20.12.25: Bernd Watzka: Der böse Wolf in der Ambulanz
20.12.25: Johannes Tosin: Durch meinen Kopf
13.12.25: Claudia Dvoracek-Iby: Ich war einmal
13.12.25: Bernd Watzka: Hitchcocks Vögel
13.12.25: Claudia Lüer: Narbenherz
13.12.25: Norbert Johannes Prenner: Herbstgedicht
13.12.25: Johannes Tosin: Versuchskaninchen Herr Moser
7.12.25: Frank Joussen: Souvenirs in meinem alten Schulbuch
7.12.25: Norbert Johannes Prenner: Schifahr’n
7.12.25: Robert Müller: Der Fortschritt ins ewige Leben
7.12.25: Bernd Watzka: Das Ungeheuer von Loch Ness
7.12.25: Johannes Tosin: frühmorgens
Schüttler 2026
Ihre Schüttler sind herzlich willkommen: redaktion@verdichtet.at
Woche 5: Barflirt
Ich hoff, es trübt ihr schon den Blick,
wenn ich den Drink der Blonden schick.
(Christoph Kempter)
Woche 4: Spionage in der Hofburg
Der Präsident aß Semmelkren,
das wollten sie im Kreml seh’n.
(Christoph Kempter)
Woche 3: Musikgenuss
Karten checken, flink, boid!
Fürs Konzert von Pink Floyd!
(Carmen Rosina)
Woche 2: Die Daltons im Gefängnis
Hilft mir wer feilen,
muss ich nicht verweilen.
(Christoph Kempter)
Woche 1: Moff
Warum ich diesen Schund erwähn?
Ich find ihn einfach wunderschen.
(Christoph Kempter)
Der Railjetsimulator
Wenn ich nicht mehr Bahn fahr’n muss,
kann ich nicht mehr schreiben.
Nur in der Bahn, niemals im Bus!
Das muss in Zukunft auch so bleiben!Sobald ich erst im Abteil saß,
die Landschaft rasch vorüberzog,
schrieb ich, bis ich die Welt vergaß.
Gedanke um Gedanke flog.Jetzt bin ich frei, obschon,
wo soll und kann ich nunmehr schreiben?
Mehr oder wen’ger in Pension,
wie soll ich mir die Zeit vertreiben?Vom Schreibtisch aus, vor der Terrasse,
hab ich’s versucht, allein,
trotz Tabakspfeife, Tee in Tasse,
fiel mir beim besten Will’n nichts ein.Wenn ich, aus Mangel an Ideen,
gelangweilt aus dem Abteil blickte,
vorbei an Städten, Dörfern, Seen,
mir oftmals ein Gedanke glückte.Jetzt wird mir klar, so geht das nicht,
drum werd ich selbst zum Initiator.
Dem Horizont, dem fehlt das Licht,
ich bau den Railjetsimulator!Ich weiß mir was in uns’rer Diele,
seit Jahren steht das Ding so da,
der großen Mutter alte Miele.
Sieh an, das Gute liegt so nah!Ein Klacks, das Ding zu kombinieren
mit einer Plattform, die da rüttelt,
dann Film und Beamer noch justieren,
was mich beim Schreiben heftig schüttelt.Ein Landschaftsfilm soll mir fingieren,
nun so zu tun, als dass ich ahn,
um mir beim Schreiben vorzuführen,
ich säß tatsächlich in der Bahn.
Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25215
Der Junge will doch was essen
Ich erinnere mich noch an das Jahr 2004. Dies war ein Jahr, in dem ich kurz vor dem Abitur stand, innerlich aber sehr frustriert war.
Natürlich hätte es nur wenig gebraucht, um diesen Frust überwinden zu können, aber das habe ich zu dieser Zeit noch nicht gewusst. Zu dieser Zeit war ich auch relativ isoliert, was an und für sich nichts Schlechtes gewesen wäre, denn das Gehabe meiner Schulfreunde war ohnehin kindisch und nicht auf meinem Niveau.
Andererseits war gerade dass, was mich frustrierte, genau das eine große Thema, welches alle Jugendlichen – manche mehr, manche weniger – betrifft. Ich denke, dass es überflüssig ist, es zu erwähnen.
Meine Familie ging immer sehr nüchtern damit um: „Das braucht man nicht.“, „Das kommt noch früh genug.“ Die Reaktion meiner Großeltern war immer, als ich mich unwohl fühlte: „Der Junge will doch was essen.“ Und dieser Satz kam auch, wenn ich eigentlich ganz andere Wünsche hatte.
In diesem bereits erwähnten Jahr 2004 fuhren wir zu einem Outlet-Center für Schuhe. Während mein Bruder die Turnschuhe heraussuchte, die in seiner Klasse als die coolsten galten, schlenderte ich einen Gang entlang, auf dem mir ganz plötzlich eine junge Frau um die 30 entgegenkam, die mir sehr gefiel. Ich weiß noch, dass sie eine sehr schöne gestreifte Hose und eine elegante Nickelbrille trug. Es gelang mir aber nicht, ob meiner Schüchternheit, sie anzusprechen.
Als ich wieder bei meiner Familie war und ich sagte, dass ich mich langweilte, bekam ich Geld, um im Selbstbedienungsrestaurant etwas zu essen. Während ich mir einen Teller mit Nudeln nahm, bezahlte und zu meinem Tisch trug, sah ich teilnahmslos das Essen an und dachte noch einmal über die Begegnung nach. Es erschien mir chancenlos, mit Menschen, die mir gefielen, in Kontakt zu kommen, und die Einstellung meiner Familie zu diesem Thema war mir nicht gerade hilfreich.
In diesem Moment ging ich noch einmal tief in mich, dabei bemerkte ich, dass ich für längere Zeit überhaupt nichts dachte und mein Atem sich beruhigte.
Ich verstaute mein Tablett im dafür vorgesehenen Wagen und als ich zurückkam, konnte ich meinen Augen nicht trauen:
Die Frau, der ich vorhin begegnet war, saß an einem anderen Tisch und trank eine Tasse Tee.
Nun wusste ich, dass ich eine zweite Chance bekommen hatte, fühlte mich aber immer noch zu verlegen, um sie anzusprechen.
Aber was hätte ich in dieser Situation tun sollen?
Natürlich wusste ich, dass mein Bruder bei der Auswahl seiner Turnschuhe sehr wählerisch war und ich mich deshalb nicht beeilen musste. Es ging mir eher darum, dass ich etwas sagen wollte, mir aber die Kehle zugeschnürt war.
Daraufhin kam mir der Gedanke, dass ich mich jetzt entscheiden müsse: entweder zu meiner Familie zurückkehren in den ganzen langweiligen, verklemmten Trott oder mir etwas Nettes überlegen, was ich dieser Frau sagen könnte.
Während ich nachdachte, merkte ich, dass ich sie die ganze Zeit angeblickt hatte, und sie begann, meinen Blick zu erwidern.
In diesem Moment nahm ich all meinen Mut zusammen, ging zu ihr und sagte: „Ich weiß, dass ich eigentlich noch zu jung bin, aber ich wollte nur sagen, dass Sie mir sehr gefallen. In meiner Familie heißt es immer, wenn ich eine Gänsehaut bekomme, ‚Der Junge will doch was essen‘. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“
Sie antwortete nicht, aber begann zu lächeln. Diese Reaktion hat einen anderen Menschen aus mir gemacht.
Michael Bauer
www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 25216
