Die Perchtenmaske
Oktober 2003
„Gib sie zurück, auf der Stelle! Ich will dieses unsinnige Ding nicht mehr im Haus haben. Nur Unglück bringt das“, keifte Katharina ihren Mann an. Der machte keine Anstalten dagegen zu reden. Er wusste, dass es nichts bringt, wenn seine Frau begann, sich aufzuregen. Da war es das Beste, sie einfach zu ignorieren.
„Das Klump kommt weg, raus aus unserem Haus. Keiner braucht das. Bringt nix!“
Katharina war so richtig in Fahrt. Der alten Perchtenmaske wohnte anscheinend ein böser Geist inne und sie hatten sich deswegen schon einige Male gestritten. Ständig kam jemand und wollte dieses grässliche Ding zurück. Manche meinten sogar ihrem Mann drohen zu müssen. Der war aber partout nicht zu bewegen, das Ungetüm herzugeben. Seit dieses Unding im Haus war, gab es nur Ärger mit dem hässlichen Stück. Doch je mehr sie dagegen wetterte, desto mehr lobte er die Maske in den Himmel. Sie verstand ihren Mann in diesem Punkt überhaupt nicht.
Willy reichte es jetzt. Er wollte seiner Frau soeben eine passende Antwort geben, als es an der Haustüre läutete. Ein wenig verstört blickte sich das Ehepaar an. Wer kam am Samstag um diese Uhrzeit, um halb neun in der Früh, vorbei? Katharina zuckte nichts wissend die Schultern. Willy erhob sich und ging zur Tür, um zu sehen, wer das war. Katharina hatte sich inzwischen etwas beruhigt und räumte das Frühstücksgeschirr vom Tisch in die Geschirrspülmaschine.
Sie verstaute das übrig gebliebene Essen im Kühlschrank und in den Küchenschränken. Von draußen hörte sie unverständliches Gemurmel und dann ein lautes „Nein!“ rufen.
„Willy, wer ist denn da?“, rief Katharina in Richtung Vorhaus. Dann hörte sie einen Schuss. Erstarrt blieb sie vor der Türe zum Vorhaus stehen. Was war da los? Sie legte das Geschirrtuch auf einen der Küchenschränke. Langsam und mit zittrigen Fingern öffnete sie vorsichtig die Küchentüre und lugte durch den Spalt. Alles war still. Ein leichter Windzug wehte durch den Vorraum, weil die Haustüre noch offenstand. Katharina ging langsam über den Teppich zum Schuhschrank, der sich neben der Eingangstüre befand. Es war niemand zu sehen. Hin zur Straße hörte sie noch ein Geräusch von hastig davoneilenden Schritten, konnte aber nichts erkennen. Willy saß auf der zweiten Stufe der Stiege zum ersten Stock, angelehnt an die Mauer, die Augen weit geöffnet. Er rührte sich nicht. „Willy?“, fragte Katharina. Keine Antwort.
„Willy, was ist mit dir?“
Katharina beugte sich zu ihrem Mann und berührte ihn leicht an der Schulter. Darauf fiel er im Zeitlupentempo auf die andere Seite, wo er mit dem Kopf am Schmiedeeisengeländer der Stiege hängen blieb. Jetzt sah Katharina die blutverschmierte Stelle an der Wand, welche von Willy‘s Kopf stammte. Auf der Stirn bemerkte sie ein rundes schwarz-rotes Etwas. Ein kleines rotes Rinnsal bahnte sich seinen Weg entlang der Wange hin zum Hals. Katharina stand mit weitaufgerissenen Augen vor ihrem Mann und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Der wird doch nicht tot sein! Es brauten sich dunkelschwarze Wolken in ihrem Kopf zusammen.
„Neeeeeiiiin!“ Ihr Schrei durchflog die Umgebung. Die Vögel in den Bäumen stoben erschrocken auseinander.
Gabriele Grausgruber
Auszug aus dem zweiten Regionalkrimi der Autorin:
„Die Perchtenmaske“ kann in jeder Buchhandlung, beim Innsalz-Verlag
oder über die Website www.grausgruber-gaby.com bestellt werden.
www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26090
Kurz vor Mitternacht
Donnerstag, 4. Juni, 23:50 Uhr
Kurz vor Mitternacht schreckte Elisabeth plötzlich aus dem Schlaf hoch. Hatte etwas gekracht? War das ein Schrei oder ein Plumps? Oder hatte sie nur schlecht geträumt? Mit klopfendem Herzen setzte sie sich auf und lauschte in die dunkle Nacht hinaus. Sie stellte fest, dass das Bett neben ihr leer war. Herbert war noch immer nicht zu Hause. Der Termin war doch schon zu Mittag gewesen und er wollte eigentlich am Abend wieder zurückkommen. Es dürfte doch wieder länger geworden sein, stellte sie stirnrunzelnd fest. Und selbst dann, wenn er da gewesen wäre, hätte er nichts gehört. Man könnte sie wahrscheinlich entführen oder auch anders mundtot machen, was ihm vielleicht manchmal nicht unlieb wäre, er würde nichts merken und selig vor sich hin schnarchen. „Na ja“, entfuhr es ihr, leise seufzend, in die Stille der Dunkelheit.
Da Elisabeth draußen keine weiteren Geräusche mehr vernahm, beruhigte sie sich wieder, war aber schon so wach, dass sie beschloss, auf die Toilette zu gehen und sich ein Glas Wasser aus der Küche zu holen. Sie warf die Bettdecke zurück, schlüpfte in ihre Hauspantoffeln und ging zur Tür. Elisabeth lief im Dunkeln durch den Gang und stieß gegen etwas. Sie bückte sich. Herberts Pantoffeln. Arrrrg! Konnte er seine Sachen denn nie aufräumen. Bis sie wieder darüber stolperte und sich Schrammen und blaue Flecken zuzog. Nachdem sie, durch den Gang und über die Treppe schlurfend, unten angekommen war, ging sie nach der Toilette in die Küche. Sie schob den Vorhang leicht zur Seite und blinzelte in die Dunkelheit. Es war nichts Verdächtiges zu erkennen. Ehe sie wieder zu Bett ging, öffnete sie die Kühlschranktür und nahm einen Schluck Mineralwasser, nebenbei wanderte auch noch ein Bissen Käse in ihren Mund.
Auf dem Weg nach oben ins Schlafzimmer, glaubte sie wieder etwas zu hören … ein Stöhnen? Sie schüttelte den Kopf. Das hatte sie sich wahrscheinlich alles nur eingebildet oder es waren die Nachwirkungen eines Albtraumes. Eine gefühlte Stunde später wurde sie abermals kurz wach, als ihr Mann leise die Schlafzimmertüre öffnete, sich rasch auszog und sofort ins Bett kroch. Sie nahm einen undefinierbaren Duft an ihm wahr. Elisabeth war aber zu müde, um das zu hinterfragen.
Gabriele Grausgruber
www.grausgruber-gaby.com/
Auszug aus dem Innviertel-Krimi „Stallblut“, Munderfing, Innsalz Verlag, 2023
www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 23097
Tag der Poesie
Der Goldregen fängt an zu blühen
Ich sehe kleine Wolken ziehen.Kein Flieger hoch am Firmament
Die Straßen leer, was keiner kennt.Der Frühling zieht trotzdem ins Land,
Bringt Blüten, zeigt sein buntes Gewand.Bleibt hoffnungsvoll, es ist gewiss,
Dass bald alles wieder wunderbar ist!
Gabriele Grausgruber
www.grausgruber-gaby.com/
www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 20034