Denke? Danke!

Heute sind die Worte viel zu schnell am Wege,
drängen durch den Korridor für Durchzugs-Gedanken.
Nicht, dass ich sie erkenne, geschweige denn, dass ich sie ad acta lege.

Sollen sie sich doch ohne mich um ihre Bleibe zanken!
Was mir noch so einfällt und dann sickert, ist gewiss kein Schlamm.
Wort und Bild sich mischen: phantastisch, rege, ja gar schwefelheiß.
Kann Vanille trösten, darf man verdammen einen Damm?
Wo liegt der Schmelzpunkt von Momenten, wann werden sie zu Eis?
Grade mal einen Trost ich kenne: Wenn ich ermüde, werden Kopfgeburten
nur noch träge dümpeln; wie ich hoffe, ungebraucht
von Ereignissen, die erzwingen wollen, gedanklich zu spurten,
bis dass der Schädel erneut faucht und raucht …

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26129




Wenn es im Kopf rumpelt

Draußen rumpeln gummiharte Räder über einen Gehsteig. Das Echo pocht an die Wirbelfortsätze meines Rückgrats. Meine Ohren langweilen sich, weil sie schon zu oft dieses Geräusch gehört haben: Ein Skater fährt über die karierte Topographie des Pflasters heim.

Ach übrigens:
Kann man einen hilfreichen Satz wie ein Pflaster über zerrissene Gedanken kleben?

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H. (Foto und Text)

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Schmetterling

Bist du wütend?
Wenn dir eine Ungerechtigkeit widerfährt und du wirst es nicht,
hast du ein Problem,
bist abgestumpft.

Dann freust du dich sicherlich auch kaum,
anders als ein Kind, über einen bunten Schmetterling.
Jede Münze hat zwei Seiten, Zahl und Motiv,
die einseitige gibt es nicht.

Der goldene Traktor mit verschiedenfarbigen Flammen in den City Arkaden, den der Schmetterlingsmensch lenkt

Der goldene Traktor mit verschiedenfarbigen Flammen in den City Arkaden, den der Schmetterlingsmensch lenkt

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26098




Kleine Schätze

Ordnen, schlichten, beiseiteräumen.
Jeder gute Gedanke hat sein Fach,
die schlechten landen im Papierkorb.
Großreinemachen ist angesagt,
das Gehirn wird durchgefegt.
Manchmal findet man dabei kleine Schätze.
In jedem Fall ist es danach blitzsauber.

Wäscherei masser blütensauber in der Nacht

Wäscherei masser blütensauber in der Nacht

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26097




Alltagshelden

Die sind Helden, die durch Mut
bewiesen haben, sie war’n gut.
Wer aus der Masse sich erhoben,
den wollen wir besonders loben.

Ein Risiko ging mancher ein,
zu helfen, um ein Mensch zu sein.
Selbstlos steht des and’ren Wohl
über dem eig’nen, wenn es soll.

Die Tat, die nennt sich vorbildhaft,
die’s über das Normale schafft.
Doch nicht bloß der Kugel wegen,
Helden werden durch den Degen
oder auch durch Muskelkraft
zu dem, was sie sind, gemacht.

Der Mensch verleiht auf dieser Welt
solchem Tod den Status Held.
Aber was ist mit den vielen,
die krepieren an Gefühlen?
Die durch Schänden, Kränken, Denunzieren,
Ehrabschneiden, Attackieren
sterben, weil sie resignieren?

Jemand, der/die mit letzter Kraft
den Kampf gegen den Tod nicht schafft?
An den Folgen schwerer Krankheit
oder Schäden aus der Kindheit
Schmerzen leidet, nachts und tags?
Helden sind sie, des Alltags!

Man würdigt Alltagshelden nicht,
auf Sockeln nicht, nicht im Gedicht.
Und niemals wird ein Platz benannt
nach wem, dem/der das Herz verbrannt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26093

 




Die Freiheit, die wer meint?

Wer klopfet an, so unvermut’?
Es ist die Freiheit, höchstes Gut!
Dann lasst sie herein,
sie soll uns Leitsatz uns’rer Zukunft sein.

Verpflichtet uns zum Schutz der Heimat,
zu unserer Identität.
Befolgen wir der Zeiten Rat,
frei sein, ehe die Welt noch untergeht.

Der Rechtsstaat bürgt für Sicherheit,
wir teilen Ziel und Wert gemeinsam,
bis hin in alle Ewigkeit.
Drum steht zusammen, bleibt nicht einsam!

Familie heißt Frau und Mann,
als Stütze der Gesellschaft.
Und ihre Kinder führ’n voran
das Land, durch deren Jugend Kraft.

Auf Leistung, da wird stets geachtet,
wem was gehört, das wird geschützt.
Als unentbehrlich wird betrachtet,
alles, was der Gemeinschaft nützt.

Ist jemand krank, wird er versorgt
und schnell wieder gesund gemacht.
Unsere Geduld wir nicht verborgt,
auch wenn es rundum kracht.

Und auch die Wissenschaft ist frei,
unsere Kultur und Kunst begehrt.
Wer Anteil nimmt, ist mit dabei,
der Zugang niemandem verwehrt.

Selbstbewusst die Interessen,
in die Welt hinausgetragen.
Verantwortungsvoll unterdessen,
niemals diese hinterfragen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

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Gegenwehr

Weihnachtliche Zielgerade
macht so müde, ist echt schade,
auf der Flucht in einen Traum
unterm Weihnachtstannenbaum.

Andere sind ganz erschöpft,
in ihren Energien geschröpft.
Vornehmlich durch miese Nachricht,
die niederprasselt, ohne Nachsicht.

Rückzug in den Familienkreis,
lockt die Jugend und den Greis.
Kokon häuslicher Behaglichkeit.
Wir haben uns. Sonst Einsamkeit.

Wenn’s noch so schlimm geht in der Welt,
Gemeinsamkeit uns wohl erhält.
Alles ringsherum verroht.
Fühlen uns dadurch bedroht.

Krisenszenario furchterregend,
Lichtblick rar, in jeder Gegend.
Das geht jetzt schon seit Jahren so.
Durch Frohbotschaft wird niemand froh.

Vergangenes kaum auszublenden,
denn das Schlechte will nicht enden.
Sind von Krisen stark geschüttelt,
vom Krieg, was an den Nerven rüttelt.

Man kommt uns neovisionistisch,
heimtückisch und imperialistisch.
Aus der Gosse aufgestiegen,
möchte man gern die Welt besiegen.

Scheint gefährlicher als das,
was hinter uns lag, wie nur was.
Mehr als damals jetzt bedrückt
nämlich das, was vor uns liegt.

Ein andrer Irrer will, verblendet,
dass sogar der Westen endet.
Und in endlos langen Listen
scharen sich Rechtspopulisten.

Den Leugnern wird der Klimawandel
zum Deal mit üblem Umwelthandel.
Umtriebige Pamphletiker!
Verschwörungstheoretiker!

Nichts kann man tun, na sowieso.
Für alle Zeit kein Weiter-so!
Den Typen mal das Handwerk legen
und sich heftig wehr’n dagegen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26037

 

 




Da wäre noch

Weißt du, was dein Schicksal ist?
Nicht, dass du zu weise bist,
nein, es ist vertrackter,
es ist ganz einfach dein Charakter!

Ich kann dich leider nichts mehr lehren
und dein Wissen nicht vermehren,
dich nicht führen oder lenken,
trotzdem, versuch’s einmal mit Denken!

Du wünschst, du wärest klug und wichtig.
Trotzdem scheint mir dieses richtig,
für dein Wunschbild hier auf Erden,
es hindert dich bloß, es zu werden.

Du misst dich gern an großen Taten,
willst in zu großen Schuhen waten.
Doch zeigt dem Menschen die Natur
sich meist an Kleinigkeiten nur.

Und glaube mir, ein hilfreich’ Wort,
gut gemeint, am richt’gen Ort,
wenn es nur tröstet, ist es recht,
wenn’s auch noch hilft, ist es nicht schlecht.

Ergib dich deinen Fantasien,
erfreue dich an Synergien,
die dein Geist daraus ergänzt,
allein das Wissen ist begrenzt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26032




Die Nacht deckt zu

Die Nacht deckt zu.
Du hast gelernt, in ihr klar zu sehen.
Jedes Geräusch steht alleine.
Im Winter ist es kalt in ihr,
doch das gehört dazu.
Deine Gedanken sind deutlich.
Du hast viel Zeit zu denken.
Die Nacht deckt zu.

Das nächtliche Eisenbahnleben

Das nächtliche Eisenbahnleben

Johannes Tosin
(Text und Foto)

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Durch meinen Kopf

Ich streife durch meinen Kopf, und was sehe ich da?

Bäume, von denen ich nichts wusste, Blumen, von denen ich nicht wusste,
violettes Gras, von dem ich nichts wusste, rosaroter Weizen, von dem ich nichts wusste.

Ich bin der Wald, die Wiese und das Feld.
All das bin ich, ohne zuvor davon eine Ahnung gehabt zu haben.

Ich bin weit mehr, als ich stets dachte.

Der Blick von St. Johann im Rosental über das hohe violette Gras unter dem gelben Himmel und die Krähe im Flug am 17. Mai 2024

Der Blick von St. Johann im Rosental über das hohe violette Gras unter dem gelben Himmel und die Krähe im Flug am 17. Mai 2024

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 25217