Stille ist nicht Mangel an Worten

Stille ist nicht Mangel an Worten
kein starrer Zustand
keine Einsamkeit

Stille ist kein feiges Schweigen
kein Ausweichen
kein Verstecken

Stille ist kein Stillstand
kein Rückzug
kein Vergessen

Stille ist kein Warten
sie ist ein Sortieren
ein unbeschriebenes Blatt

Stille ist die Entscheidung hinzusehen
ist der Mut, die Zwischentöne zu hören
ist der Moment, wenn Masken fallen

Stille wartet einfach
ist ein Gewicht, das hält
eine eigene Kraft

Stille ist ein tiefer Atemzug
ist ein ruhiger Blick nach innen
der den Raum erfüllt

Manuela Johanna Holl

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26221




Übers Warum und Wie

Was soll man dazu sagen, außer ach?
Es ist doch so, dass der, der strebt, meist irrt.
Und deshalb ist die Menschheit viel zu schwach,
sie denkt in einem fort, und doch ist sie verwirrt.

Fast alles ist geschrieben und gesagt.
Warum, muss man sich ernsthaft fragen?
Was es bloß ist, das da so tierisch an uns nagt?
Soll man denn überhaupt noch etwas sagen?

Und einzig und allein, dass ich nichts weiß,
trotz langer Reden scheinbar’ Sinn.
Was ich nicht weiß, das macht mich auch nicht heiß,
und dazu kommt, dass ich auch da nicht sicher bin.

Weiß Gott!, es gibt ja mannigfach’ Probleme.
Und ein Problem hat jeder einmal dann und wann.
Doch wenn man es nicht löst, dann gibt es Häme.
Darum beweist man einfach, dass es gar kein’s seien kann.

Nur Mut, so stürz dich ruhig ins Leben!
Was wär das Leben denn schon ohne Risiko?
Spring nur hinein und lebe es mal eben,
auch wenn du’s nicht lebst, stirbst du eines Tages sowieso.

Der lebt sich leicht, der ein Warum zum Leben hat.
Hat man kein Wie, dann wagen wir es nicht.
Weil wir’s nicht wagen, wirkt alles ziemlich matt,
und seh’n am End’ des Ganges auch kein Licht.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26226

 




Klarheit ist kein netter Wunsch

Klarheit ist kein netter Wunsch
kein Gedankenspiel
kein Rätselraten

Klarheit ist das, was greifbar ist
ein Ja
ein Nein

Klarheit braucht keine Masken
kein Gewand
ist kein Labyrinth

Klarheit ist kein Suchen zwischen den Zeilen
ungefiltert
auch wenn sie nicht gefällt

Klarheit als Zustand
als Wert
direkt

Klarheit ist ein ruhiger Blick
einfach da
unverstellt

Klarheit ist wie ein Aufatmen
ein Geschenk
und oft leise

Manuela Johanna Holl

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26225




Denke? Danke!

Heute sind die Worte viel zu schnell am Wege,
drängen durch den Korridor für Durchzugs-Gedanken.
Nicht, dass ich sie erkenne, geschweige denn, dass ich sie ad acta lege.

Sollen sie sich doch ohne mich um ihre Bleibe zanken!
Was mir noch so einfällt und dann sickert, ist gewiss kein Schlamm.
Wort und Bild sich mischen: phantastisch, rege, ja gar schwefelheiß.
Kann Vanille trösten, darf man verdammen einen Damm?
Wo liegt der Schmelzpunkt von Momenten, wann werden sie zu Eis?
Grade mal einen Trost ich kenne: Wenn ich ermüde, werden Kopfgeburten
nur noch träge dümpeln; wie ich hoffe, ungebraucht
von Ereignissen, die erzwingen wollen, gedanklich zu spurten,
bis dass der Schädel erneut faucht und raucht …

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26129




Wenn es im Kopf rumpelt

Draußen rumpeln gummiharte Räder über einen Gehsteig. Das Echo pocht an die Wirbelfortsätze meines Rückgrats. Meine Ohren langweilen sich, weil sie schon zu oft dieses Geräusch gehört haben: Ein Skater fährt über die karierte Topographie des Pflasters heim.

Ach übrigens:
Kann man einen hilfreichen Satz wie ein Pflaster über zerrissene Gedanken kleben?

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H. (Foto und Text)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26104




Schmetterling

Bist du wütend?
Wenn dir eine Ungerechtigkeit widerfährt und du wirst es nicht,
hast du ein Problem,
bist abgestumpft.

Dann freust du dich sicherlich auch kaum,
anders als ein Kind, über einen bunten Schmetterling.
Jede Münze hat zwei Seiten, Zahl und Motiv,
die einseitige gibt es nicht.

Der goldene Traktor mit verschiedenfarbigen Flammen in den City Arkaden, den der Schmetterlingsmensch lenkt

Der goldene Traktor mit verschiedenfarbigen Flammen in den City Arkaden, den der Schmetterlingsmensch lenkt

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26098




Kleine Schätze

Ordnen, schlichten, beiseiteräumen.
Jeder gute Gedanke hat sein Fach,
die schlechten landen im Papierkorb.
Großreinemachen ist angesagt,
das Gehirn wird durchgefegt.
Manchmal findet man dabei kleine Schätze.
In jedem Fall ist es danach blitzsauber.

Wäscherei masser blütensauber in der Nacht

Wäscherei masser blütensauber in der Nacht

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26097




Alltagshelden

Die sind Helden, die durch Mut
bewiesen haben, sie war’n gut.
Wer aus der Masse sich erhoben,
den wollen wir besonders loben.

Ein Risiko ging mancher ein,
zu helfen, um ein Mensch zu sein.
Selbstlos steht des and’ren Wohl
über dem eig’nen, wenn es soll.

Die Tat, die nennt sich vorbildhaft,
die’s über das Normale schafft.
Doch nicht bloß der Kugel wegen,
Helden werden durch den Degen
oder auch durch Muskelkraft
zu dem, was sie sind, gemacht.

Der Mensch verleiht auf dieser Welt
solchem Tod den Status Held.
Aber was ist mit den vielen,
die krepieren an Gefühlen?
Die durch Schänden, Kränken, Denunzieren,
Ehrabschneiden, Attackieren
sterben, weil sie resignieren?

Jemand, der/die mit letzter Kraft
den Kampf gegen den Tod nicht schafft?
An den Folgen schwerer Krankheit
oder Schäden aus der Kindheit
Schmerzen leidet, nachts und tags?
Helden sind sie, des Alltags!

Man würdigt Alltagshelden nicht,
auf Sockeln nicht, nicht im Gedicht.
Und niemals wird ein Platz benannt
nach wem, dem/der das Herz verbrannt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26093

 




Die Freiheit, die wer meint?

Wer klopfet an, so unvermut’?
Es ist die Freiheit, höchstes Gut!
Dann lasst sie herein,
sie soll uns Leitsatz uns’rer Zukunft sein.

Verpflichtet uns zum Schutz der Heimat,
zu unserer Identität.
Befolgen wir der Zeiten Rat,
frei sein, ehe die Welt noch untergeht.

Der Rechtsstaat bürgt für Sicherheit,
wir teilen Ziel und Wert gemeinsam,
bis hin in alle Ewigkeit.
Drum steht zusammen, bleibt nicht einsam!

Familie heißt Frau und Mann,
als Stütze der Gesellschaft.
Und ihre Kinder führ’n voran
das Land, durch deren Jugend Kraft.

Auf Leistung, da wird stets geachtet,
wem was gehört, das wird geschützt.
Als unentbehrlich wird betrachtet,
alles, was der Gemeinschaft nützt.

Ist jemand krank, wird er versorgt
und schnell wieder gesund gemacht.
Unsere Geduld wir nicht verborgt,
auch wenn es rundum kracht.

Und auch die Wissenschaft ist frei,
unsere Kultur und Kunst begehrt.
Wer Anteil nimmt, ist mit dabei,
der Zugang niemandem verwehrt.

Selbstbewusst die Interessen,
in die Welt hinausgetragen.
Verantwortungsvoll unterdessen,
niemals diese hinterfragen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26055

 

 

 

 




Gegenwehr

Weihnachtliche Zielgerade
macht so müde, ist echt schade,
auf der Flucht in einen Traum
unterm Weihnachtstannenbaum.

Andere sind ganz erschöpft,
in ihren Energien geschröpft.
Vornehmlich durch miese Nachricht,
die niederprasselt, ohne Nachsicht.

Rückzug in den Familienkreis,
lockt die Jugend und den Greis.
Kokon häuslicher Behaglichkeit.
Wir haben uns. Sonst Einsamkeit.

Wenn’s noch so schlimm geht in der Welt,
Gemeinsamkeit uns wohl erhält.
Alles ringsherum verroht.
Fühlen uns dadurch bedroht.

Krisenszenario furchterregend,
Lichtblick rar, in jeder Gegend.
Das geht jetzt schon seit Jahren so.
Durch Frohbotschaft wird niemand froh.

Vergangenes kaum auszublenden,
denn das Schlechte will nicht enden.
Sind von Krisen stark geschüttelt,
vom Krieg, was an den Nerven rüttelt.

Man kommt uns neovisionistisch,
heimtückisch und imperialistisch.
Aus der Gosse aufgestiegen,
möchte man gern die Welt besiegen.

Scheint gefährlicher als das,
was hinter uns lag, wie nur was.
Mehr als damals jetzt bedrückt
nämlich das, was vor uns liegt.

Ein andrer Irrer will, verblendet,
dass sogar der Westen endet.
Und in endlos langen Listen
scharen sich Rechtspopulisten.

Den Leugnern wird der Klimawandel
zum Deal mit üblem Umwelthandel.
Umtriebige Pamphletiker!
Verschwörungstheoretiker!

Nichts kann man tun, na sowieso.
Für alle Zeit kein Weiter-so!
Den Typen mal das Handwerk legen
und sich heftig wehr’n dagegen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26037