Sommer
Wunderlich wird mir, wenn Schwalben ziepend jagen.
Mich überkommt dann die Sehnsucht aus Kindheitstagen,
im Blau des Himmels zu verschwinden
und nur mehr dort mich wiederfinden:
wo der Sommer niemals endet.Zwar spiele ich, seit alt geworden, mit der Hitze Verstecken.
Noch nie entging ich, trotz Erfahrung, dem Entdecken
das ich mit salzig feuchter Haut bezahlt,
auch im dunklen Haus, im kühlen Wald.Der Glut entgegne ich mit kalten Güssen,
Vergeblich. Gleich werd’ ich wieder schwitzen müssen.
Meinen größten Fächer schnapp ich dann,
treib träge Luft gegen Gedankenschmelze an
und schelte den Sonnenschirm, der zu Unzeiten resignierte.Der Freiheit und der Muße zugewendet,
bitte einen Sommer, der nie endet!
Kühles Nass, wohl temperierte Reisen
voller Erlebnisse, die auf Neues weisen.
Alles nehm ich, was Leib wie Herzens Mitte weiter wärmt.Im Herbst sind wir beide müde, brauchen unsre Ruh,
das Jahr und ich, denn: Frische Memoiren
sind ein wenig steif wie neue Schuh’,
bis sie eingegangen sind auf Alltags-Trottoiren.
Die Schwalben sind … stumm. Längst nach Afrika verzogen.
Antonia H.
www.verdichtet.at | Kategorie: an Tagen wie diesen … | Inventarnummer: 26188