Hungrig und durstig pickt die Möwe durch das Eis auf ihrer Ostsee
Copyright: Frank Joussen
Frank Joussen (Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26063
Nicht um den Block
Wenn sie dich sehen, die Behörden, wie du da aufsteigst, sagt mein Herzblatt streng, sie dich herunterholen werden, und dann wird’s für dich echt eng.
Heiße Greise, die beim Geh’n schon wanken, fahr’n mit ihrer Harley um den Block. Bloß ein wenig, um zu tanken? Ne, darauf hab’n die keinen Bock.
Einmal laut durch enge Gassen, man gibt am Gashahn kräftig Saft. Raus auf die belebten Straßen, ein letztes Mal, mit voller Kraft.
So steht sie da, im hellen Schein, chromblitzend, blank und feuerrot. Metallic funkelnd muss sie sein, und vollgetankt, eh Stillstand droht.
Vorbei an einer Herde Kühe, die steh’n am Gatter stumm und schau’n. Absteigen geht zwar mit Mühe, doch die sind schwarz, gefleckt und braun.
Derweil der heiße Ofen knattert, nimmt man eine Nase voll, während dein rotes Halstuch flattert, vom Geruch, von Kuh und Erde. Toll!
Dann aufgestiegen, Erste rein, und weiter geht die wilde Fahrt. Hügel, Wiesen, die sind dein, für kurze Zeit, im Sonnenschein.
Der Auspuff! Klappen in den Kamin geknallt! Raus aus dem Ort, wo dich nichts stört. Die Dämpfer weg, auf dass es schallt! Dann bist du wer, wenn man dich hört.
Wer nie ein solches Pferd geritten und nie in diesem Sattel saß, dem sag ich, es ist unumstritten, es gibt keinen größ’ren Spaß!
Copyright: Norbert Johannes Prenner
Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26057
Rudern Richtung Syrakus
Um dich in deiner Winter-Stadt daran zu erinnern, wie es ist, jetzt hier zu sein, musst du lediglich
aufhören zu denken, deine Augen schließen, fühlen, wie die Sonne die Tropfen Meerwasser auf deiner gebräunten Haut trocknet, das Salzwasser auf deinen Lippen schmecken, die Sonne warm die Härchen auf deinen Armen, einst dunkel, jetzt blond, kitzeln lassen,
bevor du deine Augen wieder öffnest, deinen Oberkörper zur linken Seite neigst, um mit den Armen das Paddel deines Kajaks wieder in das azurblaue Mittelmeer einzutauchen, um Richtung Syrakus zu rudern.
Frank Joussen
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 24048
Der Railjetsimulator
Wenn ich nicht mehr Bahn fahr’n muss, kann ich nicht mehr schreiben. Nur in der Bahn, niemals im Bus! Das muss in Zukunft auch so bleiben!
Sobald ich erst im Abteil saß, die Landschaft rasch vorüberzog, schrieb ich, bis ich die Welt vergaß. Gedanke um Gedanke flog.
Jetzt bin ich frei, obschon, wo soll und kann ich nunmehr schreiben? Mehr oder wen’ger in Pension, wie soll ich mir die Zeit vertreiben?
Vom Schreibtisch aus, vor der Terrasse, hab ich’s versucht, allein, trotz Tabakspfeife, Tee in Tasse, fiel mir beim besten Will’n nichts ein.
Wenn ich, aus Mangel an Ideen, gelangweilt aus dem Abteil blickte, vorbei an Städten, Dörfern, Seen, mir oftmals ein Gedanke glückte.
Jetzt wird mir klar, so geht das nicht, drum werd ich selbst zum Initiator. Dem Horizont, dem fehlt das Licht, ich bau den Railjetsimulator!
Ich weiß mir was in uns’rer Diele, seit Jahren steht das Ding so da, der großen Mutter alte Miele. Sieh an, das Gute liegt so nah!
Ein Klacks, das Ding zu kombinieren mit einer Plattform, die da rüttelt, dann Film und Beamer noch justieren, was mich beim Schreiben heftig schüttelt.
Ein Landschaftsfilm soll mir fingieren, nun so zu tun, als dass ich ahn, um mir beim Schreiben vorzuführen, ich säß tatsächlich in der Bahn.
Copyright: Norbert Johannes Prenner
Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25215
Die Zeit vor der Zeit
Ich gestehe: In der Welt bin ich früher nicht sehr herumgekommen. Nicht nur, dass ich keine Möglichkeit dazu hatte, sondern auch, dass mich Reisen im Kopf mehr befriedigten.
Dazu bedurfte es nicht einmal eines Weltatlas.
In Berichten im Fernsehen, in Filmausschnitten, in Blogs erkannte ich das Lebensgefühl der Hippie-Generation: Frei sein, high sein, überall dabeisein. Was aber leider schon Vergangenheitsform für mich hatte.
Damals wollten alle nach Indien. Und wenn nicht dorthin, so doch wenigstens nach Istanbul oder nach Portugal. Es bedurfte nicht immer eines eigenen Fahrzeugs, manchmal reichte auch das Interrailticket oder der Autostopp. Wonach strebten sie damals? Nach Exotik? Nach Begegnungen? Nach Der-Weg-ist-das-Ziel-Erfahrungen?
Die Welt hat sich gedreht. Aber wäre es möglich, dies zu wiederholen?
Reisen ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wir reisen immer weiter, immer öfter. Und welchen Sinn hat das dann noch, wenn wir das Reisen in unsere Innenwelt verlernen?
In meinem Kopf ging ich den alten Reiseberichten noch einmal nach. Und mein Plan war drauf und dran zu gelingen: Ich recherchierte Reisewege und informierte mich über verschiedene Länder. Und ich bekam eine Vorstellung von den Eindrücken, von den Worten, die auf diesen Reisen gewechselt wurden.
Bruchstückhaft holte ich diese Erfahrung später mit eigenen Reisen an die damaligen Orte, nun aber in der Jetztzeit, nach.
Ich bestaunte den Torre de Belém. Und den Weißen Turm. Ich badete im Atlantik und überquerte den Bosporus.
Michael Bauer
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25233
Dunst
Ehe die Sonne den westlichen Boden berührt haben wird,
wirst du verschwunden sein wie Dunst, der vom See aufsteigt,
der Dunst, der die Wolken macht und den Regen vielleicht.
Der Wörthersee am 15. Januar 2020 im Dunst
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26006
„Weg!“
Sie sprach so leise,
du hast sie nicht verstanden.
Doch dann zeigte sie: „Weg, weg, weg!“,
mit ihrer rechten Hand.
Das hast du sofort verstanden.
Wie soll man das auch nicht verstehen?
Der schwarze rechte Damenhandschuh auf dem Asphalt
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26004
Vergangene Nacht
Die unruhige Nacht war es.
Die Nacht fast ohne Schlaf.
Die Nacht, die man vergisst,
sobald sie vorüber ist.
Der Lendkanal Richtung Osten in der Nacht des 16. Dezember 2021
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25168
Die Seele des Reisens
ist eine tiefe unergründliche Sehnsucht einschließlich des nie endenden Verlangens das Bild einzufrieren an dem du vorübergehst
Frank Joussen
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25196
Das Meer
Wer von uns kann schon ermessen, wie es vorher ist gewesen? Wie hat alles bloß begonnen, bevor die Wasser sind geronnen?
Glühendheißes Magma war vor dem großen Regen gar. Dann regnete es, viele Jahre, und das Meer war da, das klare.
Gott Taʼaroa ganz in Trauer, Tränen flossen lang auf Dauer, die die Ozeane füllten, und die Erd’ damit umhüllten. Salzig sind nun mal die Tränen. Kein Meerwasser zum Trinken nehmen!
Das Meeresufer scheint semantisch für mich allein schon hochromantisch. Immer noch lauf ich zum Strand und liege faul im weichen Sand.
Wenn eine leichte Brise weht und mir die Zeit zu schnell vergeht, im Sonnenschein bleib am Gestade ich, bis dass die Sonne sinkt, wie schade!
In eine and’re Zeit versetzt, indes zu Land die Zeit langhetzt, so zwischen Flut und zwischen Ebbe im Sand ich den Entspannten gebe.
Aber langsam wird mir klar, das Meer ist, wo es immer war. Ringsherum verändert sich, beinah alles, so auch ich. Das Meer, ein Ort der Ewigkeit, bereitet mir Glückseligkeit.
Der Wind am Watt weht aus dem Westen. Bei Nebel ist es echt am besten, wenn man eine Jacke nimmt, weil dann der Wind von Norden kimmt.
Dann tu ich auf die Wellen hören, und auf Laute, die mich stören. Man muss auch auf die Ströme achten, und auf die Möwen, wenn sie lachten.
Am Meer droh’n Unheil und Gefahren, das kann man sich ganz leicht ersparen, wenn man es von Grund auf meidet, und sich nur fürs Land entscheidet.
Seine Kraft und seine Weite merkt man erst auf hoher See. Ist man ihm erst ausgeliefert, ist verloren man, oje!
Des Meeres Schönheit eingefangen, vom sich’ren Strand aus rumgehangen. Meine Angst schien überwunden, doch jetzt hat sie zurückgefunden.
Es steigt der Spiegel rasch des Meeres, dort steht ein Inseldorf, ein leeres. Und unter Palmen, ganz geduckt, ganz viele, bald vom Meer verschluckt.
Copyright: Norbert Johannes Prenner
Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25177