Kenntnisse einer Ehebrecherin Teil 7

„Mein Freund, der Kellner und ich“ war ein sagenhafter Erfolg; in den nordeuropäischen Ländern war er ein ganzes Jahr lang Spitzenreiter bei den Bezahl-Porno-Downloads gewesen, hatte sich auch danach laufend sehr gut verkauft und erlebte nun gerade ein neues Hoch. Und das erstaunlicherweise nicht nur, wie für dieses Genre naheliegend, überwiegend bei Frauen, sondern mit beinahe gleich hohem männlichen Käuferanteil.  Das Management der Filmproduktion vermutete, es lag an den Ausgangsbeschränkungen, die die Menschen ins häusliche Verbleiben zwangen und gemeinsam lebende Paare vermehrt dazu brachten, ihre Sexualität zusammen zu erforschen, zu erweitern und auszuleben. Was bot sich da als Einstieg oder Aufwärmrunde besser an als ein gut gemachter „Porno für Frauen“, der auch Männer gewaltig auf Touren brachte? Eben. Die Logik der Filmproduzenten war stringent: Nachschub musste her, scharfe Ware für Paare, mit Niveau, aber bitte schnell.

Na ja, um ehrlich zu sein, das mit der flotten Textproduktion war nicht so mein Ding. Pech nur, dass ich als Autorin genau damit mein Geld verdienen sollte. Auch hatte ich mich auf meinen Drehbuchlorbeeren anscheinend zu gut ausgeruht und schon länger nichts Einschlägiges mehr geschrieben, konnte ich doch bequem von den weiterhin sprudelnden Filmeinnahmen leben. Ich war eindeutig außer Übung, uninspiriert außerdem. Was passierte schon in meinem Leben? Aber dies war ohnehin ein Anfängerinnenfehler, nur im eigenen Teich zu fischen, was Ideen betraf. Oft ging ich aus, um Szenen und Eindrücke zu sammeln, beobachtete flirtende Singles und spann deren Geschichten dann in meiner Fantasie weiter. Doch nun die ganze Zeit, bis auf den täglichen Spaziergang, daheim zu verbringen, förderte nichts Neues, Spannendes zutage. Und genau das war gerade gefragt, fürs dürstende Publikum, für jene, denen es ebenso erging wie mir. Eine vertrackte Situation.

Und dann, inmitten eines Videochats mit einer sehr vertrauten Freundin, kam mir die Idee: Wo derzeit beinahe alles digital passierte, war vielleicht meine Ideenquelle auch hier zu finden? Ich lenkte das Gespräch auf erotische Fantasien, auf sexuell aufgeladene Stimmungen, und fragte sie, ob ihr nicht irgendetwas einfiele, das ich ins künftige Drehbuch einarbeiten könnte. Sie lachte laut, wirkte plötzlich sehr fröhlich und meinte, gerade gestern habe sie an eine Situation im Frühsommer vor einem Jahr gedacht, als so ziemlich alles noch völlig anders war. Ich war ganz Ohr.

Tina Fanta

www.verdichtet.at | Kategorie: ü18 | Inventarnummer: 20116