{"id":7433,"date":"2017-12-27T08:58:36","date_gmt":"2017-12-27T08:58:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7433"},"modified":"2017-12-30T10:27:06","modified_gmt":"2017-12-30T10:27:06","slug":"die-verkrueppelte-rechte-hand-des-gesetzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7433","title":{"rendered":"Die verkr\u00fcppelte rechte Hand des Gesetzes"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7433&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7433&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Sitzt sie da, tief \u00fcber ihre Unterlagen gebeugt, mit feister, dennoch konzentriert wirkender Miene. Tief in den Schminkkasten getaucht. Mit Tinkturen beschmiert, die nach und nach ihre Tiefenwirkung entfalten sollen. Kaum ahnen k\u00f6nnend, was sich hinter dieser noch vor dem Zerbr\u00f6ckeln gesch\u00fctzten Fassade abspielt, sitzen wir da und schauen.<\/p>\n<p>Nach oben gehievt gibt es nun keine M\u00f6glichkeit mehr, die Schuld einzugestehen. Trotz oder gerade wegen des Wissens eines jeden. Von dieser Warte aus ist sie gewisserma\u00dfen unangreifbar, was ihr jedoch Hohn und Spott, wenn auch offenen nicht, keineswegs erspart.<br \/>\nDas Gesicht hast du l\u00e4ngst verloren.<br \/>\nWarum man dir noch nicht auf offener Stra\u00dfe die Augen ausgekratzt hat, bleibt jedoch unbegreiflich.<\/p>\n<p>Staunen dar\u00fcber, dass als nebens\u00e4chlich betrachtet wird, was uns als notwendig erscheint.<br \/>\nStaunen dar\u00fcber, dass als Sch\u00f6nheitsfehler qualifiziert wird, was sich uns als Brandwunde aufdr\u00e4ngt. Ein Dar\u00fcberhinweggehen ist es, welches du praktizierst. Als w\u00fcrde von vornherein angenommen werden, dass die Vorf\u00e4lle in Vergessenheit gerieten.<br \/>\nSie geraten nicht in Vergessenheit.<br \/>\nDas ist nicht der Fall.<br \/>\nEin einzelner reicht aus, um unerbittlich und unerm\u00fcdlich und immerw\u00e4hrend an die Dreistigkeit der legitimierten schwachen Spitze zu gemahnen.<\/p>\n<p>Der Fall wird neu aufgerollt.<\/p>\n<p>Erhebt sie sich, schwerf\u00e4llig, beherrscht, Haltung einnehmend. Bem\u00fcht um Haltung, die m\u00fchelos Korrumpierbare. Gewissenlosigkeit zerrt an ihr, zieht sie hartn\u00e4ckig in die Tiefe. Das deformierte R\u00fcckgrat kaum verbergen k\u00f6nnend im fraglich gemusterten Einteiler, wankt sie mehr schlecht als recht durch die Dienstg\u00e4nge der eigenen Verantwortungslosigkeit.<\/p>\n<p>Solange der Rubel rollt, rollt auch sie sich weiter durch ihre t\u00e4glichen Pflichten.<br \/>\nVergessen und rechtfertigen. Rechtfertigen und Vergessen. Standhaft rechtfertigen, die skandal\u00f6se fett\u00e4ugige Giermonstr\u00f6sit\u00e4t, die angefressen immerw\u00e4hrend Tribut fordert.<\/p>\n<p>Kreuzen sich schlie\u00dflich und immer die Wege mit dem angelachten und angelernten \u00f6konomischen Empork\u00f6mmling, dessen Statur und ansprechendes \u00c4u\u00dferes noch nicht die hohlen, versifften Innenr\u00e4ume verr\u00e4t.<br \/>\nNoch wird alles zusammengehalten.<br \/>\nIrgendwie.<br \/>\nMit gutem Glauben und Hoffnung. Mit Hoffnung und gutem Glauben.<br \/>\nIm seri\u00f6sen Dreiteilerzwirn schl\u00e4ngelt er sich katzengleich durch die wogende Masse der Immergleichen, um sich ihr an die Brust zu werfen, der Ziehmutter, der geistigen. Sie bereits aus der Ferne mit Luftk\u00fcssen begr\u00fc\u00dfend, bewegt er sich auf sie zu, zielstrebig, ein sonniges, weltzugewandtes und ach so unschuldiges L\u00e4cheln auf den h\u00fcbschen, anz\u00fcglichen Lippen. Dient er sich an ihr hoch, der hohle G\u00fcnstling. Arbeitet er sich an ihr ab, der welken Fassade. L\u00e4sst sie ihm h\u00f6here Weihen zuteilwerden.<br \/>\nZieht er an ihr vor\u00fcber, blickt sie ihm nach wie ein M\u00e4dchen, hoffnungsfroh, verzweifelnd, unger\u00fchrt.<\/p>\n<p>Man wei\u00df um eure verdorbenen Spielchen hinter verschlossenen T\u00fcren.<br \/>\nMan wei\u00df um eure verwerflichen Vereinbarungen, die euer Fortkommen sichern sollen.<br \/>\nMan wei\u00df um die verruchten zwielichtigen Ecken, wo ihr euch gegenseitig gern den Garaus macht.<br \/>\nDie Ger\u00fcchtek\u00fcche kocht.<br \/>\nDie Ger\u00fcchtek\u00fcche schmeichelt unseren G\u00e4umchen und versorgt uns mit immer neuen entsetzlichen Kreationen, deren lustf\u00f6rdernde Wirkung nicht zu untersch\u00e4tzen ist.<br \/>\nAls w\u00e4re es nicht schon genug gewesen.<br \/>\nEs war schon genug.<br \/>\nKocht er dich ein, langsam, gr\u00fcndlich, bis nichts mehr \u00fcbrigbleibt au\u00dfer deinem versiegenden R\u00f6cheln und den vielfarbigen Nichtigkeiten, nichtssagend aufgehend und vergehend im kalten Meeresschaum.<\/p>\n<p>Die Geburt ist angesetzt.<\/p>\n<p>Es macht schon lange keinen Sinn mehr und hat trotzdem noch nicht aufgeh\u00f6rt zu funktionieren. M\u00fchelos und routiniert werden die t\u00e4glichen Rituale aufrechterhalten. Gek\u00fcrzt, gestrafft, verschlankt und beschnitten, gek\u00fcrzt, gestrafft, verschlankt und beschnitten soll sie werden, die Essenz, die Basis eurer Rechtfertigung, w\u00e4hrend du bereits aus allen N\u00e4hten platzt und auf zeitiges Erbarmen hoffst.<\/p>\n<p>Erbarmungslos brennt es auf dich hernieder, das Licht der sp\u00e4ten Aufkl\u00e4rung. Brandl\u00f6cher mannigfaltig im Kunststoff\u00fcberzug deiner geschmacklosen Kost\u00fcmierung. L\u00e4sst du die Asche achtlos auf den Boden fallen, schwer wie Zements\u00e4cke. Gl\u00fcht im Halbdunkeln noch der obligate Glimmst\u00e4ngel, den du dir notgedrungen als effektive Beruhigungsma\u00dfnahme regelm\u00e4\u00dfig zwischen die aufgedunsenen Lippen schiebst.<br \/>\nWo war ich nochmal?<br \/>\nNur nicht hier.<br \/>\nWeiter weiter.<br \/>\nWalz. Walz. Walz.<\/p>\n<p><em>Traudi, magst du mir mal zur Hand gehen?<\/em> Erschallt die greinende s\u00fc\u00dfliche Stimme der blonden Beleidigung. <em>Da ereignet sich gerade eine mittlere Katastrophe<\/em>. Lacht er mit gespieltem Entsetzen und fr\u00f6hlich intoniertem Wellengang. <em>Ich komme schon<\/em>. Und walzt an unter kaum zu unterdr\u00fcckendem Dampfen und St\u00f6hnen.<br \/>\nDampfplauderer. Dampfplauderer. Dampfplauderer.<\/p>\n<p>Walzt durchs All und um die Ecke, wo sie ihn antrifft, den sklavisch Untergebenen, der mit nichts bekleidet als einem neckischen Kropfband, den Kopf entschuldigend zur Seite geneigt, ein niedliches L\u00e4cheln auf den Lippen, nach oben deutet. Folgt sie seinen Fingern im Zeitlupentempo, vorsichtig, zweifelnd, ahnungsvoll.<br \/>\nDen Kopf weit in den Nacken legend. Und noch weiter.<br \/>\nBricht das R\u00fcckgrat. Ein, zwei, drei Mal. Bricht es endlich richtig.<br \/>\nDann kann sie es auch sehen.<\/p>\n<p>Schwarz angelaufen ist er, der Plafond. M\u00fchsam reckt sich ein verkrusteter Krater aus der Decke hervor, Gift und Galle speiend. Br\u00f6ckelt es. Br\u00f6ckelt es hernieder auf den illegitimen Grund und Boden.<br \/>\n<em>Da ist was aus den Fugen geraten, meine Liebe,<\/em> verz\u00e4rtelt das Blondtier seinen Auswurf.<br \/>\nWirft sich in zierliche Posen f\u00fcr unbekannte Beobachter, w\u00e4hrend sich am Himmel immerw\u00e4hrend dicke, schmierige Brandblasen aufwerfen und senken. Aufwerfen und senken.<\/p>\n<p>Wo ist der Kitt, der alles zusammenh\u00e4lt?<\/p>\n<p><em>Du sollst hier drinnen nicht rauchen. Das wei\u00dft du doch. Was sollen die Kinder denken?<\/em><br \/>\nVorwurfsvoll blickt er sie an, aus gro\u00dfen, sch\u00f6nen, blauen, traurigen Augen.<\/p>\n<p>Unger\u00fchrt weiterposierend, einem abwesenden Herrn huldigend, trollt sich der k\u00f6rperbetonte K\u00f6nigsanw\u00e4rter, um aus dem benachbarten Zimmer gekr\u00e4nkt verlauten zu lassen: <em>Und hier erst, Traudi. Schau dir mal dieses Schlamassel an. Da werden wir ja unseres Lebtags nicht mehr froh.<\/em><br \/>\nDumpf t\u00f6nen ihre schweren Schritte in der sp\u00e4tsommerlich beschienenen Kammer, als sie sich aufmacht zu neuen Ufern.<br \/>\nKaum die Schwelle \u00fcberschritten, steht er schon da, verrucht, verkl\u00e4rt, verirrt, verliebt.<br \/>\nAngelehnt und abgest\u00fctzt. Abgewinkelt und angespitzt. Aufgebauscht und abgel\u00f6st.<br \/>\n\u00c4chzt es, das Wandregal, voll \u00fcberbordend sch\u00f6ner W\u00e4lzer.<br \/>\n\u00c4chzt es unter der Last des besseren Wissens.<br \/>\nKein Rahmen h\u00e4lt das mehr aus.<br \/>\nDieser Rahmen h\u00e4lt das nicht mehr aus.<br \/>\nGespielt emp\u00f6rt richtet er sich auf, der entbl\u00f6\u00dfte halbgare Luftikus mit eindringlichen Worten.<br \/>\n<em>Ein Mahnmal, ein Denkmal, ein Monument, <\/em>\u00fcberschl\u00e4gt sich seine kleine Stimme.<br \/>\n<em>Mein Land, mein Gesetz, mein Recht, <\/em>setzt er noch eins drauf.<br \/>\nStampf. Stampf. Stampf.<br \/>\nDas ist doch nicht dein Ernst.<\/p>\n<p><em>Reich mir deine helfende Hand, Traudi! Reich sie mir im Bund der festgeschriebenen Ehe. Ehern und unverbr\u00fcchlich soll es sein, das B\u00fcndnis unserer fortschreitenden Verbrechen. Gemeinsam schaffen wir das!, <\/em>frohlockt er und beginnt sogleich, sich an dem Gestell zu schaffen zu machen, die unheilvoll gebleckten Z\u00e4hne nie von ihr abwendend.<\/p>\n<p>Du stehst nur da, unf\u00e4hig, unbewegt, unber\u00fchrt zuschauend, verfolgend, frontal, w\u00e4hrend er seine k\u00fcmmerlichen Muskeln spielen l\u00e4sst, w\u00e4hrend er seine vergeblichen Urteile vollstreckt.<br \/>\n<em>Wirst du wohl. Wirst du wohl. Wirst du wohl.<\/em><br \/>\nEs ist zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>An allen Ecken und Enden fehlt es. An allen Ecken und Enden.<br \/>\nUnd dann ist es endg\u00fcltig zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Mit vor unmenschlicher Anstrengung verzerrter Miene versucht er es aufrechtzuerhalten, das Ger\u00fcst der eigenen Verantwortungslosigkeit. Doch der Druck ist zu gro\u00df. Der K\u00f6rper zu schm\u00e4chtig. Nach und nach knallen sie ihm alle auf den nachgiebigen Sch\u00e4del, begraben ihn, der sich vergeblich windend, kr\u00fcmmend aus den Bergen zu retten versucht, unter sich, bis zuletzt der Rahmen selbst bricht und ihm die Pf\u00e4hle in den Leib rammt. Auf platzt die Bauchdecke, entlassend ins unbekannte Freie die verschlungenen Ged\u00e4rme der eigenen unaufl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Wie vom Donner ger\u00fchrt steht sie da, die rechte Hand des Vorstandes.<br \/>\nViel zu sp\u00e4t war es.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er sich langsam in seine Bestandteile aufl\u00f6st, b\u00fcckt sie sich zur Erde, um einen der ber\u00fcchtigten W\u00e4lzer aufzuheben. Kaum schl\u00e4gt sie ihn auf, schon erschl\u00e4gt sie der fette Gro\u00dfdruck, der maximalen Raum einnimmt. Seitenweise Buchstaben um Buchstaben um Buchstaben.<\/p>\n<p>Unrettbar. <em>Unrettbar verliebt war ich in dich<\/em>. Sagt sie sich.<br \/>\n<em>Aber es macht alles keinen Sinn. <\/em>Sagt sie sich.<br \/>\n<em>Diese Worte machen keinen Sinn. Sie ergeben keinen Sinn.<\/em><\/p>\n<p>Verleg dich aufs Beten! Schnell!!<\/p>\n<p>Du krachst mit deinen Knien auf die Erde. Du raufst dir die Haare, unrettbar.<br \/>\nDu schl\u00e4gst verzweifelt die H\u00e4nde vor der Brust und \u00fcber dem Kopf zusammen.<br \/>\nDu krampfst akut, w\u00e4hrend dir die Tr\u00e4nen hei\u00df hinter die Fassade steigen.<\/p>\n<p>Vergib mir oh Vater im Himmel f\u00fcr meine zahlreichen S\u00fcnden, die ich hier als dein unbescholtener Diener begangen habe! Vergib mir oh Sohn am Kreuz, dem falschen G\u00f6tzen des Mammons gehuldigt zu haben, w\u00e4hrend ringsum die T\u00fcrme in Schutt und Asche gelegt wurden! Vergib mir, oh Geist in der Leere, dass ich dich verunreinigt habe, mit meinen Gedanken, Worten und Werken.<br \/>\nVergib mir schon! Vergib mir endlich, du zweifelhaftes Produkt meines unstillbaren Gr\u00f6\u00dfenwahns!!<\/p>\n<p>Es ist noch nicht vorbei.<\/p>\n<p>Rings um dich hat sich ein purpurner See gebildet, der noch das letzte Licht von drau\u00dfen zu reflektieren vermag. Und dich. Und auch du spiegelst dich wider im dickfl\u00fcssigen Saft deiner letzten Mahlzeit. Dreh dich, wende dich, verwerte dich nach allen Seiten. So haben wir es gern. So soll es sein.<br \/>\nSch\u00f6n sollst du sein im Abgang.<\/p>\n<p>Langsam erhebst du dich aus der Sickergrube. Dein Ende ist ein anderes. Unbek\u00fcmmert tr\u00f6pfelt es dir aus den Stofffalten, den Fingerspitzen, dem gespannten Nylon an den feisten Waden. Ohne ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Zeit watest du schlie\u00dflich durch die R\u00e4ume zur\u00fcck in den einstmaligen Dienstgang, der nun sehr entbl\u00f6\u00dft vor uns liegt.<\/p>\n<p>Dunkel ist es allm\u00e4hlich geworden. Dunkler ist es geworden. Orientierung f\u00e4llt schwer. Du tastest dich entlang an den W\u00e4nden, Ritzen und offenen Fragen, den unm\u00f6glichen Antworten, den unidentifizierbaren Gesichtern. Die immer nur das Profil preisgeben. Die sich immer entziehen. Das Antlitz gottesgleich immer millimeternah am frischen Putz. Erl\u00f6sung suchend. Die Lippen immer Millimeter entfernt vom chemischen Einerlei. Der Geschmack von grotesker Freiheit.<\/p>\n<p>Und bald ist er da, der verhei\u00dfungsvolle Ausweg, die noch verschlossene T\u00fcr zum t\u00f6dlichen Finale.<br \/>\nUnd t\u00f6dlich muss es sein. So viel ist gewiss.<br \/>\nIm Finsteren gibt man sich leichter den Illusionen hin, den kleinen Irrlichtern, die einen bet\u00f6ren und verf\u00fchren. Die einem den roten Teppich ausrollen ohne Fr\u00fchjahrsputz. Samtig wogend \u00fcber Leichenberge l\u00e4sst er sich \u00fcberraschend leicht beschreiten, der Pfad der Gewissenlosen. Der Pfad der K\u00f6nige. In der Erbfolge stehst du an vorderster Stelle. Ein Spitzenplatz ist dir gewiss.<br \/>\nDem allen ist nun der Garaus gemacht.<br \/>\nNiemand wei\u00df das besser als du.<\/p>\n<p>Hier gibt es nichts mehr f\u00fcr dich.<\/p>\n<p>Doch schau einmal da.<br \/>\nWas hat es damit auf sich?<br \/>\nWohin wandern die dubiosen Gesellen, wenn nicht hierhin?<\/p>\n<p>Ungl\u00e4ubig, ermattet f\u00e4llt dein Blick auf die Schwelle.<\/p>\n<p>Vergessen, leugnen und rechtfertigen. Vergessen, leugnen und rechtfertigen.<br \/>\nHattest du fast vergessen, dass es sich vermehrt hatte, das Unwesen, der Untrieb.<br \/>\nIn ein oder zwei oder drei oder vier Sch\u00e4ferst\u00fcndchen.<br \/>\nHattest du es tats\u00e4chlich vergessen?<br \/>\nEs war ja nicht umsonst gewesen. In deinen Augen.<br \/>\nWie h\u00fcbsch er da gelegen hatte, der vom Rahmenwerk Zerteilte. Wie h\u00fcbsch er sich verausgabt hatte, der Blut Lassende. Wie brav er sein Erbe in dir hinterlassen hatte. Auf der Schwelle hinterlassen hatte.<\/p>\n<p>Ob es gut oder schlecht oder nichts ist, kann nun heute keiner mehr so genau sagen. Es ist auch einerlei. Verzecht wurde alles. In der ewigen Nacht, die sich nun langsam dem Ende zuneigt.<br \/>\nUnd du neigst dich hinab zu dem unbestimmten Nachfolger, der noch nicht die un\u00fcbersehbaren Male der Versehrtheit aufweist. Der noch nicht gezeichnet ist von eurem Versagen. Aber bald ein Zeichen setzen k\u00f6nnte. F\u00fcr und wider. F\u00fcr oder wider.<\/p>\n<p>Es ist einerlei. Bald hast du ausgedient.<\/p>\n<p>Es ist der letzte Weg, der beschritten werden muss.<\/p>\n<p>Verbeugst dich in einem vollendeten Diener vor deinem in Vergessenheit geratenen Kind.<\/p>\n<p>Es streckt dir die Arme entgegen und du streckst es nieder. Mit einem Mal. Mit einem Biss. Einem Schluck. Ist es vollbracht, das meisterhafte Verbrechen der Verantwortungslosen. Es ist dahin, sie ist dahin, die gl\u00fccklose Zukunft, der noch niemand die Pforten ge\u00f6ffnet hat. Es ist vorbei und vollendet.<\/p>\n<p>Von \u00dcbelkeit \u00fcbermannt und schwer zu benennender Befriedigung erf\u00fcllt, l\u00e4sst du dich hinuntergleiten am Rahmen deines Vollzugs.<\/p>\n<p>Das muss erst einmal verdaut werden.<\/p>\n<p>Bevor der Sterbeprozess einsetzen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Angelika Holl<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a> | Inventarnummer: 17197<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sitzt sie da, tief \u00fcber ihre Unterlagen gebeugt, mit feister, dennoch konzentriert wirkender Miene. Tief in den Schminkkasten getaucht. Mit Tinkturen beschmiert, die nach und nach ihre Tiefenwirkung entfalten sollen. 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