{"id":6977,"date":"2017-09-05T12:08:29","date_gmt":"2017-09-05T12:08:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6977"},"modified":"2017-09-10T13:06:23","modified_gmt":"2017-09-10T13:06:23","slug":"ein-hundeleben-in-luhansk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6977","title":{"rendered":"Ein Hundeleben in Luhansk"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6977&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6977&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><ol>\n<li>CHANEL<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich liebe den Duft meines Frauchens, &#8230; am st\u00e4rksten ist er im Schlafzimmer, in der verbotenen Zone. Sie nennen den Geruch CHANEL und halten ihn in kleinen Fl\u00e4schchen. Herrchen ist ganz meiner Meinung, auch er schnuppert h\u00e4ufig am Nacken von Frauchen. Schade, wenn Frauchen abends nachhause kommt, ist der Duft weg. Dann riecht sie m\u00fcde. Nur an den Abenden, wo ich allein in der Wohnung bleiben muss \u2013 ich mag das nicht \u2013 bleibt f\u00fcr mich auch ein wenig Duft im Badezimmer zur\u00fcck. Ich bin nicht gerne allein, ich bin gerne mit den Menschen und h\u00f6re Ihnen immer gut zu.<\/p>\n<p>Wer bin ich \u2026 ja also, ich bin ein sch\u00f6ner Hund, ich bin ein braver Hund, ich bin ein kluger Hund, ich bin ein s\u00fc\u00dfer Hund, ein edler Hund!!!<\/p>\n<p>Nur die schwitzende Alte \u2013 Frauchen ruft sie \u201eSchwiegermutter\u201c \u2013 mit den dick angeschwollenen Beinen, sie nennt mich auch: \u201eDummer Hund, l\u00e4stiger Hund \u2026 verw\u00f6hnter Hund.\u201c<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>TULPEN<\/li>\n<\/ol>\n<p>Schon bei der Wohnungst\u00fcr hat mir Frauchen die rote Leine zum Tragen gegeben und wir gehen die Treppe hinunter bis zum Ausgang des gro\u00dfen Hauses. Da kommt uns Herrchen nachgelaufen und ruft: \u201eLiebling, heute gehe ich mit dem Hund hinaus &#8230; du wei\u00dft ja, der Park liegt vor dem besetzten Verwaltungsgeb\u00e4ude. Dort sind gestern Kerle mit Maschinengewehren umhergelaufen \u2026 Das gef\u00e4llt mir nicht!\u201c Frauchen lacht: \u201eAch, lass nur! Ich kann auf mich selbst aufpassen.\u201c Ich lache auch, da f\u00e4llt mir die rote Leine aus dem Maul.<\/p>\n<p>Wie immer laufe ich wenige Meter vor Frauchen. Am Weg entlang kenne ich jede Markierung. Ja, ich kenne sie alle. Heute duftet der Park nicht mehr nach feuchter Erde, er duftet nach Tulpen, &#8230; gro\u00dfe bunte Tulpen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich ruft mich Frauchen zur\u00fcck: \u201eTut mir leid, heute gehen wir nicht bis zu deinem Lieblingspl\u00e4tzchen. Siehst du die M\u00e4nner mit Gewehren dort hinten bei den B\u00fcschen? &#8230; Komm, wir kehren um!\u201c<\/p>\n<p>Ja, ich sehe eine Gruppe von Menschen. Sie stehen ruhig da in dicken Jacken und machen keinen L\u00e4rm, wie die wohl riechen?? &#8230; Aber ich gehorche meinem Frauchen.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>KUCHENKR\u00dcMEL<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich verstehe nicht, und ich will auch nicht brav sein. Frauchen und ihr Mann sind nicht freundlich heute, sie haben es eilig und laufen von einem Zimmer ins andere.<\/p>\n<p>Frauchen spricht heute sehr laut in ihr kleines Telefon: \u201eWir werden jedenfalls nicht warten, bis hier in Luhansk das gro\u00dfe Chaos ausbricht! &#8230; Im B\u00fcro geht bereits jetzt alles drunter und dr\u00fcber, die meisten Verwaltungsgeb\u00e4ude sind besetzt, an funktionierende Arbeit ist nicht mehr zu denken &#8230; ich muss rasch in die Zentrale nach Kharkiv!\u201c<\/p>\n<p>Keiner von beiden hat heute einen Leckerbissen f\u00fcr mich, keiner will mit mir hinausgehen, spielen &#8230; Berge von Kleidern, gro\u00dfe B\u00fcndel Papier, &#8230; ein dunkler Koffer, noch ein gro\u00dfer Koffer, und noch eine Tasche.<\/p>\n<p>Da steht pl\u00f6tzlich Frauchen vor mir und ihr Mann ruft aus dem anderen Zimmer: \u201e&#8230; F\u00fcr den Hund ist jetzt kein Platz mehr im Auto!!\u201c&#8230; Ich blicke die beiden aus traurigen Augen an. Ja, ich bin traurig, sie sollen es sehen. Ich liebe Autofahren, sie nehmen mich nicht mit und haben mir keinen Leckerbissen gegeben. Ich lecke traurig die Kuchenkr\u00fcmel vom K\u00fcchenboden auf.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>SCHWERTLILIEN<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mein Frauchen ist weggefahren mit ihrem Mann und hat mich mit der schwitzenden Alten allein gelassen. Die Alte hat einen sauren Geruch und spielt nie mit mir. Die Wohnung stinkt. &#8230; Endlich, endlich gehen wir hinaus. Ich will in den Park und habe es sehr eilig, ich ziehe an der Leine. Ich will schneller in den Park. Die Alte zetert und \u00e4chzt.<\/p>\n<p>Auf dem Gehsteig merke ich, etwas ist anders. Wo sind die Menschen, die immer so eilig laufen? &#8230; Ich sehe nur wenige heute.<\/p>\n<p>Die Sonne strahlt warm und ich schn\u00fcffle an den Markierungen meiner Freunde und Nicht-Freunde. Die Schwertlilien im Park duften schwer und s\u00fc\u00df. Die Alte will mich an der Leine fortziehen. Pl\u00f6tzlich schreit ein Mensch neben mir laut auf \u201eIn Deckung, &#8230; ein Angriff!\u201c Ich schrecke zusammen und ducke mich &#8230;, ein Pfeifen, dann Krachen und Staub.<\/p>\n<p>Noch ein Pfeifen \u00fcber mir, der Krach f\u00e4hrt wie eine Flamme durch den Kopf, ich sehe nichts mehr, die Alte zerrt mich in ein Haus, die Leine w\u00fcrgt mich. Ich will weg, an die Luft, mehr Luft! &#8230; Ich rei\u00dfe mich los und rase durch die Staubwolke, weg von dem Krachen.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>FLEISCH<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wo ist mein Frauchen und ihr Mann, wo ist die schwitzende Alte? &#8230; Ich finde die dunkle Wohnung mit dem Sauerkrautgeruch nicht, ich finde nicht mehr zur\u00fcck. Die Stadt ist gro\u00df, mit geraden Stra\u00dfen ohne Markierungen.<\/p>\n<p>Ich bin hungrig, sehr hungrig &#8230; sitze vor einem Kiosk am gro\u00dfen Markt. Dort riecht es wunderbar, der Duft ist himmlisch, so wie mein Lieblingsfutter oder Chanel. Ich trotte zu zwei jungen Menschen, die eilig aus einem Papier fressen und sehe ihnen in die Augen: \u201eIch bin ein braver Hund, gebt mir etwas! \u2026 Gebt mir doch etwas!<\/p>\n<p>&#8230; Der eine junge Mensch vor dem Kiosk, es ist das M\u00e4dchen, lacht und wirft mir ein St\u00fcckchen zu, aber es ist nur Brot, kein Fleisch, leider kein Fleisch &#8230; \u201eKomm her mein sch\u00f6ner Hund, ich nehm dir deine rote Leine ab, &#8230; die st\u00f6rt dich nur beim Laufen.\u201c<\/p>\n<p>Ich mag diese beiden jungen Menschen, sie sind fr\u00f6hlich, sie lachen &#8230; sie haben einen guten Geruch und sie haben keine Angst. Angst habe ich heute in vielen Stra\u00dfen gerochen. Die Menschen in der Stadt laufen sehr rasch und mit eingezogenem Kopf den Gehsteig entlang.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich ein Pfeifen, das kenne ich!!!!!! &#8230; Dann das Krachen, wieder das Schreien der Menschen. Der Kiosk bricht auseinander, dunkle Teile fliegen durch die Luft, es riecht verbrannt, &#8230; Rauch und Schreie aus dem gro\u00dfen Geb\u00e4ude hinter dem Kiosk. Das M\u00e4dchen liegt mit starren Augen unter dem Tisch, zwei Menschen knien vor ihr. Ich springe an den beiden vorbei und schnappe alle Fleischst\u00fccke auf dem Boden, eine gro\u00dfe Menge.<\/p>\n<p>Das Fleisch ist herrlich warm und saftig &#8230; das tut so gut, ich bin gl\u00fccklich, &#8230; ich fresse, kaue, w\u00fcrge und fresse. Da pl\u00f6tzlich sp\u00fcre ich den Schmerz, ein scharfer, bohrender Schmerz an der Seite.<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li>TABAK<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die lange Stra\u00dfe ist dunkel, sehr dunkel, alles ist ruhig. &#8230; Keine Menschen. Ich habe Schmerz, so gro\u00dfen Schmerz &#8230; ich kann nicht mehr laufen, ich bleibe steh\u2018n und lecke meine blutige Flanke. Ich will zur\u00fcck in meine Wohnung! &#8230; Ich will meine rote Leine wieder! \u2026 Ich will zu meinem Frauchen!<\/p>\n<p>Dort hinten sind zwei Lichter auf der Stra\u00dfe, mitten im grellen Licht steht ein Mensch und markiert sein Territorium an einem Baum.<\/p>\n<p>Ich kann nicht mehr weiter, ich setze mich hin, gebe brav Pfote und sage leise \u201e\u2026 Nimm mich mit, bitte bitte, \u2026 nimm mich mit!\u201c<\/p>\n<p>\u201eVerdammt noch mal! &#8230; Du kommst da einfach daher und gibst Pfote, na lass dich mal anschau\u2018n &#8230; Ein Stra\u00dfenk\u00f6ter bist du sicher nicht, eher ein Reinrassiger.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, ja &#8230; ich bin ein sch\u00f6ner Hund, ein braver Hund\u201c, winsle ich.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Mensch sieht mich lange an, hebt mich hoch und legt mich im gro\u00dfen Wagen auf den Beifahrersitz. \u201eDu bist genau das Richtige f\u00fcr die Burschen drau\u00dfen bei der Br\u00fccken-Stellung, die sollen dich verpflegen &#8230; dann kommen sie auf keine schiefen Gedanken, wenn\u2019s mal l\u00e4nger ruhig ist und nicht kracht.\u201c<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Mensch riecht stark nach Tabak, seine H\u00e4nde, sein Atem, seine Jacke. Aber er hat gute Laune. Er lenkt den brummenden Kastenwagen, bl\u00e4st Rauch in die Luft und spricht mit mir.<\/p>\n<p>\u201eNa, dich vornehmen K\u00f6ter hat\u00b4s wohl erwischt beim Raketen-Angriff auf die Stadt? Tja, Krieg ist nicht jedermanns Sache &#8230;, aber f\u00fcr mich passt es gut, was da so drau\u00dfen abl\u00e4uft. &#8230; Endlich Aufr\u00e4umen, endlich Dreinhau\u2018n &#8230; die feinen Schn\u00f6sel mit ihren Aktenkoffern haben jetzt ausgespielt &#8230; sind abgehau\u2018n oder hocken mit vollgepissten Hosen in ihren Kellern.<\/p>\n<p>Ich sag dir, mein H\u00fcndchen &#8230; Krieg ist eine feine Sache! &#8230; Da h\u00f6rt es sich auf mit d\u00e4mlichen Verwaltungsstrafen oder Alimenten f\u00fcr irgendeinen Balg, den du nicht mal besuchen darfst. Da drau\u00dfen ist seit Tagen die H\u00f6lle los, und genau jetzt brauchen sie schlaue Typen wie mich &#8230;!\u201c<\/p>\n<p>Der Tabak-Mensch bl\u00e4st fr\u00f6hlich den Rauch gegen die Wagenscheibe und nickt: \u201cJawohl, jetzt brauchen sie die Typen wie mich, &#8230; und zwar auf beiden Seiten.\u201c<\/p>\n<p>Ich habe gro\u00dfen Schmerz, aber ich bem\u00fche mich den rauchenden, freundlichen Menschen dankbar anzuwinseln. Bei ihm rieche ich keine Angst.<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li>WURST<\/li>\n<\/ol>\n<p>Einer der Menschen mit dem gl\u00e4nzenden Gewehr gibt mir zu fressen. Jeden Morgen, wenn der Nebel noch am Flussufer h\u00e4ngt. Er lebt mit einigen anderen in einem Erdloch neben der Br\u00fccke, aber er hat gutes Fressen und umwickelt jeden Tag meine Wunde mit gr\u00e4sslich stinkenden Fetzen. Er spricht mit mir sanft und freundlich und erkl\u00e4rt mir, dass ich bald Hundebabys haben werde.<\/p>\n<p>\u201eHeute ist ein besonderer Tag, es ist mein Geburtstag &#8230;\u201c, sagt er zu mir \u201edeshalb kriegst du die H\u00e4lfte von meiner Wurst\u201c. Mit dem gro\u00dfen Messer schneidet er eine Scheibe ab, noch eine Scheibe, noch eine Scheibe &#8230; bitte, bitte noch eine Scheibe!<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich sieht er mich nicht mehr an, er l\u00e4chelt nicht mehr &#8230; Seine Augen werden dunkel, er schaut auf das gl\u00e4nzende Gewehr neben sich &#8230; \u201eWas zum Teufel tu ich da eigentlich? &#8230; Ich f\u00fcttere Hunde, aber ich schie\u00dfe auf Menschen\u201c. Sein Geruch ist pl\u00f6tzlich anders, kein guter Geruch.<\/p>\n<p>Ich will, dass er l\u00e4chelt und will mehr Wurst. Mein Bauch ist schwer, ich bin hungrig, Ich belle ihn an &#8230; du bist ein guter Soldat, ein s\u00fc\u00dfer Soldat, ein kluger Soldat, ein braver Soldat!!!\u201c &#8230; Aber es kommt keine Wurst, kein L\u00e4cheln mehr. Er starrt auf sein Messer in der Hand.<\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li>MILCH<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich lecke meine Jungen ab. Meine Kleinen &#8230; sie m\u00fcssen sauber bleiben und gut riechen. Sie schlafen oder sie saufen. Meine Zitzen geben viel Milch, denn das Fressen ist gut hier bei den Soldaten in den Erdl\u00f6chern.<\/p>\n<p>Die Erdloch-M\u00e4nner sind freundliche Menschen, denn sie streicheln meine Jungen. Aber wenn die Kleinen an den gl\u00e4nzenden Gewehren kratzen, werden die Soldaten \u00e4rgerlich und schieben sie weg. Die B\u00e4ume haben begonnen, die Bl\u00e4tter zu verlieren, nachts muss ich die Jungen mit meinem K\u00f6rper gut w\u00e4rmen.<\/p>\n<p>Der Soldat mit der sanften Stimme und der Wurst hat mir einen Halsschmuck gemacht. Wenn ich unten am Flussufer saufe, gl\u00e4nzt das helle Metall mit dem Lederband im dunklen Wasser. Ich bin zufrieden hier, ich lecke meine Jungen ab und manchmal meine vernarbte Wunde. Ich beginne mit dem Schwanz zu wedeln, &#8230;, ich bin sehr, sehr zufrieden.<\/p>\n<ol start=\"9\">\n<li>ERDE<\/li>\n<\/ol>\n<p>Krachen, Sch\u00fcsse &#8230; der Baum neben dem Erdloch st\u00fcrzt um, alles um mich bebt, Sand und Erde beginnt zu rieseln. Die Soldaten im Erdloch schreien durcheinander, einer st\u00fcrzt \u00fcber mich und bleibt liegen, seine Beine zucken. Ich rieche warmes, frisches Blut, &#8230; Ich presse mich mit den Kleinen in den dunkelsten Winkel des Erdloches. Erde f\u00e4llt auf mich, schwere weiche Erde, ich kann mich nicht mehr bewegen &#8230; meine Jungen, die Kleinen, wo sind sie alle? Mehr Luft, ich brauche Luft! \u2026 Ein Junges winselt neben mir, ich schnappe es und grabe mir den Weg frei zum Licht. Ein Gewehr liegt vor mir, daneben ein Arm, der Arm von einem der Erdloch-Soldaten.<\/p>\n<p>Wieder Krachen, ein Ast st\u00fcrzt auf mich nieder &#8230; ich muss hier weg! Schnell weg &#8230; der Fluss, das Wasser, ich springe hinein &#8230; sp\u00fcre das eisige Wasser, aber ich paddle, paddle, paddle &#8230; und halte mein Junges zwischen den Z\u00e4hnen.<\/p>\n<ol start=\"10\">\n<li>UFER<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich ziehe mich am Ufer hoch. Ich habe den Fluss durchschwommen und das Kleine nicht losgelassen. Mein Fell tropft, ich friere, es ist kalt. Ich lasse mein Junges ins welke Laub fallen. Ich h\u00f6re es winseln. Es lebt, mein Junges lebt &#8230; wir zittern vor K\u00e4lte.<\/p>\n<p>Hinter den B\u00fcschen sehe ich Rauch gerade in den Himmel steigen und eine H\u00fctte. Ich krieche mit dem Kleinen im Maul die B\u00f6schung hinauf und kratze an der H\u00fcttent\u00fcr. Ich winsle und zittere. Ich kann nicht mehr.<\/p>\n<p>Zwei Menschen mit Gewehren treten aus der H\u00fctte. Einer legt das Gewehr zur Seite und kniet sich zu mir nieder: \u201eNa Hundemutter, du warst unten im Donets schwimmen, war wohl ein wenig kalt f\u00fcr euch beide!\u201c Er nimmt das Junge hoch und umwickelt es mit seiner Jacke.<\/p>\n<p>Der andere beugt sich herunter und sieht meinen Halsschmuck an. Er beginnt die gl\u00e4nzenden Metallzeichen laut zu lesen. Dann springt er auf, \u2026 sein kahler Kopf ist pl\u00f6tzlich rot geworden, er beginnt zu schreien: \u201eDieses Hundevieh war bei den Kosaken am anderen Ufer! &#8230; Diese Schweine von dr\u00fcben haben drei unserer Leute am Fluss unten abgeschossen!\u201c<\/p>\n<p>Der andereMensch bewegt sich nicht, er h\u00e4lt mein Junges im Arm und fragt leise: \u201e\u2026 Und Andreii, so sag mir bitte, was kann dieser Hund daf\u00fcr?\u201c<\/p>\n<p>Der rote Kahlkopf schreit dem anderen Menschen ins Gesicht: \u201e\u2026 Du fragst mich, was kann der Hund daf\u00fcr?!!!\u201c<\/p>\n<p>Er beginnt noch lauter zu br\u00fcllen, in meinen Ohren pfeift es, ich muss mich hinlegen: \u201e\u2026 Ja, dann frag bitte auch, was k\u00f6nnen denn WIR daf\u00fcr?! \u2026 Und was k\u00f6nnen DIE am anderen Ufer daf\u00fcr?! &#8230; So kapier es doch endlich, Krieg hat nun mal seine eigenen Regeln!!!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDieses Viech geh\u00f6rt abgeknallt, auf der Stelle!\u201c &#8230; Er hebt sein Gewehr hoch. Stechender Schmerz durchf\u00e4hrt mich, einmal, noch einmal. Ich bekomme keine Luft mehr, ich will zu meinem Jungen, aber ich komme nicht hoch.<\/p>\n<p>Der andere Mensch nimmt das Junge aus seiner Jacke und legt es vor mir nieder, er sieht mir in die Augen und fl\u00fcstert: \u201eIch k\u00fcmmere mich um dein Kleines, ich bringe es morgen nach TROKHIZBENKA, zu meiner Tante ins Dorf.\u201c<\/p>\n<p>Mit meiner letzten Kraft lecke ich es sauber. Es winselt zufrieden und gew\u00e4rmt. \u2026 Ja, die Menschen sind gut, \u2026 sie werden sich um mein Junges k\u00fcmmern.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Doris Vogl<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a> | Inventarnummer: 17163<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CHANEL Ich liebe den Duft meines Frauchens, &#8230; am st\u00e4rksten ist er im Schlafzimmer, in der verbotenen Zone. 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