{"id":5521,"date":"2016-11-27T14:40:48","date_gmt":"2016-11-27T14:40:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5521"},"modified":"2017-02-10T17:21:15","modified_gmt":"2017-02-10T17:21:15","slug":"roboter-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5521","title":{"rendered":"Roboter tr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5521&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5521&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Eine k\u00fcnstliche Intelligenz zu erschaffen, stand schon seit Langem im \u00a0Forderungskatalog vieler Wissenschaftler. Es erwies sich als weit schwieriger als gedacht. Die Rechenleistung stieg geradezu exponenziell, aber das reichte nicht. Ein Roboter, der alle M\u00f6glichkeiten durchrechnete, blieb ein tumber Rechenapparat. Er war nicht intelligent. Der Schwerpunkt lag woanders. Der Mensch war einem Roboter deshalb voraus, weil er Wichtiges von Unwichtigem trennen konnte, daraufhin Priorit\u00e4ten setzte, weil er Eindr\u00fccke mit gemachten Erfahrungen verglich, und weil er lernte. Er war mit Filtern ausgestattet, die er einsetzte. Und er wusste, was f\u00fcr ihn notwendig war. Ein Mann brauchte 0,3 Sekunden, um herauszufinden, ob er eine Frau h\u00fcbsch fand. So schnell war kein Roboter.<br \/>\nSelbst wenn ein Supercomputer an seiner Stelle in dem Mann gerechnet h\u00e4tte, w\u00e4re er langsamer gewesen. Was den Menschen intelligent machte, war, dass er ein weiterentwickeltes Tier war. Er tat alles, um zu \u00fcberleben oder zumindest seine Gene weiterzugeben. Das war das Tierische an ihm. Und zudem hatte er denken gelernt. Es war die Kombination aus Instinkt und Gedankenkraft, die ihn blitzschnell richtige Schl\u00fcsse ziehen lie\u00df. Und es war auch das, dass er immer nur einen Teil seines Gehirns, den zur Probleml\u00f6sung spezialisierten, n\u00fctzte und den Rest damit schonte. Und, worauf die Wissenschaftler schlie\u00dflich kamen, was vielleicht den Durchbruch einleitete, der Mensch tr\u00e4umte. Er verband damit verschiedene Bewusstseinsebenen.<\/p>\n<p>Mit dem Stur-Chips-parallel-Schalten und ein paar Programme Einspeisen war es nicht getan. Die Wissenschaftlerteams bestanden dann zu gr\u00f6\u00dferen Teilen aus Psychologen und Neurologen. \u201eDas k\u00fcnstlich intelligente Wesen muss ein Egoist sein\u201c, wurde zum gefl\u00fcgelten Satz.<\/p>\n<p>Erste Ergebnisse zeigten sich. Manche Roboter begannen zu denken, auf einfache Weise, schwerf\u00e4llig und langsam, aber doch. Es waren an das Menschliche angelehnte Denkmuster. Dann lernten die Roboter. Man gab ihnen drei Aktivit\u00e4tszust\u00e4nde, ein, aus und Standby, die durch einen Schieberegler eingestellt wurden. Im Standby-Modus sollte es f\u00fcr die Roboter m\u00f6glich sein zu tr\u00e4umen. Das funktionierte auch, denn einige Roboter erz\u00e4hlten danach von schlimmen Alptr\u00e4umen. In weiterer Folge entfiel der Schieberegler, und die Roboter w\u00e4hlten selbst\u00e4ndig ihren Zustand. Die Roboter wurden intelligent. Bei Intelligenztests h\u00e4tten sie wohl noch schlecht abgeschnitten, aber trotzdem: Die Aufgabe, k\u00fcnstliche Intelligenz zu erschaffen, war erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Zu Intelligenz geh\u00f6rt auch ein gewisses sich entwickelt habendes Bewusstsein. Das \u00e4u\u00dferte sich so, dass einige Roboter bockig reagierten, wenn ihnen etwas nicht passte. So interessierte sich das Milit\u00e4r f\u00fcr ein paar Exemplare. Die Roboter verweigerten mit der Begr\u00fcndung: \u201eWer intelligent ist, geht nicht zum Heer.\u201c<\/p>\n<p>Oder der Roboter, den ein Wissenschaftler zum Abendessen mit zu sich nach Hause nahm. Er sa\u00df mit der Familie zu Tisch, er sch\u00fcttete das Essen einfach in einen Hohlraum in seinem Inneren, er betrieb Konversation, aber als die Tochter des Wissenschaftlers zu ihrem Papa sagte, der Roboter habe da einen Rostfleck, war er beleidigt und wurde patzig.<\/p>\n<p>Das waren noch die einfachen F\u00e4lle. Die intelligenten Roboter wurden zuverl\u00e4ssige Gehilfen, die man mit Nachsicht und Respekt behandeln musste. Kam man ihnen herablassend oder unfreundlich, stellten sie die Arbeit ein und schmollten, manche beschwerten sich auch. Aber nach einiger Zeit renkte sich das wieder ein.<\/p>\n<p>Es kam aber noch etwas ganz anderes auf: Wer mit Geist behaftet war, konnte auch eine St\u00f6rung dessen haben. Geist bedingte ebenso Geisteskrankheiten.<br \/>\nNeue Berufszweige entstanden: Roboter-Psychologen, Roboter-Psychiater, Roboter-Psychotherapeuten. Und eine neue Einrichtung, die der Roboterpsychiatrie.<br \/>\nIn einer solchen traf man den Kehrroboter mit den vielen B\u00fcrsten an seiner Unterseite, der gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig geworden war. Er bildete sich ein, er w\u00e4re Astrophysiker. Aus einem Pappendeckel hatte er sich ein Fernrohr zusammengerollt und beobachtete damit, wenn die anderen Roboter in seinem Zimmer schliefen, den Sternenhimmel.<br \/>\nOder man lernte den Roboter mit narzisstischer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung kennen, der st\u00e4ndig vor spiegelnden Fl\u00e4chen stand, in denen er sich selbst bewunderte.<br \/>\nUnd viele andere Roboter waren noch dort, denen man half und sie \u00fcberwachte.<\/p>\n<p>Die Zukunft hatte schon angefangen und war noch lange nicht zu Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Johannes Tosin<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3714\">fantastiques<\/a> | Inventarnummer: 17014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine k\u00fcnstliche Intelligenz zu erschaffen, stand schon seit Langem im \u00a0Forderungskatalog vieler Wissenschaftler. Es erwies sich als weit schwieriger als gedacht. 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