{"id":21544,"date":"2025-12-13T15:41:46","date_gmt":"2025-12-13T15:41:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=21544"},"modified":"2025-12-20T14:25:13","modified_gmt":"2025-12-20T14:25:13","slug":"der-junge-will-doch-was-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=21544","title":{"rendered":"Der Junge will doch was essen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts21544&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts21544&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ich erinnere mich noch an das Jahr 2004. Dies war ein Jahr, in dem ich kurz vor dem Abitur stand, innerlich aber sehr frustriert war.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich h\u00e4tte es nur wenig gebraucht, um diesen Frust \u00fcberwinden zu k\u00f6nnen, aber das habe ich zu dieser Zeit noch nicht gewusst. Zu dieser Zeit war ich auch relativ isoliert, was an und f\u00fcr sich nichts Schlechtes gewesen w\u00e4re, denn das Gehabe meiner Schulfreunde war ohnehin kindisch und nicht auf meinem Niveau.<\/p>\n<p>Andererseits war gerade dass, was mich frustrierte, genau das eine gro\u00dfe Thema, welches alle Jugendlichen \u2013 manche mehr, manche weniger \u2013 betrifft. Ich denke, dass es \u00fcberfl\u00fcssig ist, es zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Meine Familie ging immer sehr n\u00fcchtern damit um: \u201eDas braucht man nicht.\u201c, \u201eDas kommt noch fr\u00fch genug.\u201c Die Reaktion meiner Gro\u00dfeltern war immer, als ich mich unwohl f\u00fchlte: \u201eDer Junge will doch was essen.\u201c Und dieser Satz kam auch, wenn ich eigentlich ganz andere W\u00fcnsche hatte.<\/p>\n<p>In diesem bereits erw\u00e4hnten Jahr 2004 fuhren wir zu einem Outlet-Center f\u00fcr Schuhe. W\u00e4hrend mein Bruder die Turnschuhe heraussuchte, die in seiner Klasse als die coolsten galten, schlenderte ich einen Gang entlang, auf dem mir ganz pl\u00f6tzlich eine junge Frau um die 30 entgegenkam, die mir sehr gefiel. Ich wei\u00df noch, dass sie eine sehr sch\u00f6ne gestreifte Hose und eine elegante Nickelbrille trug. Es gelang mir aber nicht, ob meiner Sch\u00fcchternheit, sie anzusprechen.<\/p>\n<p>Als ich wieder bei meiner Familie war und ich sagte, dass ich mich langweilte, bekam ich Geld, um im Selbstbedienungsrestaurant etwas zu essen. W\u00e4hrend ich mir einen Teller mit Nudeln nahm, bezahlte und zu meinem Tisch trug, sah ich teilnahmslos das Essen an und dachte noch einmal \u00fcber die Begegnung nach. Es erschien mir chancenlos, mit Menschen, die mir gefielen, in Kontakt zu kommen, und die Einstellung meiner Familie zu diesem Thema war mir nicht gerade hilfreich.<\/p>\n<p>In diesem Moment ging ich noch einmal tief in mich, dabei bemerkte ich, dass ich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit \u00fcberhaupt nichts dachte und mein Atem sich beruhigte.<\/p>\n<p>Ich verstaute mein Tablett im daf\u00fcr vorgesehenen Wagen und als ich zur\u00fcckkam, konnte ich meinen Augen nicht trauen:<\/p>\n<p>Die Frau, der ich vorhin begegnet war, sa\u00df an einem anderen Tisch und trank eine Tasse Tee.<\/p>\n<p>Nun wusste ich, dass ich eine zweite Chance bekommen hatte, f\u00fchlte mich aber immer noch zu verlegen, um sie anzusprechen.<br \/>\nAber was h\u00e4tte ich in dieser Situation tun sollen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wusste ich, dass mein Bruder bei der Auswahl seiner Turnschuhe sehr w\u00e4hlerisch war und ich mich deshalb nicht beeilen musste. Es ging mir eher darum, dass ich etwas sagen wollte, mir aber die Kehle zugeschn\u00fcrt war.<\/p>\n<p>Daraufhin kam mir der Gedanke, dass ich mich jetzt entscheiden m\u00fcsse: entweder zu meiner Familie zur\u00fcckkehren in den ganzen langweiligen, verklemmten Trott oder mir etwas Nettes \u00fcberlegen, was ich dieser Frau sagen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich nachdachte, merkte ich, dass ich sie die ganze Zeit angeblickt hatte, und sie begann, meinen Blick zu erwidern.<\/p>\n<p>In diesem Moment nahm ich all meinen Mut zusammen, ging zu ihr und sagte: \u201eIch wei\u00df, dass ich eigentlich noch zu jung bin, aber ich wollte nur sagen, dass Sie mir sehr gefallen. In meiner Familie hei\u00dft es immer, wenn ich eine G\u00e4nsehaut bekomme, &#8218;Der Junge will doch was essen&#8216;. Ich w\u00fcnsche Ihnen noch einen sch\u00f6nen Tag.\u201c<\/p>\n<p>Sie antwortete nicht, aber begann zu l\u00e4cheln. Diese Reaktion hat einen anderen Menschen aus mir gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Bauer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at |\u00a0Kategorie:\u00a0<a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3081\">\u00bfQu\u00e9 ser\u00e1, ser\u00e1?<\/a> | Inventarnummer: 25216<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich noch an das Jahr 2004. Dies war ein Jahr, in dem ich kurz vor dem Abitur stand, innerlich aber sehr frustriert war. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte es nur wenig gebraucht, um diesen Frust \u00fcberwinden zu k\u00f6nnen, aber das habe ich zu dieser Zeit noch nicht gewusst. Zu dieser Zeit war ich auch relativ isoliert, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[114],"tags":[93],"class_list":["post-21544","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bauer-michael","tag-que-sera-sera"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21544","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21544"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21565,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21544\/revisions\/21565"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}