{"id":12538,"date":"2021-03-17T16:26:11","date_gmt":"2021-03-17T16:26:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12538"},"modified":"2021-03-20T13:11:21","modified_gmt":"2021-03-20T13:11:21","slug":"in-der-stille-waechst-das-vertrauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=12538","title":{"rendered":"In der Stille w\u00e4chst das Vertrauen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12538&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts12538&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>I.<\/p>\n<p>Sag, wann warst du dir das letzte Mal so nahe: Vor vier Jahren sa\u00df ich, Tobias Bonifatius Kotschitsch, Protagonist dieser Erz\u00e4hlung, hier in B. in einer dieser billigen Absteigen, von denen es schon allein in dieser Stadt viel zu viele gibt. Die Vorgeschichte: Flug verpasst, stattdessen eine halsbrecherische Fahrt mit einer versifften Karre von Taxi und dem Fahrer in seinem penetranten Ronaldo-Trikot. Abgelenkt von seinem st\u00e4ndigen Gelaber und dem seichten Plastikpop-Gedudel aus dem Radio w\u00e4re er fast in einen SUV gekracht. Bei mir hat andauernd das Handy geklingelt. Fast zu sp\u00e4t gekommen. Gep\u00e4ck vergessen, kein Wechselgeld parat. Das Mittagessen in einem sch\u00e4bigen Vorstadtrestaurant, v\u00f6llig versalzen, fett und \u00fcberteuert \u2013 eine Frechheit in diesem Land. Dazu das ewig gleiche arrogante Getue meiner Kollegen hier vor Ort. Und die Bullenhitze. Mir ist der Schwei\u00df in Str\u00f6men heruntergelaufen. Na ja, da kannst du halt nichts machen.<\/p>\n<p>Eigentlich ging mir diese ganze Reise schon jetzt geh\u00f6rig auf den Zeiger, und ich sah schon viel zu lange keinen Sinn mehr darin, mich von meinen ausl\u00e4ndischen Verhandlungspartnern regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbers Ohr hauen zu lassen. Eine Dienstreise ist nun mal kein Kindergeburtstag.<\/p>\n<p>Aber jetzt zur\u00fcck zur eigentlichen Geschichte: Nach drei gepflegten Single Malt in der Bar sitzt du hier in deiner Bude und wei\u00dft nichts mehr mit dir anzufangen. Eigentlich nichts Ungew\u00f6hnliches, du bist das Alleinsein ja schlie\u00dflich gewohnt. Ziehst dir irgendeinen Film rein, aber nicht so Schwarz-Wei\u00df-Zeugs mit Ingrid Bergman, vielleicht eher einen amerikanischen Psychothriller aus den Neunzigern. Liest ein paar Seiten im Schahname und f\u00e4llst dann hundem\u00fcde in die Kiste, denn morgen ist wieder ein neuer Tag. Tja, aber diesmal war das nicht so. Und warum das diesmal nicht so war, kannst du dir auch nicht erkl\u00e4ren. Und am Single Malt lag es h\u00f6chstwahrscheinlich auch nicht.<\/p>\n<p>Aber ich helfe euch mal auf die Spr\u00fcnge:<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich damals einsam und ersch\u00f6pft. Ich blickte auf die Stra\u00dfe. Nichts Besonderes mehr um elf Uhr nachts, das Leben da drau\u00dfen hatte sich davor abgespielt. Du sprichst die Sprache nicht und so f\u00e4llt die Kultur f\u00fcr dich flach. Und ich \u00fcberlegte, ob ich noch ein oder zwei Flaschen Bier und eine Dose ger\u00f6stete Erdn\u00fcsse aus einem \u201eConvenience Store\u201c \u2013 die ja hier bekanntlich 24 Stunden offen haben \u2013 holen sollte.<\/p>\n<p>In diesem Moment klopfte es an der T\u00fcr. Ich ging hin und \u00f6ffnete sie. Drau\u00dfen stand ein hagerer \u00e4lterer Herr mit Vollbart und Glatze, in Badelatschen, karierten Bermudas, einem ausgeblichenen Led-Zeppelin-T-Shirt und fragte mich, ob ich ihm zuf\u00e4llig eine Schachtel Aspirin oder ein Ladekabel f\u00fcr sein Handy borgen k\u00f6nne und: \u201eob ich nicht mal nach dem Deckenventilator schauen kann, der macht seit ungef\u00e4hr \u2019ner halben Stunde so ein eigenartiges Ger\u00e4usch, mach mir Sorgen, dass der bald den Geist aufgibt und mir auf den Sch\u00e4del plumpst.\u201c Ich bejahte, fragte ihn zudem nach seinem Namen und er verriet mir, dass er Kevin McArthur hie\u00df.<\/p>\n<p>Ich ging mit in sein Zimmer, lieh ihm die Sachen, inspizierte den Ventilator, und er lud mich dann noch auf einen Gin Tonic ein, um ein wenig zu plaudern. Er erz\u00e4hlte zuerst so Sachen wie: \u201eIm Leben kommt immer alles anders, als man denkt, und die schlechten Erfahrungen lehrten uns die guten zu sch\u00e4tzen, ob du es glaubst oder nicht.\u201c Oder \u201e An so was wie Gerechtigkeit glaube ich zwar schon lange nicht mehr, aber an der Sache mit dem Karma, da ist hingegen schon was dran.<\/p>\n<p>Als er die Flasche Gin gek\u00f6pft hatte und aus seiner K\u00fchlbox ein paar Eisw\u00fcrfel hervorkramte, sagte er zu mir: \u201eErz\u00e4hl mir mal von dir. Aber dass das klar ist, komm gleich zur Sache und erz\u00e4hl mir nicht so\u2019n langweiliges Zeug, ja.\u201c<\/p>\n<p>Also fing ich an:<\/p>\n<p>\u201eIch war schon als Kind anders. Was hei\u00dft anders, ich hatte halt keinen Bock auf das, was die anderen machten. Fu\u00dfballspielen, Rollerfahren und den Kram. Auch wurde ich von den anderen nie zu Geburtstagen eingeladen. Aber besonders gest\u00f6rt hat es mich fr\u00fcher nicht oder nicht so, dass du es als Problem bezeichnen konntest. Noch einmal zur\u00fcck zu dem, was ich vorhin gesagt habe: Ich wusste nicht, worum es im Leben wirklich geht, und gab mich schon mit guten Schulnoten, einem Himbeer-Stracciatella-Eis oder einer kompletten Sammlung von Star-Wars-Sammelkarten zufrieden. Andere Menschen waren mir zuwider oder bestenfalls gleichg\u00fcltig. So war das eben.<\/p>\n<p>Jedenfalls nahm dann alles seinen Lauf. In der Schule biss ich mich Jahr f\u00fcr Jahr so durch, war zwar nicht besonders faul, hatte aber auch nie so richtig f\u00fcr etwas Talent. Au\u00dfer vielleicht f\u00fcr Jahreszahlen. Ich studierte auf Wunsch meiner Eltern Geographie, weil ich Lehrer werden wollte. Nicht dass ich das Studium besonders mochte, aber das ist ein anderes Thema. Sp\u00e4ter bekam ich als Quereinsteiger meinen Beruf in einem Unternehmen f\u00fcr Rasenm\u00e4her und verdiente ganz ansehnlich.<\/p>\n<p>Warum ich das erz\u00e4hle: Du hast es wahrscheinlich schon erraten, geneigter Zuh\u00f6rer, mich machte mein Leben nun einmal nicht gl\u00fccklich. Und das konnte mich wahnsinnig machen. So wahnsinnig, dass ich manchmal die Decke hochgehen wollte vor lauter Wahnsinn. Was hatte ich denn sonst schon in meinem Leben wirklich verbockt? Ich habe mit harter Arbeit alles kompensieren wollen, jeden Misserfolg. Es konnte doch nicht sein, dass ich in dieser Hinsicht ein Versager war.<\/p>\n<p>Und warum war ich ein Versager?<\/p>\n<p>Oder pr\u00e4ziser gesagt: Warum wurde ich ein Versager und blieb auch einer?<\/p>\n<p>In zwischenmenschlichen Beziehungen \u2013 wie bereits gesagt \u2013 hatte ich in meiner Schulzeit einfach keinen Erfolg. Und damit meine ich keine langanhaltenden Freundschaften \u2013 nein, das w\u00e4re auch nicht n\u00f6tig gewesen, sondern irgendeine sch\u00f6ne Begebenheit. Vielleicht mal ins Kino oder auf ein Eis oder ins Schwimmbad. Aber auch schon ein Gespr\u00e4ch, ein L\u00e4cheln, ein Blickkontakt, eine Ber\u00fchrung, so etwas &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eQuatsch, du warst vielleicht einfach nur mit dir selbst besch\u00e4ftigt. Oder deine Eltern haben dir das mal verboten: \u201aSpiel nicht mit diesem, spiel nicht mit jenem\u2019, \u201aKonzentriere dich auf den Schulstoff\u2019, \u201aDas andere kommt noch fr\u00fch genug\u2019, einfach idiotisch\u201c, raunzte Kevin, als er gerade die Pappbecher mit dem Gin anrichtete. \u201eWas waren deine drei bisher sch\u00f6nsten Erlebnisse, denk mal scharf nach\u201c, fuhr Kevin weiter fort und reichte mir meinen Becher.<\/p>\n<p>Ich nahm den Becher, sprach einen Toast auf die Sehnsucht und begann zu erz\u00e4hlen.<br \/>\n\u201eAls ich Aniko kennenlernte, obwohl es eine fl\u00fcchtige Bekanntschaft war. Erinnere mich noch genau, als ich auf dem Weg zur Schule meinen Regenschirm aufspannte und mit ihr zusammen in die Schule ging.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber gesprochen hast du mit ihr nichts, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKurz darauf hat sie die Schule gewechselt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist dir noch in Erinnerung geblieben?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHast du sp\u00e4ter noch einmal was von ihr geh\u00f6rt?\u201c, fragte Kevin, nahm einen Schluck von seinem Gin.<\/p>\n<p>\u201eNein. \u00dcberhaupt nichts\u201c, antwortete ich.<\/p>\n<p>\u201eWas kam danach?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDanach kam Christina\u201c, sagte ich \u201eaber das war \u00fcber sechs Jahre sp\u00e4ter. Christina war ein Engel, so warmherzig, so reif f\u00fcr ihr Alter. Ich erinnere mich noch gut an den Tag in der B\u00fccherei, als sie sich so dar\u00fcber gefreut hat, dass ich das \u00e4lteste Buch \u2013 das \u00fcbrigens noch in Fraktur gedruckt war \u2013 gefunden habe. Oder sie half mir auch einmal, als ich w\u00e4hrend der Klassenarbeit Kopfschmerzen bekam und sie den Lehrer davon \u00fcberzeugte, dass ich die Arbeit wiederholen konnte. Aber sie sagte auch einmal in Religion, dass sie verstehe, warum sich Menschen vor Engeln f\u00fcrchteten \u2013 das war seltsam, nicht wahr?<\/p>\n<p>Kevin h\u00f6rte mir and\u00e4chtig zu und sagte: \u201eIn der Tat\u201c, dabei musste er kr\u00e4ftig husten. \u201eWas ist mit dem dritten Erlebnis?\u201c, fuhr er fort.<\/p>\n<p>\u201eIch erinnere mich am besten an Nathalie, die ich im Sommer vor vierzehn Jahren in einem Portugiesischkurs traf. Zuerst sa\u00df sie in der letzten Reihe, und ich habe \u00f6fter zu ihr heimlich hin\u00fcbergeblickt. Aber ich war nicht sicher, ob sie es gemerkt hat. In einer der folgenden Lektionen setzte sie sich unvermittelt neben mich und gab mir ihre Adresse, da ich f\u00fcr sie in der n\u00e4chsten Woche mitschreiben sollte. Nathalie sa\u00df tats\u00e4chlich neben mir und kicherte, und ich war so perplex, dass ich es nicht einmal realisiert habe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist aber nicht gerade viel, was du \u00fcber sie wei\u00dft. Und es ist au\u00dferdem schon verdammt lange her. Klar, danach machtest du noch mehrere Bekanntschaften, aber so intensiv wie bei den ersten drei wurde es nie wieder, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht hatte ich auch Angst vor Zur\u00fcckweisung. \u00dcberlege dir mal, was passiert w\u00e4re, wenn irgendein Kontaktversuch danebengegangen w\u00e4re. Oder ich rot geworden w\u00e4re und um Worte ringen h\u00e4tte m\u00fcssen. Das ist in jungen Jahren schwer auszuhalten. Da ist es immer angenehmer, sich in sein Schneckenhaus zur\u00fcckzuziehen, auch wenn einem etwas entgeht. Aber lange Zeit bereitete mir das Fehlen solcher Kontakte auch keinen gro\u00dfen Schmerz, und ich w\u00e4re einer Beziehung nicht gewachsen gewesen. Und ob mich mein Gegen\u00fcber auch so interessant gefunden h\u00e4tte, das steht nat\u00fcrlich auf einem anderen Blatt.\u201c<\/p>\n<p>Kevin nahm noch einen letzten kr\u00e4ftigen Schluck von seinem Gin. Er inspizierte die Eisw\u00fcrfel in seinem leeren Becher.<br \/>\n\u201eTja, da kann man eben nichts machen\u201c, sagte Kevin. Aber ich kenne da einen Trick: Du musst nicht hoffen, dass du ein und denselben Menschen noch einmal im Leben triffst. Aber manchmal triffst du Leute, die erinnern dich an andere Leute und mit denen kannst du es versuchen. Vielleicht trifft ja auch die andere Person dich auf diese Weise noch einmal. Irgendetwas gibt dir schon die Antwort. Ansonsten musst du versuchen, die Stille auszuhalten, so schwer es dir auch f\u00e4llt. Es reicht, sich auf die Suche zu machen. Ob man ans Ziel gelangt, ist nat\u00fcrlich eine andere Frage, aber man muss sich zuerst auf die Suche machen.\u201c<\/p>\n<p>Ich hatte jetzt auch meinen Gin Tonic ausgetrunken und war gerade im Begriff zu gehen, als Kevin fortfuhr:<br \/>\n\u201eUnd da w\u00e4re noch die Sache mit den Au\u00dferirdischen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAu\u00dferirdische, komm mir doch nicht mit diesem Bl\u00f6dsinn!\u201c, rief ich verdutzt.<\/p>\n<p>\u201eJa, Au\u00dferirdische. Es w\u00e4re ja absoluter Topfen zu glauben, da k\u00e4men welche oder wir k\u00f6nnten jemals mit irgendwelchen Kontakt aufnehmen, man denke nur an die Relativit\u00e4tstheorie. Einstein und so, das wei\u00dft du bestimmt. Aber die meisten Menschen glauben trotzdem an Aliens und das gibt ihnen eine gewisse Hoffnung. Dummerweise wird f\u00fcr die Astrophysik viel zu viel Geld ausgegeben. Damit k\u00f6nnte man genauso gut in Alaska nach dem Bernsteinzimmer suchen, genau <em>the same fuckin\u2019 shit<\/em>. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle, beispielsweise in der medizinischen Forschung, ist ja logisch.\u201c Kevin machte eine kurze Kunstpause und kratzte sich am R\u00fccken, dann redete er weiter:<br \/>\n\u201eUnd doch denkt fast jeder, dass die Suche einen Sinn hat. Was f\u00fcr einen genau, kann er mir nat\u00fcrlich nicht verraten, aber er denkt trotzdem, dass alles nicht umsonst war.\u201c<\/p>\n<p>Dabei nahm er den Beutel mit dem Tabak aus der Hosentasche und drehte sich die erste von mehreren Zigaretten.<br \/>\n\u201eBei manchen Leuten ist das die einzige Hoffnung, um weiterzuleben\u201c, sagte er. \u201eVerstehst du: weiterleben\u201c, f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\n<p>Ich fragte Kevin nach einem anderen Beispiel und er antwortete mir, dann gab er mir drei Oliven in die Hand und sagte: \u201e&#8230; Schlie\u00df jetzt die Hand und denk mal eine Zeit lang dar\u00fcber nach.\u201c<\/p>\n<p>Aus dem Fernsehlautsprecher vernahm ich auf einmal, obwohl der Bildschirm nicht lief, eine tiefe, geheimnisvolle M\u00e4nnerstimme:<br \/>\n\u201eEin samisches Sprichwort: In der Stille w\u00e4chst das Vertrauen.\u201c<\/p>\n<p>Da fiel pl\u00f6tzlich der Strom aus. Das ganze Zimmer wurde zu einer schwarzen, lautlosen W\u00fcste. Auch Kevin war verstummt. Pl\u00f6tzlich wurde es ganz still in meinem Kopf. Ich wollte wieder zur\u00fcck in mein Zimmer, doch als ich den T\u00fcrgriff in der Hand hatte, brach dieser ab. Die Stunden wurden zu Tagen, zu Monaten, zu Jahren: Nichts passierte. Nada.<\/p>\n<p>Als der n\u00e4chste Tag anbrach, fand ich mich wieder in meinem Zimmer vor. Ich \u00f6ffnete meine Zimmert\u00fcr und ging in Kevins Zimmer. Er war spurlos verschwunden. Von den Oliven in meiner Hand waren nur noch die Kerne \u00fcbrig. Diese warf ich in meinem Zimmer in den Papierkorb.<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Lange Zeit nach dieser Dienstreise war bei mir alles wieder beim Alten und \u00fcber die Sache in B. war schon lange Gras gewachsen, so schien es. Manchmal dachte ich an Kevin zur\u00fcck, aber sein Ratschlag h\u00f6rte sich f\u00fcr mich in etwa an wie: \u201eGeh nach Ich-wei\u00df-nicht-wohin, bring mir Ich-wei\u00df-nicht-was.\u201c<\/p>\n<p>Also versuchte ich, das Beste aus Kevins Worten zu machen: N. aus dem Sprachkurs schrieb ich eine freundliche E-Mail, in der ich ihr von meinem Erlebnis erz\u00e4hlte und auch davon, wie gl\u00fccklich es mich gemacht hatte \u2013 nat\u00fcrlich auf Portugiesisch. Diese wurde aber nicht beantwortet. Weiters kaufte ich mir eine Geldb\u00f6rse in der Pastellfarbe des Pullovers, den Christina in der B\u00fccherei getragen hatte, und schrieb einer Regenschirmsammlerin eine E-Mail und erz\u00e4hlte ihr meine Geschichte mit Aniko. Das war nicht viel, aber immerhin etwas.<\/p>\n<p>Dann, eines Tages im Februar, begegnete ich jemandem, der Aniko \u00e4hnlich sah, als ich die Porzellangasse in Wien entlangschlenderte. Ein kurzer Blick in die Augen. Ein paar hundert Meter sp\u00e4ter blieb ich an einem Schaufenster stehen. Darin eine Tasse mit der Aufschrift: \u201eIch so: Och bitte. Und dann mein Leben so: N\u00f6.\u201c<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>In diesem Sommer erbl\u00fchten in Island die ersten drei \u00d6lb\u00e4ume, was als kleines Wunder galt, und im tiefsten S\u00fcden Usbekistans wurde angeblich ein UFO gesichtet. Es stand jedenfalls so im Internet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Bauer<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"spazierensehen\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3714\">fantastiques<\/a>| Inventarnummer: 21049<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Sag, wann warst du dir das letzte Mal so nahe: Vor vier Jahren sa\u00df ich, Tobias Bonifatius Kotschitsch, Protagonist dieser Erz\u00e4hlung, hier in B. in einer dieser billigen Absteigen, von denen es schon allein in dieser Stadt viel zu viele gibt. Die Vorgeschichte: Flug verpasst, stattdessen eine halsbrecherische Fahrt mit einer versifften Karre von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[114],"tags":[108],"class_list":["post-12538","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bauer-michael","tag-fantastiques"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12538"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12538\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12541,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12538\/revisions\/12541"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}