{"id":11440,"date":"2020-05-19T09:36:58","date_gmt":"2020-05-19T09:36:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=11440"},"modified":"2020-05-23T15:52:52","modified_gmt":"2020-05-23T15:52:52","slug":"eheliche-pflichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=11440","title":{"rendered":"Eheliche Pflichten"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts11440&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts11440&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #800000;\">Hinweis der Redaktion:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #800000;\"> Dieser Text kann verst\u00f6rend wirken, er thematisiert N\u00f6tigung beziehungsweise Gewalt.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Mit halb geschlossenen Augen lie\u00df sich Susanna ins Bett fallen, rollte sich auf die Seite und deckte sich zu. Erleichtert sog sie den Duft des Kissens ein und freute sich auf den Schlaf. Endlich war alles erledigt. Die Kinder waren im Bett, das Geschirr abgewaschen und das meiste Spielzeug wegger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Gerade, als sie in den Schlaf gleiten wollte, sp\u00fcrte sie eine streichelnde Hand auf ihrem Oberarm. Oh nein, dachte sie. Nicht schon wieder. Die Hand glitt zu ihrer H\u00fcfte hinab und kreisend \u00fcber den Bauch hinauf zu ihrer Brust. Wie immer, mechanisch, nach Schema F. Ein M\u00e4nnerk\u00f6rper r\u00fcckte nach, schmiegte sich an ihren R\u00fccken, Lippen k\u00fcssten ihre Haare und fl\u00fcsterten ihr ins Ohr: \u201eWir haben es schon lange nicht mehr gemacht.\u201c<br \/>\nHerr, lass diesen Kelch an mir vor\u00fcbergehen, betete Susanna. Aber das hatte nicht einmal damals bei Jesus funktioniert. Warum also sollte Gott jetzt ihr Gebet erh\u00f6ren?<\/p>\n<p>Die Hand begann, ihre Brust zu kneten.<br \/>\nSusanna wusste, dass Widerstand zwecklos war. Das letzte Mal, als sie Nein gesagt hatte, hatte er drei Tage lang nichts mit ihr geredet und ihr eisige Blicke zugeworfen.<br \/>\nEin erigierter Penis rieb an ihrem Hintern, die Hand begann indes, schmerzhaft an ihrer Brustwarze zu zwirbeln. Dann schob sie Susannas T-Shirt \u00fcber ihren Kopf und zog ihre Hose aus. Es war haargenau die gleiche Prozedur, seit \u00fcber zwei Jahren.<br \/>\nSie atmete tief ein und aus und versuchte, sich zu entspannen. Es ist alles gut, sagte sie zu sich selbst, du musst das jetzt nicht tun, du kannst auch jederzeit Nein sagen, genie\u00dfe es doch einfach.<br \/>\nDoch Susannas K\u00f6rper hatte die L\u00fcgen schon lange satt. Als die Hand ihren Oberschenkel umfasste und ihn um die m\u00e4nnliche H\u00fcfte legte, sp\u00fcrte sie, wie sie pl\u00f6tzlich stocksteif wurde. Was stellte er sich vor? Dass sie nach einem zweimin\u00fctigem Vorspiel feuchtfr\u00f6hlich ob des Eindringens jubeln w\u00fcrde?<\/p>\n<p>\u201eDu bist so trocken\u201c, hauchte die Stimme in ihr Ohr. Die Hand f\u00fchrte zuerst die ihre zwischen die Beine und steckte ihr dann einen Finger in ihren Mund. Er schmeckte nach Zigaretten und pakistanischem Essen. Susanna ekelte sich. Erfolglos versuchte sie, irgendeinen Tropfen Lust aus sich herauszupressen.<br \/>\nDie Hand mit dem nassen Finger fuhr \u00fcber ihre Brust weiter hinunter zu ihrem Scho\u00df, um den gro\u00dfen Showdown vorzubereiten.<br \/>\nPenetrant. Penetration. Penis. Ein penetrant penetrierender Penis, philosophierte Susanna, als der Moment gekommen war. Schmerz. Noch ein Schmerz. Ein dritter Schmerz noch, dann wurde es endlich leichter.<\/p>\n<p>Rhythmisches St\u00f6hnen drang aus dem Mund. Unsanft riss die Hand an ihrer Brust. Susanna hoffte, dass es bald vorbei war.<br \/>\n\u201eFicke ich dich gut?\u201c<br \/>\nAuch das noch! Susanna dachte an den Witz, in dem der Mann beim Sex sagt: \u201eLos, du Schlampe, sag mir dreckige Sachen!\u201c und die Frau antwortet: \u201eBad, K\u00fcche, Klo \u2026\u201c<br \/>\n\u201eJetzt sag schon, ficke ich dich gut?\u201c<br \/>\nNein, du fucking nervst. \u201eOh ja, du bist einfach gut\u201c, st\u00f6hnte sie halbherzig.<br \/>\n\u201eLos, sag mir noch mehr! Ist mein Schwanz gro\u00df genug? Ficke ich dich richtig?\u201c<br \/>\n\u201eJa, du bist der Wahnsinn\u201c, heuchelte sie.<\/p>\n<p>Susanna reichte es. Sie wusste, dass sie den Weg bis zum bitteren Ende gehen w\u00fcrde m\u00fcssen. Aber zum Gl\u00fcck kannte sie auch die Abk\u00fcrzung.<br \/>\nSie begann zu keuchen und sich zu winden. \u201eOh Gott, ich komme\u201c, st\u00f6hnte sie schlie\u00dflich halbherzig, krallte ihre H\u00e4nde in die Laken und zuckte mit dem Bauch. Welch grottenschlechte Vorstellung, dachte sie. Das hatte sie wirklich schon einmal besser hinbekommen.<br \/>\nSchlecht oder nicht, die Vorstellung verfehlte nicht ihr Ziel und getreu der \u00fcblichen Choreographie verlie\u00df der eben noch penetrant penetrierende Penis ihren K\u00f6rper und kotzte einen letzten Schwall Ekel auf ihren Oberschenkel.<br \/>\nDie Hand griff nach der K\u00fcchenrolle, riss einige St\u00fccke ab und reichte zwei davon an Susanna. Au\u00dfer dem stinkenden Sperma hatte sie nicht allzu viel abzuwischen und so gab sie demonstrativ eines zur\u00fcck und zog sich an.<br \/>\n\u201eWohin gehst du?\u201c<br \/>\n\u201eRauchen. Ich komme gleich wieder.\u201c<\/p>\n<p>Sie zog ihre Jacke an und trat in die frische, k\u00fchle Nachtluft hinaus. Susanna atmete tief ein und aus, bevor sie eine Zigarette aus der Packung zog, sie anz\u00fcndete und den bei\u00dfenden Rauch bis tief in ihre Lunge hinab inhalierte.<br \/>\nWar sie jetzt eigentlich vergewaltigt worden? Oder gen\u00f6tigt? Wie hatte es \u00fcberhaupt so weit kommen k\u00f6nnen? Fr\u00fcher, vor etlichen Jahren, hatten sie doch solchen Spa\u00df im Bett gehabt.<br \/>\nErinnerungsfetzen flogen durch ihren Kopf. Ich liebe dich. Mein Asylantrag. Heirate mich. Ich werde immer f\u00fcr dich da sein.<br \/>\nDamals. Leidenschaft. Unsicherheit. Verzweiflung. Hochzeit. Du geh\u00f6rst mir. Du meinst wohl, du geh\u00f6rst zu mir? Nein. Du geh\u00f6rst mir.<\/p>\n<p>Sie hatte es wohl schon kommen gesehen und doch nicht wahrhaben wollen. Und dann. Wenn sie nicht seinen Willen tat. Er hatte sie nie geschlagen. Was er ihr antat, war wei\u00dfe Folter. Psychoterror vom Feinsten. Soziale Isolation. Dem\u00fctigungen. Schweigen. T\u00f6dliche Blicke. Geringsch\u00e4tzige Bemerkungen. My personal Guantanamo.<br \/>\nNach au\u00dfen hin ein treu sorgender, liebender Familienvater. Nach innen ein abscheulicher, blutr\u00fcnstiger Tyrann, ein Vampir, der im Laufe der Jahre ihre gesamte Lebenskraft ausgesaugt hatte und nun mit dem traurigen Rest seine niedrigsten Gel\u00fcste befriedigte.<br \/>\nWobei. Susanna hatte schon lange gemerkt, dass sein H\u00f6hepunkt genauso gespielt war wie der ihre. Er war einfach ein Schauspieler, der stets lachen, weinen oder ejakulieren konnte, wie es seine Rolle gerade verlangte. Es ging ihm weder um ihr Vergn\u00fcgen noch um seines, sondern nur um die Gewissheit, der Beste im Bett zu sein, jederzeit in der Lage, die Puppe tanzen zu lassen.<br \/>\nImmerhin hatte er sie dieses Mal dabei nicht angespuckt. Oder war in die hinteren Regionen vorgedrungen.<\/p>\n<p>Sie \u00fcberlegte, ob sie ihn irgendwie anzeigen konnte. Wegen irgendwas. Sexueller N\u00f6tigung oder so. Herr Inspektor, ich muss mit ihm schlafen, sonst redet er nicht mehr mit mir. Und dann schaut er so b\u00f6s. Dabei blickt sie in ein verst\u00e4ndnisloses Polizistengesicht. Im Gegensatz dazu seine Aussage, weinend, schluchzend, Herr Inspektor, ich liebe doch meine Frau, nein, nie im Leben w\u00fcrde ich ihr etwas tun.<br \/>\nUnd daheim dann \u2026<br \/>\nDer Gedanke lie\u00df Susanna erschaudern. Sie d\u00e4mpfte ihre Zigarette aus und ging wieder hinein.<br \/>\nEr lag schlafend im Bett, mit offenem Mund, schnarchend, nur bedeckt von einem St\u00fcckchen K\u00fcchenrolle an seinem besten St\u00fcck. Angewidert warf Susanna eine Decke \u00fcber ihn.<\/p>\n<p>Sie \u00fcberlegte, ob sie weinen sollte. Oder kotzen. Oder beides. Doch weder standen Tr\u00e4nen in ihren Augen noch hob sich ihr Magen. Und da sie also weder weinen noch kotzen konnte, beschloss sie, einfach etwas anderes zu tun.<br \/>\nN\u00e4mlich, sich scheiden zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Katharina DeVille<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a> | Inventarnummer: 20088<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis der Redaktion: Dieser Text kann verst\u00f6rend wirken, er thematisiert N\u00f6tigung beziehungsweise Gewalt. Mit halb geschlossenen Augen lie\u00df sich Susanna ins Bett fallen, rollte sich auf die Seite und deckte sich zu. Erleichtert sog sie den Duft des Kissens ein und freute sich auf den Schlaf. Endlich war alles erledigt. 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