{"id":11403,"date":"2020-05-14T14:54:14","date_gmt":"2020-05-14T14:54:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=11403"},"modified":"2020-05-16T08:22:10","modified_gmt":"2020-05-16T08:22:10","slug":"prokrastination","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=11403","title":{"rendered":"Prokrastination"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts11403&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts11403&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Wer zur Prokrastination, dem notorischen Aufschieben, neigt, lebte in den Wochen des Lock-down recht bequem. Sie hatten sozusagen ein amtliches Alibi f\u00fcr das Nicht-Erledigen, das: Morgen ist auch noch ein Tag, mach ich morgen, sicher, versprochen!<br \/>\nIch geh\u00f6re eigentlich nicht akut zu dieser Gruppe, stelle aber fest, dass ich davon schwer betroffen bin. Was f\u00fcr einen Stress h\u00e4tte ich mir selbst gemacht, wenn ich ohne Corona das alles abarbeiten h\u00e4tte m\u00fcssen. Die Leute wollen schlie\u00dflich ihr Geld.<br \/>\nSo stellte ich eine Entschleunigung, Verlangsamung, Entzerrung des Alltags fest, das mehr nach innen gewendete Leben, und h\u00e4tte diesen zunehmend angenehmen Zustand fast gelobt, wenn es nicht obsz\u00f6n w\u00e4re, ein t\u00f6dliches Virus zu loben.<\/p>\n<p>Heute, am 4. Mai, als wieder einiges mehr erlaubt ist, habe ich meine pers\u00f6nliche Liste erstellt. Eigentlich erschreckend, wenn man das schwarz auf wei\u00df vor sich sieht.<br \/>\nIn der Vor-Corona-Zeit hatte ich drei Bilder zum Rahmen in die Rahmenhandlung gebracht, Schuhe zum Schuster, einige Textilien zur \u00c4nderungs-Schneiderin, eine Lampe zur Reparatur in die Lampenschirmwerkstatt; ich habe B\u00fccher bestellt, Fr\u00fchlings-Neuerscheinungen oder als Ostergeschenke bestimmt. Alles nebenan, h\u00f6chstens in Schrittweite. Mit meinem PC-Helfer hatte ich einen Termin ausgemacht, einen mit dem Installateur, auch beim Friseur und der Pedik\u00fcre und zwei mit dem Fensterputzer Schorsch, der gleichzeitig als mein Wohnungshandwerker fungiert. Die schmerzlichste Absage war in meinem Allergie-Institut, das vielversprechend gegen meine Rhinitis vorgehen sollte. Und auch die besch\u00e4digte Lesebrille konnte ich nicht mehr zum Optiker bringen.<br \/>\nMein weiser Perser Abdel von der Wiedner Teppichgalerie sollte in der n\u00e4chsten Zeit zu mir kommen und ein paar Teppiche zu Reparatur und Reinigung abholen.<\/p>\n<p>Post, Bank und Lebensmittell\u00e4den waren ja immer offen, in der Apotheke bezahlte ich das einzig notwendige Medikament vorl\u00e4ufig selbst, um nicht als \u201eGef\u00e4hrderin\u201c und Mitglied der \u201eRisikogruppe\u201c eine Arztpraxis zu belasten. Das Reiseverbot machte mir keine Probleme, da ich f\u00fcr die gesamte Gartensaison keine l\u00e4ngeren Reisen als bis auf den H\u00fcttelberg geplant hatte.<br \/>\nDas Erfreulichste war, dass sich meine Buchhandlung schon in der zweiten Woche der Schlie\u00dfung per E-Mail meldete, dass sie an Werktagen zwischen 9 und 12 Uhr durch den T\u00fcrspalt die bestellten B\u00fccher durchreichen w\u00fcrden, ich das Geld in der Hand abgez\u00e4hlt mit einer Bonbonniere zur\u00fcck hinein. Sie h\u00e4tten auch ausgeliefert oder mit der Post zugestellt. So etwas verleiht Sicherheit und Zuversicht in Krisenzeiten: Mir kann nichts passieren. Aber auch ohne die ersehnten Neuzug\u00e4nge h\u00e4tte ich in meinen B\u00fccherregalen gen\u00fcgend Lekt\u00fcre gefunden, noch f\u00fcr Jahre in der Quarant\u00e4ne. Altes und Neues, Ungelesenes, Anna Karenina, Krieg und Frieden zum wiederholten Mal, der neue Aphorismen-Band von Elazar Benyoetz und die Gedichte von Karl Lubomirski, fast noch ungelesen, warten auf mich. Das verhei\u00dfungsvolle Buch \u201eVivaldi und seine T\u00f6chter\u201c von Peter Schneider habe ich auch noch nicht angefangen.<br \/>\nDa liegen noch \u201eDas letzte Ufer\u201c von Nevil Shute und \u201eHerr Kato spielt Familie\u201c von Milena Michiko Flasar, angelesen, unterschiedlich interessant.<\/p>\n<p>Dann habe ich noch ein neues Rezept aus der S\u00fcddeutschen Zeitung kopiert: ein Hit f\u00fcr partyfreie Zeiten zu zweit.<br \/>\nBliss Balls:<br \/>\nDatteln, Kokosraspeln, wei\u00dfer Sesam, Haferflocken fein, Kardamom und ger. Hasennuss, mit ger. Mandelk., ger. Sonnenblumenkernen u. ev. Mandelmus.<br \/>\nIch h\u00e4tte sie ja schon gemacht, habe alles da, hab nur beim Hofer keine Kokosraspeln und keinen wei\u00dfen Sesam gefunden. Jetzt bin ich aber wirklich am Ende. Irgendwo in den USA hat eine Vierj\u00e4hrige durchgedreht, Eltern und Personal angegriffen, weil ihr Lieblings-Hamburger-Laden geschlossen hatte. Aber den von dieser Zeitung angepriesenen Karottenhummus habe ich schon nachgemacht. Rezept ist nachzulesen. Eine Kr\u00e4he ist aus dem Hof beim Fenster hereingeflogen und hat einen Ast von meinem Paradeiserst\u00f6ckerl am Fensterbrett geklaut. Die denken, wir sind jetzt alle irre und bemerken das nicht.<br \/>\nDie Schuhe hab ich ebenfalls fr\u00fch zur\u00fcckbekommen, repariert, durch den T\u00fcrschlitz gereicht und bezahlt. Das muss besonders delikat ausgesehen haben, weil ich mich zum bis auf einen Spalt runtergelassenen Rollladen niederknien musste, um die Schuhe entgegenzunehmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Friseur und Pedik\u00fcre habe ich mich heute angemeldet, muss aber bis zum 8. Mai warten. PC-Mann, Installateur und Fensterputzer werde ich in den n\u00e4chsten Wochen nach und nach abarbeiten. Ersatz f\u00fcr saubere Fenster wurden die in der Zwischenzeit erbl\u00fchten Hofkastanien, frisches Gr\u00fcn mit wei\u00dfen und rosa Kerzen. Ich glaube, sie belohnen mich und brennen heuer noch pr\u00e4chtiger. Demn\u00e4chst kommen Flieder und Robinien dazu. Die Amselfamilien sind laut und \u00fcben schon f\u00fcr den ersten Ausflug mit den Jungen.<br \/>\nEine Entdeckung: Der Mensch braucht nicht unbedingt eine Geschirrsp\u00fclmaschine und kann trotzdem Mensch bleiben. Ich finde das Abwaschen unter flie\u00dfendem Wasser, das \u201ePritscheln\u201c, so inspirierend und meditativ, dass ich \u00fcberlege, den Geschirrsp\u00fcler \u00fcberhaupt zu beseitigen. Wie viel Prozent der Weltbev\u00f6lkerung leben ohne Geschirrsp\u00fclmaschine? Zum Gl\u00fcck war es nicht der Gasherd, der havariert war, denn kochen am Lagerfeuer auf dem Sch\u00f6nbrunner Parkett, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Als einmal der Fernsehapparat ein Blackout hatte, drehte ich an einer immerw\u00e4hrend besetzten Hotline mit unsinnigen Ansagen fast durch, br\u00fcllte einen Mitarbeiter an, als ich doch einmal durchkam, entschuldigte ich mich sofort und schickte einen Sto\u00df mit Merci-Schokoladen an seinen Arbeitsplatz. Dann war die Blackbox wieder da und lieferte die \u00fcblichen 140 Kan\u00e4le, von denen ich h\u00f6chstens f\u00fcnf ben\u00fctze, wenn ich \u00fcberhaupt fernschaue. Die beim Schlosser bestellte neue T\u00fcrklinke f\u00fcrs Bad wird erst in den n\u00e4chsten Wochen eintreffen. Das Versandhaus \u201eBritish Shop\u201c entschuldigte sich in zwei Briefen so dem\u00fctig f\u00fcr die \u201eUnterbrechung der internationalen Lieferkette\u201c, als sei es daran schuld. Der bestellte Strohhut \u201eMiss Sunshine\u201c kann leider erst Ende Mai geliefert werden. Na, das werde ich wohl \u00fcberleben.<br \/>\nIn Restaurants gehe ich schon lange nicht mehr, mir schmeckt nur mein selbst gekochtes Essen. Nat\u00fcrlich blieb auch mein langj\u00e4hriger Eierlieferant aus, mit den besten und gr\u00f6\u00dften Eiern von gl\u00fccklichen H\u00fchnern aus dem Burgenland. Ist aber auch eine verwindbare Einbu\u00dfe meiner Lebensqualit\u00e4t. Ich hoffe, es geht ihm gut, denn er geh\u00f6rt tief hinein in die Risikogruppe.<\/p>\n<p>Aber nicht mit einem Kleinen Braunen oder Gspritzten im Caf\u00e9 zu sitzen, zum Beispiel am Platzl vor dem Caf\u00e9 Worthner, Zeitung lesen und mit lieben Menschen tratschen zu k\u00f6nnen, das empfand ich als eine schmerzliche Einschr\u00e4nkung \u2013 \u201eHerausforderung\u201c. Ich erbreche mich inzwischen bei diesem Wort und kriege Schreianf\u00e4lle. Und nat\u00fcrlich auch das Verbot des gemeinsamen Wanderns und Radfahrens im Freundes- oder Familienkreis.<br \/>\nWas ich vermisse: die ehrenamtliche T\u00e4tigkeit im Kafka-Museum in Kierling und die Kaffeekr\u00e4nzchen in der Gruft mit meinen selbstgemachten Marmeladen und Strudeln. Musste sie vor der T\u00fcr abstellen und hoffe, dass sie trotzdem angekommen sind.<\/p>\n<p>Mir hat die Corona-Krise keine Gewalt angetan, ich habe keinen Verlust und keinen Schmerz erlitten. Die gen\u00f6tigte Ruhe auf den Stra\u00dfsen habe ich als Wohltat erfahren. So k\u00f6nnte es \u00f6fter sein, dachte ich beim einsamen Spazieren \u00fcber den ausgestorbenen Ring und durch die K\u00e4rtnerstra\u00dfe zum leergefegten Stephansplatz. Genau vor 75 Jahren brannte die Stephanskirche nach den Bombenangriffen, drei Tage lang, weil die Wiener Feuerwehr auf Befehl der SS aus Wien abgezogen worden war. Keine immer zu st\u00e4ndigem Konsum auffordernden Schreiplakate mehr, sondern affichierte Aufforderungen zum Zusammenhalten und zu Solidarit\u00e4t, viele von der Regierung, die meisten aber von Gro\u00dfkonzernen, die schon wieder nach unserem Geld gieren. Wie die Corona-Viren nach unseren Bronchien und Lungen.<\/p>\n<p>Trotzdem f\u00fchlte sich das Leben fremd an, ich selbst fremd im eigenen Leben, in gewisser Hinsicht unlebendig, wie das letzte, eingefrorene Bild in einem gestoppten Film, das Fotostill eines Sportlers im Weit- oder Hochsprung, das Bild eines Kugelsto\u00dfers, Basketballers oder Speerwerfers mit dem eingefrorenen Ball, in dem die Kamera noch den imagin\u00e4ren Schweif des Balls oder Speers eingefangen hat. Ein Leben, geronnen zu einem Punkt, nicht ganz in der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Trotz aller Vergn\u00fcgungen in meinen vier W\u00e4nden, vom Lesen der B\u00fccher und Schreiben solcher bis zum immer erfreulichen H\u00f6ren von \u00d61 und besonders guten Filmen im Fernsehen \u2013 da w\u00fcnsche ich mir f\u00fcr immer ein bissl Corona \u2013 bis zur lustvollen Introspektion, fragte ich mich, ob ich nicht auch ohne die famili\u00e4ren St\u00f6rungen eines Morgens als ein Ungeziefer wie Gregor Samsa aufwachen w\u00fcrde. Denn ein einf\u00fchlender Nachbar hatte genau zur Quarant\u00e4ne-Zeit mit dem Generalumbau seiner Wohnung begonnen. Zwei Stockwerke unter mir dr\u00f6hnten die Presslufth\u00e4mmer, dass die Mauern wackelten, die Bohrer und H\u00e4mmer, dass die Fu\u00dfb\u00f6den zitterten, und das von 7 Uhr fr\u00fch an bis 17 Uhr. Als ich sie mit Hilfe der Polizei zu stoppen versuchte, lachte mich der Polizist nur aus:<br \/>\n\u201eReg\u2019n S\u2019sich ned auf, gn\u00e4 Frau, die derfen des, und zwoa bis 21 Uhr, und jetzt iss erst zw\u00f6fe. Des is die Wiener Bauordnung.\u201c Das ging so drei Wochen, dann begannen die Feinarbeiten mit etwas leiseren Bohrern, wie etwa 20 Zahn\u00e4rzte in einem Raum, daf\u00fcr aber dazu noch f\u00fcnf H\u00e4mmer mit dem typischen TokTokTok der Parkettleger und dem singenden Heulen der Kachelschneider.<\/p>\n<p>Als die Arbeiter begannen, vor dem Haus und vor meinem Fenster mit Stein- und Stahlschneidern zu operieren, beschloss ich, ins Gartenhaus zu \u00fcbersiedeln. Da holte mich der kurze, aber heftige Wintereinbruch mit Schneest\u00fcrmen und minus 5 bei mir oben am Berg ein und trieb mich zur\u00fcck in die Stadtwohnung. Dort hatte sich inzwischen ein zweiter Bautrupp \u00fcber die Hinterhofwerkstatt hergemacht, wieder mit Presslufth\u00e4mmern und Dachdeckern mit der entsprechenden L\u00e4rmkulisse.<br \/>\nEine wahre Corona-Symphonie. Ich lag einige Tage im Delirium einer kapitalen Grippe (Wintereinbruch!), brachte die Polizei \u2013 dein Freund und Helfer \u2013 nicht mehr ins Spiel und wartete ergeben auf das Ende, und wenn\u2019s meins w\u00e4re.<\/p>\n<p>Eines Tages wachte ich auf und musste wieder an Gregor Samsa denken. Denn in den Fenstern erschienen gr\u00fcn gekleidete M\u00e4nner, die an Seilen in den B\u00e4umen turnten \u2013 Baumschneider.<br \/>\nEine G\u00e4rtnerei Ziegler aus Pottenbrunn machte sich aus einem f\u00fcr mich nicht ersichtlichen Grund \u00fcber die voll in Bl\u00fcte und Saft stehenden Kastanien und Ahorne her und schnitt wie wild in den Kronen herum. Welche Idioten machen so etwas denn im Fr\u00fchling? Wen haben diese B\u00e4ume gest\u00f6rt? Und so grob, mitten in die \u00c4ste hinein ges\u00e4gt, dass die jetzt abstehen wie Gebeine in einem gepl\u00fcnderten Skelett.<br \/>\nNachdem die gro\u00dfen \u00c4ste am Boden lagen, setzten die Motors\u00e4gen ein, zur Zerkleinerung. Dann r\u00fcckten die Laubsauger an. Bevor ich ins Delirium fiel, konnte ich noch ein kurzes Bedauern empfinden, dass meine Mordlust nie zur Reife gekommen ist. Was hat das Ungeziefer gemacht, als er im Treppenhaus und im Vorzimmer der K.\u2019schen Wohnung die Untermieter und Gl\u00e4ubiger poltern und streiten h\u00f6rte? Gregor verzog sich unters Sofa und stellte sich aufs Sterben ein.<br \/>\nSchade, dass ich nicht in der Lage war, dieses Triple-Konzert auf Tontr\u00e4gern festzuhalten. Ich h\u00e4tte es sonst beim Festival Wien Modern vorgef\u00fchrt, als Andenken an Corona. Benannt h\u00e4tte ich es \u201eDie Wiener Bauordnung in Zeiten von Corona\u201c.<\/p>\n<p>Meine Bilanz: Am wenigsten fehlten mir die neu gerahmten Bilder, die Textilien und die Art- Deco-Lampe. Hab sie alle bis jetzt nicht abgeholt. Ich schw\u00f6re es, zum Gartencenter fuhr ich erst eine Woche nach der Wiederer\u00f6ffnung, aber wirklich nur deswegen, weil meine Rosen in der Trockenheit dringend einen D\u00fcnger brauchten. Ein paar Lavendelst\u00f6cke mussten auch mit. Schlie\u00dflich gartle ich am Rosenhang im Rosental. Nomen est omen, ich kann nichts daf\u00fcr. M\u00f6bel, Geschirr und Textilien, seien es Klamotten oder Teppiche, brauche ich f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Leben keine mehr. Daf\u00fcr habe ich viel aussortiert und zur Carla am Mittersteig und zur Volkshilfe in der Laxenburgerstra\u00dfe gebracht. Die Schneiderin hat \u00fcbrigens ihre Produktion auf Gesichtsmasken aus bunter Baumwolle umgestellt.<\/p>\n<p>Das Fehlen der Druckerpatrone und der Batterie f\u00fcr die Kamera ist l\u00e4stig, aber man kann durchaus ohne sie leben, wobei mir noch dazu das Druckerpapier ausgegangen und der Libro geschlossen ist. Dass das legend\u00e4re Haushaltswarengesch\u00e4ft \u201eZur goldenen Kugel\u201c wieder aufgesperrt hat, freut mich ganz besonders, weil allein die offenen T\u00fcren, die St\u00e4nder und W\u00fchlkisten entlang dem Gehsteig, das menschliche Gewurl davor, einen Hauch von Normalit\u00e4t verstr\u00f6men. Die Caf\u00e9s links und rechts davon und gegen\u00fcber m\u00fcssen noch im Dorncor\u00f6nchenschlaf warten.<br \/>\nDas d\u00fcrften viele Menschen so empfinden, denn das Gedr\u00e4nge drinnen in der goldenen Kugel w\u00e4re auch in Vor-Corona-Zeiten be\u00e4ngstigend gewesen. Baby-Elefanten gehen sich da nicht aus. Viele Sonderangebote, von Blumenerde, Grassamen und Kakteend\u00fcnger bis zu Riess-T\u00f6pfen, Plastikdosen, Grillbesteck und -kohle. Hoffentlich \u00fcberleben sie das! Das Erste bei mir war ein Gro\u00dfeinkauf von Gem\u00fcse- und Blumensamen, schlie\u00dflich ist Pflanzzeit, und der ganze Sommer im einsamen R\u00fcckzugsort vor den Toren Wiens h\u00e4ngt davon ab. Decamerone l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Die Geschichten dazu werden am Abend in den PC geh\u00e4mmert.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n und interessant, wie man in einer Ausnahmezeit die wahre Hierarchie der Dinge und der Bed\u00fcrfnisse, seine Laster und Tugenden, seinen Verzicht und Luxus vor Augen gef\u00fchrt bekommt.<\/p>\n<p>Wien, 4.5.20<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Veronika Seyr<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veronikaseyr.at\/\" target=\"_blank\">www.veronikaseyr.at<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=408\">an Tagen wie diesen &#8230;<\/a> | Inventarnummer: 20086<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer zur Prokrastination, dem notorischen Aufschieben, neigt, lebte in den Wochen des Lock-down recht bequem. 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