{"id":11322,"date":"2020-05-01T16:23:36","date_gmt":"2020-05-01T16:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=11322"},"modified":"2020-05-02T16:01:03","modified_gmt":"2020-05-02T16:01:03","slug":"linda-und-der-obdachlose-im-einkaufszentrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=11322","title":{"rendered":"Linda und der Obdachlose im Einkaufszentrum"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts11322&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts11322&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>In einem kleinen Einkaufszentrum war Linda gerade auf dem Weg in eine Tierhandlung, als ihr vor dem Gesch\u00e4ft ein junger Mann auffiel, der mit einem Hund auf dem Boden sa\u00df, ihn streichelte und liebevoll auf ihn einredete. Oje, ein Sandler, dachte sie. Normalerweise waren Obdachlose in Einkaufszentren gar nicht gerne gesehen, und wahrscheinlich w\u00fcrden sie ihn bald samt Hund hinauswerfen.<br \/>\nEtwas gedankenverloren erledigte Linda ihren Einkauf und als sie das Gesch\u00e4ft verlie\u00df, sa\u00df er noch immer da. Im Vorbeigehen betrachtete sie ihn aus den Augenwinkeln. Er war etwa Mitte zwanzig, dunkel gekleidet, \u00e4u\u00dferst rundlich und trug kurzes dunkelbraunes Haar mit Vollbart.<br \/>\nSie war schon an ihm vorbei, als seine Stimme etwas lauter wurde und sie zu verstehen glaubte: \u00a0\u201eDas passt schon, du brauchst mir nichts zu geben.\u201c<\/p>\n<p>Betroffen blieb Linda stehen. Schon wieder war sie einfach vorbeigegangen und hatte nicht geholfen. Allzu viel Geld hatte sie zwar nicht, aber ein paar Cent f\u00fcr einen armen Menschen k\u00f6nnte sie wohl entbehren. Sie kramte in ihrer Jackentasche und fand tats\u00e4chlich einige M\u00fcnzen.<br \/>\nW\u00e4hrend das schlechte Gewissen noch weiter auf sie einh\u00e4mmerte, machte sie auf dem Absatz kehrt und ging zu ihm zur\u00fcck.<br \/>\nEr hatte keinen Becher f\u00fcr M\u00fcnzen vor sich stehen und so hielt sie ihm das Geld hin.<br \/>\nAls er aufsah, wandelte sich sein Blick von \u00dcberraschung zu Entsetzen.<br \/>\n\u201e\u00c4h, danke\u201c, stotterte er. \u201eAber ich bin gar kein \u2026 Sandler \u2026 \u201c<br \/>\nOh. Oh Mann, dachte Linda. Andere Leute steigen ins Fettn\u00e4pfchen, ich nehme gleich ein Vollbad darin. Schwerstens peinlich ber\u00fchrt \u00fcberlegte sie, wie sie dem Mann erkl\u00e4ren konnte, dass er nicht wie ein Obdachloser aussah, obwohl sie ihm gerade genau das unterstellt hatte.<br \/>\n\u201eNein, nat\u00fcrlich, du siehst ja auch nicht so aus &#8230;\u201c, gab sie stammelnd zur\u00fcck. \u201eIch dachte nur, wegen dem Hund \u2026 \u201c<\/p>\n<p>Da schien der junge Mann die Parallelen zu bemerken und stand verlegen auf.<br \/>\n\u201eNa klar, wenn da wer mit einem Hund sitzt \u2026 Das ist \u00fcbrigens nicht einmal meiner.\u201c<br \/>\nUnd so erz\u00e4hlte er, dass seine Freundin shoppen gegangen w\u00e4re und er auf dem Weg ins Caf\u00e9 einen herrenlosen Hund ohne Halsband gefunden h\u00e4tte. \u201eUnd jetzt\u201c, schloss er \u201esitze ich halt bei einem Hund statt bei einem Kaffee.\u201c<br \/>\nUm von ihrem peinlichen Kennenlernen abzulenken, \u00fcberlegten sie zusammen, wen sie jetzt anrufen sollten. Polizei? Feuerwehr? Nat\u00fcrlich, das Tierheim.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Linda auf ihrem Handy die Suchmaschine um die Telefonnummer des \u00f6rtlichen Tierheimes bem\u00fchte, streichelte der junge Mann den Hund, was ihm ob seiner Leibesf\u00fclle im Stehen schwerfiel. Na klar, durchfuhr es sie, deswegen war er neben dem Hund gesessen.<br \/>\nDa kam eine junge Dame aus dem Gesch\u00e4ft gegen\u00fcber und rief den Hund, welcher sofort begeistert auf sie zust\u00fcrzte.<br \/>\n\u201eWas, der Hund geh\u00f6rt Ihnen?\u201c, fragte der junge Mann \u00fcberrascht.<br \/>\n\u201eJa klar\u201c, l\u00e4chelte sie und wandte sich zum Gehen. \u201eDer wartet immer drau\u00dfen, wenn ich einkaufen bin. Man sieht doch, dass er gepflegt ist.\u201c<br \/>\n\u201eAber \u2026 \u201c, stammelte er fassungslos \u201eEr hat doch nicht einmal ein Halsband!\u201c<br \/>\n\u201eBraucht er auch nicht\u201c, rief die junge Dame noch \u00fcber die Schulter zur\u00fcck und lie\u00df die beiden wieder allein.<\/p>\n<p>Da standen sie nun, und rangen in dieser absurden Situation um Worte.<br \/>\n\u201eOkay\u201c, sagte Linda schlie\u00dflich. \u201eAlso das hat sich jetzt erledigt. Bitte entschuldige, du schaust wirklich nicht aus wie \u2026 \u201c<br \/>\n\u201eNein, das passt schon\u201c, unterbrach er sie. \u201eAber danke. Danke, dass du Geld hergegeben h\u00e4ttest und mir geholfen hast. Ich geh jetzt meinen Kaffee trinken.\u201c<br \/>\nSo verabschiedeten sie sich und als Linda beim Gehen \u00fcber die Schulter zur\u00fccksah, warf er ihr ebenfalls noch einen verstohlenen Blick zu.<br \/>\nW\u00e4hrend sie zum Auto ging, \u00fcberlegte sie, was er wohl seiner Freundin sagen w\u00fcrde, wenn sie zur\u00fcckk\u00e4me.<br \/>\nFreundin (\u00fcberrascht): \u201eNa, du hast ja deinen Kaffee noch nicht getrunken?\u201c<br \/>\nEr (verlegen): \u201eIch habe vor dem Gesch\u00e4ft einen herrenlosen Hund ohne Halsband gefunden und mich zu ihm gesetzt. Da hat eine geglaubt, dass ich ein Sandler bin und wollte mir Geld geben. Also habe ich ihr erz\u00e4hlt, dass der Hund niemandem geh\u00f6rt, und wir wollten das Tierheim anrufen. Aber bevor wir die Telefonnummer gefunden hatten, ist die Besitzerin gekommen und hat den Hund mitgenommen.\u201c<br \/>\nFreundin (sch\u00fcttelt den Kopf): \u201eDich kann man auch keine zehn Minuten alleine lassen &#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Lydia Kellner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=7515\">Von M\u00fccke zu Elefant<\/a> | Inventarnummer: 20079<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem kleinen Einkaufszentrum war Linda gerade auf dem Weg in eine Tierhandlung, als ihr vor dem Gesch\u00e4ft ein junger Mann auffiel, der mit einem Hund auf dem Boden sa\u00df, ihn streichelte und liebevoll auf ihn einredete. Oje, ein Sandler, dachte sie. 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