{"id":10777,"date":"2020-02-02T16:43:12","date_gmt":"2020-02-02T16:43:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=10777"},"modified":"2020-02-02T16:50:24","modified_gmt":"2020-02-02T16:50:24","slug":"xx-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.verdichtet.at\/?p=10777","title":{"rendered":"Feuilleton"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts10777&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts10777&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><strong>Gem\u00fctlichkeit am falschen Platz (Buxtehuder Bote\/Feuilleton, Samstag, 14. M\u00e4rz 2015)<\/strong><\/p>\n<p><em>Die hei\u00dfersehnte Premiere des Dschungelbuchs in der Konrad-Adenauer-Grundschule brachte gestern vor allem eines: Kopfsch\u00fctteln und ma\u00dflose Entt\u00e4uschung. Hohe Erwartungen waren in die zugegeben mutige Produktion investiert worden, doch zur\u00fcck blieb lediglich ein schaler Nachgeschmack.<\/em><\/p>\n<p>Dabei hatte es vielversprechend begonnen: In einer Einleitung waren s\u00e4mtliche Hauptdarsteller auf der B\u00fchne zu sehen und umrissen zu Beethovens Mondscheinsonate pantomimisch und t\u00e4nzerisch ihre Funktionen im St\u00fcck \u2013 ein reizvoller Gedanke der Spielleiterin, der durchaus auf mehr hoffen lie\u00df.<\/p>\n<p>Doch schon mit dem ersten Auftritt des Protagonisten offenbarten sich gravierende strukturelle M\u00e4ngel der Produktion: Mogli gab sich redlich M\u00fche, agierte aber eher farblos und vermochte nicht recht zu verdeutlichen, wohin die Reise gehen sollte. Sein Monolog, in dem er seine nicht recht zu seiner w\u00f6lfischen Erziehungsumgebung passende menschliche Herkunft thematisiert und bangen Blickes in eine verschwommene Zukunft zu sehen versucht, geriet auf eine f\u00fcr den Zuschauer fast schon unangenehme Weise h\u00f6lzern. Vom neunj\u00e4hrigen Markus Overblohm, einem Absolventen der dritten Grundschulklasse (und somit schon auf gymnasiale Weihen zusteuernd), sollte darstellerisch eigentlich um einiges mehr zu erwarten sein.<\/p>\n<p>Damit nahm er aber vor allem Baghira den Wind aus den Segeln, dessen Rolle eigentlich auf die Wechselwirkung mit Mogli ausgelegt war. Seine Versuche, das Menschenjunge zu einem reflektierenden und selbstbewussten Mitglied der Dschungelgesellschaft zu formen, scheiterten an der mangelnden emotionalen Interaktion mit dem Hauptcharakter. Der achtj\u00e4hrige Tobias R\u00fchmeler, eigentlich schon ein erfahrener Teilnehmer zahlreicher erfolgreicher Produktionen der Konrad-Adenauer-Grundschule, h\u00e4tte aber aus seiner Rolle dennoch viel mehr herausholen k\u00f6nnen. Die Zerrissenheit des Panthers zwischen F\u00fcrsorge um seinen Schutzbefohlenen und dem Nicht-aus-der-eigenen-Haut-K\u00f6nnen vermochte er nicht einmal ansatzweise herauszustreichen.<\/p>\n<p>Damit kommen wir schon zur gr\u00f6\u00dften Pleite des gestrigen Abends: der beinahe schon deprimierenden \u00dcberforderung des sechsj\u00e4hrigen Adrian Brecht-Vorderm\u00fchle in seiner Rolle als Balu. Von der spielerischen Leichtigkeit, dem spritzigen Savoir-vivre des B\u00e4ren war nichts zu sp\u00fcren, als sein Darsteller albern \u00fcber die B\u00fchne hampelte und wie die Axt im Walde, keinen Ton treffend \u201eIch d\u00f6se vergn\u00fcgt in den Wipfeln\u201c (eigentlich mit das gr\u00f6\u00dfte Asset dieser an sich wunderbaren Rolle) intonierte, daf\u00fcr aber vollkommen unverst\u00e4ndlicherweise Szenenapplaus bekam. Als Balu am Ende des St\u00fcckes im Kampf gegen die Nemesis schlechthin, den Tiger Shir Khan, beinahe sein Leben l\u00e4sst und halbtot im Schlamm liegt, folgt in der Adaption der literarischen Vorlage f\u00fcr Schulb\u00fchnen ein ergreifender Dialog mit Mogli, der durch Adrian Brecht-Vorderm\u00fchle jedoch der L\u00e4cherlichkeit preisgegeben wurde. Die Besetzung dieser doch recht komplexen und vielschichtigen Rolle h\u00e4tte von der Spielleiterin weit mehr Fingerspitzengef\u00fchl erfordert. Sie stattdessen in krasser Verkennung der darstellerischen M\u00f6glichkeiten des Rollentr\u00e4gers einem clownesken Erstkl\u00e4ssler anzuvertrauen (ein Kniefall vor dessen einflussreichen Eltern?) ist eine Bankrotterkl\u00e4rung an die so hehre Tradition des Grundschultheaters.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Hauptrollen konnten unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr als verzweifelte Schadensbegrenzung versuchen. Besser gesagt: h\u00e4tten dies versuchen k\u00f6nnen, h\u00e4tten sie auch nur ansatzweise rollendeckend agiert. Die \u201eAchse des B\u00f6sen\u201c (Kaa und Shir Khan) pr\u00e4sentierte sich blass. Die siebenj\u00e4hrige Erna-Sieglinde Breier konzentrierte sich in ihrer Darbietung viel zu sehr auf den \u201eS\u201c-Fehler Kaas, den sie fast bis zur L\u00e4cherlichkeit breittrat. Ebenso wenig konnte der neunj\u00e4hrige Fabian Lindhof als Tigerf\u00fcrst \u00fcberzeugen, der sich sichtlich M\u00fche gab, jedoch von der Spielleiterin in ein fast schon grotesk enges Rollenkorsett gezw\u00e4ngt wurde, welches ihm metaphorisch gesprochen komplett die Luft abschn\u00fcrte. \u00dcber das anz\u00fcgliche Herumgehopse des Affenk\u00f6nigs wird hier gn\u00e4digerweise der Mantel des Schweigens gebreitet.<\/p>\n<p>Einzig auf der Habenseite zu verbuchen war die Elefantenarmee (ein Gastspiel der Spielgruppe des Buxtehuder Theo-Lingen-Gymnasiums), die den Zwiespalt zwischen milit\u00e4rischem Gehorsam und der Unsicherheit des Soldatenlebens durch perfekt gedrillte Marscheinlagen eindrucksvoll zur Geltung brachte.<\/p>\n<p>Alles in allem bot der gestrige Abend ein deprimierendes Schauspiel absolut inad\u00e4quater darstellerischer Leistungen. Das Publikum reagierte mit den gesellschaftlichen Konventionen entsprechend artigem Beifall, in den sich jedoch auch die Buhrufe von einigen leicht betrunkenen V\u00e4tern mischten, die offensichtlich am Bierstand des Pausenbuffets in goldrichtiger Erfassung der Sachlage allzu intensiv ihrer Verzweiflung \u00fcber die Darbietungen ihrer Spr\u00f6sslinge Ausdruck gegeben hatten. Man kann nur hoffen, dass in Hinkunft derartige Totalausf\u00e4lle durch gezielten Subventionsentzug hintangehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Ernegunde Witt-Kr\u00e4merseele, Kulturredaktion<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu \u201eGem\u00fctlichkeit am falschen Platz\u201c (Buxtehuder Bote\/Die freie Meinung, Montag, 16. M\u00e4rz 2015)<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Redaktion,<\/p>\n<p>mit nicht unbetr\u00e4chtlicher Best\u00fcrzung habe ich in Ihrer ansonsten hochgesch\u00e4tzten und qualit\u00e4tsvollen Zeitung eine Rezension gelesen, die diesen Namen kaum verdient. Ein derart \u00fcbler Verriss, und dazu von solch mangelhafter fachlicher Kompetenz ist mir bisher noch nicht untergekommen. Vor allem die gro\u00dfartige Darstellung des Balu derart abqualifiziert zu sehen, hat mich zutiefst entsetzt.<\/p>\n<p>Mit keinem Wort ist die Rezensentin auf Balus gef\u00fchlvolle, geradezu herzzerrei\u00dfende Interpretation des Klassikers \u201eIch d\u00f6se vergn\u00fcgt in den Wipfeln\u201c eingegangen. Und wer auch nur ansatzweise Augen im Kopf hat und f\u00e4hig ist, sein Hirn zu benutzen, w\u00fcrde sich niemals zu den Begriffen \u201ealbern \u00fcber die B\u00fchne hampeln\u201c und \u201eAxt im Walde\u201c hinrei\u00dfen lassen. Eine so wunderbare, herzallerliebste Deutung des gro\u00dfen, t\u00e4ppischen B\u00e4ren sucht wohl ihresgleichen. Adrian spielte nicht Balu, er war Balu an diesem wahrlich gro\u00dfartigen Abend. Jedenfalls ist es ihm m\u00fchelos gelungen, seine (wenigstens hier muss ich der Rezensentin zustimmen) nichtssagenden Kollegen (allen voran sei hier der absolut unterirdisch agierende Markus Overblohm als Mogli genannt) an die Wand zu spielen. Weiters muss ich mich auch aufs Sch\u00e4rfste gegen die infame Unterstellung der elternseitigen Protektion zur Wehr setzen. Wenn einer eine solche Einflussnahme an diesem Abend nicht n\u00f6tig hatte, dann wohl der unbestreitbar hinrei\u00dfende Adrian Brecht-Vorderm\u00fchle. Auf der anderen Seite w\u00fcrde es mich gewaltig wundern, wenn es bei der Besetzung des (man kann es nicht oft genug betonen) inferioren Mogli mit rechten Dingen zugegangen w\u00e4re &#8230;<\/p>\n<p>Zu guter Letzt zeigt auch der Verweis auf die Reaktion des Publikums (angetrunken p\u00f6belnde, absto\u00dfende Herren als kulturelle Speerspitze des guten Geschmacks hinzustellen, ist ja wohl der Gipfel), wes Geistes Kind die Rezensentin ist. Ich kann nur nochmals mit aller Deutlichkeit schreiben, wie befremdet ich das Feuilleton vom 14. M\u00e4rz lesen musste, und hoffe, dass man sich die Ver\u00f6ffentlichung derartiger Erg\u00fcsse k\u00fcnftig zweimal \u00fcberlegen wird.<\/p>\n<p><em>Waltraud Brecht-Vorderm\u00fchle<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu \u201eGem\u00fctlichkeit am falschen Platz\u201c (Buxtehuder Bote\/Die freie Meinung, Mittwoch, 18. M\u00e4rz 2015)<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Redaktion,<\/p>\n<p>was sich manche Eltern herausnehmen, wenn es um ihren Nachwuchs geht, ist immer wieder bemerkenswert. Ganz abgesehen davon, dass die Anw\u00fcrfe meiner gesch\u00e4tzten Elternbeiratskollegin Brecht-Vorderm\u00fchle gegen die von ber\u00fchrender Subtilit\u00e4t getragene Deutung des entwurzelten Menschenjungen durch den vortrefflichen Markus Overblohm (wo die Rezensentin hier ihre Augen hatte, ist mir ein R\u00e4tsel) unterstes Niveau sind und jegliches kulturelle Feingef\u00fchl zur G\u00e4nze vermissen lassen, wird mit aller Gewalt versucht, die desastr\u00f6se Leistung des Balu sch\u00f6nzureden. Das nimmt seinen Anfang bei der drittklassigen Variet\u00e9nummer \u201eIch d\u00f6se vergn\u00fcgt in den Wipfeln\u201c, die durch den Darsteller derart maltr\u00e4tiert wird, dass man noch Mitleid mit dem Verfasser bekommt. W\u00e4re es dabei geblieben, man h\u00e4tte dem kleinen Adrian mit Bauchschmerzen verzeihen k\u00f6nnen. Wer aber die unbeschreiblich sch\u00f6ne Ochsenfroschszene zu Beginn des zweiten Aktes auf solch grausame Weise verhunzt, muss im Grunde froh sein, die B\u00fchne \u00fcberhaupt lebend verlassen zu k\u00f6nnen. Hier zeigt sich auf schmerzliche Weise, dass manche Erziehungsberechtigte zur Verwirklichung ihrer geplatzten Jugendtr\u00e4ume ohne Z\u00f6gern bereit sind, \u00fcber die Leichen ihrer Spr\u00f6sslinge zu gehen. Was die gesch\u00e4tzte Kollegin Brecht-Vorderm\u00fchle getan hat, um f\u00fcr ihren missratenen Nachwuchs diese Rolle herauszuschinden, wei\u00df allein sie und allenfalls der Produzent.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend sei mir die Bemerkung gestattet (und wenigstens hier m\u00f6chte ich meiner gesch\u00e4tzten Kollegin Brecht-Vorderm\u00fchle aus tiefstem Herzen zustimmen), dass einige betrunken randalierende Subjekte wohl kaum geeignet sind, als Argument f\u00fcr einen derart besch\u00e4menden Verriss zu dienen. Die Familienverh\u00e4ltnisse dieser Herren w\u00fcrden es ohne Zweifel verdienen, n\u00e4her beleuchtet zu werden \u2013 eventuell kann sich die Rezensentin dann als Autorin einer boulevardesken Sozialstudie eher profilieren als auf dem kulturellen Parkett, f\u00fcr das ihr sichtlich jede Kompetenz fehlt. Ich jedenfalls finde es \u00e4u\u00dferst bedauerlich, dass diese sonst so hochstehende Zeitung sich als B\u00fchne f\u00fcr solche Tiraden hergibt und hoffe, dass dies ein einmaliger Ausrutscher bleibt.<\/p>\n<p><em>Regine Overblohm<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Offener Brief betreffend \u201eGem\u00fctlichkeit am falschen Platz\u201c (Buxtehuder Bote\/Die freie Meinung, Samstag, 21. M\u00e4rz 2015)<\/strong><\/p>\n<p>Hochgesch\u00e4tzte Damen Overblohm und Brecht-Vorderm\u00fchle,<\/p>\n<p>ich kann nicht umhin, Ihren Zeilen eine gewisse Voreingenommenheit gegen meine Person zu entnehmen. Mir ist durchaus bewusst, dass dies von der Tatsachenbeschreibung einiger darstellerischer Leistungen in der Schulauff\u00fchrung letzte Woche herr\u00fchrt, aber seien Sie unbesorgt \u2013 ich stehe zu meinem Wort und habe nicht vor, auf Zuruf zweier Glucken meine Meinung auch nur um ein Jota zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Ich wende mich strikt gegen jegliche realsozialistische Gleichmacherei und vertrete die Ansicht, dass hundsmiserable schauspielerische Leistungen nicht allein um der schon wahrlich ausgezehrten Idee der Chancengleichheit f\u00fcr alle willen unter den Tisch gekehrt werden sollten. Wer versagt, dem ist dies schonungslos zu offenbaren \u2013 darin sehe ich meine Aufgabe als Kulturjournalistin, ja ich bin es dem anspruchsvollen Publikum geradezu schuldig.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen: Die Darbietung Ihrer Spr\u00f6sslinge war trostlos. Daran \u00e4ndern auch die proletoiden Ausf\u00e4lle Ihrerseits nichts. Und meine Mission sehe ich erst dann als erf\u00fcllt, wenn solche Blindg\u00e4nger wie Markus Overblohm und Adrian Brecht-Vorderm\u00fchle aus dem Verkehr gezogen sind und nie wieder eine Theaterb\u00fchne aus der N\u00e4he sehen, geschweige denn betreten. Wenn ich etwas zu bestimmen h\u00e4tte, w\u00fcrden Schulauff\u00fchrungen per se in Zukunft der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Meine Passion war immer die hohe deutsche Klassik \u2013 Schillers Wallenstein in seinem unnachahmlichen Duktus, der in seiner Verzweiflung so menschliche Faust &#8230; F\u00fcr die gro\u00dfen H\u00e4user h\u00e4tte ich schreiben k\u00f6nnen, scharfe Analysen hinschleudern, von Regisseuren und Schauspielern gef\u00fcrchtet \u2013 und gelandet bin ich bei einem miesen Lokalblatt. Mir ist bewusst, dass dieser offene Brief in genau jenem Lokalblatt ver\u00f6ffentlicht wird, ich lasse ihn aber dennoch genau so stehen. Schlie\u00dfen m\u00f6chte ich mit dem flehentlichen Appell an die Damen Overblohm und Brecht-Vorderm\u00fchle: Bitte lassen Sie nicht zu, dass Ihre missratenen S\u00f6hne noch einmal die Chance haben, einen vielleicht wunderbaren Abend vollends zu zerst\u00f6ren!<\/p>\n<p>Herzlichst<br \/>\n<em>Ernegunde Witt-Kr\u00e4merseele<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu \u201eGem\u00fctlichkeit am falschen Platz\u201c (Buxtehuder Bote\/Die freie Meinung, Dienstag, 24. M\u00e4rz 2015)<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Redaktion,<\/p>\n<p>die Leserbriefseiten der vergangenen Tage aufmerksam studierend, f\u00fchlen wir uns zu einer Darstellung der Dinge aus unserer Sicht gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Lokalderby wurden wir von unseren Gattinnen aufgehalten und mit sanftem Nachdruck aufgefordert, uns f\u00fcr den Theaterabend der Grundschule fertig zu machen (warum dieser Theaterabend ausgerechnet an diesem Tag stattfand und wir mit keinem Wort informiert wurden, wei\u00df allein der Himmel \u2013 es gab wahrscheinlich eine Erl\u00e4uterung unserer Frauen, die wir jedoch mangels f\u00fcr uns erschlie\u00dfbarer Relevanz nicht verinnerlichten, zumal nach unserem Wissen niemand von den uns bekannten Kindern diese Schule besucht). B\u00f6ses ahnend, machten wir uns auf den Weg.<\/p>\n<p>W\u00e4ren wir doch zum Derby gegangen. Das St\u00fcck war \u00fcber die Ma\u00dfen lahm, die Schauspieler farblos bis zum \u00c4u\u00dfersten. Insbesondere der B\u00e4r und der Menschenjunge agierten f\u00fcrchterlich \u2013 wir m\u00f6chten bei Gott nicht in der Haut der armen Eltern stecken, die diese Misere auszubaden haben. Der einzige Lichtblick an diesem tristen Abend war das Bier am Pausenbuffet, das unsere Stimmung zumindest ein wenig heben konnte. Frisch gest\u00e4rkt harrten wir voller Hoffnung der zweiten Halbzeit und mussten feststellen, dass sich nichts zum Besseren ge\u00e4ndert hatte \u2013 eher im Gegenteil, weshalb wir unserem Missfallen von der Balustrade aus auch lautstark Ausdruck verliehen. Begeistert registrierten wir, dass unsere Kundgebung offenbar auf Zustimmung stie\u00df und wir nach kurzer Zeit bereits mit etwa zehn Gleichgesinnten auf der Balustrade standen, lautstark \u201eV\u00f6lker, h\u00f6rt die Signale\u201c sangen und uns wechselseitig in den Armen lagen. Als wir auf dem Heimweg mit unseren Frauen zwanglos die miserablen schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller er\u00f6rtern wollten, ernteten wir eisiges Schweigen, ma\u00dfen dem aber im Hinblick auf die zurzeit leicht reizbare Natur unserer Gattinnen wenig Bedeutung bei.<\/p>\n<p>Wenige Tage sp\u00e4ter bekamen wir v\u00f6llig unvermittelt die aktuelle Ausgabe des Buxtehuder Boten vor die Nase geknallt und wurden mit den Worten \u201esieh dir diese Schmiererei an\u201c auf das Feuilleton hingewiesen. Mit Entsetzen mussten wir feststellen, dass die Darsteller der Hauptfiguren unsere S\u00f6hne gewesen sein sollen. Auf unsere Frage hin, warum uns das nicht eher mitgeteilt wurde, wurden wir des Hauses verwiesen und schreiben diese Zeilen nun in einem Doppelzimmer des st\u00e4dtischen Hotels. Jede Kontaktaufnahme zu unseren Frauen blieb bis dato ergebnislos.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten nochmals bekr\u00e4ftigen, dass wir v\u00f6llig ohne unser Wissen in diese Angelegenheit hineingezogen wurden und mit der Rezensentin in ihrer Beurteilung des Abends vollends \u00fcbereinstimmen. Wir hoffen, eine derartige Zumutung nie wieder erleben zu m\u00fcssen und m\u00f6chten des Weiteren unserer Zuversicht Ausdruck verleihen, bald wieder nach Hause zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen, da uns sch\u00f6n langsam die Anz\u00fcge ausgehen.<\/p>\n<p>Mit besten Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\n<em>Hansjoachim Brecht-Vorderm\u00fchle<br \/>\nDietrich Overblohm<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Diskussion um Schulauff\u00fchrung eskaliert (Buxtehuder Bote\/Chronik, Freitag, 27. M\u00e4rz 2015)<\/strong><\/p>\n<p><em>Was als harmlose Schulauff\u00fchrung begann, wurde binnen weniger Tage zu einem gesellschaftlichen Super-GAU: Eine von unserer Redaktion einberufene Schlichtungsversammlung artete aus.<\/em><\/p>\n<p>Es h\u00e4tte so sch\u00f6n werden k\u00f6nnen: Eine Schulauff\u00fchrung von Kiplings bekanntem Dschungelbuch in der st\u00e4dtischen Mehrzweckhalle war Ausgangspunkt f\u00fcr einen beispiellosen Eklat, mit dem in dieser Intensit\u00e4t nicht zu rechnen war. Die durchaus harte Rezension der Kulturredakteurin des Buxtehuder Boten f\u00fchrte zu erbitterten Reaktionen seitens der M\u00fctter der beiden Hauptdarsteller, worauf die Chefredaktion zu einem Schlichtungsversuch lud. Mit gemischtem Erfolg: Zwar erschienen die Streitparteien (die Ehepaare Overblohm und Brecht-Vorderm\u00fchle sowie unsere Kulturredakteurin Witt-Kr\u00e4merseele), aber schon nach wenigen Minuten geriet die Situation au\u00dfer Kontrolle und die Damen verlie\u00dfen wutentbrannt die Redaktion.<\/p>\n<p>Nur Stunden sp\u00e4ter prallten von Frau Overblohm, Frau Brecht-Vorderm\u00fchle sowie einem der Redaktion nicht namentlich bekannten texanischen Insurgenten (welcher sich sp\u00e4ter als die nunmehr ehemalige Kulturredakteurin des Buxtehuder Boten herausstellte) angef\u00fchrte Gruppierungen bei einer spontan entstandenen Kundgebung aufeinander. Die aufgeheizte Stimmung entlud sich in Pl\u00fcnderungen sowie der Zerst\u00f6rung des mittelalterlichen Buxtehuder Stadtzentrums, ehe Polizei und Bundeswehr die Lage unter Einsatz von Tr\u00e4nengas und Wasserwerfern unter Kontrolle brachten.<\/p>\n<p>Die weiteren Folgen: Die Spitzenfunktion\u00e4rinnen des Elternbeirats der Konrad-Adenauer-Grundschule reichten die Scheidung ein, erkl\u00e4rten den Elternbeirat f\u00fcr aufgel\u00f6st und riefen zwei rivalisierende Nachfolgeorganisationen ins Leben. Die Satzungen beider Vereinigungen sehen (neben der Forderung nach der Wiedereinf\u00fchrung der Todesstrafe in Bezug auf Frau Witt-Kr\u00e4merseele) unter anderem die Boykottierung k\u00fcnftiger Schulauff\u00fchrungen vor, in denen Markus Overblohm (Satzung der Brecht-Vorderm\u00fchle Christliche Elternvereinigung e.V.) beziehungsweise Adrian Brecht-Vorderm\u00fchle (Satzung der Overblohm-F\u00f6deration der Freien Erziehungsberechtigten e.V.) eine Hauptrolle innehaben.<\/p>\n<p>Der Buxtehuder Bote ist auf der Suche nach einer neuen Spitze f\u00fcr seine Kulturredaktion, nachdem die bisherige Kulturredakteurin unter Hinweis auf gewisse negative Schwingungen ihre Person betreffend um texanisches Asyl ansuchte und dieses sofort bewilligt bekam.<\/p>\n<p>Buxtehude erholt sich derzeit langsam von den Wunden, die ihm durch diesen Kulturstreit geschlagen wurden. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt bald wieder zu ihrer gewohnten St\u00e4rke und Eintracht zur\u00fcckfindet und solche Szenen f\u00fcr immer der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Nie wieder!<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis: Die n\u00e4chste Schulauff\u00fchrung der Konrad-Adenauer-Grundschule findet kommenden Mittwoch statt. Erleben Sie \u201eK\u00f6nig Lear\u201c mit Markus Overblohm und Adrian Brecht-Vorderm\u00fchle in den Hauptrollen!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Gerhard Sch\u00f6nbeck<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=432\">Vorhang auf f\u00fcr den Nachwuchs<\/a>| Inventarnummer: 20016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gem\u00fctlichkeit am falschen Platz (Buxtehuder Bote\/Feuilleton, Samstag, 14. 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