Reisenotizen Dänemark
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Kopenhagen von Norddeutschland aus über viele Inseln zu erreichen, erweist sich als hübschere Reisestrecke als zuvor die kargen Heideflächen. Besser kann der südlichste Vertreter Skandinaviens nicht seinen properen, gefälligen Lebensstandard ankündigen, der ihm nicht nur von den eigenen Leuten zuerkannt wird.
Auf der Westseite des Öresunds ist man überzeugt, dass die Schweden diese Meerenge passieren, um endlich mal lachen zu können. (Diese kleine Gehässigkeit führe ich darauf zurück, dass die Dänen Schonen den Schweden zurückgeben mussten.)
Kopenhagen hat was Mediterranes, Heiteres unbeschadet dessen, dass das ursprüngliche Essen sich geschmacklich dazu verhält wie monochrom zu bunt und Smørrebrød zu Pizza.
Die kleine Meerjungfrau im Hafenbecken könnte die Melancholie, die nach leiblicher Stärkung auftreten kann, verlängern. Hans Christian Andersen hat seine Märchen sicherlich nicht wegen körperlicher, sondern seelischer Unpässlichkeit mit einem Hauch Traurigkeit getönt.
Helsingörs Schloss ließ darauf schließen, dass Hamlet‘sches Bollwerk keine blutigen Familienskandale verhindert.
Hingegen war ein FKK-Familien-Picknick auf einer Kirchenwiese daneben in den 1970er Jahren allenfalls vom Risiko behaftet, einer Marienkäferinvasion zum Opfer zu fallen.
Summa summarum bilanziere ich für Dänemark, dass Tüchtigkeit eine durchaus positive Eigenschaft sein kann und als Basis für Selbstvertrauen taugt, solange sie nicht in Wettbewerb, schon gar nicht in der eigenen Sippe, ausartet.
Das sind Briefe aus Schweden, die ich mit etwa 14 Jahren verfasste. In der Mitte stehe ich mit meinem Cousin in Dänemark, dahinter Helsingborg.
Antonia H.
www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26168
