Reisenotizen Kalifornien

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Nein nicht das blonde, gewachste, niemals alternde, showmäßige, regen-lose mit einem Lächeln, bei dem dich ein makellos weißes Lattenzaungehege im Mund eventuell auch daran hindert, näher zu treten. Nein, das nördliche, ländliche Kalifornien, nördlich der Stadt San Francisco, von welcher aus Hippies dank Silikon und Informatik zu Hightech-Milliardären mutierten.

Dort liegt an einem See, der den schweizerisch-italienischen Binnengewässern an Form und Schönheit in nichts nachsteht (wohl aber mit seiner gastronomischen Infrastruktur weit abfällt) ein Städtchen, das so arm ist, dass man entlassenen Gefängnisinsassen freiwillig Bustickets bis dorthin bezahlt, damit sie nicht auf den dummen Gedanken kommen, ihr Strafregister um paar Einbrüche und Eigentumsdelikte zu erweitern.

Dank Waldbränden und Hochwasser hat es die Ortschaft sogar bis in die internationale Presse geschafft.

Typisch für Kalifornien? Nein, aber auch nicht selten. Gleich „nebenan“ befindet sich das sich mondän gebende Napa Valley.

Kalifornien gilt als ein sehr liberaler Staat. Im Land der Freiheit ist es das freieste Land. Jeder/jede darf völlig gesetzeskonform stinkreich werden, kiffen oder auch arm und staatlich weitgehend ignoriert sein Leben fristen. Es ist hier erlaubt, willkürlich mit einer Knarre herumzuballern, allerdings nicht, wenn man sich auf fahrbaren Untersätzen befindet. Dafür ist Sonnenschein sogar gesetzlich garantiert.

Ist nur mir aufgefallen, dass jegliche Art von Tektonik, sei sie sozial oder geologisch, so lange Furchen und Aufwerfungen hinterlässt, bis sogar die ganze vereinigte Nation so gespalten ist, dass es kein „Hinüber“, geschweige denn ein „Herüber“ mehr gibt? (Dieser Gedanke kam mir beim Anblick einer Erdbebenspalte, die sich innerhalb von zwei Jahren von einer Ackerfurche zu einem echten Graben von fünf Metern Tiefe und mehreren Kilometern Länge entwickelt hatte.)

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26159