Reisenotizen Ausgangsbasis

Ohne Standpunkt keine Perspektive. Als Abreisende (noch eingehüllt in Wohligkeit meines Herkunftslandes Österreich) verlasse ich meine Komfortzone und kann vorübergehend lieben Gewohnheiten entsagen, die sich so nur zu Hause pflegen lassen. Wobei die Wohligkeit weniger in der unhinterfragten Akzeptanz aller heimatlicher Mentalitäten besteht. Es gibt auch welche, mit denen ich mich nicht identifiziere. Das Wohlgefühl ziehe ich daraus, wohlbehalten und weitgehend unbeschadet aufgewachsen und gealtert sein zu dürfen.

Das Wegfahren allerdings fühlt sich wie ein Kaugummi an, den ich von den Schuhsohlen entfernen muss, weil mein Gemüt an der Gemütlichkeit des Verweilens haftet. „Angekommen“ erlöst mich von den Unwägbarkeiten des Unterwegsseins.

Ich verzichte vorübergehend bei Reisen sogar ohne größere Verlustängste auf meine Muttersprache, welche sich laut Christian Morgenstern zwischen „sich zusammenreißen“ und „sich gehenlassen“ bewegt. Es hilft mir durchaus, mich in einer (angeblich) nationalen Haltung verwurzelt zu wissen, die Extreme meidet (dass sie auch Anstrengungen meidet, wenn es drauf ankäme, ist eine andere Geschichte).

So gewappnet wage ich es, meine wirklich streng subjektiven Ansichten und Einsichten über andere Länder kundzutun.

 

Lesen Sie dazu:

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26157