Der Tycoon baut kleinere Häuser
Der derzeit im Innsbrucker Gefängnis domizilierte Untersuchungshäftling René B. sieht sich keineswegs als gefallener Immobilientycoon, vielmehr als Errichter kleinerer Häuser.
Er hat in der Gefängnistischlerei eine Ausbildung zum Tischler begonnen.
„Das hat sich so ergeben”, erzählt er freimütig. „Ich saß in meiner Zelle und dachte an meine Weggefährten. Dabei kam mir das Lied ‚Amsel, Drossel, Fink und Star‘ in den Sinn.
Es ist nämlich so, dass ich nur deswegen im Häfen sitze, weil die alle gesungen haben.
Das hat mich auf die Idee gebracht, meine Zeit hier sinnvoll zu nutzen und meine Expertise in der Errichtung von Wohnraum in meine Ausbildung zum Tischler einfließen zu lassen.
Es ist nämlich gar nicht so einfach, ein Vogelhaus zu bauen!”, ruft B., wieder ganz der Entrepreneur, den die Welt kennt.
„Eine Amsel beispielsweise benötigt ein größeres Einflugloch als eine Meise. So wie ein Bentley naturgemäß eine größere Garage braucht als ein Mini!”
Auf die Frage, ob die Konstruktion von Nistkästen so aufwändig sei, dass er die nächsten Jahre damit zubringen werde, diese hohe Kunst zu erlernen, schluckt B., kratzt sich den immer noch gepflegten Dreitagebart am Kinn zurecht und lässt tief in seine Seele blicken:
„Wissen Sie, die kalte Platte hier im Häfen ist natürlich nicht so gut wie die aus dem Schwarzen Kameel. Auch dem Sprudel fehlt hier die Substanz.
Dennoch habe ich große Pläne! Nach den Vogelhäusern werde ich mich in der Kunst des Erbauens von Hundehütten unterweisen lassen. Ein Schäferhund braucht nämlich einen größeren Torbogen als ein Dackel, verstehen Sie?”
Ein ebenso weitsichtiger wie vielschichtiger Mann wie René B. hat natürlich auch Pläne für die Zeit nach seiner Haftentlassung.
„Klar habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Wissen Sie, in den Bergen, wo ich mich gerne aufhalte, ist es oft schwer, etwas Passendes zu finden, wenn einen die Natur überkommt. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, ein, natürlich großes, Unternehmen zu gründen, das sich auf die Herstellung von Nebengebäuden spezialisiert.”
Auf die Frage nach seiner Rolle in dem Unternehmen wird René B. unwirsch.
„Na was glauben Sie denn? Ich hoble die Bretter, verbinde sie miteinander, entwerfe und fertige eine ansprechende Sitzgelegenheit und zum Schluss fräse ich ein Herz in die Türe!”
Michael Timoschek
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