{"id":964,"date":"2014-02-09T12:16:56","date_gmt":"2014-02-09T12:16:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=964"},"modified":"2014-03-25T13:04:05","modified_gmt":"2014-03-25T13:04:05","slug":"ameisen-und-fruchtfliegen-und-silikon-dazwischen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=964","title":{"rendered":"Ameisen, und Fruchtfliegen, und Silikon dazwischen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts964&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts964&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Kariert. Kariert, nicht gestreift: Gestreift ist nicht kariert. Das Hemd, nicht die Fenster! Alles, alles, nur die Fenster nicht. Die undichten, die, die noch undichter sind als die T\u00fcr. Die T\u00fcr! Da! Die ganzen Ameisen, da, da rennen sie den Hintern nach, alle dem ersten nach und dann dem zweiten und dann dem dritten nach, Tausende, viele. Alle unter der T\u00fcr durch, und auf die Br\u00f6sel zu, auf den Zucker, im Zimmer, am Boden, verstreut, ein Hoppala zum Fr\u00fchst\u00fcck vor zwei Wochen. Und erst die Fruchtfliegen, die ganzen, die herumtaumeln in der Luft wie Industrieschnaps, wie Marillenbrand, angesetzt an die Lippen, Marillenbrand, der fast schon die Zunge ber\u00fchrt. So kurz vor dem Recken, das nachher kommt, so kurz vor dem Bremsmugel am Parkplatz vom Stadionbad. Der zum Magenausheben, der, nach dem das Stamperl am R\u00fcckweg dann erst wieder oben rauskommt. Im Auto, eins aufgeheizt vom Stehen, vom Stehen dort, wo der Schatten einmal war am Vormittag, vor der Ausfahrt noch, zuhause!<br \/>\nZuhause, nein, zuhause!<br \/>\nDaheim spielt sich das alles erst ab.<\/p>\n<p>Und, und wo kommen die jetzt alle her, diese Fruchtfliegen? Aus welchem Spalt? Aus welcher Ritze? Welcher von denen ist es, die sich da alle durch die verf\u00e4rbte Farbe ziehen?, durch die W\u00e4nde selbst, in die W\u00e4nde hinein, wart!<br \/>\nWart!<br \/>\nSenkt sich da etwa, das Fundament?<br \/>\nSenkt es sich?<br \/>\nSenkt es sich und rei\u00dft es das Dach in Tr\u00fcmmer? Regnet es dann? Regnet es? Regnet es Balken und Schindeln und Holz und Ton? Auf den Kopf? Auf die Schulter? Die Nase! Gebrochen!, die Nase ab, und die Mauern purzeln. Staub und Ziegel, grau in grau, die Ziegel unten, der Staub, der oben drauf sinkt, es stinkt. Riechen!, nur nicht, nur nicht Einatmen, die Kartoffeln!<br \/>\nDie Kartoffeln!<br \/>\nUralt, geschrumpft und verschrumpelt, fl\u00fcssig und runzlig, dort ist er also daheim, der Schwall aus schwarzen Punkten. Die Fruchtfliegen, daheim im wei\u00dfen Tapperg\u2019schirr, mitsamt Kartoffeln von vor mehr als f\u00fcnfzig Wochen!<br \/>\nJa!<br \/>\nJa!<br \/>\nJetzt, mit dem Deckel unten, direkt offensichtlich: Dort kommen die Fruchtfliegen also her.<br \/>\nDirekt ekelhaft!<\/p>\n<p>Alle Fruchtfliegen sofort in der Luft jetzt, Schwirren im Nasenloch, Niesen!<br \/>\nHa-Ha-Ha-Hatschi!, kein Gesundheit.<br \/>\nNur fuchtelnde Arme in einer Wolke aus Fruchtfliegen, einer, die auch noch zur\u00fcck fuchtelt, nasses Mehl! Nasses, nasses Mehl, der Geschmack vom Kartoffelgestank, wie eine zweite Haut hinten an den Z\u00e4hnen. Seit l\u00e4nger schon. Schwer, klebrig, und s\u00fc\u00df fast, aber nicht\u00a0 s\u00fc\u00df wirklich, nur nicht den Mund aufmachen, nur nicht.<br \/>\nNur nicht, und zu mit den Augen!<br \/>\nZu damit!<br \/>\nZu wie den Mund!<br \/>\nZu damit und her mit dem M\u00fclls\u00e4cken! H\u00fcfth\u00f6he mittig, im Glasbodeneinschubfach, \u00fcberm g\u00e4renden Kartoffelp\u00fcreegatsch, in der K\u00fcchenstellage, in der Wohnk\u00fcche, blind.<br \/>\nAugen zu!<br \/>\nZu gef\u00e4hrlich!<br \/>\nDie Fruchtfliegen weiter unten schon halb im Mund!<br \/>\nJetzt! Her damit! Her damit, her mit den sechzig Litern, M\u00fclls\u00e4cke, premium, mit Zugband, hellblau, perforiert.<br \/>\nPerforiert!<br \/>\nDie Perforation!<br \/>\nSie, sie kommt und kommt nicht.<\/p>\n<p>Sekundenlang, ganze Meter, Meter und Sekunden aus glattem Vorbeirascheln, wie ein Tixo ohne Anfang, wie endlos, dann aber Schluss. Schluss! Schluss ist und Augen halt wieder auf und da liegen sie aufeinander in ihren runden Falten wie eine K\u00fcchenrolle ganz abgerollt, die zehn M\u00fclls\u00e4cke, die zehn, die nur eins sind, unzugeschwei\u00dft, nicht perforiert.<br \/>\nFrechheit!<br \/>\nFabrikationsfehler, Fehler, Fabrikation!<br \/>\nNur Fehler, Fehler von oben bis unten.<br \/>\nKlump! Klump! Klumpert!<br \/>\nUnd da, ah, eine Fruchtfliege im Aug auch noch, endlich, schon. Das kommt davon. Das kommt davon vom Augenwiederaufmachen im Fruchfliegenschwarm drinnen und da: spitze, d\u00fcnne Beinchen, die Zehenspitzen raufkraxeln. Spitze, d\u00fcnne Beinchen, die schon bald oben ankommen, und dann, schnell, nach hinten zum Kn\u00f6chel und rundherum.<br \/>\nWas zuerst, was zuerst, was zuerst ermorden?<br \/>\nWas?<br \/>\nWas!<br \/>\nWaswaswas!<br \/>\nFruchtfliege, Aug, Ameise, Fu\u00df, und Blinzeln, Reiben, Tr\u00e4nen. Es juckt, noch immer, es juckt, im Aug, rot!, rot!, und rosa mindestens! Aus damit! Aus! An den Wimpern ziehen, wuahaha!, und das Lid, dr\u00fcberst\u00fclpen, hinunter zum anderen, und dort dann, dort dann loslassen.<br \/>\nEin grauslicher Sog, ein grausliches, ger\u00e4uschloses Schmatzger\u00e4usch und weg.<br \/>\nWeg!<br \/>\nNur leicht verschwommen nur noch.<br \/>\nWeg ist die Fruchtfliege!<br \/>\nWeg, wohin auch immer!<br \/>\nUnd da, die Ameise! Die Ameise, die wieder zur\u00fcck, nach vorn zu den Zehen rennt: Insekten, Eiwei\u00df, hirnloses! Runter!, runter!, runter da!, runter!, Fu\u00dfaussch\u00fctteln! Absch\u00fctteln!, runter!, runter da von dem Rist, herrunter!, herunter jetzt von dem Fu\u00df!<br \/>\nDie Ameise, sie, sie wehrt sich!<br \/>\nSie h\u00e4lt sich, hartn\u00e4ckig, lang, zu lang, zu lang zu lang schon!<br \/>\nAlso doch besser Wegschnipsen.<br \/>\nTadaaaa, genug jetzt aber!<br \/>\nEs reicht mit dem ganzen Hausfriedensbruch da! Elektroz\u00e4une, S\u00e4uregr\u00e4ben, winzig kleine Minen, ja!, w\u00e4r\u2019 nur die Zeit, keine Zeit, Silikon! Ha! Genau! Wegen der Badewanne, Silikon!, neues, wegen dem Schimmel am alten, gekauft, nie benutzt, nur gekauft, das neue, ergo voll!<br \/>\nMuahahahaha!<\/p>\n<p>Wird schon noch gut sein von zweitausendirgendwas, aber, aber wer schaut schon aufs Ablaufdatum bei sowas? Wer schon? Im Ausnahmezustand? Na wer?<br \/>\nNur wo nur, wo nur, wo?<br \/>\nAh, ja, aja, da, dort, unter der Waschmuschel, im Unterkastl, im Badezimmer. Hinter den ganzen leeren Kloputzmitteln mit Meeresbrise, Zitronenhauch, Orange und Lavendel, nicht mischen, nicht mischen, mischen verboten! Da! Da steht es, dahinter, das Schimmel-Blocker-Aktiv-Silikon, blockt aktiv Schimmel, steht da, gro\u00df geschrieben, von Ameisen und von Fruchtfliegen nichts.<br \/>\nTrotzdem!<br \/>\nJa, sicher!<br \/>\nProblemlos!<br \/>\nUnd da, da kommt es schon, das Wei\u00dfe, das Silikon, vorn raus\u00a0 aus der Spitze, aus der Aufsteckd\u00fcse, die, die aus \u201eim Lieferumfang enthalten\u201c. So! Dann zwischen T\u00fcr damit und T\u00fcrstock, zwischen T\u00fcr und Angel! Zu sein, zu muss es werden, zu! Zu, so zu, ein Durchzw\u00e4ngen ausgeschlossen, zu, zu, zu, so zu wie zu nur sein kann. Mit dem Daumen glattstreichen, immer Glattstreichen das Silikon, mit dem Daumen, sch\u00f6n, rundherum, um die T\u00fcr, oben, links, rechts und unten.<\/p>\n<p>Silikon!<br \/>\nAlle Kanten entlang, jede, den ganzen Umfang, in den Spalt hinein, ja, das nennt sich Abdichten, ja, sowas hei\u00dft Dichtung! Dichtung!, dichte, nicht dieses l\u00e4cherliche Kautschukband, dieser schmale Streifen, dieses leere Profil voller Luft, nachtr\u00e4glich reingeklebt in den T\u00fcrrahmen, eingezwickt, nutzlos, alles kommt durch, alles!<br \/>\nDa!<br \/>\nFertig!<br \/>\nNichts!, nichts kommt mehr durch, durch die T\u00fcr, kein Vorbei mehr, keine Ameise, keine Fruchtfliege, keine Milbe, kein Hausstaub, nichts.<br \/>\nUnd jetzt!<br \/>\nJetzt die Fenster.<br \/>\nDie zwei, die Jalousien unten, unten, unten und zugedreht, andauernd, und Ameisen, Ameisen \u00fcberall!, und Fruchtfliegen! \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jetzt!<br \/>\nSchnell!<br \/>\nMehr Silikon!<br \/>\nMehr!<\/p>\n<p>Und rein damit in die letzten Schwachstellen, die letzten schmalen Durchl\u00e4sse, die Fenster, nach raus, nach rein, egal wohin, aber reicht \u00fcberhaupt das eine? Reichen die dreihundert? Die dreihundert Milliliter? Dreihundert Milliliter Qualit\u00e4tssilikon, steht da, ja!, sie sollten, sie reichen, sie m\u00fcssen. Vorsichtig, Vorsicht! Trotzdem spaaarsam, so sparsam wie m\u00f6glich, nur nichts verschwenden, keinen Tropfen aufs Fensterbrett, keinen Tropfen, der tropft wie Zahnpasta. Eine Unachtsamkeit, ein matschiges Aufklatschen nur, und was dann?: die Ameisen!, die Fruchtfliegen!, nicht mehr aufzuhalten! Nicht aufzuhalten, die beiden, nicht mehr, wenn es ausgeht, das Silikon, die Ameisen, drau\u00dfen, wahrscheinlich halb die Fassade schon oben!, die Fruchtfliegen, drinnen, sie lauern!<br \/>\nVerd\u00e4chtig!<br \/>\nVerd\u00e4chtig unauff\u00e4llig.<br \/>\nSo lauern sie, aufs Ausbrechen, aufs Verst\u00e4rkungholen, nein!, also!, schnell! Nicht die geringste, nicht die winzigste L\u00fccke darf bleiben, nicht die geringste, nicht die winzigste, mikroskopische, nano, pico, femto. Null Toleranz, plusminus gar nichts, null, genau null, ohne Komma, ohne Beistrich, das erste Fenster: fertig!<\/p>\n<p>Und ahh, da, da krabbeln sie.<br \/>\nDa krabbeln sie am Boden, und da fliegen sie herum in der Luft, ach, ja, w\u00fcssten sie nur. W\u00fcssten sie nur, und k\u00f6nnten sie ahnen, der Tod!, die Zeitung schon eingerollt unterm Arm. Nur noch den R\u00fcckzug abschneiden, nur noch den Nachschub und dann. Dann! Entkommen?, keines, bald, Vergangenheit, unm\u00f6glich, in K\u00fcrze, gleich vorbei! Ein Fenster noch, eines, ein letztes, versiegelt, auch bald.<br \/>\nSilikon!<br \/>\nKein Rein mehr, kein Raus und nichts mehr dazwischen.<br \/>\nJa, das passiert, da passiert es!<br \/>\nOhne Glauben, ohne Hoffen, kein Wirdschonallesgutwieder, aus ist es dann, aus! Aus! Na?, und wie h\u00f6rt sich das an? Wie h\u00f6rt sich das an, aus? Gut? Schlecht? Mittel? Vorher \u00fcberlegen das n\u00e4chste Mal!, vorher, nicht nachher!, zu sp\u00e4t jetzt nachher, zu sp\u00e4t jetzt: Wiewaswie? Nochamal? Eine Ausnahme? Eine machen? Das eine Mal nur? Nur dieses eine Mal?<br \/>\nHa!<br \/>\nSo auf allen sechs Knien?<br \/>\nSo auf kein Euzerl Stolz mehr im Leib?<br \/>\nSchau, da: Da!, schaut!<br \/>\nBei der H\u00e4lfte schon, der H\u00e4lfte vom zweiten Fenster, da!, vom letzten, jetzt, als Aus, als endg\u00fcltiges. Endg\u00fcltig!, ja, so, so, so wie die Art, wie es aufh\u00f6rt! Das kommt davon! Das kommt davon, vom Vergessen, vom Nichtmehrwissen, wo der Platz ist, der eigene! Nicht hier, hier nicht, hier, wer zahlt denn die Miete da? Mit Bankeinzug? Mit Menschengeld?<br \/>\nMund halten!<br \/>\nWeitermachen!<br \/>\nJa, jetzt! Jetzt nur noch sch\u00f6n um die letzte Ecke, die letzte Ecke, die letzte, da!, h\u00f6rt ihr? Da!, ein bisschen nur noch verstreichen, ein Daumennagel noch, ein Strich damit, Kosmetik! Geschlossen, f\u00fcr immer: So! Und was jetzt? Jetzt was? Was jetzt?, was genau ist der Plan? Die weitere Vorgangsweise? Das, was als n\u00e4chstes kommt?<br \/>\nErschlagen?<br \/>\nNein!<br \/>\nErschlagenwerden!<br \/>\nAufplatzen, zermatschgert, erschlagen mit der Presse, der eingerollten, Gratisabo, drei Wochen, Altpapier! Kein Weg vorbei, kein Zur\u00fcck und kein Vorw\u00e4rts! F\u00fcr euch! Ihr! Nur noch Flecken, nur noch breit, nur noch flach, am Boden, an der Decke, ein verschmierter Fleck an der Wand, an einer jeden.<\/p>\n<p>Wart!<br \/>\nHalt einmal kurz!<br \/>\nGeht das dann wieder weg wieder?<br \/>\nGeht das weg, geht das runter, nachher, bleibt das, da? So schirch und braun? Die \u00dcberreste? Ha! Gerade noch! Ha! Oh nein, von Ameisen, von Ameisen und Fruchtfliegen, von stecknadelkopfgro\u00dfen K\u00f6pfen fast \u00fcberrumpelt fast, die Wohnung verschandelt fast, peinlich! Peinlich, ja, fast, fast!, fast, aber das und nur das, unblutig!, fleckenfrei!, Staubsauger! Philips, Holland, die Niederlande, moderne Technik, made in China, mit CE am Pickerl daruf. Mit Strom und Spannung, in derselben Frequenz oder so, mit Kabeln und Kn\u00f6pfen, mit Saugst\u00e4rkeregler zum Drehen.<br \/>\nKompliziert?<br \/>\nKompliziert?<br \/>\nZu kompliziert f\u00fcr euch Ungeziefer?<br \/>\nDa!<br \/>\nDa!<br \/>\nGanz einfach!<\/p>\n<p>Rausziehen, Anstecken, linke Fu\u00dftaste, links, nicht rechts; links! Rechts rollt die Kabeltrommel, aber h\u00f6rt ihr das? Dieses endlose Luftholen, dieses gierige? Durch das Rohr, das hinein in den Bauch f\u00fchrt? In den Bauch, durch den Schlauch, in den Bauch, in den Beutel, dunkel, schwarz und rei\u00dffest? Sonne? H\u00f6rensagen!, ab bald, ab jetzt, los geht\u2019s, und durch da! Durch da! Rein! Die erste, die zweite, die dritte, die Fruchtfliegen an der Decke, leichte Opfer. Sitzen da!, nur da, kein Wegfliegen mehr, kein Rettesichwerkann, da ergeben sie sich also, die Fruchtfliegen.<br \/>\nBrav.<br \/>\nSehr brav.<br \/>\nNicht so die Ameisen!<br \/>\nDie Ameisen!, widerspenstig!, das ganze Volk!<br \/>\nKreuz und quer, quer und kreuz, vor der frisch aufgesteckten Hartbodend\u00fcse da rennen sie. Sie rennen, links-rechts-links, unter die Couch, in den Spalt, dorthin, wo nur Lurch sonst hinkommt und Socken und M\u00fcnzen und Mais. Dorthin, hinein in den Schatten, hinter die Stoffkante, unter die Polster zum Sitzen, dorthin, wo die Fruchtfliegen nimmer mehr hinkommen, die meisten schon weg, am Gebl\u00e4se vorbei. Sicher f\u00fcnfzig, locker mehr, nur noch Versprengte, Versprengte! An der Decke ein, zwei, nur noch, die Ameisen vollz\u00e4hlig, verschanzt, versteckt, die Ausziehcouch, sie muss weg!<br \/>\nAnheben!<br \/>\nAuf Drei!<br \/>\nDrei!<br \/>\nEin Stechen im Kreuz, und zu schwer, und Verschieben. Deutlich leichter, ja, ah, und da:<br \/>\nDa kauern sie in den Ecken, da klammern sie sich fest an den Sesselleisten, die Ameisen, da treffen sie sich im Eck. Feig!, feig!, alle \u00fcber und unter und \u00fcbereinander, alle dr\u00e4ngelnd, im Gedr\u00e4nge, aber jeder, jeder kommt dran!, auch der am n\u00e4chsten zur Wand. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Idiotisch!<br \/>\nWeiter weg?<br \/>\nImmer noch viel zu nah.<br \/>\nIn Reichweite.<\/p>\n<p>Und runter mit dem Hartbodend\u00fcse und wieder direkt rein ins Loch. Ins Loch, ins Rohr, ins rauschende, ja, da, da verschwinden sie, da endet ihr Dasein, ihr unbequemes, Unmengen auf einmal, fast alle. Nur noch die letzten, der letzte Rest Ameisen, der letzte Rest Fruchtfliegen, dasselbe Schicksal, egal ob mit oder ohne Ausweichen. Eins, zwo, drei, vier, wup, wup, wup, wup, f\u00fcnf und wup oder wie Einsaugen halt klingt in echt, noch neunzehn Mal und dann! Alle drin, alle, keine schwarzen Punkte, kein Schweben mehr, kein Krabbeln, zwei Beine! Zwei Beine als Maximum, zwei nur, soweit die paar Quadratmeter reichen, allein, daheim, so weit, so gut, aber wart!<br \/>\nWart!<\/p>\n<p>Sind die jetzt tot, da drin?<br \/>\nSind die am Leben?<br \/>\nSind die am Leben da drin in dem Staubsauger?<br \/>\nSind die tot?<br \/>\nGanz?<br \/>\nTot, so tot wie gedacht, oder?, oder vielleicht?, oder vielleicht?, oder vielleicht rotten die sich zusammen, da drinnen, die Ameisen und die Fruchtfliegen, gerade jetzt? Da drin im Schutz der Dunkelheit, unter der Oberfl\u00e4che, dem marmorierten Kunststoff, hinter den Schlieren am Klarlack, im Beutel, im Bauch von dem Staubsauger drumherum. Im Hinterhalt? Mit lauter kleinen Messern bestimmt f\u00fcr den R\u00fccken? Zum Reinstechen? Im Schlaf? Beim Schlafen? Ha! Gerade noch! Gerade!, zu billig! Zu billig w\u00e4r\u2019 das, zu billig, wenn da jetzt noch wer lebend davon kommt, mit dem Leben, mit ihren hunderttausend Kindern, die sie vielleicht schon zu zeugen beginnen, gerade, in aller Eile, jetzt!<br \/>\nRaus!<br \/>\nRaus damit!<br \/>\nRaus mit denen und anz\u00fcnden!<br \/>\nAnz\u00fcnden!<br \/>\nAnz\u00fcnden!, sofort!, aber: Wohin mit dem ganzen Rauch?<br \/>\nWohin nur? Wohin damit? Alles zu, die Fenster, die Fenster und die T\u00fcr, nein, dicht, zu mit Silikon, dicht zur Sicherheit! Wer wei\u00df?, wer wei\u00df, was da drau\u00dfen wartet?, wer wei\u00df es? Sch\u00e4umend, w\u00fctend, aufgebracht? Rache!, Fletschen Bei\u00dfwerkzeuge?<br \/>\nErtr\u00e4nken!<br \/>\nJa!<br \/>\nGenau!<\/p>\n<p>Mit Wasser, im Wasser, in der Abwasch, ohne Feuer, ohne Rauch, ohne Ru\u00df, ohne Dreck als Konsequenz! Perfekt!, perfekt!, keine Fische, die Fruchtfliegen und die Ameisen, ja, sicher, sicher, keine Seepferdchen auch nicht. Kein Atmen unter Wasser, und auf mit der Klappe mit der Feder, nur kurz am Hebel ziehen, entsperrt und offen, der Staubbeutel drinnen, eingespannt, ohne Regung! Ruhig, im Papier kein Rumoren, im hellbraunen, keine Wellen, der Staubbeutel voll, aufgeblasen, leicht, als w\u00e4re nichts drin.<br \/>\nSicher ist sicher.<br \/>\nSchnell raus, und dann untertauchen, Hintragen, ein Schritt nach dem anderen, Quietschen!<br \/>\nQuietschen.<br \/>\nQuietschen, wie ein M\u00e4dchenm\u00e4dchen, Quietschen wie beim Sauabstechen, eine Ameise, der Grund, eine Ameise! Heimt\u00fcckisch, ja, so muss sie heraus gekrochen sein aus dem Loch, heraus aus dem Eingang aus Pappendeckel, heraus aus dem Loch, wo sonst alles nur reinkommt. Raus! Aus dem Staubbeutel, die Ameise, und \u00fcber den Ringfinger, rauf auf die Hand!<\/p>\n<p>\u00dcberraschung!<br \/>\nUnd Schock!<br \/>\nUnd Quietschen.<br \/>\nRunter! Runter, runter, runter, und Zappeln!, und Igittigittigitt, und da fliegt er.<br \/>\nIn hohem Bogen.<br \/>\nAusgekommen.<br \/>\nIm ersten Reflex.<br \/>\nDer Staubbeutel.<br \/>\nMir.<br \/>\nUnd da fliegt er. Da fliegt er, da fliegt er und da fliegt er, genau drauf zu, auf den Ventilator dort dr\u00fcben, den Standventilator, dem, dem das vordere Schutzgitter fehlt seit dem Aufbauen. Zwei Schrauben nur, zwei Schrauben, zwei winzige, das Gewinde so kurz, kaum das Weglassen wert, aber nein. Aber nein, passieren wird nichts, nichts wird passieren!, nichts!, \u00fcbertrieben, so und so, das Schutzgitter, nur m\u00fchsam, und jetzt? \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und jetzt?<br \/>\nJetzt?<br \/>\nZerfetzt! Zerfetzt und aufgerissen, der ehemals heile Staubbeutel, offen, hinten, aufgeschlitzt, von den stumpfen Bl\u00e4ttern vom Rotor, wie gro\u00df ist die Chance da? Was ist da die Wahrscheinlichkeit? In Prozent? In Zahlen? Als Tortendiagramm?<br \/>\nKeine Ahnung!<br \/>\nPech?<br \/>\nJaja.<br \/>\nDas wird\u2019s sein.<br \/>\nJa, das ist es.<br \/>\nNein!<\/p>\n<p>F\u00fcrn Hugo ist das, nicht Pech, nicht wohl oder \u00fcbel, f\u00fcrn Hugo! F\u00fcrn Hugo!, noch vornehm ausgedr\u00fcckt, butterweich eher, weil da, da, im Luftstrom, auf der h\u00f6chsten Stufe, der mit den drei Stricherln daneben, da entl\u00e4dt er sich, der offene Staubbeutel, nach vorn, und in die Breite. Alles, die Fruchtfliegen und die Ameisen, die Asche und Zehenn\u00e4gel, die Haare, die Schuppen, der Mohn vom Mohnstriezerl, alles, alles wieder da. Alles da, alles frei, alles schwebt, alles flimmert, alles f\u00e4llt, langsam, wie h\u00e4sslicher Schnee. \u00dcberall hin, auf alles oben drauf, kein frischer Staubbeutel mehr, kein Ersatz, kein Staubsauger!<br \/>\nDer Besen!<br \/>\nZu weit weg, weg, viel zu weit!<br \/>\nWeil da, da kommen sie, die Ameisen und die Fruchtfliegen, und es schreit nach Vergeltung, nein, nach verfaulten Kartoffeln stinkt es.<br \/>\nAh, da, da war ja noch was.<br \/>\nDa war ja was, der Gestank!<br \/>\nDer Gestank!<br \/>\nDer, der jetzt auch nicht mehr raus kann, egal! Da kommen sie!, die Ameisen unten, und die Fruchtfliegen dr\u00fcber, mit Brummen, viel zu viele, viel zu viele auf einmal. Das Hundertfache, die hundertfache Anzahl, im Vergleich zu vorher, viel, viel weniger eingesaugt!<\/p>\n<p>Schaut das vielleicht nur so aus?<br \/>\nWie zwei Teppiche, zwei, die leben, beide dunkel, wie die Nacht schwarz, einer, der fliegt, und einer, der drunter sich ausstreckt, nach den Zehen.<br \/>\nDie Zehen!<br \/>\nIn Gefahr, in Gefahr, in gro\u00dfer!<br \/>\nNur schnell!<br \/>\nNur, schnell, weg, von, hier!<br \/>\nNur weg, weg von hier, und da, gedacht dran zu lang nur, und der Weg ins Vorzimmer abgeschnitten. Wie absichtlich, wie gezielt, und umzingelt. Umzingelt! Umzingelt, die Ameisen und die Fruchtfliegen in der \u00dcbermacht, knuspernd, zischend, sie b\u00e4umen sich auf, wie die Tiere!<br \/>\nUnd jetzt?<\/p>\n<p>Ohne Wasser, ohne Zeitung, ohne Feuer, ohne Staubsauger, wehrlos!, blo\u00dff\u00fc\u00dfig?, nicht zu denken dran! Sicher nicht, nicht blo\u00dff\u00fc\u00dfig, nein, lieber rauf auf den Beistelltisch, lieber rauf, lieber Zeitschinden! Zertreten, zermatschgern, nein, grauslich, unm\u00f6glich, mit dem nackten Fu\u00df, mit der nackten Haut, die Fruchtfliegen, die fliegen, schon gar nicht.<br \/>\nNein!<br \/>\nWieder zu mit dem Mund, die Augen, die Nase, die Ohren!<br \/>\nDie Ohren!<br \/>\nAuf die Zehenspitzen, am Beistelltisch, zu wenig H\u00e4nde, zu wenig. Zu wenig, zu wenige, zu wenig H\u00e4nde, um eine, ein Ohr bleibt offen, ein Ohr, ungesch\u00fctzt!, eine Einladung fast.<br \/>\nNein!<br \/>\nDas rechte?, das linke?, das rechte?, das linke?, welches?, welcheswelcheswelches?, welches?, in welchem steckt ein Zeigefinger nicht?<br \/>\nSilikon vielleicht?<br \/>\nIns Offene?<br \/>\nOder in den Nase?<br \/>\nAber ha!<br \/>\nIdee!<\/p>\n<p>Das Ohr!, gegen die Schulter, gegen die Schulter dr\u00fccken, das Ohr, mit der Schulter zuhalten. Kopf schief, Wirbel krumm, Schmerzen, Luftanhalten! Luftanhalten! Achtung! Die Ameisen, sie klettern, sie kraxeln, sie klimpern, sp\u00fcrbar, nach oben, \u00fcber die Beine vom Beistelltisch, die Fruchtfliegen landen. Im Gesicht, am Kinn, an der Schl\u00e4fe, zum Eierlegen?, es kitzelt, ihr, ihr, ihr, ihr, ihr, was soll einem dazu noch Gro\u00dfes einfallen? Sie, sie klettern und sie landen, die Ameisen und die Fruchtfliegen, sie klettern und sie landen, sie klettern und landen, klettern und landen, aber hinein?: Nirgenst! Nirgenst, kein Eingang, alles zu an mir au\u00dfen, alle am Suchen, die Ameisen, auf den Lippen, die Fruchtfliegen, am Kehlkopf, am Muttermal. Ameisen, in der Augenbraue, in beiden, spitze Schritte, spitze Schritte im Kreis, die Fruchtfliegen sitzen, immer mehr, immer mehr, immer mehr.<br \/>\nJa, da!, und jetzt?<br \/>\nUnd jetzt?<br \/>\nNichts mehr!<br \/>\nAlle ratlos, ratlos im ganzen Gesicht, drau\u00dfen, alle! Keine drinnen!, nicht drin, da!, ha! Und? Wer bleibt da jetzt \u00fcber am Ende? Und wer ist da jetzt oben auf? Da, jetzt, wer? Ein bisschen selbst \u00fcbersch\u00e4tzt, hm?, schon, ha?, ein bisschen? Ein bisschen selbst \u00fcbersch\u00e4tzt? Aber schwerst!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Markus Peyerl<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.markuspeyerl.at\" target=\"_blank\">www.markuspeyerl.at<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a> | Inventarnummer: 14022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kariert. Kariert, nicht gestreift: Gestreift ist nicht kariert. Das Hemd, nicht die Fenster! Alles, alles, nur die Fenster nicht. Die undichten, die, die noch undichter sind als die T\u00fcr. Die T\u00fcr! Da! Die ganzen Ameisen, da, da rennen sie den Hintern nach, alle dem ersten nach und dann dem zweiten und dann dem dritten nach, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[36],"class_list":["post-964","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-peyerl-markus","tag-hardly-secret-diary"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/964","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=964"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/964\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1156,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/964\/revisions\/1156"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}