{"id":9313,"date":"2019-01-14T16:13:25","date_gmt":"2019-01-14T16:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9313"},"modified":"2019-02-24T16:16:42","modified_gmt":"2019-02-24T16:16:42","slug":"der-pope-und-sein-hund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9313","title":{"rendered":"Der Pope und sein Hund"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9313&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9313&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>Griechenland, das ist Gottes Liebesverh\u00e4ltnis mit der Erde.<\/em><br \/>\nHeinrich Schliemann<\/p>\n<p>Hausherr Jannis l\u00e4dt uns f\u00fcr Samstagabend zu einem Fest auf der Insel Kitrani ein. Ein Geheimnis, eine Sensation! Ich bin aufgeregt. Sie ist unbewohnt, als Naturschutzgebiet unzug\u00e4nglich. Wir sollen gegen f\u00fcnf Uhr im Hafen sein, da wird ein Boot zur \u00dcberfahrt warten.<br \/>\nJannis wei\u00df nichts Genaues, es soll ein Kirchenfest f\u00fcr das Volk sein, aber auch Touristen sind willkommen. Kitrani ist von unserem Strand aus zu sehen. Sie liegt wie ein loser Pfropfen in der fast kreisrunden Bucht von Platis Gialis. Schon seit fast zwanzig Jahren schaue ich vom Goldstrand \u00fcbers Wasser auf den langgezogenen, mit Macchia \u00fcberwachsenen Felsbuckel, den ich noch nie betreten durfte. Je nach Tageszeit und Licht sieht er aus wie ein gestrandeter Wal oder ein halbversunkenes Krokodil. Oder wie meine Katze, wenn sie entspannt ist und die Pfoten von sich streckt. Meine Freundin meint, eine Schildkr\u00f6te zu sehen oder eine Schlange, die ein Strau\u00dfenei verschluckt hat. Unter diesem Himmel ist nichts genau definiert.<\/p>\n<p>Kitrani ist ein menschenleerer Steinhaufen. Die Bergkuppen sind von kleinen und gr\u00f6\u00dferen V\u00f6geln umschw\u00e4rmt und die K\u00fcsten von unsichtbaren Robben bewohnt. Weiter drau\u00dfen k\u00f6nnen schon einmal Delphine an den Bootsseiten auftauchen. Auf dem landzugeneigten Abhang ist mit freiem Auge ein wei\u00dfer Kubus, ein Kirchlein mit Glockenturm und blauer Kuppel, zu erkennen, von der Felsenbucht f\u00fchrt ein heller Weg hinauf. Eine Postkartenansicht, wie sie typischer nicht sein k\u00f6nnte f\u00fcr die Kykladen-Insel Sifnos.<br \/>\nDie F\u00e4hre ist ein freih\u00e4ndig umgebauter Fischerkahn, ein Kaijk, wie sie seit der Antike die \u00c4g\u00e4is durchpfl\u00fcgen. Auch schon ohne Passagiere h\u00e4ngt die \u201eDemetrios\u201c schief an der Mole. Etwa zwanzig Personen zahlen je f\u00fcnf Euro und nehmen Platz.<\/p>\n<p>Eine knappe halbe Stunde tuckert das Schinakl quer \u00fcber die Bucht von Platis Gialis nach S\u00fcdenwesten. Die Silhouetten der Nachbarinseln Milos und Kimolos tauchen auf. Die meisten Leute sitzen auf zwei unbefestigten L\u00e4ngsb\u00e4nken, andere in der Mitte auf losen Plastikhockern, die Planken sind kaum zwei Handbreit hoch und haben keine Reling. Das Meer geb\u00e4rdet sich an diesem Sp\u00e4tseptembertag ziemlich rau, das Boot schaukelt und schl\u00e4gt manchmal mit dem Bug hart auf. Da mir das nicht geheuer ist, lasse ich mich am Boden nieder und kralle mich mit beiden H\u00e4nden am Sockel der hinteren Fahnenstange fest.<\/p>\n<p>Kitranis Landungssteg besteht aus zwei flachen Felsplatten, grob gerippelt von den Gezeiten. Die Griechen sind wie immer cool, \u00fcber den Spalt ein gewagter Sprung an Land, gleich dahinter f\u00fchrt eine Serpentine aus niedrigen und tiefen Stufen den Hang zum Kirchlein hinauf. Gebaut wie seit Troja f\u00fcr Maultiere. Wir geh\u00f6ren zu den ersten G\u00e4sten, und ich habe Mu\u00dfe, alles in Augenschein zu nehmen.<br \/>\nEinige Frauen putzen und schm\u00fccken die drei Schritt lange Kapelle. Sie ist ein anmutiges byzantinisches Bauwerk, das auf einer eingeebneten Felsnase \u00fcber das Meer ragt. In dem winzigen Innenraum stehen auf jeder Seite zwei Reihen von B\u00e4nken, eng wie Betschemel, dann st\u00f6\u00dft man schon an die Ikonostase. In der Mitte der Christus Pantokrator, links daneben die Panagia Maria, mit goldenen Ringen, Armb\u00e4ndern und Kuzifixen bedeckt, rechts der heilige Johannes, der heilige Charalambos und zwei Erzengel.<\/p>\n<p>Ich nehme drei honigwarme Kerzen aus einem Kisterl, eine Handvoll Weihrauch und lege f\u00fcnf Euro hinein. F\u00fcr den Kerzenst\u00e4nder ist es zu eng in der Kapelle, er steht am Vorplatz. Dort bauen einige Frauen einen Altar auf, in Vasen und K\u00f6rben werden die Fr\u00fcchte der G\u00e4rten und Felder aufgestellt, die Au\u00dfenmauern sind mit Kr\u00e4nzen aus Blumen, Lorbeer und \u00c4hren beh\u00e4ngt, rund um den Kirchenhof wehen blau-wei\u00dfe Wimpel, dazwischen Girlanden mit bunten Gl\u00fchbirnen und gelbe Fahnen mit dem doppelk\u00f6pfigen Romanow-Adler. Der gibt mir sofort ein R\u00e4tsel auf. Geh\u00f6rt etwa ein russischer Oligarch zu den Sponsoren dieses Inselfestes? Niemand kann es mir erkl\u00e4ren, und ich bleibe allein mit meinen d\u00fcsteren Vermutungen.<br \/>\nDie wei\u00df gekalkten Umfassungsmauern sind mit Fleckerlteppichen belegt und laden zum Sitzen ein, \u00fcber den ganzen Platz verstreut stehen lange Tische und B\u00e4nke. Mehrere M\u00e4nner machen sich im Hintergund an der gemauerten Feuerstelle zu schaffen, daneben stehen Riesent\u00f6pfe. Langsam beginnt es nach Kichererbsensuppe zu duften, und vom Fleischrost weht es w\u00fcrzig her\u00fcber.<\/p>\n<p>Chef ist offensichtlich Nikos, der inzwischen \u00fcbergewichtig gewordene Nationalboxer. Er hebt die Deckel auf und bet\u00e4tigt sich als Vorkoster. An einem Tisch schneiden zwei M\u00e4nner eine gesch\u00e4tzte halbe Tonne Zitronen in Viertel, mit der sp\u00e4ter die Kichererbsen und das Fleisch betr\u00e4ufelt wird, dazu noch ganze B\u00fcschel von Rosmarin und Thymian dar\u00fcber gestreut, sp\u00e4ter handvoll die Granatapfelkerne.<br \/>\nJunge Leute reichen in gro\u00dfen Weidenk\u00f6rben puderzuckerbeschneites Milchbrot mit Mandeln, Datteln und Feigen herum. Eine einzige, eigenwillige Geschmackskomponente kann ich nicht erkennen. Anis, Oregano oder s\u00fc\u00dfe Kapern? \u00dcber all dem wabert griechische Volksmusik aus den Lautsprechern, untermalt vom Brausen des Stromaggregats.<br \/>\nJede halbe Stunde schwemmt das Boot eine Fuhre an Land, und immer mehr Menschen quellen den Hang herauf. Die Sonne beginnt sich in einem Feuerwerk ins Meer zu senken, jeden Augenblick \u00e4ndern sich die Farben des Himmels: Es beginnt mit einem zarten Rosa, das sich zu Rosenrot vertieft und schlie\u00dflich zu einem kr\u00e4ftigen Purpur wird, ehe das Licht verblasst und die Sterne hervorkommen.<\/p>\n<p>Es wird allm\u00e4hlich eng auf dem Kirchhof. Die Helfer lassen Platten mit honigtriefendem Nussgeb\u00e4ck herumgehen, dazu Wasser und ein schreckliches, weinbrand\u00e4hnliches Ges\u00f6ff. Allein dessen Geruch l\u00e4sst einen das n\u00e4chste Kopfweh erahnen. Ich ben\u00fctze den heidnischen Brauch, den ersten Schluck zum Dank in die Erde zu gie\u00dfen, um alles loszuwerden. Die herumgereichten H\u00fcte f\u00fcllen sich mit Euros. Die Stimmung ist ruhig, fr\u00f6hlich und gelassen, obwohl sich wahrscheinlich schon mehr als 500 Menschen am kleinen Kirchhof versammelt haben. Als die Nacht heraufzieht, bimmeln die Glocken, nicht zu erkennen, ob von Stricken in Schwingung gebracht oder vom Wind. Die Luft ist angef\u00fcllt von den D\u00fcften der Kr\u00e4uter. In meiner Nase stechen der Honig des Bergtees und die Herbheit des Wacholders hervor.<\/p>\n<p>Auf einmal sp\u00fcre ich eine unruhige Bewegung, die Leute r\u00fccken zusammen, gleichzeitig wieder auseinander und bilden eine Schlucht wie das Rote Meer. Sie geben einem Popen den Weg frei. Er f\u00fchrt einen Holzstab mit einem mehrfach gewundenen Knauf in der Hand, wie ihn Hirten ums ganze Mittelmeer tragen, die Urform des Bischofstabes. Viele Menschen umarmen ihn, andere gehen auf die Knie, k\u00fcssen seine H\u00e4nde und den Kuttenrand. Er ist ein kleiner, sich aufrecht haltender Mann von unbestimmbarem Alter, zwischen 50 und 70. Die hohe, runde Zylinderkappe eines orthodoxen Geistlichen l\u00e4sst ihn gr\u00f6\u00dfer erscheinen. Er ist bekleidet mit einer gl\u00e4nzenden, mitternachtsblauen Soutane mit silbernen Borten an Hals, \u00c4rmeln und Saum, um die Mitte eine breite, reichbestickte Stola. Das ebenm\u00e4\u00dfige Gesicht mit der geraden, starken Nase ist glatt und braungebrannt, gerahmt von einem silberwei\u00dfen Bart, im Nacken lugt der gedrehte Haarkn\u00f6del unter dem Hut hervor. Seine Augen sind blauer als die \u00c4g\u00e4is.<br \/>\nInsgesamt erscheint mir seine Gestalt wie der Prophet Jeremias, geradewegs dem Alten Testament entsprungen. Oder wie ein Hollywood-M\u00f6nch. Die Menge weicht vor ihm zur\u00fcck, gibt ihm Raum, und er begr\u00fc\u00dft sie l\u00e4chelnd mit segnenden Gesten, dabei grazil und w\u00fcrdevoll schreitend. Ich bin entsetzt, als ich unter der Soutane Sportschuhe mit Adidas-Streifen hervorblitzen sehe.<\/p>\n<p>Als er an uns vor\u00fcberwandelt, bemerke ich, dass er Gefolgschaft hat. Ein kleiner, schwarz-wei\u00df gefleckter Hund, niedriger als ein Dackel und rund wie eine Knackwurst, folgt ihm auf dem Fu\u00df. Mit der Schnauze h\u00e4ngt er am Saum des Popen und schreitet mit ihm im Gleichschritt. H\u00e4lt der Pope an, bleibt auch er stehen, segnet er, hebt der Hund die rechte Pfote senkrecht in die H\u00f6he, blickt dabei ernst und w\u00fcrdevoll um sich, als h\u00e4tte er zumindest die niederen W\u00fcrden empfangen. Immer scheint er sich seines Dienstes bewusst zu sein. Durch nichts l\u00e4sst er sich ablenken, nichts kann eine Versuchung f\u00fcr ihn sein. Ist jemand zudringlich, zum Beispiel mit einem Brocken Fleisch vor seiner Nase, legt er die Stirn missbilligend in krause Falten und wedelt mit den Ohren, die ihm wie eine Ponyfrisur links und rechts herunterbaumeln.<\/p>\n<p>Setzt sich der Pope an einen Tisch, bleibt der Hund hinter ihm stehen, die Nase an der Soutane und die rechte Pfote hochgehoben. Er verharrt bewegungs- und furchtlos in dieser Pose, als w\u00fcrde er zumindest die Standarte der Panagija Maria halten, unbeeindruckt vom gef\u00e4hrlichen Gedr\u00e4nge der dicht aufragenden Menschenbeine. Die linke Tatze ben\u00fctzt er nicht, die krummen Hinterbeine nur zum Schreiten. Vielleicht kommen W\u00fcrde und Eleganz von einem Dalmatiner, der sich ins Erbgut dieser Kreatur eingemischt hat?<br \/>\nWir schauen, staunen und lachen ohne Ende. Wahrscheinlich wegen dieser wilden Kreuzung aus l\u00e4cherlichem Aussehen und erhabenem Charakter.<br \/>\nAuch bei der Erntedankzeremonie mit den endlos geleierten Chor\u00e4len am Altar h\u00e4lt sich der Hund dicht am Saum des Popen, als sei er sein Ministrant. H\u00e4tte er auch noch das Weihrauchfass geschwungen, h\u00e4tte sich niemand gewundert.<\/p>\n<p>Der Chor aus drei M\u00e4nnern und einer Frau tr\u00e4gt im Wechselgesang mit dem Popen etwas vor, das wohl wie Psalmen klingen soll. Der d\u00fcnne, unharmonische Singsang verr\u00e4t, dass sie nicht gen\u00fcgend Zeit zum Proben hatten. Die Notenbl\u00e4tter beleuchten sie mit Handy-Bildschirmen, was einiges vom Weihevollen nimmt.<br \/>\nNach den Zelebrationen rund um den Erntedankaltar tritt eine Folk-Band auf, ohne Mikrofon, die umstehenden Leute tanzen auf engstem Raum. Die Bewegung setzt sich in Wellen fort bis zum letzten Besucher. Und immer wieder finden die Helfer mit ihren wundersam vermehrten, frisch aufgeh\u00e4uften Fleischplatten, Zitronensch\u00fcsseln und Weinkr\u00fcgen durch die Menge. Als sich der Pope einmal direkt uns gegen\u00fcber an einen Tisch setzt, sehe ich, dass er dem Weinbrand nicht abgeneigt ist. Er kippt ohne Unterbrechung den kleinen Plastikbecher, dass seine Augen bald kr\u00e4ftiger blitzen als die Sterne. Da bemerke ich, dass der Hund zu seinen F\u00fc\u00dfen nicht mehr nur die Nase an seine Soutane h\u00e4lt, sondern zuerst sachte daran zupft, dann immer heftiger daran zerrt und schlie\u00dflich mit beiden Pfoten in den Stoff hineinf\u00e4hrt. Der Pope erhebt sich lachend, t\u00e4tschelt das Tier und verschwindet in der Menge. Da erfahren wir, wie er zu seinem Namen gekommen ist.<\/p>\n<p>Unser Landsmann Emmanuel aus Hohenau an der March, den wir dort mit seiner Frau Elisabeth wieder treffen, besucht schon 40 Jahre lang Sifnos. Sie kennen die Insel besser als ihr Dorf und erz\u00e4hlen uns die Geschichte vom Popen und seinem Hund. Eher eine Legende. Lazarios, den ich so nenne, ist kein Pope, kein geweihter Geistlicher, sondern ein selbsternannter Eremit. Er war Bauer, Schaf- und Ziegenhirt, bis kurz hintereinander sein Sohn und seine Frau starben. Danach verkaufte er alles und zog sich zur\u00fcck. Von den Sifnioten als heiligm\u00e4\u00dfig verehrt, lebt er als Einsiedler in einer kleinen H\u00f6hlenklause hinter dem h\u00f6chsten Berg der Insel, dem Profeti Elias, auf dem Weg nach Vathi, der S\u00fcdbucht. Die Leute pilgern zu ihm hinauf, beschenken ihn, beraten sich mit ihm, er steht in einem wundert\u00e4tigen Ruf. Das Wetter soll er vorhersagen k\u00f6nnen, verlaufene Ziegen finden und Mensch und Tier mit Kr\u00e4utern heilen. Er hat einen zugelaufenen Welpen aufgenommen, er teilt seither das Eremitenleben. Im Volksmund hei\u00dft er \u201edie Frau des Popen\u201c.<br \/>\nDas mag spa\u00dfig klingen, ist aber historisch nicht zutreffend, hat sich doch auf Sifnos seit der Antike das Matriarchat erhalten.<\/p>\n<p>Nicht ganz so alt ist die Geschichte des seltsamen Festes von Kitrani.<br \/>\nEmmanuel und Elisabeth wissen zu berichten, dass Nikos, der Hausherr ihres Hotels, der fr\u00fchere griechische Boxchampion, vor f\u00fcnf Jahren die Idee hatte, zur Belebung des Dorfes einen Touristen-Event zu veranstalten. Er erreichte von der Naturschutzbeh\u00f6rde, Kitrani eine Nacht lang f\u00fcr Besucher zug\u00e4nglich zu machen. Ob Nikos wohl vom schlauen und listenreichen Odysseus abstammt? Auf jeden Fall, diesen Gag f\u00fcr die Tourismusvereinigung hat er sich einfallen lassen, nicht weniger genial als vor ca. 3200 Jahren das h\u00f6lzerne Pferd. Im ersten Jahr kamen nur wenige Touristen.<br \/>\nDie Einheimischen ignorierten es vollst\u00e4ndig, gab es doch keinerlei Festtradition auf dem Felsenhaufen von Kitrani. Irgendwann kam Nikos die Idee des Erntedankes, der Massenausspeisung auf der verbotenen Insel. Die Kirche und ein russischer Oligarch sprangen auf, dann erschien der Wunderm\u00f6nch vom Profeti Elias. Von Jahr zu Jahr str\u00f6men mehr Insel-Bewohner herbei, sogar von den Nachbarinseln Milos und Kimolos \u2013 ein Kirchen-Volksfest war geboren. Die Geburt des Mythos aus dem Fremdenverkehr! Nietzsche, schau oba!<br \/>\nHeuer haben die Griechen schon vollst\u00e4ndig das Regiment \u00fcbernommen, wir Touristen waren geduldete Zaung\u00e4ste. Aber weder sie noch die Einheimischen wussten zu sagen, was f\u00fcr ein Fest hier gefeiert wird \u2013 au\u00dfer, dass es sehr, sehr sch\u00f6n war.<\/p>\n<p>Noch bevor der sp\u00e4te Vollmond seinen Zenit erreicht hatte, die Musik zu wild, der Weinbrandkonsum zu str\u00f6mend wurde und sich der warme Meltemi in der septemberfeuchten Nacht abk\u00fchlte, dr\u00e4ngte ich zur R\u00fcckkehr, eingedenk des wenig vertrauensw\u00fcrdigen Schinakls. Bei der \u00dcberfahrt empfand ich das ungleichgewichtige und alkoholgetr\u00e4nkte Gedr\u00e4nge an Bord als so lebensbedrohlich, dass ich nicht mehr nur die Fahnenstange umklammerte, sondern den gro\u00dfen Fender mit seinem Tau mit einem Plastikhocker verkn\u00fcpfte und an Odysseus dachte.<\/p>\n<p>Im Laufe des wachen Teiles meiner Nacht habe ich die F\u00e4hre noch unz\u00e4hlige Male an- und ablegen geh\u00f6rt. Beim Fr\u00fchst\u00fcck am Sonntagmorgen rechne ich nach: Bei 500 Menschen m\u00fcsste das Boot 50 Mal gefahren sein, bei 20 Menschen pro Boot. Danach suche ich den Strand und die Marina nach Leichen ab. Vergeblich. Die Griechen k\u00f6nnen zwar nicht organisieren, aber es klappt immer alles. Noch muss ich der zitronendurchtr\u00e4nkten Suppe und dem rosmarinierten Schwein und Lamm nachschmecken und wei\u00df dabei nicht, was k\u00f6stlicher war, das Essen, der \u201ePope mit seiner Frau\u201c oder die wundersame Geburt eines Volksfestes.<br \/>\nIch schw\u00f6re, allen G\u00f6ttern des Olymp opfern zu wollen, damit sich nicht herausstellen m\u00f6ge, dass auch Vater Lazarios und sein Hund Nikos\u2018 Erfindung sind.<\/p>\n<p>begonnen 23.9. in Sifnos, fertig 13.10.18 in Wien<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Veronika Seyr<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veronikaseyr.at\/\" target=\"_blank\">www.veronikaseyr.at<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=7360\">fest feiern<\/a> | Inventarnummer: 19040<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Griechenland, das ist Gottes Liebesverh\u00e4ltnis mit der Erde. 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