{"id":9285,"date":"2019-01-06T17:54:54","date_gmt":"2019-01-06T17:54:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9285"},"modified":"2019-02-03T16:57:14","modified_gmt":"2019-02-03T16:57:14","slug":"systeme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9285","title":{"rendered":"Systeme"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9285&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9285&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><blockquote><p>Wenn es so weit ist, dann ist es so weit,<br \/>\ndann hat das Warten sein Ende gefunden.<br \/>\nDein Warten, nicht meins, ich verz\u00f6gerte,<br \/>\nich lie\u00df es nicht zu.<br \/>\nDu wolltest wohl, und ich ja wohl auch,<br \/>\naber ich trachtete, mich nicht zu verschenken,<br \/>\noder mich allzu billig herzugeben, du wei\u00dft, was ich meine.<br \/>\nLust haben ist zu wenig,<br \/>\ndas reicht f\u00fcr eine Nacht und nicht f\u00fcr mehr.<br \/>\nNur das K\u00f6rperliche ist nicht erf\u00fcllend,<br \/>\ndaf\u00fcr kann man jemand Beliebigen nehmen,<br \/>\nnehmen, benutzen und vergessen.<\/p>\n<p>Wir aber nahmen uns vor, alle Seiten des Kreises zu entdecken.<br \/>\nDu schriebst mir einmal, ich sei dein Tor in eine fremde Welt.<br \/>\nWarum bist du dann nicht durch es gegangen?<br \/>\nWeil du alles andere dr\u00fcben h\u00e4ttest zur\u00fccklassen m\u00fcssen,<br \/>\nund das war eine ganze Menge, dazu warst du nicht bereit,<br \/>\nmir ist das schon klar.<br \/>\nDu h\u00e4ttest bedingungslos sein m\u00fcssen,<br \/>\nwie ein Trapezk\u00fcnstler ohne Netz, Sicherheit macht langweilig,<br \/>\nLebensversicherung, Wohlstandsb\u00e4uchlein.<br \/>\nDas Leben ist kein Spiel und erst recht keine Rechenaufgabe.<br \/>\nWeil die Zeit sich nur Richtung Zukunft bewegt,<br \/>\ngibt es jeden Moment nur einmal und damit keine zweite Chance.<\/p>\n<p>Meine Lage war anders als deine, ich hatte nicht viel,<br \/>\nalso auch nur wenig zu verlieren.<br \/>\nIch h\u00e4tte es riskiert, doch was hat das zu bedeuten?<br \/>\nBei einem Spiel mit geringem Einsatz ist man leicht mutig.<br \/>\nIch wartete, ich wartete, du hieltest mich hin,<br \/>\nich war geduldig, ich kann mir nichts vorwerfen,<br \/>\nich wartete, wie lange?, ein Jahr.<br \/>\nWer bis in alle Ewigkeit wartet, ist verblendet oder hat keine andere M\u00f6glichkeit,<br \/>\ndas war in meinem Fall nicht so, ich h\u00f6rte auf zu warten,<br \/>\nstand auf und ging davon.<\/p>\n<p>Hinter dem Fenster bewegt der Wind die Schneeflocken, das ist sch\u00f6n.<br \/>\nIch erinnere mich, wir waren die Schneeflocken, die im Sommer tanzten.<br \/>\nWas ist wahr, und was ist nicht echt?<br \/>\nWas falsch ist, hat nur Oberfl\u00e4che und keinen Kern.<br \/>\nWenn der Film aus ist, kehrt man in die Wirklichkeit zur\u00fcck.<br \/>\nDu gefielst mir, und ich mochte, was du zu mir sagtest,<br \/>\nich sei dein Meer, in dem du schw\u00e4mmest,<br \/>\nich sei der Wald, aus dem du nicht mehr herausf\u00e4ndest,<br \/>\nso sei es, und wie es sei, so sei es dir recht.<\/p>\n<p>Will man etwas glauben, dann glaubt man das gern.<br \/>\nDie L\u00fcge ist meist angenehmer und immer prachtvoller als die Wirklichkeit.<br \/>\nMan kann sie auf sich perlen lassen wie Wasser aus den vielen \u00d6ffnungen in einem Duschkopf,<br \/>\nund man f\u00fchlt sich gut dabei.<br \/>\nAber danach, liebes M\u00e4dchen, trockne dich ab<br \/>\nund denk nicht mehr an das Wasser, das dich in die Irre f\u00fchren wollte.<br \/>\nManchmal war ich gefroren, da machte sich ein Funksignal von dir<br \/>\nauf den Weg zu mir, es war warm, und als es mich erreichte, taute ich auf.<br \/>\nNie sollte es sein wie zuvor, immer anders sollte es sein und neu,<br \/>\ndas war das Ziel, etwas das erste Mal sehen, niemand war hier zuvor.<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_9290\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/In-Love-Colours-are-Bright.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9290\" class=\"size-full wp-image-9290\" src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/In-Love-Colours-are-Bright.jpg\" alt=\"In Love Colours are Bright\" width=\"1000\" height=\"750\" srcset=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/In-Love-Colours-are-Bright.jpg 1000w, http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/In-Love-Colours-are-Bright-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/In-Love-Colours-are-Bright-624x468.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9290\" class=\"wp-caption-text\">In Love Colours are Bright<\/p><\/div>\n<blockquote><p>Es gibt keine Garantie, dass etwas funktioniert,<br \/>\nauch wenn die Bedingungen optimal sind, die Beteiligten ihre ganze Kraft einsetzen,<br \/>\neinen Preis holt man nicht ab, man muss ihn sich verdienen.<br \/>\nOft spielt einem das Ged\u00e4chtnis einen Streich, es macht den Mann sch\u00f6ner,<br \/>\ndie Dissonanzen werden weggelassen, blo\u00df die getroffenen T\u00f6ne bleiben,<br \/>\nder Bettler mag im R\u00fcckblick reich erscheinen.<br \/>\nDie gespitzten Sinne sehen den Feind bedrohlicher und den Freund verl\u00e4sslicher,<br \/>\ndie Gedanken springen, statt zu gehen.<br \/>\nDer Zauberer, dem man nicht glaubt, ist nur noch ein Trickser.<br \/>\nSo viel passiert jede Minute auf dieser Welt, muss ich zu allem eine Meinung haben?<br \/>\nNein, muss ich nicht, weil mich das meiste nicht betrifft.<br \/>\nAber doch ist man der Taucher in der Br\u00fche des Einerlei, wenn man abgestumpft ist,<br \/>\nwenn die Reize einen nicht mehr erreichen.<br \/>\nDas ist schlecht, drum sei aufmerksam.<\/p>\n<p>Warst du bei mir, versuchte ich, nie die Augen zu schlie\u00dfen,<br \/>\nweil ich dich immer sehen wollte.<br \/>\nAls du fort warst, machte ich sie gern zu, denn dann erschienst du mir,<br \/>\nes war nicht dunkel.<br \/>\nKennst du das?, ist man gl\u00fccklich, m\u00f6chte man die Zeit bewahren,<br \/>\nman formt die H\u00e4nde zu einem Gef\u00e4\u00df, die die fl\u00fcssigen Tage halten,<br \/>\nman kann die H\u00e4nde aber sonst nicht gebrauchen, das darf nicht sein,<br \/>\nman bewegt sie wieder, und die Zeit rinnt weiter.<br \/>\nIch bem\u00fche mich, die Sonne zu sein und nicht der Regen,<br \/>\nich lache, und weine nicht, und wenn ich auch weine, dann sieht man das nicht.<br \/>\nWir bildeten uns ein, wir passten zusammen wie zwei Puzzleteile,<br \/>\ngemeinsam seien wir ein Puzzle, das nur aus zwei Teilen besteht.<br \/>\nDer andere allein ist einem genug, man denkt das oft im \u00dcberschwang,<br \/>\nvielleicht stimmt das ganz am Anfang, aber schon drei Schritte sp\u00e4ter tut es das nicht mehr.<\/p>\n<p>Stets zu gewinnen ist wohl etwas, was sich fast jeder w\u00fcnscht,<br \/>\ndoch in Wirklichkeit ist es ersch\u00f6pfend, weil man dann schon alles hat,<br \/>\nund es nichts mehr zu gewinnen gibt, das wunschlose Gl\u00fcck ist kein Gl\u00fcck,<br \/>\nsondern ein Ungl\u00fcck.<br \/>\nDie Systeme sind kompliziert, Str\u00f6mungen und Temperaturen,<br \/>\nmiteinander verbunden, die perfekte Symbiose, perfekt bedeutet,<br \/>\ndass man es nicht besser machen kann, das mag tr\u00fcgerisch ein,<br \/>\nin der Natur aber ist es wahr, ein Abbild ist immer schlechter als das urspr\u00fcngliche Bild,<br \/>\nder Flug der Libelle kann Wolken verschieben, so ist es,<br \/>\nund wenn man es noch zehnmal wiederholt, wird es dadurch nicht wahrer.<br \/>\nAls ich dir erstmals begegnete, fand ich, du seiest so allein wie ein Gestirn im Nachthimmel,<br \/>\nso weit weg von allem, ein Stern, der sich selbst am Leben erh\u00e4lt, ein Mond,<br \/>\nein Planet ohne Vegetation.<\/p>\n<p>Ich hatte immer Angst vor der Dunkelheit, und dann bist du gekommen,<br \/>\nals Komet im ewigschwarzen All, und ich dachte: Endlich wieder Licht!<br \/>\nJa, es stimmt, du hast mich erhellt.<br \/>\nUnd ich, habe ich dich daf\u00fcr verhext? Ein wenig jedenfalls? Ich gab mir solche M\u00fche.<br \/>\nZu Beginn strengt man sich an, ich bin die Richtige f\u00fcr dich,<br \/>\nich bin der, den du gesucht hast,<br \/>\nerst in der Allt\u00e4glichkeit lernt man den andren tats\u00e4chlich kennen.<br \/>\nMan wird zu St\u00fcck und Gegenst\u00fcck,<br \/>\noder man trennt sich irgendwann, ist Minuspol und Minuspol.<br \/>\nBei uns war es anders, mein Liebling, mein Schatz,<br \/>\nwir sind kurz nach dem Start stehengeblieben, es gab kein Ineinanderflie\u00dfen,<br \/>\nMund und Auge, aber keine Haut, dadurch blieb es spannend,<br \/>\nein Getr\u00e4nk mit immer prickelnd Kohlens\u00e4ure.<\/p>\n<p>Und jetzt bist du bei mir,<br \/>\nals Person, nicht als Geist oder Satz oder Bild.<br \/>\nIch sp\u00fcre deine Hand auf meinem R\u00fccken,<br \/>\nund ich tue nichts dagegen.<br \/>\nSchlie\u00dflich doch sage ich ja.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">Johannes Tosin<br \/>\n(Text und Bild)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=403\">verliebt verlobt verboten<\/a> | Inventarnummer: 19035<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es so weit ist, dann ist es so weit, dann hat das Warten sein Ende gefunden. 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