{"id":9167,"date":"2018-12-31T12:39:04","date_gmt":"2018-12-31T12:39:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9167"},"modified":"2019-01-01T13:41:54","modified_gmt":"2019-01-01T13:41:54","slug":"wir-haben-venedig-gebaut-oder-die-eichen-von-orenburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9167","title":{"rendered":"Wir haben Venedig gebaut oder Die Eichen von Orenburg"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9167&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9167&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>Erinnern und Nachdenken nach dem Film The Death of Stalin<\/em><\/p>\n<p>Von Orenburg habe ich schon in der Schule geh\u00f6rt, als wir im Russisch-Unterricht Puschkins Novelle <em>Die Hauptmannstochter <\/em>lasen. Geblieben ist eine ferne Erinnerung an eine tragische Liebesgeschichte aus der wilden Zeit des Pugatschow-Aufstandes von 1744. Sp\u00e4ter habe ich selbst meine Sch\u00fcler mit dieser Geschichte traktiert, weil es keine klarere russische Sprache gibt als die Puschkins.<\/p>\n<p>Selbst in diese Stadt im S\u00fcdural bin ich erst Anfang 2000 gekommen, genau genommen am 26. J\u00e4nner. Von Moskau aus geflogen mit einer zweifelhaften Maschine der ORENAIR, in Begleitung des Russland-Deutschen Grigorij, im Gep\u00e4ck fast eine Tonne mit B\u00fccherkisten f\u00fcr die k\u00fcnftige \u00d6sterreich-Bibliothek. Die Grenzstadt im S\u00fcdural zeigte sich im pr\u00e4chtigsten Winter mit strahlendem Frischschnee und minus 20 Grad, mit Wind gef\u00fchlte 30. Steife Lippen und gefrorene Rotzgl\u00f6ckerl, sofort als ich aus der Maschine aussteige. Der Hauch vor dem Mund gefriert und umflirrt das Gesicht in feinen Flocken wie ein kleiner Schneesturm. Die Kristalle sitzen um meine Fellm\u00fctze wie ein Strahlenkranz und verh\u00f6hnen mit ihrer Sch\u00f6nheit den letzten Rest von Menschlichkeit. Die Luft ist kalt, klar und schneidend, die Lungen sind im Schockmodus und wollen, wenn sie k\u00f6nnten, sofort wieder ins vergleichsweise warme Moskau zur\u00fcckfliegen. An das Rot und Blau meiner Nase und Wangen mag ich gar nicht denken.<\/p>\n<p>Das ist das typische kontinentale Klima, neun Monate strenger Winter, drei Monate superhei\u00dfer Sommer, ohne \u00dcberg\u00e4nge von Fr\u00fchling und Herbst. Ich bin tief, tief in der Provinz, und da freut man sich noch ehrlich \u00fcber einen Besuch aus der Hauptstadt, auch wenn es so ein kleines Licht wie eine \u00f6sterreischische Kulturr\u00e4tin ist. Ich werde wie ein Staatsgast empfangen, zernepfte, gefrorene Blumenstr\u00e4u\u00dfe in Plastikh\u00fcllen mit \u00fcberschw\u00e4nglichen Maschen, \u00fcberreicht von Schulkindern. Nur noch F\u00e4hnchen in Rot-Wei\u00df-Rot fehlen. Die Gastkultur der Sowjetunion ist hier noch lebendig. Staatslimousinen, Abordnungen von Regional- und Stadtverwaltung, der Universit\u00e4t, der Bibliothek, des Regionalmuseums und der Vereinigung der Russland-Deutschen \u201eWiedergeburt\u201c. Der Reihe nach werde ich in diese Institutionen gef\u00fchrt, als Erstes zur B\u00fccher\u00fcbergabe an die Uni.<\/p>\n<p>Wir hatten f\u00fcr die \u00d6sterreich-Bibliothek noch keine eigenen R\u00e4umlichkeiten und bekamen im Goethe-Institut eine Ecke zugewiesen, wie eine arme Verwandte am Katzentisch. Aber das st\u00f6rte nur mich. Die Menschen dr\u00e4ngten herein in die warmen und \u00fcberf\u00fcllten R\u00e4ume. Alle waren begeistert von den B\u00fcchergeschenken, Kunstb\u00e4nden, Videos, CDs und Zeitschriften, vor allem aber vom reichlichen Buffet. Dort trat ein alter Mann an mich heran und stellte sich als \u00d6sterreicher vor. \u00d6sterreichisches Deutsch in Ankl\u00e4ngen, aber wackelig und mit Russisch durchsprenkelt. Er sei hier in einem Lager Kriegsgefangener gewesen und nach der Freilassung geblieben, habe eine Russin geheiratet, nun sei er Russe, aber in der Seele \u00d6sterreicher geblieben. Im Kriegsgefangenenlager 369 \u201eTschkalow\u201c mussten Tausende Deutsche und \u00d6sterreicher unter schrecklichen Bedingungen im Tagbau Salz sch\u00fcrfen. Sie starben wie die Fliegen, schlecht ern\u00e4hrt, schlecht gekleidet, standen sie in den Solelacken bei minus 40 Grad und in gl\u00fchender Hitze mit Myriaden von Stechm\u00fccken.<\/p>\n<p>Das Grenzgebiet zu Kasachstan geh\u00f6rt zu den unwirtlichsten, menschenfeindlichsten Landstrichen der Erde. Ich h\u00f6rte zum ersten Mal, dass jemand freiwillig in der Sowjetunion geblieben sein soll, dass das \u00fcberhaupt m\u00f6glich gewesen ist. Ich nahm mir vor, Grigorij von der \u201eWiedergeburt\u201c danach zu fragen. Das Gedr\u00e4nge um mich war so gro\u00df, dass ich keine Gelegenheit mehr bekam, mich mit dem angeblichen \u00d6sterreicher l\u00e4nger zu unterhalten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde ich unter die Fittiche eines anderen Mitarbeiters der \u201eWiedergeburt\u201c gestellt. Rustam, ein junger Kasache aus Orenburg, der Germanistik studiert, f\u00fchrt mich durch die im Schnee versunkene Stadt zu dem Obelisken am Rande der Stadt, der die Grenze zwischen Europa und Asien symbolisiert. Eine schmale Holzbr\u00fccke \u00fcber den Or am Zusammenfluss mit dem Ural hei\u00dft gro\u00dfspurig \u201eEuropabr\u00fccke\u201c. Der Ural ist hier im S\u00fcden kein Gebirge, nicht h\u00f6her als das hohe Ufer des Flusses, ansonsten eine Ebene ohne Grenzen und Konturen. Es geh\u00f6rt zu den Besonderheiten Russlands, dass in seinen Ebenen nur eine unermessliche Leere den Raum zu f\u00fcllen scheint.<br \/>\nDer Schnee erscheint gletscherblau beim Augenstreifen an der Oberfl\u00e4che, zerf\u00e4llt aber weiter oben in alle Farben des Spektrums, dazwischen ein kleiner Streifen leichten Nebels.<br \/>\nDas ist der Raum der sibirischen Schamanen. Ein Gl\u00fccksmoment und gleichzeitig grausam die Erkenntnis, dass ich nicht einmal eine Ahnung von diesem Reich bekommen k\u00f6nnte. Neben mir schnaubt Rustam wie ein Pferd, st\u00f6\u00dft Atemwolken aus und scharrt mit den F\u00fc\u00dfen. Er treibt mich weiter. Er startet eine Fotografier-Orgie, Posen mit mir am Obelisken wie ich gleichzeitig Europa und Asien umarme und auf der Europabr\u00fccke, einmal da und dorthin blicke. In der K\u00e4lte gibt es keinen freien Willen. Dann zur\u00fcckstiefeln in die Innenstadt, zum Doppeldenkmal von Puschkin und Wladimir W. Dalj, ein d\u00e4nischer Volkskundler Dahl, die sich hier 1833 getroffen haben. Zwei Granitgiganten auf einem massiven Sockel.<\/p>\n<p>Puschkin hielt sich kurz in Orenburg auf, um den Schauplatz des Pugatschow-Aufstandes in Augenschein zu nehmen. Viel <em>studiert haben <\/em>kann er nicht in den gerade eineinhalb Tagen, die er in Orenburg verweilte. Orenburg war 1833 eine primitive Soldatensiedlung, hatte keine Universit\u00e4t, keine Bibliothek, kein Archiv. Er wird wohl eine Spelunke mit Soldaten und Zigeunern gefunden haben, in der er seiner Leidenschaft f\u00fcr das n\u00e4chtliche Kartenspiel nachgehen konnte. Mit den Nachfahren der Aufst\u00e4ndischen. Der Sprachwissenschafter und Volkskundler Dalj lebte hier schon seit dem Dekabristenaufstand in der g\u00fctigen Verbannung des Zaren. Es gibt schlimmere Orte, eine Gnade, zumindest noch nicht ganz Sibirien, mit einem Fu\u00df in Europa.<\/p>\n<p>Wieder Fotografieren ohne Ende. Ich frage mich, f\u00fcr welches Album? Ich werde auf den verschneiten Scho\u00df des Granit-Puschkin gesetzt und umarme nicht einmal die halbe Schulter von Dalj, Rustam, das Abbild des jungen Dschingis Khans, mit Fell-Uschanka zwischen uns. Ich mit Greta-Garbo-Sonnenbrille unter einem Bojarinnen-Hut aus Karakul im geschenkten Nerzmantel meiner Mutter. Unbesorgt um Tierfelle, die Menschenk\u00f6rper w\u00e4rmen, das ist hier kein Thema, darum k\u00fcmmert sich hier niemand. Alle Tierfellsch\u00fctzer m\u00f6cht ich mal hierherschicken. Sie sollten einmal anstatt auf der K\u00e4rntnerstra\u00dfe hier demonstrieren und schmieren. Die menschliche Pelzkultur stammt exakt genau von hier. Die Orenburgskije Novosti bringen am n\u00e4chsten Tag ein Interview und einen reich bebilderten Bericht \u00fcber meinen Besuch. Ich bin eine Provinzber\u00fchmtheit f\u00fcr einen Tag.<\/p>\n<p>Mehr Eiszapfen als Mensch, flehe ich Rustam an, mir weitere Denkm\u00e4ler von Orenburger Honoratioren zu erlassen. Ich merke, er ist leicht beleidigt, zeigt es aber in asiatischer Gelassenheit nicht. Vorgesehen war noch das Tschkalow-Museum f\u00fcr den legend\u00e4ren Piloten, einen Helden der Sowjetunion, Vorg\u00e4nger von Gagarin. Tschkalow, da klingelte etwas. Lager 369, hat mir der alte Mann in der Bibliothek zugef\u00fcstert. 369-tri-schest-devjat.<br \/>\nRustam h\u00e4lt die Story des angeblichen \u00d6sterreichers f\u00fcr ein M\u00e4rchen. Was soll ich glauben. Wer wei\u00df mehr. Rustam ist 22 Jahre alt und nicht einmal in Lokalgeschichte sattelfest, wie sich noch herausstellen sollte.<\/p>\n<p>Nun war es Zeit f\u00fcr den Museumsbesuch in der Sowetskaja Stra\u00dfe.<br \/>\nSie verdient im zehnten Jahr nach der Wende noch immer diesen Namen. Einzelne sch\u00fcchterne Neuanf\u00e4nge, die aber zwischen den Schneebergen und unter der K\u00e4lte nicht gro\u00dfartig daherkommen. Rund einen Kilometer lang, sieht man ihr nur mit viel Phantasie an, dass sie einmal eine Prachtstra\u00dfe, ein klassizistisches Juwel in einer russischen Provinzstadt gewesen ist, unter Stalins hasserf\u00fcllter Abrissbirne aber schwer gelitten hat. So lie\u00df er von 31 Kirchen 30 zerst\u00f6ren, darunter auch alle Moscheen und Tempel. Das Stadtmuseum hat \u00fcberlebt, es ist in einem imposanten historistischen Palais untergebracht. In der S\u00e4ulenhalle erwartet mich die Direktorin Galina Sergejewna.<br \/>\nAus leidvoller Erfahrung f\u00fcrchtete ich mich vor solchen F\u00fchrungen: Man kann nicht ansehen, was einen interessiert, und \u00fcblicherweise breiten die russischen Museumsf\u00fchrerinnen ihre Sch\u00e4tze in einer unertr\u00e4glichen Endlosigkeit und Detailliertheit aus. Bis zum letzten Haar von Teufels Gro\u00dfmutter musste man hinschauen, worauf hingedeutet wurde und immerzu bewundern und sich wundern \u00fcber die vielen Superlative. Die Russen haben ein selbstironisches Sprichwort daf\u00fcr: <em>Und Russland ist die Heimat der Elefanten. <\/em><\/p>\n<p>Genauso war es mit Galina Sergejewna, einer kartoffelrunden, mittelalterlichen Frau in blauer Postleruniform, mit Goldzahnlachen und Karottenhaaren. Sie begann bei der Urzeit mit Mammutknochen, Ascheresten aus der Bronzezeit und petrifizierten B\u00e4umen aus der Gegend um Orenburg. Das waren damals sicher noch nicht <em>Russen<\/em>, aber die Kontinuit\u00e4t und der Anspruch m\u00fcssen gewahrt werden. Das Regionalmuseum war im besten Sinne der sowjetischen Museologie aufgebaut, die Entwicklung geht geradlinig zu immer H\u00f6herem bis sie deterministisch im ersten Arbeiter- und Bauernstaat ihre Apotheose findet. Dann bekomme ich einen globalen \u00dcberblick \u00fcber die Eichen. Eichen werden ja in aller Welt und zu allen Zeiten gesch\u00e4tzt f\u00fcr die Festigkeit ihres Holzes. Die von Orenburg waren so ber\u00fchmt, dass die Dogen Venedig auf Pylonen aus Orenburger Eichen stellten. Wumm, das war wirklich neu f\u00fcr mich, und ich versuchte mir vorzustellen, wie der Transport der Eichen aus Orenburg in die Lagune wohl ausgesehen haben mag.<\/p>\n<p><em>Wir haben Venedig gebaut, <\/em>zeigt Galina Sergejewna ihr Goldzahnlachen und zwinkert dabei<em>, und es steht noch immer auf ihnen. Wenn welche ausgetauscht werden m\u00fcssen, kommen die Eichen daf\u00fcr seit ewigen Zeiten aus dem Orenburger Gebiet.<\/em><br \/>\nDie Erkenntnis: Russland klittert zu seinen Gunsten die Geschichte, im Hintergrund immer Gro\u00dfmachtdenken und \u00dcberlegenheitsgef\u00fchle gegen\u00fcber dem Westen, was man auch als ein auf den Kopf gestelltes Minderwertigkeitsgef\u00fchl ansehen kann. Ohne uns g\u00e4be es Venedig nicht. So wie jetzt Erd\u00f6l und Erdgas.<\/p>\n<p>Der Pugatschow-Aufstand 1774, eine grausame Bauernrebellion, die sich gegen Katharina die Gro\u00dfe richtete, steht danach im Mittelpunkt der Ausf\u00fchrungen. Sie breitete sich von Orenburg aus und w\u00fctete fast bis vor die Tore Moskaus, die einzige bis zur Revolution, die den Zarenstaat in arge Schwierigkeiten brachte. Die Museumsdirektorin weist mich auf ein Dorf hin, das f\u00fcr die j\u00fcngste Verfilmung von Puschkins <em>Hauptmannstochter<\/em> k\u00fcnstlich aufgebaut wurde und das man <em>gleich vor den Toren der Stadt <\/em>besichtigen kann.<br \/>\n<em>Rustam, bitte, da will ich hin, geht das? Gleich heute Nachmittag!<\/em><br \/>\nIch bin begeistert.<br \/>\n<em>Du wei\u00dft, ich habe eine lange, pers\u00f6nliche Geschichte mit der Hauptmannstochter.<\/em><br \/>\nRustam windet sich.<br \/>\n<em>Das ist nicht vorgesehen im Programm.<br \/>\nDann \u00e4ndern wir doch das Programm.<\/em><br \/>\nNichts ist schlimmer, als wenn ein Gast das Programm umwirft. Das durfte bisher h\u00f6chstens eine Bundespr\u00e4sidentengattin, und da hat halb Moskau den Kopf gesch\u00fcttelt.<br \/>\nSie haben es m\u00fchsam zusammengebastelt, und da darf man nicht daran r\u00fctteln.<br \/>\nRussen sind nicht so flexibel, da k\u00f6nnte ja ein Missgeschick passieren, und sie, die Kleinen, die Unteren h\u00e4tten dann den Scherben auf.<\/p>\n<p>Ich kam drauf, dass noch ein anderes Hindernis gab. <em>Vor den Toren der Stadt, <\/em>das ist f\u00fcr uns eine Distanz in <em>Gehweite <\/em>oder <em>schnell hin mit dem Auto<\/em>, so etwas wie <em>gleich um die Ecke, dort dr\u00fcben, nicht weit. <\/em>Das Raumverst\u00e4ndnis in den K\u00f6pfen der Russen ist aber ganz anders gestaltet als bei uns kleinr\u00e4umigen Europ\u00e4ern. Rustam r\u00fcckte sp\u00e4ter damit heraus, dass dieses Filmdorf zwar im Gebiet Orenburg liege, aber circa 1000 Kiometer entfernt sei. Bei der unermesslichen Gr\u00f6\u00dfe des Landes, die wiederum uns Eurp\u00e4ern nicht in den Kopf geht, ist das eben <em>gleich um die Ecke<\/em>, <em>nicht weit. <\/em>Ein Lehrst\u00fcck, aber das Filmdorf blieb f\u00fcr mich unerreichbar.<\/p>\n<p>Der zweite Stock war ganz der Gr\u00fcndungsgeschichte der Stadt gewidmet. Als Grenzstadt von Peters Nachfolgern geplant, wurde sie sp\u00e4ter zum Bollwerk und Br\u00fcckenkopf zur Eroberung Sibiriens, urspr\u00fcnglich von Kosaken besiedelt. Den Zaren schwebte ein Sicherheitsg\u00fcrtel gegen Tataren, Kasachen und Baschkiren \u2013 die Kleine Horde \u2013 vor. Ihre Weitsicht ging so weit, dass sie produktive Nationalit\u00e4ten einluden: Wolga-Deutsche, Griechen, Armenier, Balten, Juden.<br \/>\nNach der Anbindung an das Eisenbahnnetz konnten die reichen Bodensch\u00e4tze ausgebeutet werden, und auch der Handel mit Vieh und Pelzen brachte der Stadt einigen Wohlstand. Nach dem \u00dcberfall der Deutschen wurden viele Industrieanlagen aus dem europ\u00e4ischen Russland hinter den Ural verlegt, auch nach Orenburg, und die Stadt verdoppelte ihre Einwohnerzahl. So kam auch der Cellist Mstislaw Rostropowitsch nach Orenburg und begann hier seine gro\u00dfe Karriere. Noch mehr Verehrung wird aber dem ersten Kosmonauten Jurij Gagarin, dem gr\u00f6\u00dften Sohn dieser Stadt, entgegengebracht.<br \/>\nIhm ist das ganze dritte Stockwerk gewidmet. Ich falle fast um vor Langeweile, aber der Shop bietet einige groteske Souvenirs, die ich in Massen einkaufe. So bin ich aufgestiegen von den Mammutzehen zu den Venedig-Eichen und \u00fcber die Kosaken bis zum Kosmos.<\/p>\n<p>Als Galina Sergejewna und Rustam ansetzten, mich ins n\u00e4chste Museum zu schleppen \u2013 diesmal zu den ber\u00fchmten Orenburger Spitzenschals aus Jungziegenwolle \u2013 begann ich um Gnade zu betteln. Wenn ich heute noch einmal etwas von der Jungziegenwollespitzenh\u00e4kelei h\u00f6re, beginne ich zu schreien und greife anstatt zu puch (Hauch) zur puschka (Schie\u00dfgewehr).<br \/>\nNicht dass ich zu wenig aufnahmef\u00e4hig w\u00e4re, aber die Art der russischen Pr\u00e4sentation erfordert mehr Geduld, als ich habe. Oder einen Saumagen.<br \/>\nDie Geschichte als Gemischtwarenladen oder M\u00e4rchendorf, herauspicken, anmalen, lackieren, ausblenden, leugnen, retuschieren, bis alles ins Bild passt, wie es von oben gew\u00fcnscht wird. Zum Beispiel die unter Putin in Mode gekommene Stalin-Renaissance. Die Geschichte des Landes dient ausschlie\u00dflich dazu, sich an ihr zu erbauen, den Patriotismus zu st\u00e4rken und den Platz in der Welt zu finden, ja sogar die eigene Identit\u00e4t des Individuums. Ein Russe f\u00fchlt sich gut, gro\u00df und stark, weil er sein Land als solches empfindet. Da haben Fragen und Kritik keinen Platz, die sind pers\u00f6nlichkeitsgef\u00e4hrdend und zersetzend. Das ist einer der gr\u00f6\u00dften Unterschiede zu uns, die wir gelernt haben, mit unserer Geschichte kritisch bis neutral umzugehen.<\/p>\n<p>So ist es kein Wunder, dass die Filme <em>Matilda <\/em>\u00fcber Zar Nikolaus II. und <em>The Death of Stalin <\/em>derzeit in Russland verboten sind. Wie ein Land seine Geschichte und Gegenwart reflektiert, ist sehr aussagekr\u00e4ftig. Humor und Satire waren in den kurzen Jahren des Tauwetters unter Chruschtschow weiter entwickelt als im heutigen Putin-Russland. Ja, sogar in dem Parabelroman <em>Meister und Margerita <\/em>von Michail Bulgakow schimmert die Kritik am stalinschen Totalitarismus durch.<\/p>\n<p>Wieder einmal bekam ich einen Beweis daf\u00fcr, dass ich keine gewachsene, gelernte Diplomatin war und nie werden w\u00fcrde, sondern die Journalistin in mir st\u00e4rker war. Die Diplomatin lie\u00df sich willig zur Schlachtbank f\u00fchren, die Journalistin wollte mehr von dem, was sie interessierte \u2013 zwei vollkommen verschiedene Rollen. So fragte ich die Museumsdirektorin auch nicht nach dem 14. September 1954, denn das w\u00e4re hochgradig undiplomatisch gewesen. Wenn ich noch Journalistin gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich mir wahrscheinlich nicht verkneifen k\u00f6nnen anzumerken, dass so unbedeutende Altkulturen wie die \u00e4gyptische oder die keltische das Holz von Eichen, Eiben, Zypressen und Zedern zur Ein\u00e4scherung der Toten verwendeten, als Zeichen ewiger Hoffnung auf die Auferstehung.<br \/>\nUnd nicht zuletzt h\u00e4tte ich schnippisch zugesetzt, dass der f\u00fcr Isaak ausersehene Scheiterhaufen aus Eichenst\u00e4mmen bestand.<\/p>\n<p>Mit Rustam dann in einem Caf\u00e9 \u2013 neurussisch <em>kofischop <\/em>\u2013 auf der Sowjetskaja Stra\u00dfe neben einer neuerrichteten Baptisten-Kirche \u2013 die Amerikaner missionieren auf Teufel komm raus \u2013 traute ich mich, mit den brennenden Frage herauszur\u00fccken. Er hatte sich vorher schon als Umweltaktivist der noch zarten russischen Gr\u00fcnen geoutet. An diesem Morgen des 14. September 1954 um 9 Uhr 35 z\u00fcndete die Armee am Truppen\u00fcbungsplatz Totzkoje, 215 Kilometer <em>(gleich um die Ecke, ganz nah!<\/em>) von Orenburg entfernt, eine Atombombe, abgeworfen von einem Tu-4-Bomber mit der St\u00e4rke von 40 Kilotonnen. Hiroshima und Nagasaki mal zwei, ich wei\u00df es nicht. In ihrem Wettlauf gingen die USA und die Sowjetunion in den Fr\u00fchjahren der Atomkraft damit gleich unverantwortlich um.<\/p>\n<p>Das ist die dritte Erkenntnis. Wie viele Menschen dabei umkamen oder verletzt wurden, ist bis jetzt streng geh\u00fctetes Staatsgeheimnis. Um Totzkoje leben aber noch immer Menschen. Aber Rustam, der neugetauft ist und sich in sozialen Fragen engagiert, wei\u00df, dass die Zahl der Erkrankungen im Gebiet Orenburg zweimal h\u00f6her ist als um Tschernobyl. 1954 \u2013 1976 \u2013 2000. Die zweite, noch akutere Gefahr, kommt daher, dass Orenburg nahe Kasachstan mit rund 2000 Kilometern unkontrollierbarer Grenze \u00fcberschwemmt wird von Drogen aus Asien. Zus\u00e4tzlich zum traditionellen Alkoholismus \u2013 entsetzliche soziale, gesundheitliche und kriminelle Probleme. Schmuggel, Bandenbildung, Waffen, alles was das drug trafficing so nach sich zieht. Die Miliz und der Grenzschutz sind korrupt und eben kein Schutz.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte aber noch einmal in die Vergangenheit zur\u00fcck und frage nach Sol-Iljezk.<br \/>\nDa strahlt Rustam:<br \/>\n<em>Das ist wirklich nicht weit, nur 70 Kilometer, da k\u00f6nnten wir morgen hinfahren, das ginge sich aus, das l\u00e4sst sich mit dem Auto machen.<\/em><br \/>\nWarum strahlt Rustam?<br \/>\nEr hat das Sanatorium Sol-Iljezk im Sinn, wo in Soleb\u00e4dern allerlei Leiden behandelt und auskuriert werden. \u00c4hnlich wie am Toten Meer. Es ist eine der raren Touristenattraktionen in der ansonsten endlosen, \u00f6den, leeren Steppe.<br \/>\n<em>Lieber Rustam, entschuldige, das Sanatorium mit den Salzlacken interessiert mich nicht.<br \/>\nIch w\u00fcrde gerne wissen, ob etwas von dem GULAG Sol-Iljezk \u00fcbriggeblieben ist.<\/em><br \/>\nRustam blitzt mich aus seinen Tschingis-Khan-Augen an, zupft an seinem d\u00fcnnen Schnurrb\u00e4rtchen und sch\u00fcttelt den Kopf.<br \/>\n<em>Davon habe ich noch nie etwas geh\u00f6rt. Aber das waren primitive Holzbaracken, die sind l\u00e4ngst versunken oder verrottet. Das meiste wird nach Stalins Tod einfach gestohlen worden sein. Warum fragst du? Was interessiert dich dort?<\/em><\/p>\n<p>Aus Ver\u00f6ffentlichungen der Moskauer Menschenrechtsorganisation <em>Memorial <\/em>wei\u00df ich, dass der GULAG Sol-Iljezk eines der gr\u00f6\u00dften Durchgangslager war, wo die Opfer Stalins vor dem Weitertransport in die sibirischen Lager <em>konzentriert <\/em>wurden. Mehr als die H\u00e4lfte der H\u00e4ftlinge \u00fcberlebte Sol-Iljezk nicht, sie starben an Hunger, K\u00e4lte, Misshandlungen und vor allem an Typhus.<br \/>\nSo auch Carola Neher 1942, die ber\u00fchmte Berliner Schauspielerin, erste Frau von Klabund, Brecht-Freundin, als Polly Peachum der Dreigroschen-Oper im Pabst-Film ein gefeierter Star, spielt Shakespeare, Schnitzler, Brecht, in Wien einmal Klabund \u2013 die sch\u00f6nste Frau Deutschlands, ein neues Role Model in allen Illustrierten. Nach ihrer Flucht in die Sowjetunion 1934 ger\u00e4t sie in die F\u00e4nge des NKWD. Denunziert aus KPD-Kreisen als trotzkistische Verschw\u00f6rerin, versteht sie nicht einmal die Anklage. Ihr zweij\u00e4hriger Sohn kommt in ein Kinderheim f\u00fcr Volksfeinde.<br \/>\nSie wird sechs Jahre durch alle m\u00f6glichen Gef\u00e4ngnisse und Lager geschleppt und stirbt 1942 in Sol-Iljezk an Typhus. Erst 30 Jahre sp\u00e4ter erf\u00e4hrt der Sohn \u00fcber <em>Memorial<\/em>, wer seine Eltern waren; sie werden rehabilitiert, und mit Unterst\u00fctzung von vielen deutschen Kulturschaffenden und Zeithistorikern gelingt ihm die Ausreise nach Deutschland. Willy Brandt hat sich pers\u00f6nlich bei Breschnew f\u00fcr Georg Becker eingesetzt.<\/p>\n<p>Rustam kennt diese Geschichte nicht. In seiner Diplomarbeit besch\u00e4ftigt er sich mit dem Wiener Vorm\u00e4rz. In Orenburg redet man lieber \u00fcber Mammutknochen und Ziegenwolle, Rostropowitsch und Gagarin.<br \/>\nEs dauerte noch bis zum 5. Februar 2017, bis es dem Moskauer <em>Memorial <\/em>gelang, an der Krasnoprudnaja Stra\u00dfe 5 eine Tafel in russischer Sprache anzubringen:<br \/>\n<strong><em>Letzte Wohnadresse der Schauspielerin Carola Neher<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sechs Worte, nicht mehr und nicht weniger. Die von Information freie, fast zynische Lakonik l\u00e4sst auf einen m\u00fchsamen Kompromiss zwischen <em>Memorial <\/em>und der wieder Stalin verherrlichenden Historiografie schlie\u00dfen. Nicht viel mehr als \u201eschmecks\u201c in sechs mageren, leeren, nichtssagenden Worten. Eine Augenauswischerei, die w\u00fctend macht. Wer war Carola Neher? Warum letzte Adresse? Wer hat sie von dort weggebracht? Wann und wohin? Wem soll das etwas sagen? Den Moskauer Passanten?<br \/>\nCarola Neher ist in der Sowjetunion au\u00dfer in einem deutschen Arbeiterclub nie aufgetreten, nur wenige Exilanten wussten \u00fcberhaupt von ihrer Anwesenheit, sie geh\u00f6rte nicht zum inneren Kreis der KPD, sie war naiv und kaum politisiert, hatte schwer zu k\u00e4mpfen mit dem eigenen \u00dcberleben und ihren kleinen Sohn Georg durchzubringen. Ihr Mann Anatol Becker, ein rum\u00e4nischer Kommunist, wird ganz zu Anfang des Gro\u00dfen Terrors erschossen.<\/p>\n<p>Als Bert Becht 1937 auf seiner Flucht in die USA durch Moskau kam, wusste er von Carola Nehers Verhaftung, setzte sich aber nicht f\u00fcr sie ein. Es ist ein Briefentwurf an Lion Feuchtwanger, der in Stalins Gunst stand, erhalten, den er aber nie abschickte. Diese Menge an Verrat und menschlicher Niedertracht in einer einzigen Biografie! Man muss wahrscheinlich akzeptieren, dass das in jedem Menschen angelegt ist, wenn er M\u00f6glichkeit dazu bekommt. Diese Erkenntnis ist niederschmetternd. Nur erinnern hilft. Ein wenig.<br \/>\nDie Mitgefangenen Natalja Ginsburg und Margarete Buber-Neumann erw\u00e4hnen Carola Neher in ihren Memoiren, setzen ihr ein Denkmal in der Sprache.<br \/>\nBerlin Hellersdorf hat seit 1992 eine Carola-Neher-Gedenktafel, M\u00fcnchen eine seit 2005 und seit 2017 eine Carola-Neher-Stra\u00dfe.<br \/>\nEs war der dritte Tag in Orenburg, der 28. J\u00e4nner, der an russischen Universit\u00e4ten traditionell als der Tatjana-Tag begangen wird, ein Fest, bei dem sich die Universit\u00e4ten selbst feiern.<br \/>\nJe nach Lehranstalt mit viel Musik, Literatur, Schauspiel, Tanz, Sport, Party \u2013 und Reden, vor allem Reden.<\/p>\n<p>Ich war an der linguistischen Universit\u00e4t eingeladen, und kein Mensch hatte mich gewarnt, dass man mich als \u201eausl\u00e4ndischen Gast aus unserer Hauptstadt\u201c auf die B\u00fchne rufen w\u00fcrde.<br \/>\nEine Ansprache halten. Oh Gott, die Russen k\u00f6nnen das so gut wie keine andere Nation.<br \/>\nSie glauben ehrlich, einem die gr\u00f6\u00dfte Ehre zu erweisen und bringen einen damit in schreckliche Verlegenheit. Also, was sollte ich sagen? Weil gerade zuvor ein Studentenchor ein St\u00fcck aus der Zauberfl\u00f6te gesungen hatte, fiel mir Mozarts Geburtstag am 27. J\u00e4nner ein. Zu Tatjana fiel mir nichts ein, so gratulierte ich ihnen zum Festtag der Studentenpatronin. Ich bedauerte, dass es bei uns einen solchen Brauch nicht gibt. Und da hatte ich einen Blitzeinfall: Es geht nat\u00fcrlich nicht an, dass sich irgendein lebender Mensch mit Puschkin vergleicht, ich zu allerletzt. Aber einen Vorteil habe ich vor ihm. Er hielt sich nur eineinhalb Tage in Orenburg auf, ich dagegen bin schon den dritten Tag hier.<br \/>\nTosender Applaus, die Studenten warfen Blumen auf die B\u00fchne, hoben mich hoch und trugen mich auf ihren Schultern zu meinem Platz.<\/p>\n<p>Wien, 10.3. &#8211; 2.4.18<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Veronika Seyr<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veronikaseyr.at\/\" target=\"_blank\">www.veronikaseyr.at<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3365\">anno<\/a> | Inventarnummer: 19007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnern und Nachdenken nach dem Film The Death of Stalin Von Orenburg habe ich schon in der Schule geh\u00f6rt, als wir im Russisch-Unterricht Puschkins Novelle Die Hauptmannstochter lasen. Geblieben ist eine ferne Erinnerung an eine tragische Liebesgeschichte aus der wilden Zeit des Pugatschow-Aufstandes von 1744. Sp\u00e4ter habe ich selbst meine Sch\u00fcler mit dieser Geschichte traktiert, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[109],"tags":[102],"class_list":["post-9167","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-seyr-veronika","tag-anno"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9167"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9167\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9173,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9167\/revisions\/9173"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}