{"id":9042,"date":"2018-12-16T14:37:27","date_gmt":"2018-12-16T14:37:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9042"},"modified":"2018-12-23T14:02:28","modified_gmt":"2018-12-23T14:02:28","slug":"sieben-leben-hat-die-katze-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=9042","title":{"rendered":"Sieben Leben hat die Katze &#8211; Teil I"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9042&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts9042&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>\u201eSieben Leben hat die Katze.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn es wahr ist, dann gibt es noch ein Leben f\u00fcr mich. Das ist gut zu wissen, denn gerade jetzt f\u00fchle ich mich sterben. Als hilflose Zeugin betrachte ich von au\u00dfen meinen m\u00fchsamen Tod. Eine Kraft, die ich nicht mehr verstehe, ist mir verloren gegangen. Ich laufe nicht, ich springe nicht, ich lasse mich nicht treiben.\u00a0Z\u00e4h, langsam und zuverl\u00e4ssig strebe ich wie ein Wurm St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck meinem Tod zu\u201c, schrieb ich in mein Heft.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWas f\u00fcr ein Unsinn!\u201c Die alte Frau, die ich im Spiegel sah, sch\u00fcttelte den Kopf und lachte \u00e4rgerlich. \u201eDu bist nur verletzt wegen &#8230;\u201c \u201eSei still!\u201c, unterbrach ich sie. \u201cErinnerung ist Wissen, nur Wissen \u00f6ffnet die T\u00fcr zum Vergessen. Ich werde mich erinnern, damit mein Geist zu mir zur\u00fcckkehrt. Ich werde die Geschichte von Anna erz\u00e4hlen, die in einen unbegriffenen, j\u00e4hen Tod st\u00fcrzte. Es ist die Geschichte meines vergangenen Lebens. Ich war jung damals, etwa 24 Jahre alt und damals hie\u00df ich Anna.\u201c<\/em><\/p>\n<p>I<\/p>\n<p>Die dunklen Hosen und der dunkle Pullover schlotterten um Annas K\u00f6rper. Das zottelige Haar verdeckte beinahe ihr Gesicht. Anna hatte sich unsichtbar gemacht, um nicht bel\u00e4stigt zu werden.<br \/>\nDie Fahrt sollte zwei Tage dauern.<br \/>\nIm Zug dr\u00e4ngten sich die Menschen. In den schmalen G\u00e4ngen sa\u00dfen junge Leute auf Koffern und Rucks\u00e4cken, die Abteile waren \u00fcberf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Kurz entschlossen kletterte Anna ins Gep\u00e4cksnetz und legte sich auf ihre Reisetasche. Ihr K\u00f6rper entspannte sich in der Melodie der Worte, die an ihr vor\u00fcberglitten.<br \/>\nVon oben schaute sie in das Gesicht eines Mannes, braune Altersflecken auf der Haut, das Gesicht zu einem L\u00e4cheln verzerrt; das Fleisch war aus diesem Gesicht gewichen, Kanten von Knochen und Knorpeln zeichneten sich scharf auf der welken Haut ab. Ihre Blicke trafen sich und f\u00fcr einen Moment erschraken beide. Er wandte sich ab und l\u00e4chelte weiter, Unruhe in den tief liegenden Augen, und Anna verga\u00df ihn.<br \/>\nDas Stampfen und Rattern des Zuges gab dem Stimmengewirr einen Rhythmus. Rasch fiel sie in Schlaf.<br \/>\nWorte waren f\u00fcr Anna schon immer ungenau und schwierig gewesen. Erleichtert und froh lag sie, nun wach, inmitten der vielen Menschen schweigend in ihrem Gep\u00e4cknetz und achtete nicht auf den Sinn der S\u00e4tze.<\/p>\n<p>Als sie den kleinen Bahnhof eines Dorfes in der N\u00e4he von Basel verlie\u00df und sich nach dem Weg erkundigen musste, fiel es ihr schwer zu sprechen. Die ersten Laute misslangen, dann kehrte sie in die Welt der Worte zur\u00fcck.<br \/>\nDa stand sie vor einem gedrungenen Mann mit rundem Kopf und flinken gewitzten Augen, die sie entt\u00e4uscht von Kopf bis Fu\u00df musterten. Anna wurde sich der Wirkung ihrer merkw\u00fcrdigen Kleider wieder bewusst.<br \/>\n\u201eDu bist also die neue Kellnerin?\u201c, fragte er zweifelnd. Anna gab ihm die Hand. Dann seiner Frau, einer Italienerin, etwa 50, rothaarig, scharf geschnittenes Gesicht, schmaler K\u00f6rper im engen Kleid.<\/p>\n<p>In der Gaststube sa\u00dfen etwa 40 M\u00e4nner mit untersetzten K\u00f6rpern, schwieligen H\u00e4nden und breiten Gesichtern aus der Stahlfabrik des Dorfes und tranken Schnaps und Bier. Die Frau brachte ein Glas Wein. Der Wirt knetete unaufh\u00f6rlich seine H\u00e4nde, als er ihre Arbeit erkl\u00e4rte. Arbeitszeit von 7 Uhr morgens bis etwa 2 Uhr nachts, keine Mittagspause, kein freier Tag, aber Fixum plus Umsatzbeteiligung und Trinkgelder. Er nahm den lauernden Blick nicht von ihr, w\u00e4hrend er sprach. Anna blieb gleichm\u00fctig. Noch immer seine H\u00e4nde knetend leckte er sich die Lippen, neigte seinen Kopf und sah sie schr\u00e4g an:<br \/>\n\u201eDie M\u00e4nner bringen ihre Frauen nur an Sonn- und Feiertagen zum Mittagessen mit. Die \u00fcbrige Zeit bist du allein im Wirtshaus, meine Frau z\u00e4hlt nicht. Lass dich einladen, aber trink nicht. Sch\u00fctt die Getr\u00e4nke weg oder bring sie meiner Frau. Ist gut f\u00fcrs Gesch\u00e4ft. Eine gute Kellnerin h\u00e4lt die M\u00e4nner bei Laune. Mach dich h\u00fcbsch und sei freundlich, die brauchen das.\u201c<\/p>\n<p>Anna sah sich um: h\u00f6lzerne, gro\u00dfe Tische und Sesseln, Plastiktischt\u00fccher, eine verspiegelte Bar, davor die Frau. Die M\u00e4nner sprachen laut. Es gelang ihr nicht, sie zu verstehen.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Diese Zeit lag nun schon bald zehn Wochen zur\u00fcck. Anna sah von ihrem Glas auf. Die Bilder waren so lebhaft, als w\u00e4re der Leim, der die Zeit zusammenh\u00e4lt, zerbr\u00f6ckelt. Verwundert sah sie, wie das Meer sch\u00e4umte. Der Wind r\u00fcttelte an ihr und erzeugte fiebrige Unruhe. Der Mann am Nebentisch sah sie nicht an. Anna sp\u00fcrte seine N\u00e4he, er tastete sie ab.<br \/>\nCarlo kam und brachte Seeteufel mit Tomaten und Kartoffeln. Anna kaute langsam, genie\u00dferisch. Sie liebte den Geschmack von Carlos\u2018 Essen. Sie nippte vorsichtig am \u201eWasser des Lebens\u201c, einem hausgebrannten Traubenschnaps, von dem sie einmal schon zu viel getrunken hatte.<\/p>\n<p>Der Mann am Nebentisch lachte und trank ihr zu. \u201eYour drink is hard stuff. Has about eighty percent.\u201d Er kam zu ihr an den Tisch und l\u00e4chelte. \u201eI am Giorgio.\u201c Nach kurzem Z\u00f6gern erwiderte Anna sein L\u00e4cheln. \u201eI am Anna.\u201d Giorgio verneigte sich leicht und setzte sich. \u201eWhere do you come from?\u201c Anna hasste diese Fragen, die die M\u00e4nner hier jeder einigerma\u00dfen h\u00fcbschen Touristin stellten. \u201eI come from Europe and you?\u201d \u201eI am born here.\u201d Er deutete mit der Hand in die Landschaft. \u201eSo I come from good old Europe, too. You are on holidays?\u201d Anna sch\u00fcttelte \u00e4rgerlich den Kopf. Es reichte jetzt. \u201eIt is late. I must leave. See you.\u201d Giorgio spannte sich einen kurzen Augenblick, dann nickte er ihr zu. Anna bezahlte bei Carlo in der K\u00fcche.<\/p>\n<p>Langsam ging sie den Berg hinauf zu ihrem H\u00e4uschen. Die roten Felsen gl\u00fchten in der D\u00e4mmerung, die Zikaden in den Olivenhainen gaben lauthals ein ohrenbet\u00e4ubendes Konzert, wilder Thymian und Oleanderb\u00fcsche dufteten. Annas Blick haftete auf dem steinigen Boden. Gef\u00fchrt vom wiegenden Gleichma\u00df ihrer Schritte glitt sie wieder aus ihrer Gegenwart.<\/p>\n<p>I<\/p>\n<p>Um etwa zw\u00f6lf Uhr nachts waren nur noch acht M\u00e4nner im Lokal. Bet\u00e4ubt sa\u00df Anna auf einem Stuhl und achtete darauf, ob einer von ihnen ein weiteres Bier oder einen weiteren Schnaps haben wollte. Hin und wieder leerte sie unauff\u00e4llig Aschenbecher, wusch und trocknete Gl\u00e4ser. Die Wirtin stand gelangweilt hinter der Theke und starrte ins Leere.<br \/>\nEin Mann, der seine Rechnung schon bezahlt hatte, blieb an der T\u00fcr gegen\u00fcber der Theke stehen, wandte sich zur Seite, lie\u00df sich gegen die Lehne der Holzbank fallen und st\u00fctzte sich dort ab, um den M\u00e4nnern noch etwas zu erz\u00e4hlen. Anna sah von ihrem Platz aus seine Arme und seinen Kopf. Er war betrunken. Pl\u00f6tzlich st\u00fcrzte die Wirtin schreiend mit einem Schirm bewaffnet hinter der Theke hervor und ging auf den Mann los. \u201eDu Sau du, du Schwein!\u201c<\/p>\n<p>Anna, die sofort dort war, sah, dass der Hosenschlitz des Mannes offen stand, sein Schwanz hing heraus, breitbeinig lehnte er \u00fcber dem Schirmst\u00e4nder. Er hatte offenbar gepinkelt, w\u00e4hrend er den anderen M\u00e4nnern seine Geschichte erz\u00e4hlt hatte. Die Wirtin hieb gezielt mit dem Schirm nach seinem Schwanz und schimpfte lauthals. Der Mann lachte und ergriff die Flucht.<br \/>\nUm ihr Schmunzeln zu verbergen, emp\u00f6rten sich die M\u00e4nner lauthals \u00fcber ihren Arbeitskollegen und beruhigten die Wirtin. Dann gingen auch sie.<br \/>\nAnna sp\u00fclte die letzten Gl\u00e4ser und Aschenbecher, putzte den Schirmst\u00e4nder, wischte die Tische und den Boden, z\u00e4hlte mit dem Wirt in der K\u00fcche das Geld, erhielt ihren Tagesverdienst, stieg die steile Treppe hinauf in ihre kleine, sch\u00e4bige Kammer mit dem Bett, dem Tisch, dem Kasten, dem kleinen Fenster und dem Waschbecken.<\/p>\n<p>Achtlos verstreute sie ihre Kleider im Raum, stellte sich ans Waschbecken und wusch sich, w\u00e4hrend sie \u2013 wie jede Nacht \u2013 durch das Fenster den steilen dunklen Hang und den Fleck Himmel betrachtete, der voller Sterne war.<br \/>\nEin Punkt glomm rot auf. Pl\u00f6tzlich wachsam geworden starrte Anna hin und erkannte in dem Schatten am Hang die Gestalt des Wirts, der offenbar durch das erleuchtete Fenster beobachtete, wie sie sich wusch.<br \/>\nAnna f\u00fchlte sich unbestimmt bedroht, nahm ein Kleid aus dem Schrank und h\u00e4ngte es vor das Fenster.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Die Farben der Landschaft verloschen, die Sonne war fort.<br \/>\nAm Wegrand stand ein hagerer alter Mann in tiefschwarzen Kleidern. Er starrte Anna an.<br \/>\nAnna ging schneller. Eine wei\u00dfe Ziege kam auf sie zu, blickte sie aufmerksam an und leckte ihre Hand. Ein Pfiff rief die Ziege zur\u00fcck. Anna folgte dem Tier bis zu einer kleinen, verfallenen Kirche.<br \/>\nDer Blick des Mannes dort streifte sie, dann beugte er sich hinunter zu seiner Ziege, scherzte mit ihr, wiegte sich lachend, hielt sein Ohr an ihr Maul und fl\u00fcsterte ihr etwas zu. Anna war nicht sicher, ob er verr\u00fcckt war.<br \/>\nNoch immer vorn \u00fcbergebeugt sah er kurz zu Anna auf. \u201eSie hat mich nicht verstanden\u201c, meinte er ernst. Dann l\u00e4chelte er schalkhaft in ihr \u00fcberraschtes Gesicht. \u201eKomm mit. Ich zeige dir, wo ich wohne. Es ist nicht weit.\u201c Er erhob sich rasch. Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er sich um und ging. Die kleine Ziege trippelte hinter ihm her wie ein H\u00fcndchen. Und Anna folgte den beiden.<\/p>\n<p>Nach einem beschwerlichen Fu\u00dfmarsch erreichten sie ein Haus, das von einem hohen Bretterzaun umgeben war. Anna hatte auf der Insel noch nie ein versperrtes Haus gesehen und wunderte sich, als der Mann das Hoftor mit einem gro\u00dfen Schl\u00fcssel \u00f6ffnete.<br \/>\nEin hochbeiniger schwarzer Hund zeigte seine Z\u00e4hne und knurrte feindselig. Der Mann nahm Annas Arm und t\u00e4tschelte das Tier. Der Hund entspannte sich, ab nun beachtete er Anna nicht mehr.<br \/>\n\u201eIch hei\u00dfe Sordo\u201c, sagte der Mann ganz nahe an ihrem Gesicht. Er lie\u00df sie los. \u201eDie Menschen hier glauben, ich bin verr\u00fcckt, ich rede nicht viel mit ihnen. Sie haben hier rundum B\u00e4ume gef\u00e4llt, um Brennholz zu machen. Ich habe Stecklinge gekauft und sie angepflanzt, damit es bald wieder B\u00e4ume gibt.\u201c Sein Blick irrte ab, er wurde wieder still. Nach einigen Minuten kehrte seine Aufmerksamkeit zu ihr zur\u00fcck. Sie schaute ihn unsicher an. Da nahm er sie an der Hand und f\u00fchrte sie in sein Haus.<\/p>\n<p>Sorgf\u00e4ltig z\u00fcndete er Kerzen und Petroleumlampen an. Ein gro\u00dfer Raum, alles aus Stein und Holz grob zusammengef\u00fcgt. Sie setzte sich auf einen der riesigen Holzsessel, die rings um einen klobigen, h\u00f6lzernen Tisch standen. Sie betastete den Tisch und war sicher, dass er ihn gebaut hatte.<br \/>\nSordo bereitete in der Ecke des Raumes auf einem Gaskocher Tee zu. Anna mochte seine Bewegungen. Behutsam, fast z\u00e4rtlich ber\u00fchrte er die Dinge. Er brachte den Tee in gro\u00dfen Schalen und setzte sich ihr gegen\u00fcber. Anna f\u00fchlte sich in seinem Schweigen geborgen und genoss die Bed\u00e4chtigkeit, mit der er sie betrachtete. Die kleine Ziege zu seinen F\u00fc\u00dfen schien zu schlafen. Als Sordos Hand sanft den Kopf der Ziege ber\u00fchrte, zuckte Anna zusammen.<\/p>\n<p>Sordo sah sie lauernd an. Sein Blick war hart und direkt. Die warme Bed\u00e4chtigkeit war verschwunden. Sie stand auf, durchquerte den Raum, sah aus dem Fenster.<br \/>\nDie Nacht war schwarz. Der Wind fauchte. \u201eIch m\u00f6chte gehen.\u201c Ihre Stimme war rau. Sie r\u00e4usperte sich. Sordo verzog den Mund zu einem schiefen L\u00e4cheln. Wortlos f\u00fchrte er sie hinaus, den steilen Weg hinab bis zur verfallenen Kirche, deutete mit der Hand in die Nacht und verschwand.<br \/>\nAnna begann zu laufen, sie kam au\u00dfer Atem, sie riss sich die F\u00fc\u00dfe an Disteln wund, stolperte, fiel. Schwei\u00df\u00fcberstr\u00f6mt kam sie in ihrem H\u00e4uschen an. Die vertrauten Dinge beruhigten sie, sie wusch sich, trank etwas Wein, legte sich hin und schlief rasch ein.<br \/>\nW\u00e4hrend dieser Nacht schrak sie mehrmals aus dem Schlaf. Das Brummen des K\u00fchlschranks, der sich einschaltete, das Knarren des Holzbodens, ein Fensterladen, der vom Wind hin- und hergeschlagen wurde und dann ein unbekanntes Scharren, ein Schatten am Fenster, ein Lichtstreif beleuchtete kurz das blasse Gesicht Sordos, der ins Zimmer starrte, sie riss die Augen auf, aber niemand war da.<\/p>\n<p>Als Anna am n\u00e4chsten Tag erst mittags erwachte, war sie nicht sicher, ob sie von Sordo und seiner Ziege nur getr\u00e4umt hatte. Es war hei\u00df und friedlich, der Wind hatte sich gelegt, die Bienen summten, die Zikaden sangen. Beschwingt ging Anna ihren Pfad den H\u00fcgel hinunter ans Meer. Carlo und Christine w\u00fcrden sie schon erwarten. Sie wollte schwimmen und faul in der Sonne liegen.<br \/>\nSie lag am R\u00fccken im hei\u00dfen Sand und schaute direkt in den Himmel. Sie \u00fcberlie\u00df sich dem ruhevollen Rauschen des Meeres, das sie mit sich trug und wiegte, sie lie\u00df sich von ihm wie eine M\u00f6we heben und senken, sie dehnte sich vor Behagen, die sanfte Schaukel l\u00f6schte ihr Denken. Sie schwebte und sah sich von weit oben, sie lag im Sand auf dem R\u00fccken, sie schwebte, die Zeit st\u00fcrzte ein.<\/p>\n<p>I<\/p>\n<p>Hans war sehr jung, vielleicht siebzehn oder achtzehn, hochaufgeschossen, zart, fast d\u00fcnn mit kurzem blondem Haar und gro\u00dfen roten H\u00e4nden. Er war fast jeden Tag in das Gasthaus gekommen, um Anna zuzuschauen. Sie trug Jeans und T-Shirts. Nichts Besonderes. Ihre blonden Locken ringelten sich um ihr Gesicht und sie bem\u00fchte sich zu l\u00e4cheln und freundlich zu sein. Hans trank ein Coca Cola, hob ab und zu sein Glas und l\u00e4chelte sie an. Der Wirt bemerkte, dass Hans noch Lehrling war in der Fabrik und wenig Geld hatte. Er kommt nur, weil er in dich verliebt ist.<br \/>\nDiese Erkl\u00e4rung machte Anna befangen. Verliebt! In ihren Tr\u00e4umen servierte sie Unmengen von Bier und Essen. Sie konnte keine Zeitung, kein Buch mehr lesen, d\u00fcnn war sie geworden, nerv\u00f6s und fahrig.<\/p>\n<p>Hans war da, als der Wirt ein dreit\u00e4giges Fest mit Musik veranstaltete und im Garten zus\u00e4tzliche Holzb\u00e4nke aufstellen lie\u00df. Zwei weitere Kellnerinnen wurden angestellt. Anna begann wie immer um sieben Uhr morgens mit der Arbeit. Abends um sieben kamen die beiden anderen Frauen, sie waren \u00fcber vierzig und stark geschminkt. \u201eWir bekommen nur selten Trinkgelder. Ein hartes Gesch\u00e4ft. Wenn man \u00e4lter wird, muss man sich was anderes suchen.\u201c<\/p>\n<p>Das Fest dauerte t\u00e4glich bis vier Uhr morgens. Um seine Gl\u00e4ser vor betrunkenen G\u00e4sten zu sch\u00fctzen, gab der Wirt nur Pappbecher aus. Die Stammg\u00e4ste revoltierten. Da sah sie Gert zum ersten Mal. Er hatte sich seit Tagen nicht rasiert, sein blondes Haar war ungewaschen, sein Hemd stand offen. Er grinste, nahm den Pappbecher und sch\u00fcttete sein Bier vor Annas F\u00fc\u00dfe auf den Boden. \u201eSag dem Wirt, ich will ein Glas!\u201c Der Wirt schimpfte. \u201eNimm ein Tuch und wisch es auf!\u201c, und Anna kroch am Boden zwischen den M\u00e4nnern und wischte, es stank. Den M\u00e4nnern, die schon betrunken waren, gefiel das, einer nach dem anderen leerte sein Bier auf den Boden, sie lachten: \u201eWisch das auf!\u201c, und Anna wischte den Boden, kroch auf Knien, wischte. \u201eWir wollen Gl\u00e4ser!\u201c, schrieen die M\u00e4nner. Der Wirt meinte, sie k\u00f6nnten ihr Bier ruhig versch\u00fctten, sie m\u00fcssten es Anna bezahlen oder er w\u00fcrde es Anna vom Lohn abziehen. Gert hatte an der Theke einen neuen Becher Bier besorgt. Er sch\u00fcttete es vor Anna auf den Boden, grinste: \u201eWisch, ich bezahl das!\u201c Anna stand auf.<\/p>\n<p>Hans war da. Von hinten griff er Gert an und schlug auf ihn ein. Gert drehte sich um, nach einer kurzen Rangelei packte er Hans und warf ihn \u00fcber den Tisch. Er lachte, Hans blieb liegen, er schien verletzt. Die Wirtin kam, schreiend, packte Gert am Kragen, der Wirt verbot ihm das Haus. Einer der M\u00e4nner half Hans auf die Beine und brachte ihn fort.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Tage verlor Anna ihr Zeitgef\u00fchl. Sie kannte nur noch dieses Lokal, ihre Kammer, sie wusste nur noch, wie man bonierte und servierte, sie war noch niemals irgendwo anders gewesen als hier.<br \/>\nDer erste Abend nach dem Fest erschien Anna gem\u00fctlich und langsam. Einige gut gekleidete M\u00e4nner betraten das Gasthaus. Der Wirt verlie\u00df seine K\u00fcche, wischte den Tisch im Extrazimmer pers\u00f6nlich sauber, r\u00fcckte dort und da ein paar Sessel zurecht. Einer der M\u00e4nner fasste Anna ins Auge. Er lachte sie an, fasste sie um die H\u00fcfte. \u201eWein her, Weib her, ich will feiern!\u201c Anna machte sich unwillig los. Der Wirt nahm die Bestellung pers\u00f6nlich entgegen.<br \/>\nIn der K\u00fcche sch\u00e4rfte er Anna ein, ja nicht zickig zu sein. \u201eDas ist der Fabrikbesitzer! Ich habe das Wirtshaus von ihm gepachtet!\u201c<\/p>\n<p>Anna musste ein wei\u00dfes Tischtuch auflegen, servierte die Speisen, Getr\u00e4nke, die Arbeiter am Stammtisch wurden ungehalten. Sie bekamen ihren Nachschub an Bier und Schnaps nicht rechtzeitig wie sonst. Sie br\u00fcllten Anna an, der Wirt befahl Anna, sich nicht darum zu k\u00fcmmern. Alles der Reihe nach.<br \/>\nAnna brachte die zweite Flasche von dem teuersten Wein, entkorkte sorgf\u00e4ltig die Flasche, schenkte dem Fabrikbesitzer ein Schl\u00fcckchen zum Verkosten ein.<br \/>\nEiner seiner Freunde fasste von hinten zwischen Annas Beine, Anna drehte sich spontan um und schlug den Mann hart ins Gesicht, der Mann sprang auf, Anna rannte zur Theke, der Wirt schrie \u201eBist du verr\u00fcckt?\u201c, die Stammg\u00e4ste johlten und klatschten, der Fabrikbesitzer warf Geld auf den Tisch und verlie\u00df mit seinen Freunden w\u00fctend das Gasthaus.<\/p>\n<p>Der Wirt war fassungslos. Er schimpfte nun auf Anna ein, warum sie nicht \u00fcberhaupt anders, schneller, geschickter, vern\u00fcnftiger, witziger sei, sie sei f\u00fcr nichts gut. Die Arbeiter mischten sich ein: \u201eSetz dich hin, da hast du ein Glas Schnaps und eine Zigarette, jetzt wollen wir sehen, was der Wirt kann ohne dich!\u201c<br \/>\nAnna setzte sich und rauchte, sie entspannte sich nicht, der Wirt schimpfte noch immer, \u201eLass ihn ruhig schreien\u201c, sagten die M\u00e4nner und bestellten zw\u00f6lf Halbe und zw\u00f6lf Korn bei dem Wirt und m\u00f6glichst fix, sie wollten sehen, wie schnell er denn w\u00e4re.<br \/>\nDer Wirt lenkte ein, er rannte und machte, schimpfte mit seiner Frau, die ihm zu langsam einschenkte. Die Arbeiter bestellten weiter. Der Wirt schwitzte. Die M\u00e4nner lachten. \u201eDu bist aber auch nicht der Schnellste, na siehst du. Setz dich also und spiel nicht verr\u00fcckt!\u201c<\/p>\n<p>Ein kleiner, dicker Mann redete freundlich mit Anna: \u201eMorgen ist ein Zeltfest im Dorf. Es gibt dort Musik. Geh hin, es tut dir sicher gut, wenn du mal rauskommst.\u201c \u201eSie kann raus, ja, aber nicht rein!\u201c, rief der Wirt grob. \u201eWenn sie in ihr Zimmer will, muss sie durch das Lokal. Sie bekommt aber keinen Schl\u00fcssel. Schlie\u00dflich k\u00f6nnte sie was stehlen. Geh also ruhig aus, aber wiederkommen kannst du erst morgens um sieben!\u201c \u201eIch gehe, ja gut, ich gehe!\u201c, rief Anna.<br \/>\nMit dem kleinen Mann fuhr sie nach zwei Uhr, sie hatte sich gewaschen und umgezogen, zu dem Fest. Fast alle Stammg\u00e4ste waren dort. Anna setzte sich zu ihnen. Hans kam und setzte sich neben sie. Gert sa\u00df ihr gegen\u00fcber und sah sie unversch\u00e4mt an.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Das Meer wehrte sich klatschend gegen den Wind. Anna erwachte aus ihrem Halbschlaf, sie fror. Sie zog sich an und besuchte Carlo. Christine hatte gekocht. Sie a\u00dfen zusammen.<br \/>\nAnita, die kleine Tochter der beiden, zeigte Anna ein Steinchen, ihre Augen leuchteten. Sie drehte es hin und her, bis Anna dessen Sch\u00f6nheit mit den Augen des Kindes sah. Anna strahlte, das kleine M\u00e4dchen jubelte und zupfte Anna am Ohr.<\/p>\n<p>Ganz still in der Ecke sa\u00df Carlos\u2018 Vater. Anna wusste, er hatte nur ein Auge, er trug dicke Gl\u00e4ser. Doch Anna war es, als h\u00e4tte dieser Mann zehn Augen, er sah und bef\u00fchlte alles. Er sa\u00df still da, Anna sp\u00fcrte ihn pl\u00f6tzlich tief in sich, als w\u00fcrde er sie von innen her erforschen. Da wusste Anna wieder, dass sie sich f\u00fcrchtete. Sie verabschiedete sich rasch.<br \/>\nDrau\u00dfen sa\u00df Giorgio an einem Tischchen unter der Platane. Er schien auf sie zu warten. \u201eDarf ich dich begleiten?\u201c \u201eWarum nicht?\u201c, fragte Anna, sie war froh, dass jemand ihre Angst verscheuchen w\u00fcrde. Nebeneinander gingen sie den H\u00fcgel hinauf.<\/p>\n<p>Graublaue Steine, rote Felsen, eine strahlende Nacktheit, die Berge herb und kahl. Zwischen den Linien dieser Landschaft sah Anna eine seltene Empfindsamkeit und Zartheit. In dem windgesch\u00fctzten Tal bl\u00fchte noch der Oleander. Vom Dorf herauf zogen ausgedehnte Weing\u00e4rten \u00fcber die H\u00fcgel, wuchsen silberbl\u00e4ttrige Oliven- und grasgr\u00fcne Feigen- und Zitronenb\u00e4ume, Falter gaukelten \u00fcber dem Ginster, der nur noch vereinzelt Bl\u00fcten trug. Aus dem harten Boden krochen vereinzelt feine Bl\u00fcten hervor und funkelten in der Abendsonne.<\/p>\n<p>Unweit der verfallenen Kirche hockte Sordo am Weg und sprach mit seiner Ziege. Er blickte nicht auf, als sie kamen. Nur die Ziege drehte den Kopf nach Anna. Anna bewunderte ihre sch\u00f6n geschwungenen Augenb\u00f6gen, ihre bernsteinfarbenen Augen mit der dunklen Iris, ihr Blick war warm und ber\u00fchrend.<br \/>\nAnna ging mit Giorgio an Sordo vorbei, blieb dann stehen. Giorgio unterbrach seine Rede, er wusste, sie h\u00f6rte ihm nicht zu. Anna drehte sich um und sah Sordo lange an.<br \/>\nSein K\u00f6rper war schmal und geschmeidig, seine F\u00fc\u00dfe steckten in festen Schuhen, er trug Jeans und einen gr\u00fcnen, kurzen Pullover, sein Haar stand dunkel um seinen Kopf, eine gekr\u00fcmmte gro\u00dfe Nase beherrschte sein Gesicht. Seine Augen unter den dunklen Brauen waren fast schwarz, seine Lippen von einem dunklen Braun. Wie ein Relief hob er sich ab von den goldgelben Disteln zwischen den blaugrauen Felsen.<br \/>\nUnd wieder sah er sie hart und direkt an. Anna ertrug diesen Blick nicht. Sie drehte sich weg, sah Giorgio an.<\/p>\n<p>\u201eEr ist verr\u00fcckt!\u201c, sagte Giorgio. \u201eEr lebt hier ganz einsam. Niemand wei\u00df, woher er kommt, wer er ist. Er spricht nicht viel, manchmal fl\u00fcchtet er vor den Leuten.\u201c Sie gingen weiter. \u201eIch glaube, er spricht vor allem mit seiner Ziege.<br \/>\nDie hat er gefunden \u2013 unter einem Stein. Sie war verletzt und schrie. Den Kopf hatte sie weit nach hinten gebeugt, die Zunge hing aus ihrem Maul, Tausende Fliegen klebten an ihrem K\u00f6rper. Sie starb. Er zerrte sie unter dem Felsen hervor, wollte sie mit einem Stein erschlagen. Da nahm er sie auf seine Arme, nahm sie mit sich und pflegte sie gesund. Das hat er jedenfalls im Dorf erz\u00e4hlt, als sich die Leute dar\u00fcber stritten, wem er die Ziege gestohlen habe. Er erkl\u00e4rte, die Ziege geh\u00f6re seither ihm allein. Die Leute haben sich nicht beruhigt, sie wollten wissen, wem die Ziege rechtens geh\u00f6re und meinten, Sordo habe auf keinen Fall Anrecht auf sie.<br \/>\nDa kam Sordo nur mehr ins Dorf, um Essen zu besorgen. Er baute einen hohen Zaun um sein Haus und verschloss sich darin. Die Leute sagen, dass er verr\u00fcckt ist. Auch weil die Frau, die lange bei ihm war, ihn verlie\u00df und niemand bei ihm ist.\u201c<br \/>\nGiorgio sp\u00fcrte, dass Anna ihm zum ersten Mal gespannt zuh\u00f6rte und freute sich dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Sie erreichten Annas Haus.<br \/>\nAnna wollte, dass er ging, doch sie bat ihn zu bleiben. Er setzte sich triumphierend auf die Terrasse des H\u00e4uschens, von der aus man die karge Landschaft und die Buchten des Meeres \u00fcberblickte. Die Abendd\u00e4mmerung senkte sich herab, die Landschaft fing Feuer und ergl\u00fchte.<br \/>\nMit allen Sinnen sog Anna das Bild in sich ein. Minutenlang stand sie gespannt und schweigend. Ihr leuchtendes Haar bewegte sich in der Abendluft.<br \/>\nDann holte sie Wein aus der K\u00fcche.<br \/>\nSchweigend sa\u00dfen sie da, beide ein wenig befangen. Giorgio f\u00fchlte sich unbehaglich.<br \/>\nAnna sah den Mann, der aus der Ferne zu ihnen heraufstarrte. Sie musste zwinkern. Ihre Augen brannten, so lange hatte sie sie aufgerissen, um zu erkennen, wer da war. Da war der Mann fort. Sekunden sp\u00e4ter sah sie ihn einige Meter weiter, er starrte zu ihr herauf. Jemand r\u00fcttelte am Gatter, es waren Ziegen, deren Beine lose zusammengebunden waren. Anna ging hin, um sie aus der N\u00e4he zu betrachten, es schien, als w\u00fcrden die Tiere ihr freundlich zunicken. Die Ziegen flohen, als Anna ihnen zu nahe kam.<\/p>\n<p>\u201eWenn die Bauern in die Berge kommen, um den Ziegen Wasser zu bringen, pfeifen sie. Die Tiere unterscheiden die Pfiffe genau. Es kommen nur die zur Tr\u00e4nke, die dem Bauern geh\u00f6ren, der gepfiffen hat\u201c, erkl\u00e4rte Giorgio.<br \/>\nEr kletterte \u00fcber das kleine M\u00e4uerchen, das die Terrasse umgab. Im leeren Stall nebenan fand er eine gelbe Schlange. \u201eDiese Schlangen sind harmlos. Sie wohnen nur bei guten H\u00e4usern. Sie trinken die Milch aus dem Euter der Ziegen.\u201c \u201eDas hast du gesehen?\u201c \u201eJa, ja, sie saugen sich an einer Zitze fest und trinken Milch, ich habe das gesehen. Es sind gute Tiere. Nur die, die dunkelbraun sind wie Kaffee und schwarz gezeichnet, schlag tot. Sie sind gef\u00e4hrlich.\u201c \u201eIch w\u00fcrde gerne wissen, was die Ziegen empfinden, wenn eine Schlange ihre Milch saugt\u201c, meinte Anna versonnen.<br \/>\nGiorgio hatte seinen Stuhl n\u00e4her zu dem ihren ger\u00fcckt. Wenn er sprach, suchte sein K\u00f6rper ihre N\u00e4he. Als Anna seine Ann\u00e4herung bemerkte, stand sie auf.<\/p>\n<p>Wieder sah sie den Mann am H\u00fcgel, sein K\u00f6rper zeichnete sich dunkel gegen die Farben des Himmels ab. Da sah sie neben ihm die Ziege. Sie sp\u00fcrte sich l\u00e4cheln.<br \/>\nRittlings setzte sie sich auf das M\u00e4uerchen, Giorgio kam n\u00e4her und ber\u00fchrte sie im Nacken. Sie warf den Kopf zur\u00fcck. Sie bat ihn zu gehen. Sie w\u00fcrden sich morgen bei Carlo und Christine treffen. \u201eAber ja, ja\u201c, meinte Giorgio ehrerbietig, er blieb noch ein bisschen, um seinen Stolz zu beruhigen. Er freute sich \u00fcber ihre Sperrigkeit, denn er liebte es, widerspenstige Frauen zu erobern. Anna wusste das in diesem Moment.<br \/>\nGiorgio ging und Anna blieb sitzen auf ihrer Terrasse. Mit den Augen suchte sie die Landschaft ab, doch Sordo und die Ziege blieben verschwunden. Sie holte K\u00e4se und Wein, lehnte sich zur\u00fcck in ihren Sessel, legte ihre Beine auf das M\u00e4uerchen und sank in die Landschaft, die sie liebte.<\/p>\n<p>Gro\u00dfz\u00fcgig schwangen die welligen H\u00fcgel zum Meer hinab. Die Felsen schimmerten. Ein hellerleuchtetes Boot kreuzte durch die Bucht. In den Ginsterb\u00fcschen raschelte der Wind. Sonst war es still. Niemand kam.<br \/>\nAnna a\u00df ein wenig K\u00e4se und trank Wein. Sie wartete nicht mehr. Sie trank dem Mond zu wie einem Freund, sie trank auf sich, auf das Leben, bis ihr Denken verstummte. Sie schwamm gegen die Zeit, die stillstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Marianne Peternell<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=420\">hin &amp; weg<\/a> | Inventarnummer: 18161<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSieben Leben hat die Katze. Wenn es wahr ist, dann gibt es noch ein Leben f\u00fcr mich. Das ist gut zu wissen, denn gerade jetzt f\u00fchle ich mich sterben. Als hilflose Zeugin betrachte ich von au\u00dfen meinen m\u00fchsamen Tod. Eine Kraft, die ich nicht mehr verstehe, ist mir verloren gegangen. 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