{"id":8857,"date":"2018-11-07T17:10:12","date_gmt":"2018-11-07T17:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=8857"},"modified":"2018-11-11T16:18:38","modified_gmt":"2018-11-11T16:18:38","slug":"xx-13","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=8857","title":{"rendered":"Lebe wohl, Lakritz &#8211; Teil I"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts8857&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts8857&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Zum ersten Mal sah ich Lakritz in meinem Lieblingskino namens \u201eDer Strahl\u201c. Drau\u00dfen war es ein stickiger Sommerabend und ich war in den k\u00fchlen Kinosaal eingetaucht, wo \u201eGef\u00fchl und Verf\u00fchrung\u201c von Bertolucci lief, den ich bereits zweimal gesehen hatte und mit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen noch einmal sehen w\u00fcrde.<br \/>\nIn diesem Kino wurden immer Filmklassiker oder neue Meisterwerke vorgef\u00fchrt, deswegen war der ziemlich kleine Saal stets kaum zur H\u00e4lfte voll. Manchmal waren au\u00dfer mir nur ein paar Leute hier, und da verstreut.<\/p>\n<p>Ins Kino zu gehen war eines meiner intimsten Rituale, wof\u00fcr ich mich emotional schon zu Hause vorbereitete. Der Tag fing immer sinnvoll an, wenn ich wusste, dass ich ins Kino gehen w\u00fcrde.<br \/>\nManchmal fliehe ich dahin nach dem Stress, oder der Erm\u00fcdung, um mich wieder mit Lebensenergie aufzuladen.<\/p>\n<p>Wie ich schon sagte, sah ich Lakritz an jenem Abend zum ersten Mal. Er sa\u00df einige Reihen vor mir, und ich sah seine schulterlangen Haare. Zwischen uns waren drei Jungs, die offensichtlich kein Interesse an dem Film hatten, sondern bl\u00f6de Sp\u00e4\u00dfe machten. Als Liv Tyler dem K\u00fcnstler ihre Br\u00fcste zeigte, fingen die Jungs an, dreckige Kommentare abzulassen.<br \/>\nIch \u00e4rgerte mich langsam. Ab und zu traf ich hier sinnlose Menschen, die kein Vergn\u00fcgen am echten Kino fanden, und die anderen Zuschauer einfach st\u00f6rten. Ich t\u00f6tete sie immer in meinem Kopf. Vermutlich hatte ich bereits \u00fcber zehn davon in diesem dunklen Saal geschlachtet.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte jemanden ermorden, aber nur wegen des Kinos!<\/p>\n<p>Lakritz hatte sich schon einige Male mit unzufriedenem Gesichtsausdruck zu den bellenden Welpen umgedreht, und diesmal bat er sie, leiser zu sein, woraufhin die Jungs sich aufregten. Lakritz sagte ihnen noch etwas, was ich leider nicht verstand. Die Jungs forderten Lakritz auf, ihnen zu folgen. Er stand ganz ruhig auf, er war ziemlich gro\u00df. Er folgte dem Trio aus dem Saal. Ich wartete nicht lange und ging in einer Distanz auch hinaus. Drau\u00dfen war es k\u00fchler geworden, und ich sah \u201eVanilla Sky\u201c. Wenn ich einen solchen Himmel sah, wollte ich immer weinen, aber jetzt hatte ich keine Zeit dazu.<\/p>\n<p>Ich sah deutlich Lakritzes Gesicht. Er war sehr h\u00fcbsch, ein bisschen androgyn. Die schmale Nase und die sehr kantigen Wangenknochen wurden von warmen, braunen Augen gekr\u00f6nt, in denen man sehr viel Leid ablesen konnte.<br \/>\nEr hinterlie\u00df nicht den Eindruck eines ungl\u00fccklichen Menschen, aber man konnte merken, dass etwas ihm Sorgen bereitete, und ich erkannte mich in ihm. Ich hatte in mir auch diese s\u00fc\u00dfe Traurigkeit von unerf\u00fcllten Tr\u00e4umen, in denen die Hoffnung auf zuk\u00fcnftige Erfolge lebte, die half, diese Wehmut zu ertragen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich fiel mir etwas Rotes und D\u00fcnnes in seinem Mund auf. Ich schaute genauer hin und sah, dass es eine Lakritzstange war, wie ich sie in der Kindheit probiert und seitdem v\u00f6llig vergessen hatte, obwohl sie mir sehr gut geschmeckt hatte.<br \/>\nIm chaotischen Alltag vergisst man sehr oft, was einem Freude gibt, dabei sind es genau solche Dinge, die uns von einem Tag zum n\u00e4chsten helfen.<br \/>\nW\u00e4hrend ich dies dachte, schlug einer der Jungs Lakritz mit der Faust an den Kiefer. Lakritz fiel auf den Boden, erhob aber sofort den Kopf und l\u00e4chelte. Seine Lippe blutete, und er wischte das Blut sehr filmreif mit der Hand weg. Ich war einfach begeistert. Er suchte nach der S\u00fc\u00dfigkeit, die wie ihr Besitzer auf dem Boden lag, holte aus der Hosentasche eine neue Stange heraus, steckte sie in den Mund, schaute sich das Trio und dann mich zum ersten Mal an. Ich nickte ihm leicht zu und ging auf das Trio mit schwingenden F\u00e4usten los. Lakritz stand sofort auf, und wir schlugen wie zwei tollw\u00fctige L\u00f6wen um uns. Die Jungs schrien und rannten weg, wie Hy\u00e4nen.<\/p>\n<p>Lakritz wischte den Dreck von seiner Kleidung schnell ab und bedankte sich bei mir.<br \/>\n\u201eWie hei\u00dft du?\u201c, fragte ich ihn.<br \/>\n\u201eLakritze\u201c, antwortete er, und wir gingen zur\u00fcck ins Kino, wo ich mich zu ihm setzte.<\/p>\n<p>Ab und zu sah ich ihn an. Er guckte begeistert zur Leinwand. Ich Unbedarfter h\u00e4tte nie gedacht, dass es auf dieser Welt noch so einen ratlosen Kinomaniac wie mich gibt. Wie grenzenlos begrenzt sind wir!<br \/>\n\u201eZum ersten Mal?\u201c, fragte ich ihn leise.<br \/>\nEr drehte sich zu mir und l\u00e4chelte.<br \/>\n\u201eZum sechsten\u201c, dann guckte er weiter.<br \/>\nW\u00e4re das Leben ein Kinofilm, er w\u00e4re ein perfekter Charakter. Ein absoluter Lieblingsheld.<\/p>\n<p>Als wir das Kino verlie\u00dfen, fragte ich ihn, ob er ab jetzt vorh\u00e4tte, \u00f6fter hierher zu kommen. Er nickte mir zu und verabschiedete sich mit Handschlag, wie in einem Film der aus der Haft entlassene Alain Delon von einem Polizisten, und ich rief aus:<br \/>\n\u201eVier im roten Kreis.\u201c<br \/>\nEr hielt an, drehte sich um und l\u00e4chelte wieder \u201eBis morgen, mein Freund.\u201c<\/p>\n<p>Aus einem unbekannten Grund folgte ich ihm. Er lief ziemlich angespannt, als ob er sp\u00fcrte, dass ihn jemand verfolgte, aber er drehte sich nicht um. Unterwegs stolperte ich mehrere Male. Die Passanten schauten mich komisch an. Ich sch\u00e4tze, dass meine Aufregung mir auffallend wie eine kaukasische Nase im Gesicht stand. Bald bog er um die Ecke, und ich auch. Er stand da mit verschr\u00e4nkten Armen auf mich wartend.<br \/>\n\u201eDu bist genau so ein l\u00e4cherlicher Detektiv wie Jean-Pierre L\u00e9aud\u201c, sagte er, und ich sch\u00e4mte mich wie ein kleines M\u00e4dchen, das aus Neugier etwas verbrochen hatte.<br \/>\n\u201eBis morgen\u201c, wiederholte er und ging.<br \/>\nIch stand da, bis er verschwand, und machte mich mit langsamen Schritten auf den R\u00fcckweg.<\/p>\n<p>Ich folgte den n\u00e4chtlichen Stra\u00dfen, wobei ich verschiedene Ger\u00e4usche und D\u00fcfte einfing. Die Nachtbeleuchtung fand ich sehr interessant. All die kleinen, farbigen Lichter gaben mir das Gef\u00fchl, in einer anderen Dimension,\u00a0 jemand anderer zu sein, der keine Vergangeheit oder Zukunft, sondern nur diesen traum\u00e4hnlichen Augenblick hat, in dem er f\u00fcr immer gefangen ist, und das Sch\u00f6nste oder das Schlimmste ist, dass er gar keinen Ausweg sucht, weil es ihm in dieser mystischen Geborgenheit, wie in den Armen eines schmerzlosen Todes gef\u00e4llt. Das Wissen, dass man f\u00fcr nichts mehr verantwortlich ist, wirkt so befreiend und gleichzeitig zerst\u00f6rend, denn es hei\u00dft nur, dass es dich nicht mehr richtig gibt, und alles was du tun musst, ist rumschweifen, bis ein Fremder deine Rolle endlich \u00fcbernimmt.<br \/>\nDiese Atmosph\u00e4re wurde am besten in den amerikanischen und franz\u00f6sischen Filmen der 70er-, 80er-Jahre dargestellt.<br \/>\nDie leuchtenden Fenster bargen, wie Galaxien, einzigartige Geheimnisse.<\/p>\n<p>Gutes Kino ist wie Magie. Es hilft einem, in eine vergessene Vergangenheit zu gelangen. Meine Gedanken zwangen mich, an meine einzige Freundin zu denken. Jedes Mal wenn auf der Leinwand ein Mann und eine Frau sich streichelten, erinnerte ich mich an ihre Ber\u00fchrung. W\u00e4hrend sie neben mir lag, hatte sie mich oft angesehen und mit ihrem Finger zart meine Lippen und meine Nase gestreichelt, als ob sie meine Gesichtslinien genie\u00dfen w\u00fcrde. Ich konnte bis heute nicht verstehen, was sie an mir so geliebt hatte. Ich war ein ganz unauff\u00e4lliger Bursche. Also wie es mir schien, sah sie jemanden anderen in mir, den sie selbst erschaffen hatte. Sie liebte ein Phantom.<\/p>\n<p>Ein M\u00e4dchen, das mit ihrer Mutter und Schwester im Nebenhaus wohnte, erinnerte mich sehr an sie. Wir begegneten uns ziemlich oft, und ich mochte sie. Ich und Greta begr\u00fc\u00dften uns beim Treffen nie, aber wir wollten uns offensichtlich kennenlernen.<br \/>\nIch dachte ziemlich oft an sie, aber ich versuchte die sexuellen Fantasien loszuwerden, weil ich sie in meiner Vorstellung nicht entw\u00fcrdigen wollte.<br \/>\nIch sp\u00fcrte einen unerkl\u00e4rlichen Drang, etwas zu tun, und bevor ich zur\u00fcck nach Hause ging, spazierte ich in einen Blumenladen, den die Verk\u00e4uferin schon zu machen wollte, um eine rote Rose zu kaufen.<\/p>\n<p>Mit der Rose in der Hand schlich ich zu Gretas Briefkasten, wie ein Dieb, und sah mich um, um sicher zu gehen, dass mich keiner sah. Mein Herz klopfte wie verr\u00fcckt. Ich entfernte alle Stacheln von der Rose und legte die Blume in den Briefkasten, an dem ich ein angeklebtes Bild eines Sonnenuntergangs bemerkte. Die Sonne ber\u00fchrte fast den Horizont, und ihr Strahl streckte sich \u00fcber die Wasseroberfl\u00e4che zum Kameraobjektiv. Ich wollte wissen, wer dieses Bild gemacht hatte. Es blitzte pl\u00f6tzlich am Himmel, und das freute mich sehr, weil ich sommerliches Unwetter liebte.<br \/>\nBevor ich den Flur betrat, traf mich ein Regentropfen auf dem Kopf. W\u00e4hrenddessen stellte ich mir vor, wie die zur Schule gehende Greta sich morgen freuen w\u00fcrde, nachdem sie die Rose entdeckt h\u00e4tte. Wen w\u00fcrde sie wohl als Rosen-Kavalier vermuten?<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag waren ich und Lakritz im Caf\u00e9 des Kinos. Am Nebentisch sa\u00df ein Junge. Er trug eine Sonnenbrille, der das linke Glas fehlte, genau so wie in der vorletzten Szene von \u201eBonnie und Clyde\u201c, in der es Clydes Brille fehlte. Ich l\u00e4chelte. Der Junge verstand wieso und war froh, weil jemand seine Absicht verstanden hatte.<\/p>\n<p>Lakritz sah in die Ferne und erz\u00e4hlte mir.<br \/>\n\u201eEin junger Mann liebte Kino \u00fcber alles. Er ging jeden Tag dahin und verga\u00df die Realit\u00e4t. Nur dort f\u00fchlte er sich gl\u00fccklich. Eines Tages sah er auf der Leinwand die folgende Szene:<br \/>\nEin junger Mann l\u00e4uft eine von Laternen beleuchtete Stra\u00dfe entlang. Pl\u00f6tzlich bemerkt er rechts von ihm einen Mann, der an einer Ziegelwand lehnt, und langsam, mit tiefen Z\u00fcgen raucht.<br \/>\nDer Mann h\u00e4lt vor dem Raucher ihn frech anstarrend an. Dem Raucher gef\u00e4llt das nicht und er fragt grob:<br \/>\n\u201eWas willst du?\u201c<br \/>\nDer Mann geht zu ihm, ohne zu antworten, und schl\u00e4gt ihn so stark an den Kiefer, dass er ohnm\u00e4chtig umf\u00e4llt. Die einsame Zigarette liegt auf dem B\u00fcrgersteig und qualmt weiter in der Hoffnung, aufgeraucht zu werden. Der Mann beobachtet den Ex-Raucher, dann schleppt er ihn wie einen Kartoffelsack in die Dunkelheit und kehrt zur Zigarette zur\u00fcck, hebt sie auf, lehnt sich an die Wand und raucht.<br \/>\nDas warme Laternenlicht beleuchtet die Wand so gut, dass man seine Struktur, ohne sie anzufassen, sp\u00fcren kann. Der Film ist zu Ende.<\/p>\n<p>Der Mann dehnt sich, steht auf und verl\u00e4sst den Raum. Drau\u00dfen ist es dunkel geworden. Er l\u00e4uft \u00fcber die Stra\u00dfe. Pl\u00f6tzlich bemerkt er einen Mann, der sich rauchend an eine Ziegelwand gelehnt hat.<br \/>\nDer Mann h\u00e4lt vor dem Raucher an und starrt ihn an. Dem Raucher gef\u00e4llt das nicht und er fragt: \u201eWas ist los?\u201c<br \/>\nDer Mann geht zu ihm ohne etwas zu sagen. Der Rest ist schon klar.\u201c Damit beendete Lakritz seine Geschichte und schwieg, aber nach kurzer Zeit sprach er weiter.<br \/>\n\u201eKinematographie ist eine gro\u00dfe Waffe, um die Menschen zu beeinflussen. Das wusste Lenin auch, vom Dritten Reich ganz zu schweigen.\u201c Und er schaute wieder in die Ferne.<\/p>\n<p>Ich beobachtete ihn. Ich wollte schon immer so gro\u00df, d\u00fcnn, sinnlich und ein bisschen neurotisch sein, mit langen Fingern, wie ein Klavierspieler. Die M\u00e4dels schw\u00e4rmen f\u00fcr solche Typen.<br \/>\n\u201eWohnst du hier?\u201c, fragte ich ihn nach einiger Zeit.<br \/>\n\u201eNein\u201c, antwortete er aus seinen tiefsten Gedanken heraus, ohne mich anzusehen, und ich dachte, dass Freunde nicht die jenigen sind, die von einander alles wissen, sondern die, die einander nicht dazu zwingen, etwas von sich zu erz\u00e4hlen. Ich vermutete, dass Lakritz wegen jemandem in der Stadt war, und dieser jemand ihn qu\u00e4lte.<br \/>\n\u201eIch hab irgendwo gelesen\u201c, sagte ich, \u201edass wenn James Dean nicht gestorben w\u00e4re, er statt Marlon Brando in \u201eDer Wilde\u201c den Anf\u00fchrer der Bikerbande gespielt h\u00e4tte.\u201c Meine Worte brachten Lakritz zur\u00fcck. Er sah mich an und zuckte mit den Schultern.<\/p>\n<p>Ein paar Meter von uns entfernt standen zwei M\u00e4dels und glotzten Lakritz an. Eine davon war eine ziemlich sch\u00f6ne Br\u00fcnette. Sie tratschten und lachten ohne Grund, wie es bei den jungen M\u00e4dchen \u00fcblich ist, wenn sie die Aufmerksamkeit eines Jungen gewinnen wollen, aber Lakritz beachtete sie nicht. Dabei wusste ich ganz sicher, dass er sie bemerkt hatte. Er war einfach nicht interessiert und holte eine neue Lakritzstange aus seiner Hemdtasche heraus.<\/p>\n<p>\u201eWillst du?\u201c, bot er mir an, aber ich nahm sie nicht, weil es sein Requisit war.<br \/>\nDie Br\u00fcnette kam auf uns zu, ihre weniger attraktive Freundin folgte ihr verlegen.<br \/>\n\u201eWie hei\u00dft du?\u201c, fragte die Br\u00fcnette Lakritz.<br \/>\nEr sah sie mit schl\u00e4frigen Augen an und antwortete, aber es war ihr nicht genug. Sie wollte herausfinden, ob es sein echter Name war.<br \/>\n\u201eManches ist echt, aber manches auch nicht\u201c, antwortete er und lutschte die Stange.<\/p>\n<p>Sie wurde unsicher und versuchte das Gespr\u00e4ch wieder aufzunehmen. Ihre Freundin bemerkte jetzt mich. Hatte ich Gl\u00fcck&#8230; Die Br\u00fcnette stellte sich dicht zu Lakritz und erhob sich auf die Zehenspitzen.<br \/>\n\u201eDarf ich abbei\u00dfen?\u201c<br \/>\nLakritz sch\u00fcttelte den Kopf.<br \/>\nDie entt\u00e4uschte Br\u00fcnette machte einen Schritt r\u00fcckw\u00e4rts und schwieg, aber die Stille dauerte nicht lange.<br \/>\n\u201eWelches Parfum tr\u00e4gst du?\u201c<br \/>\n\u201eUnisex\u201c, antwortete er ohne jegliches Interesse.<\/p>\n<p>Der Film fing gleich an. Es wurde \u201eMeine Nacht bei Maud\u201c von Rohmer vorgef\u00fchrt. Die M\u00e4dels hatten sich zwischen uns gesetzt, das nervte. Die Br\u00fcnette sa\u00df nat\u00fcrlich neben Lakritz, und ihre Freundin stellte mir dauernd Fragen \u00fcber den Film.<br \/>\n\u201eUnd gef\u00e4llt es dir jetzt?\u201c Sie war richtig emp\u00f6rt.<br \/>\nIch drehte mich kurz zu ihr, um ein kaltes Ja zu sagen.<br \/>\nIn diesem Moment nannte Maud den Charakter von Trintignant einen Idioten, weil er nicht zu ihr kam.<br \/>\n\u201eDu bist auch ein Idiot\u201c, \u00a0h\u00f6rte ich sie zu mir sagen. Sie schaute total aufgebracht nach vorne.<\/p>\n<p>Endlich hatte sie aufgeh\u00f6rt, mit mir zu reden. Ich freute mich, dass ich den Rest des Films ruhig sehen konnte, aber langsam bekam ich schlechtes Gewissen. Eine Frau erweckt dieses Gef\u00fchl in einem Mann sehr leicht.<br \/>\nIch sah sie an und versuchte mit ihr zu kommunizieren.<br \/>\n\u201eF\u00fcr einen Mann ist es sehr schwer, auf eine solch sch\u00f6ne Frau zu verzichten. Es ist eine heldenhafte Tat.\u201c<br \/>\nSie schoss ein \u201ePsst!\u201c nach mir, ohne mich anzusehen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich bemerkte ich, dass die Br\u00fcnette ihren Kopf in Lakritzes Scho\u00df rhythmisch rauf und runter bewegte, aber er guckte den Film ganz entspannt, als ob nichts passierte.<br \/>\nF\u00fcr eine Sekunde sah ich meine \u201eBegleiterin\u201c an, die aus den Augenwinkeln heraus ihre Freundin beobachtete und den Speichel laut runterschluckte.<br \/>\nIch schaute wieder zu Lakritz r\u00fcber. Er bemerkte meinen Blick und l\u00e4chelte mich an.<br \/>\nDie Br\u00fcnette erhob ihren Kopf und fragte ihn.<br \/>\n\u201eWas ist los mit dir?\u201c<br \/>\n\u201eNichts.\u201c Ganz locker antwortete er.<br \/>\n\u201eIch m\u00f6chte auch etwas Steifes in meinem Mund haben\u201c, sagte sie genervt.<br \/>\nIch konnte mir das Lachen kaum verkneifen und sagte.<br \/>\n\u201eEr ist ein Held.\u201c<\/p>\n<p>Die Br\u00fcnette sah mich mit Ekel an, stand auf und schleppte ihre Freundin weg, die mir mit aller Kraft auf den Fu\u00df trat.<br \/>\nLakritz machte seinen Hosenladen zu und setzte sich zu mir.<br \/>\n\u201eFellatio in Filmen, du f\u00e4ngst an.\u201c<br \/>\nIch massierte meinen verletzten Fu\u00df und \u00fcberlegte mir, mit welchem Film ich anfangen sollte.<br \/>\n\u201eDead Man\u201c, sagte ich endlich.<br \/>\n\u201eKen Park.\u201c<br \/>\n\u201eIntimacy.\u201c<br \/>\n\u201eThe Brown Bunny.\u201c<br \/>\n\u201eSubmarino.\u201c<br \/>\n\u201eIm Reich der Sinne.\u201c<br \/>\nDen hatte ich auch nennen wollen, aber jetzt kam mir nichts mehr in den Sinn. Ich verlor.<br \/>\n\u201ePortr\u00e4t in der D\u00e4mmerung\u201c, verpasste mir Lakritz den Gnadenschuss.<\/p>\n<p>\u201eIst ja gut!\u201c<br \/>\nLakritz streichelte mir \u00fcber den Kopf und sagte herablassend:<br \/>\n\u201eEs gibt noch viele &#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als wir rauskamen, verabredeten wir uns f\u00fcr morgen, und unsere Wege trennten sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Giorgi Ghambashidze<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=2020\">drah di ned um<\/a> | Inventarnummer: 18148<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal sah ich Lakritz in meinem Lieblingskino namens \u201eDer Strahl\u201c. 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