{"id":7673,"date":"2018-02-28T08:27:02","date_gmt":"2018-02-28T08:27:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7673"},"modified":"2018-03-03T17:28:10","modified_gmt":"2018-03-03T17:28:10","slug":"baujahr-1967-summer-of-love","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7673","title":{"rendered":"Baujahr 1967 &#8211; Summer of Love"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7673&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7673&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em>geschrieben anl\u00e4sslich von \u00d61-Dimensionen im Sommer 2017<\/em><\/p>\n<p>Ich bin nicht Geburtsbaujahr 67, sondern 48. Aber 1967 war in vieler Hinsicht ein Neuanfang, mein Schritt in die Neue Welt, in die Welt \u00fcberhaupt. So scheint es mir. Nach der Matura begann ich an der Universit\u00e4t Wien Dolmetsch zu studieren, Russisch-Englisch, im Nebenfach Psychologie. Beides ungeliebt, zwei falsche Entscheidungen. \u00dcberhaupt war die ganze Uni eine bodenlose Entt\u00e4uschung, keine Uni-Versit\u00e4t. Nichts von der in den qualvollen Schuljahren ertr\u00e4umten Freiheit.<\/p>\n<p><em>Noch ein Jahr und noch eins, dann bin ich durch und weg. Dann kann mir niemand mehr etwas anhaben. Frei. <\/em>Noch mehr Zwang, und das ohne den relativen Schutz eines kleinen Provinzgymnasiums. Ein gehasstes Studium, obwohl ich Erfolge erzielte, d. h. gute Noten, die mir ein Begabten-Stipendium einbrachten. 500 Schilling pro Semester f\u00fcr den Notendurchschnitt von 1,2. Kein Sozial-Stipendium, dazu waren meine Eltern zu reich, obwohl sie nur kinderreich waren.<br \/>\nSechs Geschwister, von denen vier vor mir studierten. Von Anfang an war ich auf der Suche nach etwas anderem. Sammelte wie ein Hamster das andere, schn\u00fcffelte an vielem herum. Als Halb-Landpomeranze mit eigenwilligen Tr\u00e4umen hatte ich die Illusion, mit dem Dolmetsch-Studium in die UNO an den East River zu kommen. Nebenbei ging ich auf das philosophische Institut und h\u00f6rte Vorlesungen bei den Professoren Mader und Heintel jun. \u00fcber Feuerbach und den jungen Marx. Meistens waren es nur Schreiduelle zwischen sattelfesten Genossen und dem Professor. Mit einem befreundeten Medizinstudenten besuchte ich seine Anatomie-Vorlesungen und Sezier-Kurse. Diese hielt ich nicht lange durch, weniger wegen der zerschnittenen Br\u00fcste, Penisse, Ohren- und Handkn\u00f6chelchen, sondern weil ich Formalin- und Leichengestank nicht vertrug. Die Psychologie war \u00fcberhaupt die gr\u00f6\u00dfte Pleite. Ich d\u00fcrstete nach Freud und bekam Farbenlehre und Statistik.<\/p>\n<p>Da kam im Fr\u00fchjahr ein Rettungsengel geflogen in Form eines Briefes von Freunden meiner Eltern aus New York. Ein Arzt-Haushalt suchte f\u00fcr die behinderten Kinder ein Kinderm\u00e4dchen, eine gro\u00dfe Schwester. Katholisch und Englisch-Kenntnisse waren die einzigen Voraussetzungen. Meine \u00e4lteste Schwester stand kurz vor ihrem Uni-Abschluss und war verlobt. Die n\u00e4chste war mitten in ihrer Ausbildung, die j\u00fcngste noch in der Schule. Also blieb ich, und ich griff zu. Seit den USA-Jahren meiner \u00e4lteren Geschwister wollte ich auch dorthin, in dieses Wunderland. Dem Brief waren zwei gr\u00fcne Scheine beigelegt, 200 Dollar f\u00fcr die Passage. Eine ungeheuerlich gro\u00dfe Summe, ein Dollar war damals 26 Schilling wert. Ich lief durch Wien und suchte in den Reiseb\u00fcros nach den g\u00fcnstigsten Angeboten. Meinen Traum von einer Schiffsreise, mit einem Dampfer \u00fcber den Atlantik, musste ich mir schnell abschminken, stellte sich als unfinanzierbar heraus. Es sollte eine Eisenbahnfahrt nach Luxemburg werden, von dort mit der Billig-Fluglinie Loftleidir nach Island \u2013 sogar eine zwei Tage-Island-Rundreise ging sich noch aus \u2013 und weiter nach New York. Das machte zusammen genau 200 Dollar aus. F\u00fcr das US-Visum musste ich einen Pocken-Impfnachweis vorlegen. Es stellte sich heraus, dass ich als Kind zwar gegen Pocken geimpft wurde, die Immunisierung aber nicht angeschlagen hatte.<\/p>\n<p>Also nachholen. Am Tropeninstitut in Wien wiegte man bedenklich die K\u00f6pfe. Schwierig, gef\u00e4hrlich mit neunzehn. Sie verlangten die Unterschrift meiner Eltern, man war ja damals in diesem Alter noch nicht vollj\u00e4hrig. Dort wieder viel Kopfsch\u00fctteln, aber ich gab nicht auf. Vor der Impfung musste ich meterlange Papiere unterschreiben, die aufz\u00e4hlten, welche schrecklichen Krankheiten bis zur Todesfolge ich bekommen k\u00f6nnte, ohne dass die \u00c4rzte verantwortlich w\u00e4ren. Ich beschwor die Bilder von der Freiheitsstatue, der Skyline von Manhattan, der kalifornischen K\u00fcste und des Grand Canyon. Und Alaska, ich wei\u00df nicht warum. An diesen Gipfeln klammerte ich mich besonders fest und an die Inseln der Beringstra\u00dfe, die Treppenstufen nach Russland.<br \/>\nIch hielt durch. Die Impfung in vier Portionen, das Pockenserum, in den linken Oberarm, und in den linken Oberschenkel das Gegengift, alles sehr schmerzhaft. Nach der Bezahlung und der Aush\u00e4ndigung des begehrten Impfpasses fuhr in mit der Franz-Josefs-Bahn nach Hause. Damals noch eine Stunde. Mehrmals verlor ich fast das Bewusstsein und rutschte von der Bank. Vom Bahnhof Tulln bis zu unserem Haus konnte ich nur noch auf allen Vieren kriechen, die ganze linke Seite hatte keine Kraft mehr. Man brachte mich ins Bett und verarztete mich mit Tee und Eierspeise. Tagelang hatte ich hohes Fieber und konnte mich \u00fcber die Stufen aus dem oberen Stockwerk zum Bad nur ringelnatternartig fortbewegen. Die vier Einritzungen am Oberarm schwollen an und sahen aus wie die Beulenpest \u2013 eitrige, schwellende Dippeln in Gelb-Gr\u00fcn-Schwarz \u2013 und im Oberschenkel schien ein Stein zu liegen. Das Gegenserum hatte sich im K\u00f6rper nicht aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Zu meinem Ungl\u00fcck war es noch dazu Anfang Juni 1967 \u2013 der Sechs-Tage-Krieg war ausgebrochen, Luft- und W\u00fcstenk\u00e4mpfe zwischen Israel, \u00c4gypten und drei anderen arabischen L\u00e4ndern. Die Welt stand in Flammen. Meine Eltern sagten kategorisch <em>nein. Du wirst nicht reisen! Ausgeschlossen! <\/em>Ein bisschen \u00dcbung hatte ich schon; im Fr\u00fchjahr des Vorjahres gab es eine \u00e4hnliche Situation, als ich mit einer Gruppe von Freunden nach Prag reisen wollte.<br \/>\nIn ihrer Kommunisten- und Kriegsfurcht fanden sie das f\u00fcr zu gef\u00e4hrlich.<br \/>\n<em>Da kommt ihr nie wieder und landet in einem sibirischen Lager.<\/em><br \/>\nWir fuhren und erlebten die fr\u00fchen Anf\u00e4nge des Prager Fr\u00fchlings. Offenbar konnte ich sie jetzt \u00fcberzeugen, dass dieser Krieg in der entgegengesetzten Richtung lag. Aber ich vermute, dass sie sich ihren New Yorker Freunden so verbunden f\u00fchlten, dass sie sie nicht entt\u00e4uschen wollten, keine ihrer T\u00f6chter zu schicken. Die L\u00e4hmung im linken Bein lie\u00df ein wenig nach und ich konnte aufstehen und gehen. Daf\u00fcr bl\u00fchten die vier Pocken-Einritzungen im Oberarm immer mehr auf. Das war nicht lustig. Aber ich hatte diesen Traum von Amerika, die Macht der inneren Bilder. Die Beulen konnte ich irgendwie verheimlichen, sodass ich an einem der letzten Juni-Tage leibhaftig im Nachtzug nach Luxemburg sa\u00df.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft sitzen, ich lag in einer Viererkoje, hatte hohes Fieber und mir war ununterbrochen schlecht. Echt krank. Verschwommene Erinnerungen an den Bahnhof K\u00f6ln, umsteigen im Morgengrauen und durch das Moseltal nach Luxemburg. Die angeblich so lieblichen Flusswindungen verst\u00e4rkten nur meine \u00dcbelkeit. Im Grand Parc du Luxembourg hing ich den ganzen Tag auf B\u00e4nken herum, hundeelend und halbohnm\u00e4chtig, den Koffer immer fest im Griff. Ich wartete auf den Abflug meiner Maschine nach Reykjavik sp\u00e4t am Abend. Dass es da und dort Warter\u00e4ume mit Gep\u00e4ckaufbewahrung gab, kam mir nicht in den Sinn, noch v\u00f6llig unge\u00fcbt im Reisen. Meine weitesten Reisen bis dahin waren nach M\u00fcnchen gegangen, mit Zwischenstation in Salzburg, im S\u00fcden Grado und im Westen Innsbruck. Das war mein erfahrener Weltradius damals.<br \/>\nIm Flugzeug \u2013 meine erste Flugreise nat\u00fcrlich \u2013 sa\u00df ich neben einem Amerikaner. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch. Sehr charmant. Sehr fesch. Michael aus Florida, stellte er sich vor, Kampfpilot im Korea-Krieg und auch jetzt noch bei der Army, derzeit in Florida stationiert. Der Korea-Krieg fing 1950 an, also musste er mindestens 37, 38 sein, rechnete ich schnell nach, f\u00fcr mich mit 19 alt, uralt, fesch und charmant zwar, aber auch im ges\u00fcndesten Zustand unvorstellbar. Aber ich war ja ohnedies die ganze Zeit hin\u00fcber.<\/p>\n<p>Im Flughafen-Hotel von Keflavik das gleiche Elend. Ein Zimmer im siebenten Stock, so hoch war ich noch nie gewesen, au\u00dfer auf Bergen. Schwindel, Fieber und Erbrechen. Beim &#8222;Swedish Table- Seven Rounds- all inclusive\u201c \u2013 so stand es auf dem Voucher \u2013 traf ich Michael wieder. Er war schon fr\u00f6hlich beschwingt bei seiner vierten Runde. Ich schaffte nicht einmal eine von den unz\u00e4hligen Vorspeisen, die endlos gro\u00dfen Platten verschwammen vor meinen Augen, dass mir schwindlig wurde und alles zu kreisen begann. Die Schalen, Sch\u00fcsseln und Tassen mit Saucen schienen mir um die Ohren zu fliegen, so dass sich der Magen wieder umdrehte. Ich st\u00fcrzte zur\u00fcck auf mein Zimmer. Wie habe ich es gefunden? Vielleicht hat mich auch jemand vom Personal begleitet.<br \/>\nWie er hereinkam, wei\u00df ich nicht mehr. Als er mich auf dem Bett aus meinem hellblauen Kost\u00fcmchen zu sch\u00e4len versuchte, leistete ich Widerstand. Meine katholische Erziehung wirkte nachhaltig, ich war kein lustiger Teenager, sondern ein ernstes M\u00e4dchen mit hochfliegenden Pl\u00e4nen.<\/p>\n<p>Von den Ausfl\u00fcgen zu den Geysiren, Wasserf\u00e4llen, Gletschern und Vulkanen ist kaum etwas in Erinnerung geblieben. Einzig der Blick von einer Steilklippe aus, die vulkanische Geburt einer neuen Insel, davon habe ich eindr\u00fcckliche Bilder und Empfindungen. Wie das Ausatmen eines riesigen, unterseeischen Tieres spie das Meer schwarze Gesteinsbrocken in die Luft, da pfauchte, rauschte, toste, polterte, spritzte es und stie\u00df Font\u00e4nen aus, und das in so gleichm\u00e4\u00dfigen Intervallen, als w\u00e4re das Schauspiel von einem verl\u00e4sslichen Kraftwerk nach der Uhr gestellt. Ich erinnere mich noch an die streng schwefelhaltige Luft und an das kochende, wei\u00df-sch\u00e4umende Meerwasser.<\/p>\n<p>Es war der 4. Juli 1967, als ich in New York ankam und von meiner neuen Familie empfangen wurde. Die Stadt irre hei\u00df und schw\u00fcl, humid, ein feuchter Backofen, keine Luft zum Atmen, ein steinharter Fetzen legte sich einem auf die Brust. Eigentlich wollten mich die Wagners direkt zu den Feierlichkeiten zum Unabh\u00e4ngigkeitstag f\u00fchren, ich musste aber eingestehen, dass es mir gar nicht gut ging, sorry, really sick. Zum Erbrechen gab es nichts mehr in meinem K\u00f6rper, so schaffte ich es, in ihrem Cadillac versunken, einigerma\u00dfen manierlich den Hudson-River aufw\u00e4rts, durch New Jersey \u00fcber den Palisades Parkway, nach New City bei White Planes, Upstate N.Y., wo die Wagners lebten. Ich bekam kaum etwas davon mit.<br \/>\nEin verwischter Film vor den Autofenstern bis zu 189 Little Tor Road North. Was mussten sie denken, welch krankes V\u00f6gelchen sie sich eingehandelt hatten. Mr. Wagner war Chirurg, Krebsspezialist und Vice-President der Medical Society of Surgeons von New York, ein gro\u00dfes Tier. Mein Oberarm mit den schwarz-bl\u00e4ulich-gelben Blasen wurde behandelt, immer wieder abgetupft, betr\u00e4ufelt und bandagiert. Ich hatte in diesem \u00c4rztehaushalt die h\u00f6chste Pflegestufe, denn ich kochte gerade wirklich die Cholera aus. So lag ich d\u00e4mmernd im rundum rosa M\u00e4dchenzimmer der \u00e4ltesten Tochter Kathleen, genannt Kit. Ich war keine Hilfe, kein Kinderm\u00e4dchen f\u00fcr die zwei Kleinen und der kranken Mrs Wagner keine Unterhaltung, nur ein H\u00e4ufchen Elend aus Good Old Europe. Um Gottes Willen, es musste ihnen geschienen haben, als sei ich gerade noch aus der Quarant\u00e4nestation von Ellis Island entkommen.<\/p>\n<p>Richard-Dick war sieben und retarded, also zur\u00fcckgeblieben, die vierj\u00e4hrige Amy mit multiple palsy, halbgel\u00e4hmt, durch einen Gehirnschaden bei der Geburt. Zwei Kinder waren gestorben, nur die achtzehnj\u00e4hrige Kit war gesund und studierte in Boston. Ich war nicht angestellt wie die beiden Hausm\u00e4dchen, sondern als Haustochter aufgenommen, und f\u00fcr Mrs Wagner ein kleiner Trost f\u00fcr die Abwesenheit ihrer Tochter.<\/p>\n<p>Sie verziehen mir alles. Diese grenzenlose Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Geduld und Aufnahmebereitschaft der Familie Wagner\/Finkernaegel, sie schlug mir in jedem Moment entgegen. Mr Wagner hatte deutsche Vorfahren, seine Frau Vera niederl\u00e4ndische. Der Michael aus dem Flugzeug war beharrlich, er kam immer wieder vorbei und warb um mich. Er meinte es ernst, wollte mich heiraten, ernstlich, nach Florida entf\u00fchren und mindestens drei Kinder bekommen. Er hatte einen guten Job in der Armee, k\u00f6nnte mich und die Familie leicht ern\u00e4hren und uns ein angenehmes Leben bieten. Einzig, wir w\u00fcrden vielleicht \u00f6fters \u00fcbersiedeln m\u00fcssen, in alle Welt, wohin die Army ihn eben schickte.<br \/>\nAls ich endlich die fatale Wiener Pockenabwehr \u00fcberwunden hatte, normal aufstehen, gehen und essen konnte, wollte mich meine Gastfamilie endlich nach New York City ausf\u00fchren. Aber inzwischen waren in New Jersey die schlimmsten Rassenunruhen ausgebrochen. Tagelang auf den TV-Schirmen nichts anderes als Stra\u00dfenschlachten in Newark und Jersey City, brennende H\u00e4user, Schl\u00e4gereien, Pl\u00fcnderungen und Polizeiexzesse. Auch in Detroit und Chicago. Diese Bilder waren immer und \u00fcberall pr\u00e4sent, liefen Tag und Nacht samt Wiederholungen von dem brutalen Polizeieinsatz am \u201eBloody Sunday\u201c im M\u00e4rz 1965 gegen den Menschenrechtsmarsch von Selma nach Alabama. Gouverneur George Wallace lie\u00df die friedlichen Marschierer von der lokalen Polizei brutal verpr\u00fcgeln und mit Wasser und Tr\u00e4nengas auseinandertreiben.<\/p>\n<p>Man konnte auf der Autobahn, dem Palisades Parkway, nicht von New City und White Planes nach New York kommen. Der Garden State New Jersey stand in Flammen. Newark war weitr\u00e4umig gesperrt. Wir sa\u00dfen den Rest des Juli in New City fest. So hielt diese Seite des realen Amerika bei mir Einzug.<br \/>\nDas Haus der Wagners hatte damals neun TV-Ger\u00e4te, vom Living Room \u00fcber die Schlaf- und Kinderzimmer bis in die Garagen, die Werkstatt des Hausherrn und in die Zimmer der zwei norwegisch-schwedischen Hausm\u00e4dchen. Man schien sie zu kaufen wie andere Haushalte ihre Klopapierrollen. Bei uns zu Hause war gerade nach heftigen Grundsatzdiskussionen das erste Leihger\u00e4t hereingekommen und dem Vater vorbehalten, damit er f\u00fcr mehrere Zeitungen seine TV-Kritiken und sonstige Artikel schreiben konnte.<\/p>\n<p>Irgendwann beruhigte sich die Lage in New Jersey wieder, bzw. war im TV zu sehen, wie die Aufst\u00e4nde von der Polizei niedergekn\u00fcppelt und im Tr\u00e4nengas aufgel\u00f6st wurden. Zwischen den abklingenden Fiebertr\u00e4umen meinte ich auf einem anderen Planeten zu leben.<br \/>\nMeine Gastfamilie brachte mich tats\u00e4chlich nach New York City, wo wir auf der 49th Street die beste Freundin der Wagners trafen. Mrs Friedman, die bald meine beste Freundin wurde, Louise eine Emigrantin aus London, wie mir die Wagners erkl\u00e4rten, eine K\u00fcnstlerin, die erste emanzipierte Frau meines Lebens. Eine Au\u00dferirdische. Auf Wunsch von Kit wurde beschlossen, mich auf dem Broadway in ein Movie auszuf\u00fchren, und sie w\u00e4hlten einen f\u00fcr mich passenden Film, \u201eSound of Music\u201c mit Julie Andrews in der Hauptrolle als Baronin Maria August von Trapp. Kit konnte die Songs und Dialoge auswendig, sie sang und sprach mit. Edelweiss, Edelweiss, every morning you greet me, \u2026.. Sie hatte den Film schon f\u00fcnfmal gesehen, weinte noch immer \u00fcber die Schnulze und strahlte mich gl\u00fccklich an. <em>How lovely, Austria is so beautiful! You are lucky.<\/em><\/p>\n<p>Ich fiel beinah von einer Ohnmacht in die andere, wie wild die Schaupl\u00e4tze, die Landschaften zusammengeschnitten waren. Julie Andrews lief aus dem Stadtschl\u00f6sschen in Salzburg raus auf eine Wiese und schmetterte im n\u00e4chsten Bild hoch \u00fcber der Burg von Werfen ihren n\u00e4chsten Song, gleich danach sa\u00df sie am Rande des Krimmler Wasserfalles und h\u00fctete die angeheiratete Kinderschar, die im n\u00e4chsten Bild entlang des Wolfgangsees wandernd ihre Liedchen tr\u00e4llerte. Ich kannte das Salzkammergut seit Kindestagen sehr gut, hatte aber vom Filmschnitt keine Ahnung. Ich f\u00fchlte mich herumgeschleudert wie in einer Hochschaubahn, schwindlig, bl\u00f6d im Kopf und schlecht im Magen.<br \/>\nAls n\u00e4chsten Programmpunkt hatten meine Gastgeber den Besuch in einem Wienerwald-Restaurant vorgesehen, wo sie mir Schnitzel mit mashed potatoes, Bratensauce, Ketchup und Mayo vorsetzten. Oh Wunder \u2013 mein erstes Coca Cola. Weder meine Augen noch meine Ged\u00e4rme vertrugen das. Ich erinnere mich an mein Staunen \u00fcber den Palast der Toiletten im Untergescho\u00df, in das mich Kit begleitete. Ich musste passen und freute mich auf den Apfelstrudel. Aber was kam da auf den Tisch? Ein Riesenteller, auf dem der angebliche Apfelstrudel unter einem Berg von Vanilla Ice Cream und einer Haube Schlagobers nicht zu sehen war, geschweige denn zu schmecken. Erst bei einem Spaziergang \u00fcber den Times Square zum George Washington Platz in den Central Park kam ich wieder einigerma\u00dfen zu mir und schaffte die R\u00fcckfahrt, ohne auff\u00e4llig zu werden.<\/p>\n<p>Trotz des schlechten Einstands wurde ich schnell zu einer New-York-Liebhaberin, besuchte oft Mrs Friedman, bald f\u00fcr mich Louise, die mich mit ihrem alten Volkswagen herumkutschierte. Sie f\u00fchrte mich zu allen ber\u00fchmten Orten, in die Museen, auf die M\u00e4rkte und zeigte mir die no go areas. Viel mehr als Manhattan hat man mir nicht erlaubt. Als ich das \u00f6ffentliche Verkehrsnetz der nicht verbotenen Viertel intus hatte und einige Male mit dem yellow cab gut und richtig angekommen war, erlaubte man mir, allein den Schnellbus von White Planes nach N.Y. zu nehmen.<\/p>\n<p>Michael aus Florida kam mich mehrmals besuchen. Er lie\u00df nicht locker, ich sei die erste Frau, die er wirklich heiraten wollte. Die Wagners \u2013 stramme Katholiken \u2013 waren wunderbare Gastgeber und empfingen ihn freundlich, brachten es aber zustande, uns nie allein zu lassen. Bei den Ausfl\u00fcgen nach New York war die zarte Louise, dicht zwischen uns, unser watchdog.<br \/>\nIrgendwann im Herbst hat Michael sein Interesse an mir verloren und schickte mir eine Einladung zu seiner Hochzeit mit einer ihm gleichaltrigen Kubanerin Maria in Orlando. Ich w\u00e4re gerne nach Florida gefahren, aber Vera ging es immer schlechter, sie verlor den letzten Schatten ihres Augenlichts, konnte kaum mehr aufstehen und brauchte einmal pro Woche eine Dialyse. Zur st\u00e4ndigen Betreuung kam eine irische Krankenschwester ganz ins Haus. Moira.<br \/>\nIn kultureller Hinsicht wurde ich nicht nur mit <em>Sound of Music <\/em>beschenkt, sondern ich lernte erstmals die Beatles kennen, gerade als sie sich als Band aufl\u00f6sten, die Rolling Stones, Bob Dylan, Bob Marley und andere Musiker, die bald danach in Woodstock ber\u00fchmt werden sollten und viele Produkte aus Hollywood, die bisher an mir vorbeigegangen waren.<\/p>\n<p>Bei jedem Besuch in New York City f\u00fchrte mich Louise in ein Museum, ins Kino oder eine Broadway-Revue, meistens war es Radio City Music Hall, hier h\u00f6rte ich auch das erste Konzert, in dem Leonard Bernstein dirigierte und den Kindern klassische Musik erkl\u00e4rte. Unerh\u00f6rt bei uns, dass ein Dirigent sprach, noch dazu zu unruhigen Kindern. Mit der \u00dcberheblichkeit der Jugend staunte ich \u00fcber Louises Begeisterung f\u00fcr die Moderne: Sie ging bei Keith Haring, Andy Warhol und Yoko Ono ein und aus und besuchte schwarze Untergrundtheater und gay shows. Davon sprachen wir aber vor den Wagners nichts. Obwohl wir uns einmal fast verplapperten bei der Besprechung des Skandals, den der Anschlag der Fundamental-Feministin Valerie Solana auf Andy Warhol verursacht hat. Er schloss dann seine Factory, die bis dahin jedem Kunstinteressierten offengestanden war. Viel sp\u00e4ter erst erfuhr ich, dass sie ehrenamtlich an verschiedenen sozialen Einrichtungen Kunst- und Literaturunterricht gab.<\/p>\n<p>An den East River, in die UNO, kam ich erstmals nicht als Dolmetsch, sondern als Touristin. Als ich einmal auf der Besuchergalerie der Er\u00f6ffnung der Sitzungsperiode beiwohnen durfte, wurde mir klar, dass ich als Dolmetsch nie das erleben w\u00fcrde, was mich an der UNO interessierte. Lyndon B. Johnson war US-Pr\u00e4sident, den ich so sehr hasste, weil er meinen geliebten Jugendhelden John F. Kennedy beerbt hatte, als h\u00e4tte er ihn umgebracht.<br \/>\nIn der Kultur des amerikanischen Alltags unterrichtete mich Kit. Wortlos, ohne Vorwurf oder Erkl\u00e4rung stellte sie mir ein Set mit Rasierapparaten und Pedik\u00fcrinstrumenten f\u00fcr Frauen ins Badezimmer, einen Schminkkoffer, Batterien von Sprays, Dosen mit K\u00f6rperpuder und eine Riesenpackung mit Tampons hin, alles Novit\u00e4ten f\u00fcr mich, die erzogen war in dem Glauben, dass die Natur Sch\u00f6nheit schafft und Sch\u00f6nheit aus Natur besteht. Die Botschaft habe ich verstanden, ich war f\u00fcr sie ein niedliches, n\u00fctzliches, aber unappetitliches und unkultiviertes Stinktier. Ich stie\u00df einmal eine volle Puderdose um, what a mess, dieser allerfeinste Staub lie\u00df sich nie wieder ganz beseitigen.<\/p>\n<p>Im August fuhren wir zu sechst im Cadillac f\u00fcr zwei Wochen durch den ganzen Upstate nach Kanada, in Montreal hatte die Expo aufgemacht. Ich kann mich an wenig erinnern; die Kinder strebten nach den Disneyland-Attraktionen, ich konnte mich kaum vom israelischen Pavillon, dem L\u2018Habitat, losrei\u00dfen. Da bekam ich die erste Ahnung von moderner Architektur. Die meisten meiner damals geschossenen Fotos zeigen verwackelte Aufnahmen vom Habitat. Erst sp\u00e4ter erkl\u00e4rte mir Louisa die Zusammenh\u00e4nge: wie gut sich die israelischen Architekten in die Wohnanlagen der amerikanischen Ureinwohner einf\u00fchlten und damit etwas weltweit Neues und Sensationelles schufen. Damals wollte ich Architektin werden, noch nie hat mich ein Bauwerk so beeindruckt. Aber mein Einblick in die Welt war damals noch sehr schmal.<br \/>\nAnsonsten sind mir nur das Luxus-Hotel im Palais Royal und die Schifffahrt auf dem St. Laurent River in Erinnerung, gro\u00df und endlos wie ein Meer. Das Highlight f\u00fcr die Kinder kam dann in Cooperstown, einem k\u00fcnstlich aufgebauten St\u00e4dtchen mit Figuren und Szenen aus dem Buch von James Fenimore Cooper \u201eDer letzte Mohikaner\u201c, der Klassiker der amerikanischen Jugendliteratur, der aus der Nachbarstadt Burlington stammte. Eine ganze Stadt als Themenpark \u2013 das gab es damals noch nicht in Europa.<\/p>\n<p>Ein Disneyland f\u00fcr die Ausrottung der Indianer, deren Ungeheuerlichkeit mir damals nicht bewusst war und wor\u00fcber mir erst Louis die Augen \u00f6ffnen musste. Es war nat\u00fcrlich Kitsch pur, aber sehr gut gemachter Kitsch. Zu half term spendierten mir die Wagners eine Reise nach Boston zu Kits College. Im Oktober durften wir gemeinsam per Bahn nach Washington DC fahren. Als Kit zu Thanksgiving nach Hause kam, lud mich Louise zu einer Autofahrt durch Massachusetts, Connecticut und Vermont ein, auch noch ein St\u00fcckchen von der Maine-K\u00fcste nahmen wir mit, mein Wunsch, wegen Moby Dick. Ich war damals noch so romantisch und naiv, dass ich immer die Originalschaupl\u00e4tze sehen wollte, als k\u00f6nnte man damit mehr \u00fcber die Literatur erfahren, sie intensiver erleben. Louises Hauptaugenmerk lag nicht so sehr auf den wunderbaren Landschaften in den Feuerfarben des Indian Summer, sondern auf den Writer\u2018s Homes, von Melville, Thoreau, Hawthorne, Poe, Irving und vielen anderen Schriftstellern, die von der Ostk\u00fcste kamen oder dort lebten. Da erst erfuhr ich, dass sie vom Unterricht an einem privaten, j\u00fcdischen M\u00e4dchen-College ihren Lebensunterhalt bestritt. Unterwegs, auf den langen Autofahrten, rezitierte sie Gedichte von Walt Whitman und short stories von Dorothy Parker oder deren ber\u00fchmte Bonmots.<\/p>\n<p>Ich unterhielt sie mit Dostojewski, Kafka und den eigenen Familiengeschichten. In Nantucket machten wir im Motel \u201ePequod\u201c Halt. Wir teilten ein Zimmer mit Bad. Da sah ich an ihrem linken Unterarm eine eint\u00e4towierte Nummer. Sie zog den Bademantel sofort herunter, aber ich hatte sie gesehen, es gab kein Ausweichen mehr. Sie war nicht immer Louise Friedman gewesen, sondern urspr\u00fcnglich Honza Kvetova aus Prag. Sie war mit K\u00fcnstlern befreundet, von denen ich meistens nicht einmal die Namen kannte: Dorothy Parker, Carson McCulllers, Auden, Isherwood, Britten, Dali. Kurz nach ihrer Emigration hatte sie sogar eine Zeitlang in der K\u00fcnstlerkolonie February House in Brooklyn Heights gelebt. Parker war drei Wochen vor meiner Ankunft gestorben, McCullers erst vor wenigen Tagen, Louise war bei ihrem Begr\u00e4bnis. Sie ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich amerikanische Literatur studierte.<br \/>\nWer hat je als Au-Pair-M\u00e4dchen eine solche Gro\u00dfz\u00fcgigkeit erlebt? So ein Gl\u00fcck, ins Luxus- Nest zu fallen. Die Wagners, die Finkernaegels und Louise hatten den perfekten Weg gefunden, mich zu einer gl\u00fchenden, patriotischen Amerikanerin zu machen.<br \/>\nSobald ich mich in meiner Gastfamilie und der Communitiy als n\u00fctzlich und bei den Kindern als beliebt erwies, war es nicht schwer durchzusetzen, dass ich einen Tag in der Woche frei bekam, um an der Columbia ein Gaststudium zu absolvieren, A Survey of American Literature. Nat\u00fcrlich auf Louises Rat hin.<\/p>\n<p>Die lokale Highschool lud mich wie viele andere Ausl\u00e4nder an ihrem International Day ein, \u00fcber meine Heimat zu sprechen und sie vorzustellen. Ich lie\u00df mir schnell mein letztes Dirndl (sch\u00f6ner als das von Julie Andrews, alias Maria-Augusta Trapp) schicken und f\u00fchrte den Donauwalzer vor, meine Tanzpartnerin war eine Japanerin im Kimono. Woraufhin, wei\u00df ich nicht mehr, jedenfalls bot man mir an, in der letzten Klasse einen Kurs \u00fcber \u201eEuropean History\u201c zu halten. Als g\u00e4b\u2018s so etwas. Zwei Dinge beeindruckten mich, waren etwas vollkommen Neues f\u00fcr mich: Die Sch\u00fcler bekamen vom Lehrer keine langweiligen Frontalvortr\u00e4ge geboten, sondern nur ein Grundger\u00fcst an Fakten und als Aufgabe Fragestellungen, die sie mit einem selbst\u00e4ndigen Essay beantworten mussten. Sie hatten den Kurs \u2013 class \u2013 lange vorher ausgew\u00e4hlt und sich eigenst\u00e4ndig mit Materialien aus der reich best\u00fcckten Schulbibliothek vorbereitet. \u201eInverted Classroom\u201c nannte man das. Die class mit zw\u00f6lf students wurde noch in drei Kleingruppen unterteilt, die die Quellen gemeinsam bearbeiteten.<br \/>\nDas Studium ging also der Wissensaufnahme voraus. Wie viele Generationen von Sch\u00fclern und Studenten w\u00fcrden bei uns noch durch Frontalunterricht besch\u00e4digt werden? Wie wir bei unserer kleinen, alten Geschichtsprofessorin, die die ganze Stunde die Tafel mit Namen und Jahreszahlen vollschrieb oder aus einem Buch vorlas, was wir mitschreiben und auswendig lernen mussten. So endete unser Geschichtsunterricht mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Stimmt nicht ganz, sie betrauerte noch den Tod von Kaiser Franz Joseph im November 17.<\/p>\n<p>Am liebsten w\u00e4re ich in die Schule eingetreten, um diese Bibliothek ben\u00fctzen und einen solchen \u201eAnti-Unterricht\u201c genie\u00dfen zu d\u00fcrfen. Auf der anderen Seite setzte mich in Erstaunen, dass ich mit meinem Matura-Wissen recht gut durch die Unterrichtsstunden kam. Das erste Semester war dem \u201eEuropean Enlightenment\u201c gewidmet. Wow! Ich brachte die Sch\u00fcler, die schon ab sechzehn an der Highschool respektvoll students genannt wurden, zum Lachen mit meinem Haupthelden Kant, den sie nat\u00fcrlich als can\u2018t verstanden. Der sollte Erleuchtung bringen?<\/p>\n<p>Die Finkernaegel- Gro\u00dfeltern waren nicht orthodox, besuchten aber jeden Sabbat eine Synagoge in Newark, nach New York die gr\u00f6\u00dfte j\u00fcdische Gemeinde. Mr Finkernaegel hatte in der Versicherungsbranche ein Verm\u00f6gen gemacht und stiftete einen Lehrstuhl in Tel Aviv. Ich fuhr mit den Wagners am Sonntag in die katholische Kirche von New City, dann gab es zu Hause Lunch, Barbecue oder Dinner. Das war ein heiliges Ritual, der Familienzusammenhalt das Wichtigste im Leben.<br \/>\nF\u00fcr mich war klar, dass ich von hier nie wieder weggehen wollte. Ich war im Himmel angekommen, im Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten! Ich liebte Amerika. \u00d6sterreich, Familie, Studium waren hinter dem Horizont von Long Island verschwunden, f\u00fcr immer, wie ich hoffte. Gro\u00dfes Wort Heimat, ein Ort, an dem ich angekommen bin, den ich mir erwerben und aneignen konnte.<\/p>\n<p>In der Spezial-Vorschule der kleinen Amy lie\u00df ich mich in der Betreuung von Behinderten anlernen, sodass ich sie auch zu Hause nicht nur betreuen, sondern auch f\u00f6rdern konnte. In kurzer Zeit war sie ihre Windeln los, der kriechende Wurm richtete sich auf und wurde gezielter in den Bewegungen. Und Wunder, sie sprach die ersten verst\u00e4ndlichen Worte aus. Richard-Dick, dessen retardedness die verliebten Eltern nicht wahrhaben wollten, hatte mit seinen sieben Jahren schon f\u00fcnfmal Kinderg\u00e4rten und Vorschulen gewechselt. Schlie\u00dflich schlug ich vor, ihn zu Hause zu unterrichten, was voll einschlug.<\/p>\n<p>Die Kinder kannten nichts anderes als ihre kranke Mutter, eine Serie von wechselnden, fremdsprachigen Hausm\u00e4dchen und einen fernen Vater, der Tag f\u00fcr Tag im Krankenhaus acht- bis zehnst\u00fcndige Operationen vollbrachte. Nebenbei f\u00fchrte er noch eine soziale Gemeinschaftspraxis f\u00fcr Unversicherte.<br \/>\nMrs Vera Wagner-Finkernaegel war erst vierzig, litt aber seit Kindestagen an Diabetes und war, als ich ankam, wegen der langj\u00e4hrigen Insulingaben schon fast erblindet. Jeden Tag kam eine nurse f\u00fcr Spritzen, K\u00f6rperpflege und Gymnastik. Sie konnte nur noch hell und dunkel unterscheiden, so stand ich auch ihr zur Seite. Sie mochte es, wenn ich ihr ihre Lieblingsromane vorlas, Madame Bovary und Gone with the Wind, sie nannte mich Schatzken oder ma cher Veronique in vielen Variationen. Weil von den Amerikanern niemand Vroni aussprechen konnte, machte sie mich zuerst zu Roni, dann wurde ich in Veronica umgetauft, was ich annahm und bis heute blieb.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Haushalt waren zwei M\u00e4dchen aus Norwegen und Schweden zust\u00e4ndig, Selma und Solveig, beide etwas \u00e4lter als ich und fast ohne Englisch-Kenntnisse. Aber sehr h\u00fcbsch und t\u00fcchtig. Es wurde vieles ausgelagert. Selma und Solveig mussten mehr organisieren und koordinieren als selbst putzen und kochen. F\u00fcr die Teppiche kam ein Service, ebenso wie f\u00fcr die Vorh\u00e4nge, Kleidung, Daunen und Bettmatratzen, ein Team extra f\u00fcr den Swimmingpool und eine Firma f\u00fcr die Abf\u00e4lle. Auch das Essen brachte oft ein Service. Zwei G\u00e4rtner hielten das weitl\u00e4ufige Grundst\u00fcck in Ordnung, englischer Gartenstil, ein Mechaniker f\u00fcr den Autopark, an Samstagen kamen zwei, weil Mr Wagner gern bastelte und mit ihnen fachsimpelte. Sie werkelten in dem weiter hinten im Garten liegenden barn, einer ausgebauten Scheune, ein M\u00e4nnerkinderspielplatz. Als Maskottchen hielt sich Bob ein Motorrad, eine alte Triumph, mit der er in voller Montur \u00fcber sein Grundst\u00fcck kurvte. Das war seine Entspannung von dem anstrengenden Job in der City. Automechaniker sind die wahren Chirurgen, war sein Leibspruch. Ich sah Vera am Fenster ihres Zimmers stehen und Tr\u00e4nen lachen aus den tr\u00fcben Augen.<\/p>\n<p>Bob ist mit seinem Bike noch nie auf einer Stra\u00dfe gefahren.<br \/>\nVeras Maskottchen dagegen war eine German-Dackel-Dame, das viel geliebte Gretchen-Gr\u00e4tschn, Libling genannt. Ich hatte damals noch keinerlei Hundeerfahrung und war anfangs angewidert von dem, was sie dieser rostbraunen Walze auf vier kurzen Beinchen alles erlaubte. Sie lag mit ihr im Bett, a\u00df mit ihr vom selben Teller, Vera f\u00fctterte sie und schmuste mit ihr, dann schlief Libling-Gr\u00e4tchen bei ihr auf der angekleckerten Seidendaunendecke ein und schnarchte dabei wie die betrunkene Witwe Bolte. Aber dieses Tier war offenbar klug und einf\u00fchlsam und erf\u00fcllte auf seine Weise Veras Bed\u00fcrfnisse, viel besser als wir Menschen. Sie hielt sich immer nahe an ihren F\u00fc\u00dfen, stupste sie mit der Nase an den Kn\u00f6cheln an und lenkte sie so auf allen Wegen durch das Haus. Ein Blindenhund auf Kn\u00f6chelh\u00f6he. Perfect!<br \/>\nDie Gasteltern \u00fcberreichten mir gleich nach meiner Ankunft die Autoschl\u00fcssel zu Kits Buick und eine Brosch\u00fcre von zwanzig kleinen Seiten f\u00fcr die Pr\u00fcfung zur driver\u2018s licence. Die amerikanischen Teenager machten mit sechzehn den F\u00fchrerschein.<\/p>\n<p>Ich zog es aber vor, zu Fu\u00df zu gehen. So schob ich fr\u00f6hlich Amys Kinderwagen eine Meile zu ihrer Schule die Stra\u00dfe entlang. Ich redete auf sie ein, sang ihr Liedchen vor, zeigte ihr die schwarz-wei\u00df gestreiften Stinktiere, skunks, die roten Eichkatzerl, squirrels, und die V\u00f6gel, Elstern, magpie, unterwegs. Im Indian Summer waren die B\u00e4ume besonders sch\u00f6n. Ihre Namen musste ich selbst erlernen, maple tree, wir memorierten sie gemeinsam und sammelten bunte Bl\u00e4tter und Fr\u00fcchte. Ein Fu\u00dfg\u00e4nger \u2013 noch dazu eine Frau mit Kinderwagen \u2013 war auf einer amerikanischen Landstra\u00dfe so ungew\u00f6hnlich und auff\u00e4llig wie ein Au\u00dferirdischer, dass alle Autofahrer anhielten und fragten, ob etwas passiert sei und ob sie uns helfen k\u00f6nnten. Einen Abschnitt mochte ich besonders, wenn die B\u00e4ume den Blick auf den Hudson River freigaben, wo die ausrangierten Schiffe der Navy geparkt waren. Ich war begeistert von der Liebensw\u00fcrdigkeit und Hilfsbereitschaft der Amerikaner, konnte mir aber nach den TV-Bildern aus Newark vorstellen, dass es nicht \u00fcberall so zuging.<\/p>\n<p>Menschenfreundlichkeit ist eine Klassenfrage und abh\u00e4ngig vom Konto und vom Wohnort. Muss man sich leisten k\u00f6nnen, das war eine der ersten Lektionen im godblessed country.<br \/>\nSelma und Solveig schupften mit Leichtigkeit das riesengro\u00dfe Haus, die elf Zimmer auf drei Ebenen. Sie erlernten von Vera die amerikanische K\u00fcche, bei deren Lektionen ich als \u00dcbersetzerin diente. M\u00e4\u00dfig erfolgreich. Wir haben hier bei uns die Vereinten Nationen im Kleinen, scherzte sie, die verstehen sich ja auch nicht immer. Die Skandinavierinnen brachten mir f\u00fcr immer bei \u2013 jeg elskedek \u2013 I love you \u2013 ich liebe dich. Sorry, Selma und Solveig, hab\u2018s noch nie angewendet.<\/p>\n<p>Einmal meinte die franz\u00f6sisch angehauchte Vera, es sollte Cr\u00eapes zur Nachspeise geben. Ich verstand Krebs, dachte zuerst an cancer \u2013 sprach sie vom Job ihres Mannes, dem Krebsspezialisten? \u2013 wunderte ich mich kurz, holte aber doch die tiefgefrorenen Hummer aus dem K\u00fchlschrank und warf sie ins kochende Wasser. Dann, fein angerichtet mit Zitrone, Dille, Mayonnaise und Senfsauce nach skandinavischer Art. Die \u00fcberaus h\u00fcbsche Selma \u2013 sie hatte sogar eine Uniform daf\u00fcr \u2013 war f\u00fcrs Auftragen zust\u00e4ndig, die weniger h\u00fcbsche Solveig hantierte in der K\u00fcche. Vera r\u00fcmpfte sofort die Nase ob des unerwarteten Geruchs, aber sie schmierte mit ihren tastenden H\u00e4nden doch jam und maple sirup darauf. Was f\u00fcr eine Blamage. Robert-Bob Wagner l\u00f6ste alles mit seinem Lachen auf. Wir sind eben die vereinten Nationen. Niemand wurde beschuldigt, niemand bestraft. Aber ich sah, wie Vera litt. So schwer ist interkulturelles \u00dcbersetzen. Mein Englisch klang britisch, wie ich es von meinem Professor Wollman im Gymnasium gelernt hatte. Die Wagners liebten alles Europ\u00e4ische und stellten mich immer als our little Brittaine vor, weil ich einen britischen Akzent hatte, den sie cute, sweet und lovely fanden, und ich bisquits anstatt coockies sagte und cinema anstatt movies.<\/p>\n<p>Damals wollte ich keine UNO-Dolmetscherin mehr werden, sondern nur eine perfekte K\u00f6chin und die Sprache lernen \u2013 american as an apple pie. Zuerst wurde ich aber nur dick. Nicht nur, weil ich neugierig genug war, alles ausprobieren zu wollen. Vor allem aber, weil ich nicht mitansehen konnte, wieviel weggeworfen wurde. Ein kaum angebissenes Sandwich mit butter, peanutbutter und jelly, die kaum angeknabberten Doughnuts und cookies der Kinder, die nicht abgenagten, fingerdicken T-Bone-Steaks, die weggelegten burgers, halbe Hendln, die nicht ausgetrunkenen orange juices und milkshakes. Ich war der erste M\u00fcllschlucker, bevor alles in den Gully wanderte. Eine gro\u00dfe Pein f\u00fcr ein europ\u00e4isches Nachkriegskind mit der Erziehung, dass Lebensmittel Gottesgaben und daher heilig sind. Brot wegzuwerfen war eine S\u00fcnde. Meine Gro\u00dfmutter machte auf die R\u00fcckseite der Brotlaibe mit dem Messer ein Kreuz und k\u00fcsste es und schlug ein Kreuz um sich. Eine heilige Handlung. Ich kam mit diesem \u00dcberfluss nicht zurecht. Die Vorstellung, dass diese Menschen nie Mangel gekannt hatten, verwirrte mich. Nie Bohnenkaffee oder Butter oder Fleisch eingeteilt hatten. Zuerst ging ich auf wie ein Germgugelhupf, aber auch wieder ein wie eine b\u00f6hmische Leinwand. Am Ende war ich vier Zentimeter gewachsen und meine blonde M\u00e4hne um zehn Zentimeter l\u00e4nger. Alles auf Polaroid-Fotos festgehalten.<\/p>\n<p>Einmal wollte ich ein gro\u00dfes Dinner des Dr. Wagner mit einem Wiener Apfelstrudel \u2013 applesrudl \u2013 kr\u00f6nen. Ich bat meine Mutter um ihr Rezept und besorgte mir im lokalen Supermarkt die Ingredienzien. Glattes Mehl f\u00fcr den Teig, kein Problem, aber Br\u00f6sel und Rosinen konnte ich lange nicht finden, Staubzucker gab es nicht, ich zerrieb Kristallzucker im M\u00f6rser zu etwas Grieseligem. Okay, das krieg ich hin und legte los. \u00c4pfel gab es zur Gen\u00fcge. Dr. Wagners Partner besa\u00df eine Apfelfarm in Pomona County. Das Backblech reichlich mit Butter eingeschmiert, die Apfelscheiben in Butter leicht angeschmort, die Br\u00f6sel mit Butter gebr\u00e4unt, Rosinen und Zimt dazu. Alles war bereit, schien perfekt, perfect, das Lieblingswort der Amerikaner bei jeder Gelegenheit, auch wenn etwas nicht perfekt war.<\/p>\n<p>Zwei ganze Backbleche brachte ich aus dem Ofen hervor, semmelblond und himmlisch duftend, ganz so wie zu Hause. Ich stellte sie zum Ausk\u00fchlen auf den kitchen portch. Da h\u00f6rte ich ein Rappeln, Scharren und Schnauben. Dann krachte etwas Metallisches zu Boden. Ich st\u00fcrzte durch die Gittert\u00fcr und sah gerade noch einen fl\u00fcchtenden Kojoten im Wald verschwinden. Das Anwesen der Wagners lag exquisit weit abseits von stinkigen Highways und Industrievierteln zwischen dichten Ahornb\u00e4umen, wie dort \u00fcblich, ohne Z\u00e4une. Ich verfluchte den Kojoten und holte das zerst\u00f6rte Backblech in die K\u00fcche zur\u00fcck. So ein Gl\u00fcck, ein ganzer Strudelstrang war heil geblieben, und ich schnitt ein St\u00fcck davon ab. Kaum dass es meine Zunge und meinen Gaumen ber\u00fchrte, spuckte ich es \u00fcber der Abwasch aus und kotzte gleich dazu. Der verdammte Kojote, goddamm.<br \/>\nSo etwas Grauenhaftes hatten meine Geschmacksknospen noch nie ber\u00fchrt. Selma und Solveig klopften mir tr\u00f6stend die Schultern und reichten mir ein Glas Wasser. What\u2018s happened? Baby, all okay? Ich war vernichtet. Das war kein Apfelstrudel, die Ausgeburt der H\u00f6lle.<br \/>\nLangsam richte ich mich auf und sp\u00fcle den Mund. Sie streichen mir \u00fcbers Haar und umarmen mich. So stehen wir kurz da, sie in ihren idiotischen rosa Kleidchen mit wei\u00dfen R\u00fcschensch\u00fcrzchen, die naturblonden Haare mit den K\u00e4ppchen hochgesteckt. Da h\u00f6ren wir alle drei gleichzeitig vom back door portch lautes Gerappel, Schmatzen und Gekicher. Ein Tisch f\u00e4llt um, dann St\u00fchle, burglers, Einbrecher! Ich rei\u00dfe die Gittert\u00fcr auf und sehe zwei Skunks sich am zweiten Backblech g\u00fctlich tun. Unversch\u00e4mte Tiere, sie lassen sich kaum vertreiben.<\/p>\n<p>Die Wagners und ihre G\u00e4ste erheiterten sich freundlich \u00fcber meinen Kampf mit den amerikanischen Ureinwohnern. Die waren immer schon da, wir sind nur dazugekommen. Sie verlangten jeder eine geborgene Schnitte auf ihren Teller.<br \/>\nAlles Kollegen und Wissenschaftler aus der Medical Society of New York. Ein Laryngologe, glaube ich mich zu erinnern, stellte das letzte Urteil fest. Salz. Es ist das Salz! Die Provinzlerin aus Tulln, der Neuank\u00f6mmling, hatte noch nicht mitgekriegt, dass die Amerikaner nur gesalzene Butter kennen.<\/p>\n<p>Apfelstrudel mit Salzbutter, das geht aber auch wirklich gar nicht, nirgendwo und zu keiner Zeit. Der humorvolle Laryngologe drehte den peinlichen Zwischenfall noch ins Mythologische: Ich h\u00e4tte dem Symboltier der amerikanischen Ureinwohner, dem Kojoten, ein Opfer dargebracht, das Land w\u00fcrde mir wohlgesonnen sein.<br \/>\nJeder Tag dieses Lebens war voll ausgef\u00fcllt, jeder Tag brachte Neues und Aufregendes, ich meinte, im Paradies zu sein und war dankbar bis zum Umfallen. Wem? Dem Schicksal, das mich hierher gebracht hat, der Familie Wagner f\u00fcr die Chancen, die sie mir boten, und mir selbst, weil ich sie beim Schopf gepackt und gegen viele Hindernisse nicht losgelassen hatte. An einen mildt\u00e4tigen Gott glaubte ich damals nicht mehr. Ich schrieb viele, lange Briefe an meine Familie und schilderte mein paradiesisches Leben.<\/p>\n<p>Warum ich trotz allem im Fr\u00fchjahr nach Wien zur\u00fcckkehrte?<br \/>\nVera wurde zu Weihnachten in ein New Yorker Spital eingeliefert und an eine Blutwaschmaschine angeschlossen, die die Funktion einer Niere \u00fcbernehmen sollte. Aber ihr Zustand verbesserte sich nicht. Sie fiel ins Koma und starb im Februar. Es war der erste Tod eines nahen Menschen f\u00fcr mich.<br \/>\nDie Familie befand sich in Schockstarre, und ich k\u00fcmmerte mich noch mehr um die beiden Kleinen. Die Ausfl\u00fcge nach New York auf die Uni und zu Louise entfielen, ich \u00fcbernahm nun ganz allein die Mutterfunktionen. Ich glaube, ich konnte die Kinder ein bisschen ablenken und den Schmerz lindern.<\/p>\n<p>Aber es kam, wie es kommen musste \u2013 Dr. Wagner, der mich von Anfang an mit viel Sympathie und G\u00fcte behandelt hatte \u2013 machte mir einen Heiratsantrag. Wie praktisch. Er meinte, mir ein recht bequemes Leben bieten zu k\u00f6nnen, vielleicht k\u00f6nnte ich ja nebenbei ein bisschen studieren, wenn die Kinder gr\u00f6\u00dfer waren. Da war\u2018s f\u00fcr mich vorbei, mich packte die Panik, in dieser Familie picken zu bleiben. Aus der Traum vom Studium, von Karriere, von der UNO, von Reisen um die Welt. Es war be\u00e4ngstigend. So gro\u00dfz\u00fcgig und freundlich er war, sah er in meinen Augen zum F\u00fcrchten h\u00e4sslich aus und war 43 Jahre alt. Ich hatte doch schon mit dem j\u00fcngeren, feschen Michael nichts anfangen k\u00f6nnen. Nach einer gewissen Anstandszeit nahm ich die Koffer und flog nach Hause, ja, ich floh geradezu.<\/p>\n<p>Es mag f\u00fcr die Wagners undankbar ausgesehen haben, treulos und brutal. Genauso f\u00fchlte ich mich auch, ein Scheusal. Aber ich musste meinem eigenen Leben den Vorrang geben. Ich wollte mich nicht opfern. Es h\u00e4tte nicht das Plakat auf dem riesigen billboard \u00fcber der George Washington Bridge gebraucht, das mich immer bei der Einfahrt von New Jersey nach Manhattan begr\u00fc\u00dfte: \u201cLife ist too short to be living somebody else\u2018s dream\u201c, lachte da Hugh M. Hefner herunter, umgeben von einer Schar blonder bunnies, und zwinkerte mir zu. Das war genau mein Lebensgef\u00fchl. Louise stand an meiner Seite und best\u00e4rkte mich. You\u2018ll come back, baby, don\u2018t worry, you\u2018ll make your way.<\/p>\n<p>Als mich im Sommer danach Kit mit ihren Finkernaegel-Gro\u00dfeltern auf einer Europa-Reise in Wien besuchte, war Dr. Wagner schon mit der irischen Krankenschwester verheiratet. Er h\u00e4ngte seinen Karriere-Job in NYC an den Nagel und lie\u00df sich als praktischer Arzt irgendwo in einer Landidylle von Pennsylvania nieder. Moira arbeitete in seiner Praxis mit, und sie bekamen drei gesunde Kinder. Dann noch einige Jahre Weihnachtskarten mit Fotos. Da passte alles zusammen. Perfect! Und ich fiel in Wien geradewegs in den hei\u00dfen Sommer von 1968 hinein. Als der 20. August kam, war ich mit Freunden auf der Moldau paddeln. Im Widerstand gegen die Invasion des Warschauer Paktes schloss ich mich dem <em>Wiener Tagebuch <\/em>an \u2013 einer Gr\u00fcndung von KP\u00d6-Dissidenten. Das war meine erste bewusste politische Aktion.<\/p>\n<p>Juni &#8211; September 17<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Veronika Seyr<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veronikaseyr.at\/\" target=\"_blank\">www.veronikaseyr.at<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3365\">anno<\/a> | Inventarnummer: 18025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>geschrieben anl\u00e4sslich von \u00d61-Dimensionen im Sommer 2017 Ich bin nicht Geburtsbaujahr 67, sondern 48. Aber 1967 war in vieler Hinsicht ein Neuanfang, mein Schritt in die Neue Welt, in die Welt \u00fcberhaupt. So scheint es mir. Nach der Matura begann ich an der Universit\u00e4t Wien Dolmetsch zu studieren, Russisch-Englisch, im Nebenfach Psychologie. 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