{"id":7482,"date":"2018-01-06T16:44:46","date_gmt":"2018-01-06T16:44:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7482"},"modified":"2018-01-10T16:57:45","modified_gmt":"2018-01-10T16:57:45","slug":"verlegt-bewegt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7482","title":{"rendered":"verlegt. bewegt."},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7482&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7482&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ich bin die, die auf dem Land wohnt, aber zugezogen ist.<br \/>\nIch bin die, die gesiezt wird.<br \/>\nUnter all den anderen Kunden, die sich mit dem Personal duzen.<br \/>\nDennoch ist \u00fcber die Jahre eine Vertrautheit entstanden, die mich die Kassiererin, eine Frau in mittlerem Alter, fragen l\u00e4sst, ob sie sich freut auf die anstehende Ver\u00e4nderung, was mit einem Seufzer, Achselzucken und einer skeptischen \u00c4u\u00dferung beantwortet wird.<br \/>\nIch reagiere aufmunternd.<\/p>\n<p>Das Schild hatte mich aufgeschreckt: Diese Filiale wird geschlossen und in einhundert Metern Entfernung neu er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Die vielbefahrende Bundesstra\u00dfe.<br \/>\nLinkerhand der flache Bauk\u00f6rper, 08\/15 Industriedesign, ohne \u00e4sthetische Botschaft. Einerseits sparsam in seinem Verh\u00e4ltnis zum Umfeld, was die schlichte Formensprache betrifft, gleicher Art klotzig und dominant.<br \/>\nEine Supermarktfiliale mit den f\u00fcnf charakteristischen gelben Lettern drauf. (Genauso gut k\u00f6nnte es eine anderer Provenienz sein.)<br \/>\nDahinter h\u00e4lt sich eine Reihe von Wohnh\u00e4usern auf. Wer h\u00e4tte bei der Grundsteinlegung des Familiendomizils vor Jahren gedacht, dass das Einkaufserlebnis so derart nahe r\u00fccken w\u00fcrde?<br \/>\nEin Landstrich, der \u00fcberf\u00fcllt wirkt mit den neuen Gesch\u00e4ftszubauten, die der in Bundesstra\u00dfenn\u00e4he gelegenen Wohnsiedlung ihre d\u00fcrftige W\u00fcrde nehmen.<br \/>\nKommerz und Bed\u00fcrfnisbefriedigung kennen kein Feingef\u00fchl.<\/p>\n<p>Nur einhundert Meter von der neuen entfernt lag die alte Filiale. An einem im Koordinatensystem der Superm\u00e4rkte nicht so \u00fcberzeugenden Standort. Die neue liegt vielversprechend an einer belebten Kreuzung.<br \/>\nNat\u00fcrlich war der fr\u00fchere Bau ebenso stillos.<br \/>\nSeine Einrichtung und das karge Umfeld boten sich leicht patiniert den Anspr\u00fcchen der Kundinnen und Kunden.<br \/>\nDer schlichte schwarz-wei\u00dfe Terrazzoboden, das angenehme Bisschen Schlendrian beim Ordnungmachen, der entspannt freundschaftliche Informationsaustausch der Verk\u00e4uferinnen zwischen den Regalen.<br \/>\nEs hie\u00df, den Leitern mit den halb ausger\u00e4umten Schachteln rundherum auszuweichen.<br \/>\nDas alte Geb\u00e4ude machte kein Aufhebens und ebensowenig taten dies die dort besch\u00e4ftigten Frauen aus der Umgebung.<br \/>\nDas Angebot erf\u00fcllte den Zweck.<br \/>\nIn angenehmer Abgrenzung zum St\u00e4dtischen.<br \/>\nEine unaufgeregte Poesie des \u00dcberholten.<\/p>\n<p>Der neue Bau hingegen macht laut von sich reden.<\/p>\n<p>Ein neuer, junger Filialleiter mit dynamischem Gesichtsausdruck begr\u00fc\u00dft die anwesenden Kunden, manche davon auf ihrem Weg durchs Warenangebot mehrmals.<br \/>\nDas alte Personal, allesamt Frauen, wurde \u00fcbersiedelt und aufgestockt. Ein neues Team, dazwischen die alten Gesichter unter neuen roten Schirmkappen, manche blass, manche m\u00fcde, manche munter, so wie in der alten Filiale eben auch.<br \/>\nWas hatte ich erwartet? Die bisherigen Gesichter mit neuerwachtem inspiriertem Funkeln in den Augen, motiviert geschminkt und ambitioniert im Verkaufen. Ein kollektives Tuning?<\/p>\n<p>Die Grundst\u00fcckspreise im Gewerbegebiet sind leistbar, Bauwerk und Parkpl\u00e4tze entsprechend gro\u00df. Das von au\u00dfen haupts\u00e4chlich seiner r\u00e4umlichen Ausdehnung geschuldete optische Pathos des Baus macht neugierig, aber was bitte soll schon gro\u00df anders sein als im alten? Die Erwartungshaltung wird schon beim Eintreten gebrochen, der Glanz des Neuen wirkt im hellen Geb\u00e4ude angenehm gedimmt. Noch wei\u00df ich nicht warum und suche die Ursache in der Beleuchtung. Erst beim zweiten Besuch entdecke ich die hohe Holzdecke, die das Licht so freundlich f\u00e4rbt und ein beinahe gem\u00fctliches Mikroklima erzeugt.<br \/>\nDie Macht der Gewohnheit wird mich das bald nicht mehr wahrnehmen lassen.<\/p>\n<p>Im neuen l\u00e4sst sich Konsumlust auf zeitgem\u00e4\u00dfem Niveau exekutieren. Nach neuesten marketingwissenschaftlichen Erkenntnissen angeordnete Regalbl\u00f6cke in extra gro\u00dfz\u00fcgigem Abstand zueinander, beim Abschreiten des Sortiments Einblicke erlaubend in noch nicht besuchte G\u00e4nge mit Waren, deren Bedarf einem so leichter ins Auge dr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>An der strahlend neuen Feinkosttheke unter den dauerwerbenden Flatscreens wirken die Verk\u00e4uferinnen pl\u00f6tzlich nicht mehr souver\u00e4n, sondern ein bisschen unbeholfen, so kommt es mir vor. Die neuen Maschinen, das gr\u00f6\u00dfere Angebot, der kulinarische Overkill wird etwas z\u00f6gerlich, aber vorbildlich in Handschuhen, an die Kunden gebracht.<br \/>\nDer Filialleiter wirft gerade ein aufmerksames Auge auf die Bedienung und so wird das Sich-Erkennen auf ein wohlwollendes Nicken reduziert. Ob sie sich dort wohlf\u00fchlt, werde ich ein anderes Mal in Erfahrung bringen.<\/p>\n<p>Der alte Bau, um seine gelben Lettern erleichtert, wartet auf den Abriss oder eine neue Verwendung. Eine Renaturierung hat es selten gegeben, Asphalt und Beton kommen meist, um zu bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michaela Swoboda<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=420\">hin &amp; weg<\/a> | Inventarnummer: 18008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin die, die auf dem Land wohnt, aber zugezogen ist. Ich bin die, die gesiezt wird. 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