{"id":7273,"date":"2017-11-17T19:28:12","date_gmt":"2017-11-17T19:28:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7273"},"modified":"2017-11-27T17:08:14","modified_gmt":"2017-11-27T17:08:14","slug":"dorothea-nuernberg-herzwortweben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=7273","title":{"rendered":"Dorothea N\u00fcrnberg, herzwortweben"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7273&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts7273&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><em><!-- [if lt IE 9]>\n<script src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/themes\/twentytwelve\/js\/html5.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script>\n<![endif]--><script type=\"text\/javascript\">\/\/ <![CDATA[\nwindow._wpemojiSettings = {\"baseUrl\":\"http:\\\/\\\/s.w.org\\\/images\\\/core\\\/emoji\\\/72x72\\\/\",\"ext\":\".png\",\"source\":{\"concatemoji\":\"http:\\\/\\\/www.verdichtet.at\\\/wp-includes\\\/js\\\/wp-emoji-release.min.js?ver=4.3.13\"}}; !function(a,b,c){function d(a){var c=b.createElement(\"canvas\"),d=c.getContext&#038;&#038;c.getContext(\"2d\");return d&#038;&#038;d.fillText?(d.textBaseline=\"top\",d.font=\"600 32px Arial\",\"flag\"===a?(d.fillText(String.fromCharCode(55356,56812,55356,56807),0,0),c.toDataURL().length>3e3):(d.fillText(String.fromCharCode(55357,56835),0,0),0!==d.getImageData(16,16,1,1).data[0])):!1}function e(a){var c=b.createElement(\"script\");c.src=a,c.type=\"text\/javascript\",b.getElementsByTagName(\"head\")[0].appendChild(c)}var f,g;c.supports={simple:d(\"simple\"),flag:d(\"flag\")},c.DOMReady=!1,c.readyCallback=function(){c.DOMReady=!0},c.supports.simple&&c.supports.flag||(g=function(){c.readyCallback()},b.addEventListener?(b.addEventListener(\"DOMContentLoaded\",g,!1),a.addEventListener(\"load\",g,!1)):(a.attachEvent(\"onload\",g),b.attachEvent(\"onreadystatechange\",function(){\"complete\"===b.readyState&&c.readyCallback()})),f=c.source||{},f.concatemoji?e(f.concatemoji):f.wpemoji&&f.twemoji&&(e(f.twemoji),e(f.wpemoji)))}(window,document,window._wpemojiSettings);\n\/\/ ]]><\/script><script src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-includes\/js\/wp-emoji-release.min.js?ver=4.3.13\" type=\"text\/javascript\"><\/script><!-- [if lt IE 9]>\n\t\t\t\t<link rel='stylesheet' id='twentytwelve-ie-css' href='http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/themes\/twentytwelve\/css\/ie.css?ver=20121010' type='text\/css' media='all' \/>\n<![endif]--><script src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-includes\/js\/jquery\/jquery.js?ver=1.11.3\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-includes\/js\/jquery\/jquery-migrate.min.js?ver=1.2.1\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script type=\"text\/javascript\">\/\/ <![CDATA[\nvar cptch_vars = {\"nonce\":\"00e0f6a980\",\"ajaxurl\":\"http:\\\/\\\/www.verdichtet.at\\\/wp-admin\\\/admin-ajax.php\",\"enlarge\":\"0\"};\n\/\/ ]]><\/script><script src=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/wp-content\/plugins\/captcha\/js\/front_end_script.js?ver=4.3.13\" type=\"text\/javascript\"><\/script><\/em><em>Wien bei Ibera\/ European University Press 2017, 96 S. davon 85 Seiten Gedichte<\/em><\/p>\n<p><em>Eine Rezension von Martin Stankowski<\/em><br \/>\n<em>Ersterscheinung: PODIUM, Doppelheft 185\/186, November 2017<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Das sch\u00f6ne Cover-Foto der Autorin mag zuerst erstaunen: der zentrale Ausschnitt eines Kristalls, welcher \u2013 siehe Titel \u2013 so gar nichts vom weichen Textilen an sich hat. Und doch ist er wegweisend, beachtet man die Form der Gedichte: Es gibt es keine langen Zeilen, keine S\u00e4tze, sondern Worte untereinander und zus\u00e4tzlich gegeneinander verschoben, ja in der konsequenten Kleinschreibung buchst\u00e4blich \u00abverr\u00fcckt\u00bb in einer vielfach gebrochenen Struktur, die in ihren Bestandteilen durchaus in verschiedene Richtungen zu verweisen scheint. Nur scheint: Denn anderseits nimmt Frau N\u00fcrnberg das Weben ebenfalls ganz im Wortsinn. Nicht zuf\u00e4llig stehen die Worte, sondern in einem immer wieder \u00abdurchschlagenden\u00bb Rapport, der in den klug ausgearbeiteten Abst\u00e4nden eigene, gleichsam geschichtete Muster aufbaut. In diesem Sinn stimmt <em>wort schafft welt<\/em> (28) ganz unmittelbar.<\/p>\n<p>Das Ganze bliebe ein bereits gro\u00dfartiges l\u2019art pour l\u2019art (wie es das ja schon gegeben hat), verb\u00e4nde Frau N\u00fcrnberg nicht das Formale eng mit dem Inhaltlichen. Die Wort-Gestaltung \u00abgebiert\u00bb ihre Sinnzusammenh\u00e4nge, seien sie assoziativ \u2013 <em>fragenmeer \/ im anker \/ der stille<\/em> und dann <em>wann flutet helle?<\/em> (11), seien sie unmittelbar \u2013 <em>gefl\u00fcgelte \/ worte \/ \u00fcber \/schwarzen \/ federn<\/em> und dann <em>absprung \/ ins gedicht <\/em>(16). Die beiden Beispiele illustrieren den Kosmos, aus dem Frau N\u00fcrnberg sch\u00f6pft: Es sind die urspr\u00fcnglichen Prozesse in der Natur, in der aus der (heute so oft missachteten) Mu\u00dfe geborenen feinen Beobachtung. Zumal das Feine stets in das Feinsinnige \u00fcbergeht: <em>lautlos \u00f6ffnen \/ tr\u00e4ume ihr gefieder<\/em> (46).<br \/>\nSo wird das Psychologische ein wesentlicher Bestandteil, ist allerdings beim raschen Lesen kaum zu finden. Es bedarf, wie das die Lyrikerin da und dort eigens tut, des Nach-Sinnens. Eine deutliche \u00abHilfe\u00bb geben zum einen die Kapitel-Titel, zum anderen, im letzten Abschnitt, die Gedicht-\u00dcberschriften. Neben dieses F\u00f6rmliche treten die vielen Bilder, die in diesem Prozess zu Metaphern mutieren und zum Bedenken ermutigen: \u00fcber den Blick von au\u00dfen und jenen von innen, \u00fcber Frage und Antwort, Sein und Entstehen.<br \/>\nDaraus resultiert unter der Ma\u00dfgabe des heutigen problematischen Welt-Zustands kein Himmelhochjauchzen, sondern eine etwas wehm\u00fctige Stimmung, ein verhaltenes Klagen, das manches Mal (gottlob) durchaus in ein leises Lachen umschlagen kann. Und zu der ein hoher Grad an nicht zuletzt klassischer Bildung geh\u00f6rt, die kulturgeschichtlich wie weltumspannend geografisch wie lebensphilosophisch einen weiten Bogen zu schlagen vermag. Diese Verwurzelung \u2013 \u00abblo\u00df\u00bb besonders ausgepr\u00e4gt in <em>edelsteingarten<\/em> (79\/80) \u2013 dr\u00e4ngt auf den Prozess, \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde und Erlebtes in innere Welten umzutexten \u2026 was damit wom\u00f6glich zur ernst genommenen, weil pers\u00f6nlichen Wandlung (<em>herz<\/em>!) in der Haltung zu \u00d6kologie und sozialem Habitus beizutragen hilft.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich bleibt noch eine weitere Lesart, die lediglich auf den ersten Blick anders ist, indem sie von den gleichen Grundz\u00fcgen getragen wird. Man gibt sich dabei sinnlich dem Rhythmus hin und vor allem dem Farbenreichtum, in Wort und Sprache. Beide m\u00fcssen Frau N\u00fcrnberg ein wichtiges Anliegen sein, denn fast paradigmatisch erf\u00fcllt das l\u00e4ngste Gedicht \u2013 <em>farbrausch<\/em> (85-89) \u2013 kongenial diesen Anspruch. Das wohl Essenzielle zeigt sich auch darin, dass sich diese Ans\u00e4tze dann ebenfalls in den Romanen der Autorin wiederfinden lassen, nach diesem Buch m\u00f6chte man sagen, leider etwas versteckt \u2026 Und es sind wahrscheinlich gerade diese lyrischen Eigenheiten, die speziell romanische Dichter\/innen ansprechen, sogar regelrecht aufhorchen lassen (wie es denn Gedichten geb\u00fchren sollte!). Mir erscheint es, so gesehen, kaum erstaunlich, wenn bereits \u00dcbertragungen ins Franz\u00f6sische und ins Kastilische (d.i. das s\u00fcdamerikanische Spanisch) vorliegen resp. bei renommierten Verlagen vorbereitet werden.<\/p>\n<p>Ein ehrliches Zeugnis, ein pers\u00f6nliches Werk, ein \u00fcberzeugendes Beispiel lebendiger Poesie.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Martin Stankowski<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.stankowski.info\" target=\"_blank\">www.stankowski.info<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=5678\">about<\/a> | Inventarnummer: 17188<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wien bei Ibera\/ European University Press 2017, 96 S. davon 85 Seiten Gedichte Eine Rezension von Martin Stankowski Ersterscheinung: PODIUM, Doppelheft 185\/186, November 2017 Das sch\u00f6ne Cover-Foto der Autorin mag zuerst erstaunen: der zentrale Ausschnitt eines Kristalls, welcher \u2013 siehe Titel \u2013 so gar nichts vom weichen Textilen an sich hat. 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