{"id":6793,"date":"2017-07-26T16:12:49","date_gmt":"2017-07-26T16:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6793"},"modified":"2017-09-06T15:52:18","modified_gmt":"2017-09-06T15:52:18","slug":"der-tunnel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6793","title":{"rendered":"Der Tunnel"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6793&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6793&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Die Wochen, erf\u00fcllt von D\u00fcsternis, n\u00e4herten sich ihrem Ende, das Licht, dunkel, aber doch nicht g\u00e4nzlich, einen leichten Anflug von Grau beinhaltend, sollte die Dunkelheit erhellen. Eine andere Farbe sollte das Licht haben, doch offenbar war Grau die einzig zugestandene. Inwiefern der Begriff Grauen mit dem Farbton Grau zusammenh\u00e4ngt, bleibt ungewiss, doch Grauen ist nicht gleichzusetzen mit Dunkelheit, befindet sich doch immerhin ein helles Element darin, wenn auch ein kaum wahrnehmbares. Die Tage der Wochen erf\u00fcllt von diesem diesigen Licht, das empfunden werden kann in einem Flugzeug, welches durch dunkle Wolken voll von Regen und Gewitter fliegt, um schlie\u00dflich das Blau des Himmels vor sich zu haben, nachdem die Dunkelheit zur\u00fcckgelassen worden war.<br \/>\nDie scheinende Sonne mit ihrem glei\u00dfenden Licht sandte schw\u00e4rzliche Strahlen, alles verdunkelnd, verwandelte die Individuen auf den Stra\u00dfen in schemenhafte Gestalten, kaum wahrnehmbar, t\u00fcnchte die Stra\u00dfen in graue Farbe und zerschnitt das Leben auf belebten Arealen.<\/p>\n<p>Die schwarze Sonne legte ihr Licht \u00fcber die gesamte Welt, lie\u00df das Leben auf dem Planeten dunkel erscheinen, lie\u00df die Menschen und alle Lebewesen, wie auch die Objekte, untergehen in ihren Strahlen, die Luft zum Atmen machte sie schwer und das Wasser zum Trinken bleiern und die Nahrungsmittel verdorben schmeckend. Die Musik machte sie d\u00fcster, die Texte der Musikst\u00fccke schwerm\u00fctig und die instrumentale Leistung der Spieler unh\u00f6rbar. Den Alkohol machte das Licht wohlschmeckend und nicht ausreichend in seiner Menge, das Schreiben machte es schwer, das Denken, F\u00fchlen, Lieben, Handeln und Wollen l\u00f6schte es aus.<\/p>\n<p>Der Eingang des Tunnels, unsichtbar, ein pl\u00f6tzlich auftretendes Gef\u00fchl der Gefangenschaft, in der Mitte des Tunnels ein gl\u00e4nzend schwarzer Streifen, in die Ferne f\u00fchrend. Der Tunnel selbst zweigeteilt, auf der einen Seite schwarzer Samt, eine dunkle W\u00e4rme, ihre Existenz kaum f\u00fchlbar, dunkles Licht erleuchtet den Samt, hinter diesem schemenhaft wahrnehmbare Gestalten, Menschen, nicht f\u00fchlbar, nicht h\u00f6rbar, nur durch Bewegungen zu erkennen. Vom Samt eine Fl\u00fcssigkeit laufend, untrinkbar und dennoch wohlschmeckend, schwarz und die Konsistenz von Blut aufweisend. Auf der anderen Seite der Linie in der Mitte des Tunnels schwarzer Beton, kalt, hart und undurchdringlich. In den Beton eingearbeitet eine Unzahl an Klingen und Stacheldraht, viel zu scharf, um sich an sie zu schmiegen.<br \/>\nVon der Decke eine klare Fl\u00fcssigkeit tropfend, scharf im Geschmack, tr\u00fcgerische Erhellung in sich tragend, die, wenn sie verschwunden, sich in Unheil verwandelt. K\u00e4lte, die durch nichts in W\u00e4rme verwandelt werden kann, die das kurzzeitige Gef\u00fchl der W\u00e4rme der samtenen Seite aussaugt, von der Decke h\u00e4ngen Leuchten, ein grellschwarzes Licht verbreitend, zu dunkel, um nach vorne zu sehen, hell genug jedoch, um die eigenen Unzul\u00e4nglichkeiten nicht \u00fcbersehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Wechsel von der einen, samtenen Seite zur stahlbewehrten Betonseite, flie\u00dfend, einem Ball gleich, immer wieder von der einen zur anderen H\u00e4lfte geworfen, in der Mitte, auf dem Boden, zwischen den Seiten, ein stets nach vorne f\u00fchrender schwarzer Pfad. Der Weg zur\u00fcck, verschlossen, die samtene Seite einen samtenen Vorhang bildend, hinter diesem an ihren Bewegungen erkennbare Menschen, die Betonseite eine bedrohliche Mauer bildend aus scharfem Stahl und eisiger Grabesk\u00e4lte. Die Schritte nach vorne, erleuchtet und begleitet von schwarzem Licht, nicht auszuhalten, ein st\u00e4ndiger Begleiter.<br \/>\nAm Ende des Tunnels, in weiter Ferne und zugleich nah, ein schwaches Licht. Es ist schwarz.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <span style=\"color: #333333;\"><a style=\"color: #333333;\" title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a><\/span> |Inventarnummer: 17143<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wochen, erf\u00fcllt von D\u00fcsternis, n\u00e4herten sich ihrem Ende, das Licht, dunkel, aber doch nicht g\u00e4nzlich, einen leichten Anflug von Grau beinhaltend, sollte die Dunkelheit erhellen. Eine andere Farbe sollte das Licht haben, doch offenbar war Grau die einzig zugestandene. 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