{"id":6790,"date":"2017-07-26T16:10:30","date_gmt":"2017-07-26T16:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6790"},"modified":"2017-09-01T05:59:40","modified_gmt":"2017-09-01T05:59:40","slug":"der-prinz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6790","title":{"rendered":"Der Prinz"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6790&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6790&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ein Prinz verlie\u00df das Schloss seines Vaters, um im nahegelegenen Wald Pilze zu sammeln. Es war ein sommerlich warmer Tag, also trug er d\u00fcnne Kleidung, auf dem Kopf die goldene Krone, die seinen Rang symbolisierte. Er brach auf, ohne Waffen zu tragen, die letzten W\u00f6lfe waren Jahre zuvor erlegt worden, und nachdem es keine Banditen mehr gab, sein Vater hatte alle henken lassen, verzichtete er auch darauf, sich von der ihm zugeteilten Leibwache eskortieren zu lassen.<br \/>\nEr ging durch den Wald, den Kopf zu Boden gesenkt, um nur ja keinen Pilz zu \u00fcbersehen, als er pl\u00f6tzlich Schritte hinter sich wahrnahm. Er wandte sich um und erblickte den f\u00fcr seine Grausamkeit und Unerbittlichkeit bekannten und gef\u00fcrchteten Zauberer Gordon. Der Prinz wollte davonlaufen, doch der Zauberer packte ihn am Genick und hielt ihn zur\u00fcck. Der Prinz weinte, schrie, flehte um Gnade, doch der Magier sagte blo\u00df: &#8222;Wer einmal Gordons Weg kreuzt, ist verloren!&#8220; Der Prinz bot ihm Gold an, Edelsteine, die sch\u00f6nste Jungfrau im Lande, jedoch er hatte keinen Erfolg.<\/p>\n<p>Gordon erhob sich, den armen Prinzen an der Hand, in die Luft und flog viele Meilen weit zu einem Turm, welcher einsam und verlassen auf einer Lichtung an der dunkelsten Stelle des Waldes stand. Allein, der Turm hatte keine T\u00fcren, lediglich ein Fenster knapp unterhalb der Spitze, vergittert und angsteinfl\u00f6\u00dfend. Gordon schwebte durch die Mauer hindurch in einen kleinen Raum. Er warf den Prinzen auf den Boden und machte ihm deutlich, dass sein Leben an diesem Ort ein Ende finden w\u00fcrde.<br \/>\nEr warf dem K\u00f6nigskind einen K\u00fcrbis vor die F\u00fc\u00dfe und sagte, dass dieser f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Tage vorhalten m\u00fcsse. Er w\u00fcrde von nun an jeden dritten Tag kommen, um der armen Seele einen K\u00fcrbis und einen Eimer Wasser, f\u00fcr die K\u00f6rperpflege und um den Durst zu l\u00f6schen, zu bringen. Er entschwebte und lie\u00df den jungen Mann zur\u00fcck. Der Prinz versuchte, zu dem vergitterten Fenster zu gelangen, jedoch war dieses unerreichbar. Er schrie und weinte, doch niemand h\u00f6rte ihn.<\/p>\n<p>Ein Gewitter zog auf, es st\u00fcrmte und hagelte, zumindest das Dach hielt dicht, der Prinz betete, doch wurde er nicht erh\u00f6rt. Er a\u00df ein St\u00fcck vom K\u00fcrbis, trank wenige Schlucke Wasser und schlief auf dem Stroh, welches den Boden bedeckte, ein. Am n\u00e4chsten Morgen wachte er schreiend auf im Glauben, einen Albtraum durchlitten zu haben, jedoch war es kein Traum. Er schrie sich die Seele aus dem Leib, er schlug gegen die Wand aus Stein, versuchte sie zu zerkratzen. Schlie\u00dflich brach er blutend und weinend nieder.<br \/>\nDer Zauberer hielt Wort und brachte ihm wortlos jeden dritten Tag Speise und Trank. Es war ein sehr frugales kulinarisches Vergn\u00fcgen, doch es hielt den Prinzen am Leben. Dieser hatte die Idee, die Schalen der K\u00fcrbisse zu trocknen und aufzuschichten, um so zum Fenster zu gelangen und Hilfe herbeizurufen. Nach vielen Monaten gelang ihm dies, und er klammerte sich an die Gitterst\u00e4be und schrie sich die Seele aus dem Leib. Allein, es h\u00f6rte ihn niemand.<\/p>\n<p>Eines Tages, er schlug gerade mit seinem Kopf gegen die Wand, bis diese blutrot war, dachte er an das Ger\u00e4usch, welches Metall verursacht, wenn es gegen Metall geschlagen wird. Er hatte dies oft geh\u00f6rt, beim Fechtunterricht, den er gemeinsam mit seiner Jugendliebe erhalten hatte. Beim Gedanken an diese und an die geringe Wahrscheinlichkeit, sie jemals wieder im Arm halten zu k\u00f6nnen, brach er erneut in Tr\u00e4nen aus. Aber er musste stark sein.<\/p>\n<p>Er stieg auf den Haufen aus getrockneten K\u00fcrbisschalen und schlug mit seiner goldenen Krone, die der Zauberer Gordon ihm gelassen hatte, gegen die Gitterst\u00e4be. Es war ein lautes, metallisches Ger\u00e4usch, und durch die H\u00f6he, in welcher das Fenster gelegen war, war es weithin zu h\u00f6ren. Er schlug von nun an jeden Tag viele Stunden mit der Krone gegen das Eisen, doch er erhielt niemals Antwort. Die Bauern auf den Feldern hielten in ihrer Arbeit inne, sobald dieses Ger\u00e4usch ert\u00f6nte, etwas Sch\u00f6neres und Lieblicheres hatten sie noch nie zuvor geh\u00f6rt. Es war Musik in ihren Ohren, vorgetragen von Engelsch\u00f6ren. Sie fragten sich, woher es wohl kam, doch sie hatten Angst, sich dem Wald zu n\u00e4hern. So erfreuten sie sich viele Jahre an diesen Kl\u00e4ngen, ohne sich bewusst zu sein, wessen Schicksal sie ihnen bescherte.<\/p>\n<p>Eines Tages waren die Kl\u00e4nge nicht mehr zu h\u00f6ren. Sie ert\u00f6nten niemals wieder. Der Prinz hatte aufgegeben, er hatte sich in sein Schicksal ergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3714\">fantastiques<\/a> |Inventarnummer: 17142<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Prinz verlie\u00df das Schloss seines Vaters, um im nahegelegenen Wald Pilze zu sammeln. Es war ein sommerlich warmer Tag, also trug er d\u00fcnne Kleidung, auf dem Kopf die goldene Krone, die seinen Rang symbolisierte. 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