{"id":6788,"date":"2017-07-26T16:09:21","date_gmt":"2017-07-26T16:09:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6788"},"modified":"2017-08-20T15:23:50","modified_gmt":"2017-08-20T15:23:50","slug":"die-angst-vor-dem-erfolg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6788","title":{"rendered":"Die Angst vor dem Erfolg"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6788&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6788&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Am zw\u00f6lften September im Jahr der Venlafaxinunvertr\u00e4glichkeit kommt Robert nach einem langen Tag, den er alleine, er arbeitet in einem kleinen B\u00fcro, in welchem er vor dem Bildschirm eines Computers zu sitzen hat, denn er ist kollegenlos bei seiner T\u00e4tigkeit, die das Beantworten und das Abwickeln von Anfragen beinhaltet, pr\u00e4zise gesagt ist die Beantwortung respektive die Abwicklung von Anfragen der einzige Inhalt von Roberts T\u00e4tigkeit, die telefonisch, also die Anfragen, per Telefax oder via E-Mail an ihn gestellt werden, also an Robert, zugebracht hat, denn sein Kollege, Marcel Fleischbon, war ihm entzogen worden aufgrund von Sparma\u00dfnahmen, welche die Etage der Chefs, die \u00fcber allen und allem stehen, angeordnet hat, um an Mammon, also am Geld zu sparen, heim in sein Haus, welches am Rand der Stadt, in der Robert wohnt und wirkt, also werkt, pr\u00e4zise gesagt arbeitet, gelegen ist und welches au\u00dfer ihm noch drei weiteren Menschen, also Roberts Ehefrau, sie hei\u00dft Marion und ist Cellistin in einem gro\u00dfen Orchester in der Stadt, in der sie beide leben, sowie seinen beiden Kindern, die er mit Marion gezeugt hat, denn Robert ist der Ansicht, dass Kinder das Beste sind, was ein Mensch der Welt schenken kann, sofern sie, die Kinder, zu guten Menschen erzogen werden, ihnen, also den Kindern, das Gute, was ihren Eltern innewohnt, vermittelt wird, Obdach gibt, ihnen also ein Dach \u00fcber ihren K\u00f6pfen bietet, au\u00dferdem W\u00e4rme und Sicherheit, pr\u00e4zise gesagt Geborgenheit, und findet sein Abendmahl, gegrillten Fisch mit einer Beilage aus selbstgezogenem Spinat, auf dem Esstisch vor, der umringt wird von seiner Familie, also an dem Marion, Roberts Ehefrau, die er \u00fcber alles liebt, sowie Anna und Ronja sitzen, die Kinder, pr\u00e4zise gesagt die T\u00f6chter, von Robert und Marion, die beide \u00fcber alles lieben, und vice versa, noch warm, denn Robert kommt acht Minuten nach dem mit Marion vereinbarten Zeitpunkt nach Hause, und berichtet, w\u00e4hrend er den Fisch und die Beilage aus Spinat aus dem eigenen Garten hinter dem Haus zu sich nimmt, von den Vorkommnissen, die er in seiner Firma, pr\u00e4zise gesagt in der Firma, die ihn besch\u00e4ftigt h\u00e4lt und ihn bezahlt, am heutigen Tag, und welche durchaus positiver, also f\u00f6rderlicher Natur waren und immer noch sind, denn Robert wird in der Hierarchie der Firma, die ihn besch\u00e4ftigt h\u00e4lt und bezahlt, aufsteigen, er wird zum Leiter der Abteilung f\u00fcr das Design der neu zu entwickelnden Inkontinenz-Unterw\u00e4sche bef\u00f6rdert werden, ein neuartiges Produkt, das die Firma, die ihn besch\u00e4ftigt h\u00e4lt und ihn bezahlt, in ihren Katalog, also in ihr Angebot, das sie f\u00fcr ihre Kunden bereitstellt und bereith\u00e4lt, aufnehmen wird, denn diese Firma verdient sehr viel Geld, indem sie Gegenst\u00e4nde, um pr\u00e4zise zu sein Kleidungsst\u00fccke, herstellt, der letzte Verkaufsschlager dieser Firma waren atmungsaktive, dennoch geruchsundurchl\u00e4ssige und fl\u00fcssigkeitsundurchl\u00e4ssige Schwei\u00dffu\u00dfsocken, hergestellt nach einem von der, mittlerweile verstorbenen, Gro\u00dftante des Besitzers der Firma entwickelten streng geheimen Verfahren, die den Schwei\u00df der Schwei\u00dff\u00fc\u00dfe der Verwender dieser Socken in olfaktorischer Hinsicht verschwinden, also, so kann man es sagen, verduften lassen, durch ihre, also die der Socken, Undurchl\u00e4ssigkeit bleibt der Schwei\u00df in den Socken und durchdringt deren Gewebe nicht, was es den Menschen, die mit dem Problem des Schwei\u00dffu\u00dfes ihr Leben f\u00fchren m\u00fcssen, erlaubt, ihre Schuhe abzustreifen, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, den Mitmenschen in ihrer unmittelbaren, im Fall der schlimmsten Ausformung des Schwei\u00dffu\u00dfes, des sogenannten Gro\u00dfen Zehenk\u00e4slers, in weitem Umkreis dieselbe unangenehme olfaktorische Erfahrung, in Verbindung mit versch\u00e4mtem Halten der Nase in die dem Stinker entgegengesetzte Richtung, zu bereiten, die offen im K\u00fchlschrank stehen gelassener Klosterk\u00e4se der Nase bereitet, in L\u00e4ndern, in welchen Menschen sich mehrmals t\u00e4glich ihrer Schuhe entledigen m\u00fcssen, beispielsweise um den in diesen L\u00e4ndern eingemahnten religi\u00f6sen Verhaltensweisen, pr\u00e4zise gesagt um zu beten, zu entsprechen, erweist sich diese Art Socke immer noch als regelrechter Bestseller, und er, also Robert, soll die Gestaltung dieses neuartigen Produkts \u00fcbernehmen, er geht davon aus, dass ihm diese Aufgabe \u00fcbertragen wird, weil er ein \u00fcberaus feinf\u00fchliger Mensch ist, der die heikle Aufgabe der Sch\u00f6pfung dieses Kleidungsst\u00fccks, der Inkontinenz-Unterw\u00e4sche, mit der erforderlichen Sensibilit\u00e4t erf\u00fcllen wird, schlie\u00dflich ist es essenziell wichtig bei Inkontinenz-Unterw\u00e4sche, auf die Dichtheit, sodass idealiter kein Tropfen Fl\u00fcssigkeit aus ihr treten kann, dar\u00fcber hinaus muss sie sich olfaktorisch g\u00e4nzlich neutral verhalten, Augenmerk zu legen, und nachdem M\u00e4nner in verschiedenen L\u00e4ndern dieser Erde unterschiedlich lange Glieder vor sich her tragen, bei Frauen sieht die Sache weniger kompliziert aus, muss Robert unterschiedliche Modelle des neu zu entwickelnden Produkts entwerfen, um inkontinente M\u00e4nner in allen L\u00e4ndern dieser Erde, zumindest augenscheinlich, trocken zu halten und der Firma einen weiteren Verkaufsschlager zu bescheren und es soll sein Schaden nicht sein, hat sein Chef ihm versichert, denn wenn Robert die ihm gestellte Aufgabe mit der f\u00fcr diese heikle Sache, unterschiedliche L\u00e4ngenangaben von Gliedern von M\u00e4nnern aus verschiedenen L\u00e4ndern zu erhalten, sein Chef lie\u00df offen, ob Robert selbst wird Ma\u00df nehmen m\u00fcssen oder ob guter Glaube ausreichen wird, Robert ist aufgrund seiner Sensibilit\u00e4t in der Lage zu erkennen, ob ein Mann ihn bel\u00fcgt, wenn die Sprache auf das Thema Gliedl\u00e4nge kommt, erforderlichen Feinf\u00fchligkeit erledigt, wird Robert eine gewisse Beteiligung am Umsatz, den die Inkontinenz-Unterw\u00e4sche der Firma bescheren wird, erhalten, was Marion, Roberts Ehefrau, sehr freut, denn sie dr\u00e4ngt seit geraumer Zeit auf den Ankauf eines Sportwagens, eines Cabriolets eines niedereurop\u00e4ischen Herstellers, denn sie m\u00f6chte ihre Freundinnen beeindrucken durch die Vorfahrt in einem solchen Cabriolet, noch dazu jetzt, wo Robert, ihr geliebter Ehemann, erfahren hat, dass er zur Pr\u00fcfung antreten darf, dies ist die zweite Neuigkeit, die Robert seiner hocherfreuten Familie am Esstisch zur Kenntnis bringt, also dem zweiten, dem m\u00fcndlichen Teil seiner, lange Jahre hinausgez\u00f6gerten, Dissertation in der Studienrichtung Transzendentale Sensibilit\u00e4t, deren erster Teil, also der erste Teil der Pr\u00fcfung, also die schriftliche Arbeit, Roberts Dissertationswerk, von einem Professor der Transzendentalen Sensibilit\u00e4t an Roberts Universit\u00e4t mit der Benotung Sehr Befriedigend versehen wurde und er, also Robert, auf dem besten Weg ist, die Doktorw\u00fcrde zu erlangen, also ein Transzendentaler Sensibilist erster Kapazit\u00e4tsklasse zu werden, und mit einem solchen Mann als Ehemann, findet Marion, und spricht dies auch aus, steht ihr ein Cabriolet zu, und als Robert einwilligt, freuen sich s\u00e4mtliche Mitglieder der Familie, also Robert, Marion und ihre beiden gemeinsamen T\u00f6chter am Esstisch, an welchem Robert den Text seiner Dissertationsarbeit verfasst hat, doch im selben Augenblick beginnen Sorgen in Robert zu wachsen, es sind nicht Sorgen von der Art, beispielsweise finanzieller Natur, die ein Mensch empfindet, der von einem Augenblick auf den n\u00e4chsten seine Arbeitsstelle verliert und nicht wei\u00df, ob er im n\u00e4chsten Monat in der Lage sein wird, anfallende Kosten zu decken, also Rechnungen zu begleichen und Nahrungsmittel zu erwerben, um selbst genug zu essen zu haben oder, in diesem Fall werden die Sorgen f\u00fcr gew\u00f6hnlich gr\u00f6\u00dfer, seine Familie satt machen zu k\u00f6nnen, oder von der Natur, die ein Mensch empfindet, dem eine Diagnose zu Ohren gebracht oder vor Augen gehalten wird, die ihm bewusst macht, dass er an einer schweren Krankheit, die eine lange und risikoreiche Operation erforderlich macht, oder die \u00fcberhaupt als unheilbar gilt und in kurzer Zeit, verbunden mit starken Schmerzen, unweigerlich zum Tod des erkrankten Menschen f\u00fchren wird, eine Art Sorge, die sich steigert zur Angst vor dem, was passieren wird, Robert empfindet das stumpfe, das diffuse Gef\u00fchl der Unsicherheit, das des Nicht-Wissens, Nicht-greifen-K\u00f6nnens der Dinge, die vor ihm liegen, die eintreten werden, geschuldet ist dies der Unsicherheit, welche die beiden positiven, seine eigene Zukunft und die seiner Familie in eine gute Richtung lenkenden Neuigkeiten des Tages in Robert keimen lassen, er ist erfreut \u00fcber das Gute in den beiden Neuigkeiten, doch f\u00fchlt er im selben Augenblick, dass diese beiden Umst\u00e4nde, die Bef\u00f6rderung in der Firma, die ihn besch\u00e4ftigt h\u00e4lt und bezahlt, sowie die Aussicht auf die baldige Erlangung der Doktorw\u00fcrde, sein Leben, das Dasein, das er bis jetzt, bis zu diesem zw\u00f6lften September im Jahr der Venlafaxinunvertr\u00e4glichkeit gef\u00fchrt hat, ver\u00e4ndern, doch verbirgt Robert seine Sorgen vor seiner Familie, er m\u00f6chte seine geliebte Ehefrau nicht mit seinen Sorgen belasten, ebenso-wenig die beiden geliebten gemeinsamen T\u00f6chter, mit Marion, seiner Ehefrau, pflegt er die Praxis des Miteinander-Redens nicht, er hat das, also das Reden mit Marion, trotz der Liebe, die zwischen ihm und ihr existiert, die so gro\u00df ist, dass ihr zwei Kinder entsprungen sind, nie gemacht, und er will in diesem Moment nicht damit beginnen, denn er f\u00fcrchtet, von seiner Ehefrau nicht verstanden zu werden, er f\u00fcrchtet sich davor, dass sie ihn nicht anh\u00f6ren wird und seine Sorgen, just an diesem Tag des Triumphs, dem Tag der beiden guten Neuigkeiten, als unbegr\u00fcndet abtun wird, und so schweigt Robert, trinkt eine Flasche Wein mit seiner Ehefrau, liebt sie dort, wo sie es am liebsten hat, auf dem Sofa im Wohnzimmer, ihre T\u00f6chter sind in ihren Betten und schlafen den unschuldigen Schlaf von Kindern, um sich nach dem Akt im Wohnzimmer gemeinsam mit Marion in das Ehebett zu legen, doch er findet, im Gegensatz zu Marion, die tief neben ihm schl\u00e4ft, keinen Schlaf, seine Sorgen wachsen und werden immer gr\u00f6\u00dfer, das Nicht-Wissen, wie die neue Situation werden wird, wie sie sich anf\u00fchlen wird, wird Robert so unertr\u00e4glich, dass er keine Sekunde l\u00e4nger im Bett an der Seite seiner geliebten Ehefrau zubringen kann, so steht er auf, gibt seiner Ehefrau einen Kuss auf die Stirn, pr\u00e4zise gesagt handelt es sich um den Hauch eines Kusses, er m\u00f6chte sie nicht wecken, er haucht seinen beiden geliebten T\u00f6chtern zwei fl\u00fcchtige K\u00fcsse zu, steigt, wie er gewandet ist, also in seinem Schlafanzug, in sein Auto und f\u00e4hrt, einer pl\u00f6tzlichen Eingebung folgend, zu einem Bahnhof au\u00dferhalb der Stadt, in der er mit seiner Familie lebt, und er macht sich nicht die M\u00fche, die T\u00fcr seine Autos zu schlie\u00dfen, auch dessen Scheinwerfer l\u00e4sst er an, sie erleuchten gespenstisch die Umgebung, sie erleuchten die diffus im Nebel liegenden Geleise der Bahn, und Robert stellt sich auf sie, also auf die Geleise, wartet auf das Eintreffen des, gem\u00e4\u00df dem Fahrplan der Bahn, n\u00e4chsten G\u00fcterzugs, er sieht die Scheinwerfer der Lokomotive des Zugs auf sich zurasen, sie werden immer gr\u00f6\u00dfer und heller und Robert steht auf den Geleisen und wartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <span style=\"color: #333333;\"><a style=\"color: #333333;\" title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a><\/span> |Inventarnummer: 17141<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 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