{"id":6217,"date":"2017-02-28T17:00:33","date_gmt":"2017-02-28T17:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6217"},"modified":"2017-04-07T07:48:45","modified_gmt":"2017-04-07T07:48:45","slug":"gebet-fuer-die-schwalben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6217","title":{"rendered":"Die Errettung der Schwalben"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6217&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6217&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Als sich der Vorfall ereignete, von dem ich jetzt erz\u00e4hlen m\u00f6chte, war ich ganze f\u00fcnf Jahre alt.<br \/>\nDer Sommer war sch\u00f6n gewesen, ein ganz besonders guter Sommer, sagten die Erwachsenen. Die Donau f\u00fchrte Niedrigwasser, und wir kleineren Kinder konnten ohne Gefahr in den warmen T\u00fcmpeln zwischen den Uferfelsen planschen, die \u00e4lteren durften sogar im Hauptstrom schwimmen. Dazwischen waren wir oft in den W\u00e4ldern Beeren sammeln und Schwammerl pfl\u00fccken, am Dimbach durften wir Forellen und Krebse fangen, der Obstgarten mit \u00c4pfeln und Zwetschken, mit Quitten und N\u00fcssen versprach reiche Ernte, der sp\u00e4rliche Weizen und Hafer waren auch schon gedroschen, in den G\u00e4rten der Tanten bl\u00fchten die Dahlien und Gladiolen, die Hofh\u00fcndin beim Schmiedgruber hatte vier Junge geworfen, das Hausschwein Rosalia meiner Tante Sofie f\u00fcnf Ferkel, und ich hatte meinen j\u00fcngsten Bruder bekommen \u2013 genau in dieser Reihenfolge interessierte mich der Kreislauf der Natur. In der Kirche und in jedem Haus wurde das Erntedankfest vorbereitet.<\/p>\n<p>Das Leben war ein einziges fr\u00f6hliches und reiches Geschenk, und ich w\u00fcnschte, dass sich daran in alle Ewigkeit nie etwas \u00e4ndern sollte. Ich hatte lesen gelernt und war nicht mehr auf die Gnade der \u00e4lteren Geschwister angewiesen. Zus\u00e4tzlich hatte mir mein Vater, der in der gro\u00dfen Stadt arbeitete, die erste Blockfl\u00f6te mitgebracht. Ich war sicher, ich w\u00fcrde Musikerin und Komponistin werden.<\/p>\n<p>Anfang September schlug das Wetter pl\u00f6tzlich um; es brach ein furchtbares Gewitter los, und danach h\u00f6rte es nicht mehr auf zu regnen. Am Abend sa\u00df die ganze gro\u00dfe Familie mit allen Dienstboten um den Esstisch herum und betete in endlosen Schleifen den Rosenkranz. In den verschlossenen Fenstern flackerten hinter den Vorh\u00e4ngen die Kerzen. Drau\u00dfen blitzte und donnerte es, in den Pausen h\u00f6rte man das anschwellende Rauschen der Donau, w\u00e4hrend der Regen an die Fenster peitschte. Warum klopften einige Tropfen besonders hart und laut an die Scheiben? Durch das enge Donautal heulte der Sturm, manchmal in einem misst\u00f6nigen Winseln, manchmal in einem rasenden Get\u00f6se, als h\u00e4tte er alle Felsen und W\u00e4lder der Ufer mit sich gerissen, dann wieder in leisem, dumpfen Grollen. Dazwischen murmelten wir die Gegr\u00fc\u00dfet-seist-du-Marias auf und ab. Ein ganzer Schwarm gehetzter, vom Schreck gepackter Geister raste durch den engen, gewundenen Strudengau wie durch eine auf H\u00f6lle gestimmte \u00c4olsharfe, an der niemand Geringerer als der Teufel den Ton angab.<br \/>\nDann wieder das Vaterunser und das ewige Gegr\u00fc\u00dfet-seist-du-Maria, dein Leib sei gebenedeit, Heilige Jungfrau, Mariamuttergottes, da konnte es nur noch unbarmherziger und grausamer werden. Aber die verschlafenen Kinder waren schon l\u00e4ngst, in Decken geh\u00fcllt, in die Zimmer im Oberstock gebracht worden.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen sah man, was die Nacht gebracht hatte: Vom Krautberg hinter unserem Haus war eine Mure abgegangen, die sich fast bis an den ersten Holzstadel heranschob, in w\u00fcsten Wellen, von Felsbl\u00f6cken, Wurzeln und Baumst\u00e4mmen durchsetzt. Kurz danach brach im Schweinestall meines Onkels eine Seuche aus, alle Tiere mussten notgeschlachtet werden. Wir kannten sie alle pers\u00f6nlich, von der Geburt bis zur Blunzen und zum Speck. Jedes hatte einen Namen, auf den es h\u00f6rte, und jedes seine Pers\u00f6nlichkeit. Dieses schnelle Vergraben hinter dem Stall und das notd\u00fcrftige Verscharren in Gruben mit Erde und Kalk, aus denen manchmal noch die Beine herausstanden \u2013 die Urkatastrophe meiner Kindheit. Gestank und Fliegenschw\u00e4rme waren von geringerem Grauen, jeder Bauernhof hatte so etwas. Auch wenn die Kadaver l\u00e4ngst verwest waren, konnte ich sp\u00e4ter nie wieder an diesem Ort vorbeigehen. Die Schweinezucht sollte uns nicht nur ern\u00e4hren, sondern das zweite Bein des Haushalts der Gro\u00dffamilie werden, nachdem das Biergesch\u00e4ft nicht gut ging. Im Bierkeller meines Onkels stand das Wasser schon kn\u00f6chelhoch, die Holzf\u00e4sser begannen zu schwimmen, und die Gesichter der Erwachsenen wurden immer ernster.<br \/>\nVon Sintflut und Arche Noah war die Rede, danach, oben um den Tisch. Die Geschichte kannte ich schon vom Vorlesen des Vaters aus der Kinderbibel, sie war eine meiner Lieblingsgeschichten, wegen der Tiere in Paaren, obwohl die Bedeutung von biblischen Strafen der S\u00fcnden f\u00fcr mich noch im Dunkeln lag. Mein \u00e4lterer Bruder raunte mir in einer Rosenkranzpause zu, das ist nur wegen dir, du bist schuld. Warum? Wegen der Schwalben. Ich sah an mir herunter, sah nichts Schuldiges au\u00dfer meinen kurzen und d\u00fcnnen Beinen, sah wieder hoch auf das rot-schwarze Kreuzerlstichmuster im groben Naturleinen des Tischtuchs. Daran hielt ich mich bei den endlosen Gebeten, Litaneien und Ges\u00e4ngen, die mir vor den Augen wie endlose rot-schwarze Ameisenstra\u00dfen vorbeiliefen und das Hirn verriegelten. Am Ende nahm meine Gro\u00dfmutter einen Besen aus dem Weihwasserkessel heraus und besprengte uns alle in gro\u00dfen, feuchten B\u00f6gen.<\/p>\n<p>Die Dorfbewohner gingen trotz aller Arbeit jeden Nachmittag in die Kirche, um mit dem Rosenkranz gegen den Regen anzubeten, so wie sie in trockenen Sommern mit Kreuzen und Heilgenbildern unter Ges\u00e4ngen und Litaneien durch die Wiesen und Felder zogen, um Regen zu erbitten.<br \/>\nDer September war die Zeit, in der sich die Schwalben auf den Telegraphendr\u00e4hten zwischen unseren beiden H\u00e4usern versammelten, um in den S\u00fcden zu fliegen. In den Eing\u00e4ngen des Br\u00e4uhauses und in den St\u00e4llen nisteten jedes Jahr Schwalben in ihren an die Decken geklebten Nestern. Es geh\u00f6rt zu meinen sch\u00f6nsten Kindheitserinnerungen, wenn die erste kam, der Vorbote des Fr\u00fchlings, wenn sie im Fr\u00fchjahr in Scharen einzogen und wir erkl\u00e4rt bekamen, dass es immer dieselben Paare waren, die kurz darauf viele piepsende, gelb ger\u00e4nderte, weit aufgesperrte M\u00e4ulchen stopften, sirrend, pfeifend und zwitschernd ein- und ausflogen, unerm\u00fcdlich. Ich hatte von den Erwachsenen gelernt, an dem Verhalten der Schwalben die Wetterprognosen abzulesen. Je nach Luftdruck flogen sie hoch oder tief, ebenso wie die Fliegen. Die beiden zusammen waren verl\u00e4sslicher als das Barometer meiner Gro\u00dfmutter.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Erwachsenen immer sorgenvoller ihren T\u00e4tigkeiten nachgingen und immer wortkarger wurden, beobachteten wir Kinder die Schwalben auf den Telegraphendr\u00e4hten. Sie sa\u00dfen dicht gedr\u00e4ngt, manchmal mehrst\u00f6ckig, manchmal flogen Gruppen gemeinsam wieder auf, zogen Kreise weit hinaus \u00fcber die Donau und lie\u00dfen sich wieder nieder. Wer befahl ihnen, dass sie da drau\u00dfen sitzen mussten und nicht in ihren Nestern die Regentage abwarten konnten? Niemand hatte Zeit, so eine Frage zu beantworten, sollte sie jemand gestellt haben.<br \/>\nAber wie so oft, wird die unbestimmte Antwort unter Achselzucken wahrscheinlich gelautet haben: die Natur eben. Zum Beispiel, wenn eine Muttersau f\u00fcnf Ferkel bekam und eine andere nur zwei, das war doch ungerecht, oder unter einem Schwalbennest ein zerbrochenes Ei oder ein winziger Vogelk\u00f6rper lag, wobei klar war, dass die Katzen Minka und Murli in so eine hochgelegene Ecke nicht hinaufgelangt sein konnten. Unten machten sie sich g\u00fctlich an der Beseitigung dieser Unf\u00e4lle.<br \/>\nOder die w\u00e4hrend der Schweineseuche get\u00f6teten Tiere, die alle ihre Namen hatten, sie waren doch unschuldig, hatten nichts angestellt, wurden ermordet und hatten uns nicht einmal zu Schinken, Speck, Schmalz und Blunzen verholfen, immer hie\u00df es: die Natur eben. Aber ich war, wie bereits gesagt, f\u00fcnf Jahre alt, und in Anbetracht der Umst\u00e4nde, denen man sich zu f\u00fcgen hatte, konnten meine Fragen nicht beantwortet und meine W\u00fcnsche nicht ber\u00fccksichtigt werden.<br \/>\nOhne mich vorzudr\u00e4ngen, glaube ich in Erinnerung zu haben, dass ich der Liebling meiner Gro\u00dfmutter war. Dieses Gef\u00fchl eben, gegenseitige Zuneigung. Sie war meine Heilige und sie lie\u00df mich schlimm sein. Sie verteidigte mich sogar vor anderen Erwachsenen, denn ich galt als schwieriges, zumindest ungew\u00f6hnliches Kind.<\/p>\n<p>An einem Nachmittag entdeckte ich auf dem M\u00e4uerchen unterhalb der Telegraphendr\u00e4hte die ersten toten Schwalben. Ich stand fassungslos da und sah dem Massensterben zu. Die V\u00f6gel fielen einfach von den Dr\u00e4hten, wie Steine. Es regnete V\u00f6gel. Manche der kleinen Lebewesen zuckten noch mit den nach oben gedrehten Beinchen. In gro\u00dfer Aufregung sammelte ich sie in einen Korb, der neben dem H\u00fchnerstall f\u00fcr das Eierausnehmen bestimmt war, und lief zu meiner Gro\u00dfmutter.<br \/>\nSie stand an dem riesigen Herd in der K\u00fcche und r\u00fchrte in einem gro\u00dfen Topf. Omama, bitte. Ich streckte ihr den Korb entgegen.<br \/>\nHier verlassen mich meine Erinnerungen \u00fcber diesen Vorfall. Die Verzweiflung aber sp\u00fcre ich bis heute in der Kehle aufsteigen, wahrscheinlich meine erste Begegnung mit dem Sterben, mit der Hilflosigkeit angesichts der grausamen Natur. Solche Worte hatte ich damals nat\u00fcrlich noch nicht, aber das Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Den Ofen kann ich genau beschreiben, weil er noch lange \u00fcber diesen Vorfall hinaus dort in dieser K\u00fcche stand. Damals, mit f\u00fcnf, werde ich kaum \u00fcber den oberen Rand hinausgeragt haben, unten gemauert, mehrere T\u00fcrchen, Fetzen, dar\u00fcber wei\u00dfe Kacheln, dann Eisen, Gest\u00e4nge darum herum und oben auf der Platte, Eisen, vier L\u00f6cher mit abnehmbaren Eisenringen, Sch\u00fcrhaken drumherum und Riesent\u00f6pfe. Links oben k\u00f6chelte immer der gr\u00f6\u00dfte Topf von allen mit dem \u201eSauquascht\u201c- Schweinefutter &#8211; dort kamen im Laufe des Tages alle Abf\u00e4lle hinein, die als Schweinefutter geeignet waren.<br \/>\nVorne vielleicht ein Topf mit Stosuppe, einer mit Erd\u00e4pfeln, Schmalz aus Schweinespeck, Grammeln, frische, das war mir das Liebste, gleich hinter der K\u00fcche eine Backstube, aus der es duftete. Wenn daraus das frische Brot in langen oder runden K\u00f6rben kam, kam das Himmelreich auf die Erde.<br \/>\nDas gro\u00dfe runde Brot kam aus dem Korb auf den Tisch. Gro\u00dfmutter holte aus der Lade unter dem Esstisch ein Messer hervor, zog an ihrer Brust ein Kreuz an der Unterseite des Brotes durch und fing feierlich an, es anzuschneiden. Das erste Scherzl bekam ich, weil ich die Kruste so gerne mochte. Sie sagte zu mir, mein Eichh\u00f6rnchen.<br \/>\nBevor es mit Schmalz und Grammeln bestrichen wurde, roch ich daran, Salz nat\u00fcrlich, an Zwiebeln und Schninttlauch erinnere ich mich, und zog das Scherzl unter meiner Nase immer wieder vorbei, sog den Geruch ein, atmete aus und ein wie ein Opiums\u00fcchtiger mit seiner Droge.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfmutter seufzte: \u201eDie Schwalben sterben heuer wie die Fliegen, so ein Jammer, ohgottohgott, das ist kein gutes Zeichen f\u00fcr den Winter, der wird hart.\u201c Sie bekreuzigte sich mehrmals, f\u00fchrte das Kreuz an ihrem Halskettchen an den Mund, legte die Hand auf das Herz, murmelte Gebete und drehte die Augen zum Himmel.<br \/>\nIch lie\u00df den Korb fallen und st\u00fcrzte ihn um. Die Schwalben purzelten auf den Kachelboden vor dem Herd, ein schwarz-wei\u00dfes H\u00e4ufchen in einer Regenlache. Ich sah ein leichtes L\u00e4cheln auf ihrem Gesicht, zumindest war sie nicht b\u00f6se auf mich.<br \/>\nWie in allen Bauernk\u00fcchen \u00fcblich, verlief oberhalb des Herdes ein Gest\u00e4nge, auf dem Geschirrt\u00fccher, Lappen und Putzfetzen aufgeh\u00e4ngt waren, aber auch unsere nassen Socken und Kleider, die in der Fr\u00fch dann nach Holz und Rauch rochen.<br \/>\nOmama r\u00e4umte alle T\u00fccher vom Gest\u00e4nge weg und setzte die Schwalben darauf, eine nach der anderen, die noch ein Lebenszeichen von sich gaben. Sie befestigte die Krallen mit Vogelringen, die gleichzeitig die F\u00fc\u00dfchen st\u00e4rken sollten. Einige drehten sich sofort nach unten und fielen dann mit einem leisen Zischen auf der hei\u00dfen Ofenplatte auf. Es roch leicht wie nach verbranntem Haar. Omama fischte sie sofort herunter, \u00f6ffnete eine Ofent\u00fcre und warf sie ins Feuer. Dort zischten sie noch etwas lauter als auf der Platte, manche explodierten zwischen den gl\u00fchenden Holzscheiten, wahrscheinlich die Ged\u00e4rme, manche l\u00fcfteten ein letztes Mal die Schn\u00e4bel nach oben, vor allem die Jungen mit den gelben Schnabelr\u00e4ndern, die Fl\u00fcgel- und Schwanzfedern plusterten sich noch einmal auf in einem winzigen Feuerregen und verbrannten still in kleinen, roten Flammen, im H\u00f6llenfeuer. Wof\u00fcr sie bestraft wurden, konnte ich nicht verstehen. Aber dass manche im Verbrennen noch die F\u00fc\u00dfchen ausstreckten, als wollten sie sich ein letztes Mal entspannen, fand ich tr\u00f6stlich. Sie wurden im Sterben wieder lebendig.<\/p>\n<p>So sah die biblische Welt meiner Gro\u00dfmutter aus: Schwarz oder wei\u00df, gut oder b\u00f6se, oben oder unten, Himmel oder H\u00f6lle, Gnade oder Verdammnis. Und immer das schreckliche \u201eDie Natur eben, da kann man nichts machen.\u201c Dann schloss Omama schnell die Ofent\u00fcr und schaute nach, ob sich eine Schwalbe oben gehalten hatte. Sie wollte f\u00fcr mich ein Wunder vollbringen, obwohl sie nicht daran glaubte.<br \/>\nSo ging es lange. Allm\u00e4hlich kamen mehr andere Hausbewohner dazu, die auch Schwalben eingesammelt hatten.<br \/>\nLangsam lie\u00df man das Herdfeuer ausgehen und legte feuchte T\u00fccher auf die Platten. Jetzt schlafen sie und bald du auch, sagte meine Gro\u00dfmutter, zog mich an sich und dr\u00fcckte mir einen Kuss auf die Stirn.<\/p>\n<p>Das Ende der Schwalben-Rettung an diesem finsteren Abend bekam ich nicht mehr mit, es sollen aber einige Schwalben gerettet worden sein. Die Erwachsenen sprachen nie wieder dar\u00fcber, und ich wagte nicht zu fragen. Der n\u00e4chste Morgen war strahlend, die Sonne stand gro\u00df im blauen Himmel, und auf den Telegraphendr\u00e4hten sa\u00dfen die V\u00f6gel dicht an dicht, flatterten auf und ordneten sich neu nach ihren Gesetzen, \u00fcbten ihre Formationen vorher schon, das Sirren und Zwitschern klang in unseren Ohren fr\u00f6hlich, als sei nichts geschehen und als freuten sie sich auf ihre lange Reise. Irgendjemand meinte, sie nehmen die Jungen zwischen sich und verabreden sich, wer f\u00fcr wen Verantwortung \u00fcbernimmt. Der Trost einer Familie nach der Katastrophe. Aber ich bekenne, die Bilder von diesem Schauspiel k\u00f6nnten auch vor der Trag\u00f6die entstanden sein.<\/p>\n<p>20.2.17<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Veronika Seyr<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veronikaseyr.at\/\" target=\"_blank\">www.veronikaseyr.at<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/\" target=\"_blank\">http:\/\/veronikaseyr.blogspot.co.at\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3365\">anno<\/a> | Inventarnummer: 17083<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als sich der Vorfall ereignete, von dem ich jetzt erz\u00e4hlen m\u00f6chte, war ich ganze f\u00fcnf Jahre alt. 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