{"id":6059,"date":"2017-02-18T17:37:33","date_gmt":"2017-02-18T17:37:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6059"},"modified":"2017-02-24T08:52:40","modified_gmt":"2017-02-24T08:52:40","slug":"der-poltergeister-rap","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6059","title":{"rendered":"Der Poltergeister-Rap"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6059&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6059&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><blockquote><p>Es ist tiefste Nacht und irgendwann hoffst du,<br \/>\nmit der Nacht kommt endlich die verdiente Ruh\u2019.<br \/>\nDoch im Stockwerk vier, quasi \u00fcber dir,<br \/>\ngeht was ab nach strenger Marschmanier.<br \/>\nUm ein Uhr Fr\u00fch, da kommt Herr Polterer erst heim,<br \/>\nund knallt die T\u00fcr so zu, die geht fast aus dem Leim.<br \/>\nDann trampelt er die vielen Stiegen hoch<br \/>\nvergeblich sucht der Schl\u00fcssel nach dem Schl\u00fcsselloch.<br \/>\nDoch irgendwann geht auch die d\u00fcmmste T\u00fcre auf,<br \/>\ndann nimmt das Schicksal seinen grausamen Verlauf.<br \/>\nEr nimmt die Zimmerflucht in schwerem Nagelschuh,<br \/>\ndas ist das Ende deiner Nacht und ihrer wohlverdienten Ruh.<br \/>\nAuf seinen Hacken latscht er lautstark \u00fcber das Parkett,<br \/>\ndas regt mich furchtbar auf, ich find das \u00fcberhaupt nicht nett.<br \/>\nVon den Ersch\u00fctterungen wackeln Tisch und Licht,<br \/>\ndoch einen Polterer, den st\u00f6rt das alles nicht.<br \/>\nSogar die Gl\u00e4ser in dem Schrank vor mir die klirr\u2019n,<br \/>\ndavon l\u00e4sst sich der Herr da oben nicht beirr\u2019n.<\/p>\n<p>Und nach so \u2018ner ganz und gar beschiss\u2019nen Nacht,<br \/>\nda bist du armes Schwein auf einmal aufgewacht.<br \/>\nDich hat ein Wasserrauschen fr\u00fch am Morgen aufgeweckt,<br \/>\nvon diesem ist man v\u00f6llig unerwartet hochgeschreckt,<br \/>\nder Wasserhahn knapp \u00fcber dir im Badezimmer braust<br \/>\nund die Brotmaschine oben v\u00f6llig losgelassen saust.<br \/>\nSchon sieben St\u00fcck, dann acht, nein neun, gar zehn,<br \/>\nwieviel Brot braucht ein Mensch denn schon zum Fr\u00fchst\u00fccken?<\/p>\n<p>Zwei drei vier\u2026 Ich will so sein wie du, ganz dubidu,<br \/>\nso r\u00fccksichtslos gemein wie du,<br \/>\ndu siehst nur dich allein juhu<br \/>\nund alle andern sind dir schei\u00dfegal.<br \/>\nIch will so sein wie du, ganz dubidu,<br \/>\nso r\u00fccksichtslos gemein wie du<br \/>\ndu bist ja nicht allein juhu,<br \/>\nich schw\u00f6r\u2019s, so werd ich auch bestimmt einmal!<\/p>\n<p>Doch wenn du glaubst, der Typ wohnt da allein,<br \/>\ndann irrst du, denn die wohnen dort zu zwei\u2019n.<br \/>\nWenn man am Vormittag doch noch ein wenig schlafen k\u00f6nnt\u2019,<br \/>\nein frommer Wunsch, den dir dein Nachbar nicht verg\u00f6nnt.<br \/>\nVor M\u00fcdigkeit zittern die H\u00e4nde,<br \/>\ndr\u00f6hnen \u00fcber dir die W\u00e4nde<br \/>\nwenn Miss Polterer behende<br \/>\nSt\u00fchle schiebt schier ohne Ende.<br \/>\nDa wirst du selber ganz verr\u00fcckt bei diesem L\u00e4rm dort oben!<br \/>\nEs werden quietschend Tisch und Sessel hin- und hergeschoben,<br \/>\ndort saugt der Stauber stundenlang ganz ungehemmt dahin,<br \/>\nso lange bis ich schlie\u00dflich munter bin.<\/p>\n<p>An manch so einem wundersch\u00f6nen Sonn- und Feiertag,<br \/>\nwo ich nach wochenlanger Arbeit nur noch schlafen mag,<br \/>\nsuch ich in Panik rasch nach dicken Wattepfropfen,<br \/>\ndie will ich mir in die geplagten Ohren stopfen,<br \/>\nseit sechs Uhr fr\u00fch h\u00f6rt man von oben nichts als Schnitzelklopfen,<br \/>\nso an die vierzig St\u00fcck und manchmal mehr,<br \/>\nwarum? Die Polterkinder kommen heut zum Essen her.<\/p>\n<p>Hey, zwo drei vier\u2026 Ich will so sein wie du, ganz dubidu<br \/>\nso freundlich nur zum Schein wie du,<br \/>\nich m\u00f6cht\u2019 so geh\u2019n wie du, wie ein Elefant,<br \/>\nso schubidu, wirklich allerhand.<br \/>\nDu siehst sonst niemanden nur dich allein, juhu,<br \/>\nbist nicht auf dieser Welt allein, schuhu,<br \/>\nund alle andern sind dir schei\u00dfegal!<br \/>\nPasst auf, genauso werd\u2019 ich auch einmal!<\/p>\n<p>Punkt zw\u00f6lf Uhr drei\u00dfig sind die Kinder endlich alle da,<br \/>\nund auch der Nachwuchs ist dabei, juhu und tralala,<br \/>\nso an die vierunddrei\u00dfig ruhelose Beine,<br \/>\nihr k\u00f6nnt euch sicher vorstell\u2019n, was ich damit meine.<br \/>\nDenn diese Biester sind so zwischen sechs und elf,<br \/>\nda kann man nur noch beten, dass der liebe Gott dir helf.<br \/>\nM\u00f6ge der Spuk da oben rasch zu Ende sein und dann<br \/>\ngew\u00f6hn dich dran, dass sicher keiner dort vern\u00fcnftig gehen kann.<br \/>\nDie trampeln durch die Zimmer, rennen auf und ab,<br \/>\nwenn ich doch schlafen will. Das alles h\u00e4lt mich ordentlich auf Trab.<br \/>\nDas treiben sie so lange, bis bei dir die Decke bebt,<br \/>\nund wenn du meinst, dass etwas \u00fcber deinem Bette schwebt<br \/>\nund zwar ganz dreist,<br \/>\ndann hast du Recht, es ist ein Geist, der Polter hei\u00dft.<\/p>\n<p>Drum ist es f\u00fcr dich besser, du f\u00e4hrst lieber fort,<br \/>\nzum Schlafen such dir eben einen and\u2019ren Ort,<br \/>\ndenn wenn du dich beschwerst, dann kriegst du blo\u00df zu h\u00f6r\u2019n<br \/>\nwir wollten dich beim besten Willen ganz gewiss nicht st\u00f6r\u2019n, (h\u00f6h\u00f6h\u00f6)<br \/>\noder hast du neulich gar etwas bemerkt? No na!<br \/>\nWeil gestern war\u2019n seit langem wieder alle da.<\/p>\n<p>Wirklich sehr witzig! Drum: Zwo drei vier.<\/p>\n<p>Ich will so sein wie du, ganz dubidu<br \/>\nso freundlich nur zum Schein wie du,<br \/>\nich m\u00f6cht so geh\u2019n wie du wie ein Elefant,<br \/>\nso unversch\u00e4mt,<br \/>\nes ist allerhand!<br \/>\nDu siehst nur dich allein, juhu,<br \/>\nbist nicht auf dieser Welt allein, schuhu,<br \/>\nund alle andern sind dir schei\u00dfegal!<br \/>\nUnd so, genauso werd\u2019 ich auch einmal.<\/p>\n<p>Einmal geht\u2019s noch\u2026<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte geh\u2019n wie du, so schubidu,<br \/>\nund T\u00fcren schlagen so wie du,<br \/>\nso deppert und so laut wie du. Ein Nachbar kann<br \/>\nbeinah so sein als wie ein ganzer Mann.<br \/>\nIch schau im Almanach<br \/>\nder s\u00fc\u00dfen Rache nach,<br \/>\nund mach mich schlau.<br \/>\nKnall euch \u2018ne irre Soundmaschin\u2018<br \/>\nvom Boden bis zur Decke hin,<br \/>\nmit tausend Dezibel, so wie beim Festival<br \/>\nhol ich euch sicher schnell aus eurem Bau.<br \/>\nEin Rolling-Stones-Konzert, das eure Ruhe st\u00f6rt,<br \/>\num vieles lauter, als wenn eins von euren Enkeln pl\u00e4rrt.<br \/>\nIch dreh die Boxen auf, und das so furchtbar laut,<br \/>\ndass es euch hoffentlich aus euren Socken haut.<br \/>\nDann warte ich voll Sehnsucht bis zum Schluss,<br \/>\naufs Ende des Getrampels mit Genuss.<\/p>\n<p>Lasst mich so sein wie du, so schubidu,<br \/>\nso r\u00fccksichtslos gemein wie duuuh,<br \/>\nich mach mit meiner Soundmaschin\u2018<br \/>\nvon jetzt an jeden Sonntag hin<br \/>\nund blas euch damit gnadenlos aus eurem Schuh.<br \/>\nUnd dann, verdammt noch mal, ist endlich Ruh!<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">Norbert Johannes Prenner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:<span style=\"color: #333333;\"> <a style=\"color: #333333;\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=5450\">Perfidee<\/a> | I<\/span>nventarnummer: 17046<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist tiefste Nacht und irgendwann hoffst du, mit der Nacht kommt endlich die verdiente Ruh\u2019. 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