{"id":6007,"date":"2017-02-01T18:35:05","date_gmt":"2017-02-01T18:35:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6007"},"modified":"2017-03-29T16:43:32","modified_gmt":"2017-03-29T16:43:32","slug":"ein-loses-band","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=6007","title":{"rendered":"Ein loses Band"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6007&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts6007&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Konrad, so hie\u00df der Mann, von dem diese Erz\u00e4hlung handelt, war sowohl ein Alkoholiker als auch ein Befehlsempf\u00e4nger allererster G\u00fcte. Zum Zeitpunkt seines Todes war er zweiundsechzig Jahre alt.<br \/>\nDiese Erz\u00e4hlung gibt die letzten drei Tage seines Lebens wieder.<\/p>\n<p><strong>1<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDiese Ware ist unbrauchbar!\u201c, fauchte Konrad. \u201eSie ist eine Missbildung der Natur!\u201c<br \/>\n\u201eIch sehe das anders\u201c, gab sein Vetter zur\u00fcck. Miro, so wurde er gerufen, war der Besitzer der Firma, bei der Konrad besch\u00e4ftigt war. \u201eDie Ware ist durchaus in Ordnung! Du bist blo\u00df wieder einmal zu betrunken, dies zu erkennen. Wie so oft in letzter Zeit.\u201c<br \/>\n\u201eWas sprichst du da?\u201c, fragte Konrad in einem Tonfall, der sowohl Beleidigung als auch Unverst\u00e4ndnis zum Ausdruck brachte.<br \/>\nDoch dieser verfing nicht. Miro kannte seinen Vetter ein Leben lang, die beiden waren schlie\u00dflich gemeinsam aufgewachsen, sie hatten sogar im selben Haus gewohnt. So war es kein Wunder, dass er diesen Tonfall oftmals geh\u00f6rt hatte, wenn sein alkoholkranker Verwandter versucht hatte, Tatsachen, die ihm unangenehm waren, aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n<p>Miro bewunderte Konrad auf der einen Seite f\u00fcr den stets gleichen Versuch, sich mit gespielter Kindlichkeit herauszureden, aber auf der anderen Seite verachtete er ihn auch daf\u00fcr. Er selbst war n\u00e4mlich Gesch\u00e4ftsmann, musste also n\u00fcchtern kalkulieren und oft auch harte Entscheidungen treffen, somit hatte er gar kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr solch infantile Verhaltensweisen, die blo\u00df verhindern sollten, sich wichtigen Dingen zu stellen und sie aus der Welt zu schaffen. Vor allem wenn er getrunken hatte, verfiel Konrad in diese Unart.<br \/>\n\u201eLass das, Konrad!\u201c, sagte Miro barsch. \u201eDie Ware ist in Ordnung und wird uns gutes Geld einbringen. Du hast also keinen Grund &#8211; nicht den geringsten! &#8211; dich \u00fcber sie zu beschweren!\u201c<br \/>\n\u201eIch bin schon lange in diesem Gesch\u00e4ft!\u201c, protestierte Konrad und versuchte vom Tisch, an welchem beide sa\u00dfen, aufzustehen. Da er jedoch stark alkoholisiert war, brachte er dies erst beim zweiten Versuch zustande, nachdem er sich mit einer Hand auf der Tischplatte abgest\u00fctzt hatte. \u201eIch wei\u00df schon selbst, wann die Ware gut ist, und wann nicht!\u201c Er wurde laut. \u201eUnd \u00fcberhaupt &#8211; wie sprichst du mit mir?!\u201c<\/p>\n<p>Den Hang zum Poltern hatte Konrad schon immer in sich gehabt. Sobald er bemerkte, dass er mit seiner gespielten kindlichen Unschuld nicht durchkommen w\u00fcrde, wurde er laut, und ab und zu sogar gewaltt\u00e4tig. Dann konnte es durchaus vorkommen, dass er Ohrfeigen verabreichte oder gar Faustschl\u00e4ge austeilte.<br \/>\nMiro wich einen Schritt zur\u00fcck. Er war bereits einmal von seinem Vetter geschlagen worden. Diesem Vorfall war ein Streit \u00fcber die strategische Ausrichtung der Firma vorangegangen, aus welchem deren Besitzer trotz der Ohrfeigen als Sieger hervorgegangen war.<br \/>\n\u201eWie ich mit dir spreche, fragst du?\u201c<br \/>\nNun wurde auch Miro laut. \u201eWie der Boss mit einem Angestellten, der sich nicht auskennt! Wie der \u00e4ltere Cousin\u201c, nun br\u00fcllte er \u201emit dem j\u00fcngeren, den er einfach nicht rauswerfen kann! Weil er dessen Mutter\u201c, nun schrie er, \u201eseiner lieben Tante\u201c, nun gestikulierte er auch noch wild mit seinen Armen, \u201eversprochen hat, auf ihren Buben\u201c, nun \u00fcberschlug sich seine Stimme, \u201eder ein Al-ko-ho-li-ker ist\u201c, er betonte jede Silbe, \u201eauf-zu-pass-en!\u201c Dann schnappte er nach Luft.<\/p>\n<p>Konrad blickte betreten drein und machte Anstalten, den Raum zu verlassen.<br \/>\nSein Vetter lie\u00df seine Faust auf die Tischplatte krachen und schnaubte: \u201eNein, mein Herr! Du bleibst jetzt hier! Ich bin noch nicht fertig mit dir!\u201c<br \/>\nKonrad z\u00f6gerte ein paar Sekunden, setzte sich aber wieder an den Tisch. \u201eWas gibt es denn noch?\u201c, seufzte er.<br \/>\n\u201eAbgesehen davon, dass du wieder einmal zu besoffen bist, um die Qualit\u00e4t der Ware richtig einzusch\u00e4tzen: Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, in die Personalpolitik meiner Firma einzugreifen? Bist du jetzt v\u00f6llig \u00fcbergeschnappt?\u201c<br \/>\nSeinen Unterkiefer hatte Miro weit nach vorn geschoben, was Konrad zeigte, dass sein Vetter f\u00fcrchterlich b\u00f6se war.<\/p>\n<p><strong>2<\/strong><\/p>\n<p>Konrad hatte sich zwei Wochen zuvor erdreistet, personelle Umstrukturierungen vorzunehmen, ohne Miro, den Besitzer der Firma, um Erlaubnis zu fragen.<br \/>\n\u201eDu warst ja nicht da\u201c, sagte Konrad schnell. Und dann, mit Unschuldsmiene: \u201eAlso musste ich t\u00e4tig werden.\u201c<br \/>\nMiro lief purpurrot an. \u201eWeil ich im Urlaub war!\u201c, schnaubte er.<br \/>\n\u201eEben. Du warst nicht da. Wieder einmal!\u201c<br \/>\nWieder begann Miro zu br\u00fcllen. \u201eWieder einmal? Wieder? Ich habe in den letzten vier Jahren keinen Urlaub nehmen k\u00f6nnen, weil ich dich nicht alleine lassen konnte!\u201c<br \/>\n\u201eAber warum denn nicht?\u201c Wieder die Unschuldsmiene.<br \/>\n\u201eWeil du ein v\u00f6lliger Alkoholiker bist!\u201c Faust auf den Tisch. \u201eUnd wenn du gesoffen hast\u201c, er verdrehte die Augen und seine Stimme gellte, \u201ewas t\u00e4glich zweimal vorkommt, bist du nur sehr bedingt einsatzf\u00e4hig\u201c, wieder die Faust, \u201eund zurechnungsf\u00e4hig!\u201c<br \/>\nKonrad schwieg.<\/p>\n<p>\u201eWie kommst du eigentlich auf die Idee, Maria zu k\u00fcndigen und zwei neue Arbeiterinnen einzustellen? Wo ich dir doch ausdr\u00fccklich aufgetragen hatte, den laufenden Betrieb in der Firma blo\u00df zu \u00fcberwachen, und ja nicht in diesen einzugreifen!\u201c<br \/>\n\u201eAufgetragen &#8211; wie das klingt!\u201c<br \/>\nMit sanfter Stimme pflichtete Miro seinem Vetter bei: \u201eDu hast recht, Konrad, das klingt nicht gut\u201c, um gleich darauf wieder zu br\u00fcllen: \u201eBefohlen habe ich es dir! Be-foh-len!\u201c<br \/>\nKonrad war in der Tat der geborene Befehlsempf\u00e4nger. Nachdem er sein Studium abgeschlossen hatte, war er im Betrieb seines Vetters untergekommen. Er war Angestellter ohne eigentlichen Aufgabenbereich, sozusagen das M\u00e4nnchen f\u00fcr alles. Er verdiente gut, wenigstens gut genug, um sich jeden Tag zwei R\u00e4usche finanzieren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nEinmal hatte er geheiratet, doch nach bereits zwei Jahren wurde die Ehe geschieden, denn er hatte sich in deren Verlauf mehrere Male als gewaltbereit erwiesen.<\/p>\n<p><strong>3<\/strong><\/p>\n<p>Konrad hatte Maria gek\u00fcndigt, und das ohne Grund. Sie war die Leiterin der Arbeitsgruppe 1 in Miros Firma gewesen, und das seit dreiundzwanzig Jahren.<br \/>\nEines Tages hatte Konrad sie an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht, mit ihr zu br\u00fcllen begonnen und sie aufgefordert, ihre Papiere zu holen.<br \/>\nMiro hatte in seinem Urlaubsdomizil Wind von der Sache bekommen, jedoch nicht darauf reagiert.<br \/>\nKonrad hatte nach Marias Rauswurf zwei junge und durchaus attraktive Frauen an den freigewordenen Arbeitsplatz gesetzt, die er im Zuge einer ausgedehnten Tour durch etliche \u00fcbel beleumundete Bars kennengelernt hatte.<\/p>\n<p><strong>4<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJa, befohlen hast du mir stets etwas!\u201c, fauchte Konrad. \u201eEinfach, weil ich der Kleine bin!\u201c<br \/>\n\u201eDas ist keineswegs der Grund, und das wei\u00dft du ganz genau! Ich musste dir stets Befehle geben, ansonsten h\u00e4ttest du einfach nicht funktioniert! Weil du g\u00e4nzlich unzuverl\u00e4ssig bist, wenn du trinkst. Und das bist du st\u00e4ndig, unzuverl\u00e4ssig.\u201c Wieder br\u00fcllte er. \u201eWeil du st\u00e4ndig besoffen bist, mein Lieber!\u201c<br \/>\nKonrad erhob sich schwerf\u00e4llig und verlie\u00df den Raum. Im Hinausgehen wandte er sich um, zeigte mit dem Zeigefinger auf Miro und sagte grinsend: \u201eWenigstens hat einer von uns beiden begriffen, worum es im Leben wirklich geht!\u201c<br \/>\nDer Angesprochene sah erbost auf und schleuderte die Schnapsflasche, die Konrad ausgetrunken hatte, in dessen Richtung. Konrad zog schnell die T\u00fcre hinter sich zu, sodass die Flasche an dieser zerbarst.<br \/>\nEr ging schnurstracks nach Hause und \u00f6ffnete eine weitere Flasche Schnaps, die er in einem Zug zur H\u00e4lfte leerte. Er drehte sich zwei Haschischzigaretten, rauchte sie und lie\u00df sich, angezogen wie er war, auf sein Bett fallen.<\/p>\n<p><strong>5<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWarum rufst du mich schon um sechs Uhr an?\u201c, fragte Konrad mit belegter Stimme.<br \/>\n\u201eKomm sofort ins Lager!\u201c, befahl Miro barsch.<br \/>\nDer Empf\u00e4nger dieses Befehls sah an sich herab, stellte fest, dass er immer noch bekleidet, und sogar beschuht war, verrieb etwas Zahnpaste auf seinen Z\u00e4hnen und verlie\u00df seine Wohnung.<br \/>\nVor dem Lager wartete Miro bereits auf dem Parkplatz auf seinen Vetter. Als er dessen Wagen kommen sah, wurde seine Miene finster, sein Kopf hochrot und er begann, wild mit den Armen um sich zu schlagen und sprang sogar zweimal in die Luft, um seinem \u00c4rger Ausdruck zu verleihen.<\/p>\n<p>Konrad z\u00fcndete sich eine von sechzig Zigaretten an, deren Rauch er t\u00e4glich in seine Lungen sog, und blieb vorerst im Auto sitzen, was Miro nur noch w\u00fctender werden lie\u00df.<br \/>\nEr lief zum Wagen, trat ein paarmal gegen dessen rechtes Vorderrad, veranstaltete mit seinen F\u00e4usten eine Art Trommelwirbel auf der Motorhaube und riss die Fahrert\u00fcre auf.<br \/>\nKonrad, der eben seine Zigarette zum Mund gef\u00fchrt hatte, um an ihr zu ziehen, verga\u00df vor Schreck, sie wieder aus dem Mund zu nehmen, und sah seinen Vetter aus weit aufgerissenen Augen an, w\u00e4hrend die Zigarette aus der Mitte seiner Lippen ragte, von diesen fest umschlossen.<\/p>\n<p>Mit beiden H\u00e4nden packte Miro Konrad an den Schultern und riss ihn mit einer ruckartigen Bewegung aus dem Fahrersitz, um ihm sogleich zwei Maulschellen zu verabreichen.<br \/>\n\u201eAlso!\u201c, setzte der Geschlagene zu einem Protest an, wurde jedoch von Miro j\u00e4h unterbrochen.<br \/>\n\u201eWas habe ich dir gesagt?\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df gerade nicht, worauf du anspielst!\u201c, gab Konrad mit nerv\u00f6ser Stimme zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eIch habe dir aufgetragen, das Lager zu reinigen!\u201c<br \/>\n\u201eDas habe ich doch gemacht!\u201c<br \/>\n\u201eUnd wie hast du das gemacht, wenn ich fragen darf?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe erst den Boden gefegt und dann die Waren gereinigt.\u201c<br \/>\n\u201eWomit hast du den Boden gefegt?\u201c<br \/>\n\u201eMit dem Hochdruckreiniger.\u201c<br \/>\n\u201eGut. Du hast also\u201c, Miro wurde laut, \u201eden Boden meines Lagers mit Wasser gereinigt?\u201c<br \/>\n\u201eJa. Ich wollte Zeit sparen.\u201c<br \/>\n\u201eAlso auch die Zeit, dir in Erinnerung zu rufen, dass s\u00e4mtliche Waren im Lager leicht verderblich sind?\u201c<br \/>\n\u201eMiro, ich habe den Boden mit Wasser gereinigt. Was ist daran verkehrt?\u201c<br \/>\n\u201eWas daran verkehrt ist?\u201c Miros Stimmlage n\u00e4herte sich der Grenze zum Gebr\u00fcll. \u201eDass s\u00e4mtliche Waren in Stoffs\u00e4cken gelagert werden, das ist verkehrt!\u201c Er begann mit den Augen zu rollen. \u201eUnd dass diese Stoffs\u00e4cke nun einmal auf dem Boden stehen. Das ist auch verkehrt!\u201c Nun hatte seine Stimmlage die Grenze \u00fcberschritten. \u201eMehr als die H\u00e4lfte der Ware ist verdorben! Verfault, oder gerade am Verfaulen! Das ist am verkehrtesten!\u201c<br \/>\n\u201eDann ist das Wasser eben nicht abgeflossen!\u201c, versuchte Konrad sich zu verteidigen.<br \/>\n\u201eWie h\u00e4tte es denn abflie\u00dfen sollen, Konrad?\u201c<br \/>\n\u201eNa, durch den Abfluss!\u201c<br \/>\n\u201eHast du einen solchen ausgehoben?\u201c<br \/>\n\u201eNein.\u201c<br \/>\n\u201eDann hatte und hat dieses Lager keinen Abfluss!\u201c<br \/>\n\u201eSo teuer ist die Ware auch wieder nicht!\u201c<br \/>\n\u201eTeuer genug war sie jedenfalls!\u201c<br \/>\n\u201eWir werfen sie einfach weg und bestellen neue. Was h\u00e4ltst du davon?\u201c<br \/>\n\u201eBestellen werde ich sicherlich neue Ware! Und die Ware, die noch brauchbar ist, wirst du zum Marktplatz bringen und dort verh\u00f6kern! Und zwar du selbst!\u201c<br \/>\nKonrad murrte, doch f\u00fcgte er sich.<\/p>\n<p><strong>6<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Marktplatz bot Konrad die Ware, die nicht v\u00f6llig verdorben war, zu einem Spottpreis feil, doch konnte er blo\u00df wenig davon an den Mann bringen.<br \/>\nAus Furcht vor dem neuerlichen Zorn seines Vetters legte er eine Summe eigenen Geldes in die Handkasse. Den Gro\u00dfteil der Ware entsorgte er in den M\u00fclltonnen des Marktes.<br \/>\nAls er Miro die Kasse aush\u00e4ndigte und dieser das Geld darin z\u00e4hlte, bemerkte dieser den Schwindel sehr wohl, doch verlor er kein Wort dar\u00fcber.<br \/>\n\u201eKonrad, du hast den Schaden, den du angerichtet hast, wenigstens zu einem Teil wieder gutgemacht! Vergessen wir den Vorfall. F\u00fcr den Rest des Tages gebe ich dir frei.\u201c<br \/>\nKonrad fuhr nach Hause und trank Schnaps, bis er bewusstlos auf den Boden fiel.<\/p>\n<p><strong>7<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDu bist zu sp\u00e4t!\u201c<br \/>\n\u201eIch musste mir noch die Z\u00e4hne putzen.\u201c<br \/>\n\u201eEine Dusche h\u00e4tte dir auch nicht geschadet!\u201c<br \/>\nKonrad sah Miro fragend an.<br \/>\n\u201eDu stinkst nach Schnaps wie ein Pennbruder!\u201c<br \/>\n\u201eIch habe gestern noch einen Drink genossen, was ist daran verkehrt?\u201c<br \/>\n\u201eIn deinem Fall nichts mehr, mein lieber Vetter. Aber heute besucht ein wichtiger Kunde meine Firma, also h\u00e4ttest du dich beim Alkohol ruhig etwas zur\u00fcckhalten k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\n\u201eIch werde einen Kaugummi kauen.\u201c<br \/>\n\u201eIch f\u00fcrchte, der wird deine rote Nase nicht verdecken k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\n\u201eAlso was soll ich tun?\u201c<br \/>\nMiro zog seine prall gef\u00fcllte Geldb\u00f6rse hervor, entnahm ihr sechs Scheine, reichte Konrad diese und sagte: \u201eGeh in deine Lieblingsbar und mach dir dort einen sch\u00f6nen Tag.\u201c<br \/>\nKonrads Miene erhellte sich. Er nahm das Geld, steckte es in die Hosentasche und fuhr zum einzigen Nachtclub der Umgebung, in welchem man auch am Tag verkehren konnte.<\/p>\n<p><strong>8<\/strong><\/p>\n<p>Dort wurde er mit zwei ukrainischen M\u00e4dchen schnell handelseins und folgte ihnen in das mit einem Whirlpool ausgestattete Luxuss\u00e9par\u00e9e.<br \/>\nDie drei sa\u00dfen in der ger\u00e4umigen Wanne und waren gerade dabei, sich gegenseitig mit Bade\u00f6l einzureiben, als Konrads Mobiltelefon klingelte.<br \/>\nEr sprang aus dem Wasser, kramte das Telefon aus seiner Jackentasche und nahm den Anruf entgegen.<br \/>\n\u201eKonrad, du Idiot! Was hast du dem Kunden letzte Woche in Aussicht gestellt?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe ihm Rabatt angeboten.\u201c<br \/>\n\u201eUnd warum gleich vierzig Prozent?\u201c, schnaubte Miro.<br \/>\n\u201eIch habe mir eben gedacht, er kauft seit drei Jahren bei uns ein, also w\u00e4re ein bisschen Entgegenkommen nur fair.\u201c<br \/>\n\u201eFair? Das Doppelte des \u00fcblichen Rabatts?\u201c, br\u00fcllte Miro.<br \/>\n\u201eDann sage ihm eben, dass er doch nur zwanzig Prozent bekommt!\u201c<br \/>\n\u201eDas habe ich!\u201c<br \/>\n\u201eDann ist doch alles in Butter.\u201c<br \/>\n\u201eJa, in ranziger Butter! Er ist abgesprungen.\u201c<br \/>\n\u201eDas tut mir leid, ehrlich.\u201c<br \/>\n\u201eEs ist mir egal\u201c, br\u00fcllte Miro, \u201ewomit du gerade besch\u00e4ftigt bist, oder mit wem! Du kommst sofort her, damit ich dir eine Abreibung verpassen kann!\u201c, und beendete das Gespr\u00e4ch.<br \/>\nKonrad verabschiedete sich hastig von den M\u00e4dchen, zog sich an und lief die steile Treppe, die zu den Zimmern f\u00fchrte, hinab.<\/p>\n<p>Sein offenes rechtes Schuhband bewahrte ihn vor der ihm drohenden Abreibung durch seinen Vetter und auch vor allen weiteren Abreibungen, die in den n\u00e4chsten Jahren gewiss noch erfolgt w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=1490\">s\u00fcffig<\/a> |Inventarnummer: 17062<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Konrad, so hie\u00df der Mann, von dem diese Erz\u00e4hlung handelt, war sowohl ein Alkoholiker als auch ein Befehlsempf\u00e4nger allererster G\u00fcte. 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