{"id":5923,"date":"2017-01-22T14:50:14","date_gmt":"2017-01-22T14:50:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5923"},"modified":"2017-03-13T08:58:02","modified_gmt":"2017-03-13T08:58:02","slug":"tu-felix-austria-arde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5923","title":{"rendered":"Tu felix Austria, arde!"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5923&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5923&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>\u201eJetzt reicht es mir, und zwar endg\u00fcltig!\u201c, rief Frieda Ponisch in den Raum und schlug die Wohnungst\u00fcre zu. Sie streifte ihre Schuhe ab und ging ins Wohnzimmer, wo ihr Ehemann Otto auf dem Sofa sa\u00df. Nach einem Begr\u00fc\u00dfungskuss, den sie auf seine Wange hauchte, lie\u00df sie sich seufzend in einen der beiden Polstersessel fallen.<br \/>\n\u201eWas ist passiert?\u201c, fragte Otto und legte das Buch, in dem er gelesen hatte, auf den Couchtisch.<br \/>\n\u201eWas passiert ist, willst du wissen? Ich sage dir, was passiert ist: Die Rotzl\u00f6ffel haben heute das Ma\u00df vollgemacht!\u201c<br \/>\nMit Rotzl\u00f6ffel meinte sie Egon Gruber und Manuel Berger, beide sechzehn Jahre alt und in der Klasse, deren Vorst\u00e4ndin Frieda war und die sie in Biologie unterrichtete.<br \/>\nNun seufzte auch Otto Ponisch. Er war es allm\u00e4hlich leid, die \u00dcbellaunigkeit seiner Frau ertragen zu m\u00fcssen. Mindestens zweimal in der Woche kam sie aufgebracht nach Hause, und das seit drei Jahren, weil die beiden Buben ihr wieder einen Streich gespielt hatten.<br \/>\n\u201eJetzt sag schon: Was haben sie angestellt?\u201c<br \/>\n\u201eHeute waren sie nachgerade hyperaktiv. Das hei\u00dft, dass sie gleich zwei Missetaten begangen haben. Zuerst haben sie zwei Erstkl\u00e4ssler drangsaliert. Und dann haben sie ein Video in Umlauf gebracht, in dem ich zu sehen bin. Ich sage dir: Nun ist es genug! Das gibt Krieg!\u201c<\/p>\n<p>Ihr Mann, Psychologe von Beruf, hob die Augenbrauen und sagte mit ruhiger Stimme: \u201eImmer der Reihe nach, Frieda. Was haben sie den Erstkl\u00e4sslern angetan?\u201c<br \/>\n\u201eDu kennst doch die Herrentoiletten im Gymnasium, oder?\u201c<br \/>\n\u201eJa, die kenne ich.\u201c<br \/>\n\u201eAlso: Der Gruber und sein kongenialer Komplize Berger haben auf der Toilette darauf gewartet, dass sich zwei kleine Buben vor die Pissoirs stellen, um Wasser zu lassen. Und als die zwei bedauernswerten Wichte genau das gemacht haben, da sind die beiden verw\u00f6hnten Burschen hinter sie getreten und haben sie gepackt und zueinander gedreht!\u201c<br \/>\nOtto Ponisch gab sich alle M\u00fche, nicht loszuprusten, jedoch vergeblich.<br \/>\nIrritiert blickte seine Frau ihn an und \u00e4tzte: \u201eJa, ja, dir gef\u00e4llt das nat\u00fcrlich. Das war mir klar. Wahrscheinlich finden das alle M\u00e4nner witzig.\u201c<br \/>\nEr wollte auf ihre Worte eingehen, doch mehr als ein einleitendes \u201eNun\u201c brachte er nicht heraus. Der Rest ging im Gel\u00e4chter unter.<br \/>\n\u201eDu musst an die armen kleinen Buben denken! Die sind weinend und mit nassen Hosen durch den Gang gelaufen und haben nach ihren M\u00fcttern gerufen. Sie haben heute sicher den Schock ihres Lebens erlitten.\u201c<br \/>\n\u201eAlso ich wei\u00df nicht. Es wird ihnen schon noch Schlimmeres widerfahren, denke ich. Was hast du denn zu deinen beiden Qu\u00e4lgeistern gesagt?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe ihnen gesagt, dass das der letzte Streich war, den ich ihnen durchgehen lasse.\u201c<br \/>\n\u201eAch ja? Und als Zugabe haben sie dich gleich nochmal ge\u00e4rgert, quasi um einen starken Abgang zu haben\u201c, stellte er s\u00fcffisant fest.<br \/>\n\u201eJa, das haben sie. Aber die Sache mit dem Video haben sie vorbereitet gehabt. So was braucht Zeit, vor allem dann, wenn man eine gewisse Qualit\u00e4t abliefern will.\u201c<br \/>\n\u201eHast du den Film dabei?\u201c<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich. Er ist auf der Pinnwand der Facebook-Gruppe der Klasse, und wahrscheinlich wurde er schon hunderte Male geteilt!\u201c<\/p>\n<p>Otto holte seinen Laptop aus dem Arbeitszimmer, schaltete ihn ein und reichte ihn seiner Frau, die sich einloggte und das Video anklickte.<br \/>\n\u201e\u2018Friede Klonisch &#8211; wie sie wirklich ist\u2019. Ein interessanter Titel\u201c, sagte sie. \u201eDas Video ist in drei Abschnitte gegliedert.\u201c<br \/>\n\u201eNun lerne ich Frau Klonisch endlich so kennen, wie sie wirklich ist\u201c, witzelte er.<br \/>\n\u201eDer Vater von Gruber ist Videoproduzent. Ich bin mir sicher, dass sie dieses Machwerk in seiner Firma fabriziert haben. Aber sieh selbst.\u201c Sie reichte ihm das Notebook.<br \/>\nDas Video zeigte eine Frau, die an einem Tisch voller leerer Flaschen sa\u00df. Sie war offenkundig v\u00f6llig betrunken, denn sie lallte und \u00fcbergab sich letztendlich.<br \/>\n\u201eIch frage mich, wie sie es geschafft haben, mein Gesicht \u00fcber das dieser Frau zu legen.\u201c<br \/>\n\u201ePsst! Lass mich schauen!\u201c<br \/>\nDer zweite Teil zeigte Frieda im Klassenzimmer. Auf dem Lehrerpult hinter ihr stand ein ausgestopfter Uhu mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln. Sie stand vor der Klasse und hielt gestikulierend einen Vortrag. Im Video kamen allerdings blo\u00df unfl\u00e4tige Worte aus ihrem Mund. Das Referat handelte von wenig befriedigendem ehelichem Beischlaf.<\/p>\n<p>Als Otto Ponisch die seiner Frau in den Mund gelegten Worte vernahm, grinste er. Er klickte auf Pause und sagte: \u201eDie Burschen sind gut. So etwas zu fabrizieren ist verdammt schwer. Sie haben dich im Unterricht mit ihren Handys gefilmt, was noch keine gro\u00dfe Leistung ist. Aber das Schreiben einer Rede, deren Worte exakt zu deinen Mundbewegungen passen &#8211; also das ist wirklich hochkreativ.\u201c<br \/>\n\u201eWarte, bis du den dritten Teil gesehen hast. Dann wei\u00dft du, warum ich den Falotten den Krieg erkl\u00e4ren werde.\u201c<br \/>\nOtto klickte auf Play. Der letzte Teil zeigte eine nackte Frau beim autoerotischen Vollzug. Auch hier hatten Berger und Gruber Friedas Gesicht auf das der eigentlichen Darstellerin montiert. Als besonderes Detail hatten sie ein Foto von Otto, das sie von seiner Homepage heruntergeladen hatten, an die Wand des Studios, in dem die Szene vonstattenging, gezaubert. Aus beiden Seiten seines Kopfes ragten die \u00c4ste eines Hirschgeweihs, und das Foto war von einem geschnitzten Holzrahmen umgeben &#8211; Otto somit als Jagdtroph\u00e4e dargestellt.<br \/>\nDie Frau im Film \u00e4u\u00dferste schwer atmend und immer wieder heftig st\u00f6hnend ihre Zufriedenheit mit zwei Dingen. Zum einen mit der Tatsache, ihren Mann endlich um die Ecke gebracht und beerbt zu haben, zum anderen mit ihrem nunmehr erf\u00fcllten Liebesleben.<br \/>\nIm Abspann waren die Namen von zwei Regisseuren zu lesen: Oskar Pillermann und Radoslav Kuraz.<\/p>\n<p>Otto Ponisch klappte den Laptop zu und lachte. Dann sagte er: \u201eOkay, ein Lausbubenstreich, und weiter? Nat\u00fcrlich ist es eine Frechheit, so etwas ins Internet zu stellen, aber jeder, der dich kennt, wei\u00df, dass das gefaked ist.\u201c<br \/>\n\u201eDas gibt Krieg!\u201c, schnaubte sie und setzte ihre sturste Miene auf.<br \/>\n\u201eUnd wie soll dieser Krieg aussehen? Und wie ausgehen?\u201c<br \/>\n\u201eNa, die beiden Lausbuben m\u00fcssen von der Schule fliegen!\u201c<br \/>\n\u201eDas w\u00fcrde ich nicht tun, Frieda.\u201c<br \/>\n\u201eUnd warum nicht?\u201c<br \/>\n\u201eWas soll dann aus ihnen werden? So maturieren sie in zwei Jahren. Dir kann das doch egal sein.\u201c<br \/>\n\u201eWarum soll mir das egal sein?\u201c<br \/>\n\u201eWeil du in einem Monat in Pension gehst, Frieda.\u201c<br \/>\n\u201eAber irgendwie m\u00fcssen sie doch bestraft werden! Und so ein Rauswurf w\u00e4re ihnen sicherlich eine Lehre.\u201c<br \/>\n\u201eWo soll das hinf\u00fchren? Die Gefahr, dass sie dann auf die schiefe Bahn geraten, ist sehr gro\u00df. Wohlstandsverwahrlost sind sie ohnehin schon.\u201c<br \/>\n\u201eIch kann den beiden aber nicht mehr gegen\u00fcberstehen, ohne dass sie bestraft worden sind. Das w\u00fcrde ich nicht aushalten!\u201c<br \/>\n\u201eUnd wenn du den \u00f6sterreichischen Weg w\u00e4hlst?\u201c, fragte Otto nachdenklich.<br \/>\n\u201eOhrfeigen?\u201c<br \/>\n\u201eNein, Burnout.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a> |Inventarnummer: 17038<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eJetzt reicht es mir, und zwar endg\u00fcltig!\u201c, rief Frieda Ponisch in den Raum und schlug die Wohnungst\u00fcre zu. Sie streifte ihre Schuhe ab und ging ins Wohnzimmer, wo ihr Ehemann Otto auf dem Sofa sa\u00df. 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