{"id":5920,"date":"2017-01-22T14:44:26","date_gmt":"2017-01-22T14:44:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5920"},"modified":"2017-03-09T16:07:11","modified_gmt":"2017-03-09T16:07:11","slug":"martin-sehn-sucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5920","title":{"rendered":"Martin Sehn sucht"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5920&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5920&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>So lange er denken kann, hat Martin Sehn Probleme mit Frauen, und seit seinem siebzehnten Lebensjahr auch mit dem Alkohol.<br \/>\nHeute ist er siebenunddrei\u00dfig Jahre alt. Er hat eine Frau gesucht, aber noch keine gefunden. Wie zum b\u00f6sen Ausgleich hat ihn der Alkohol gefunden, obwohl Martin ihn gar nicht gesucht hatte.<\/p>\n<p>Bereits in der Volksschule hatte sich gezeigt, dass Martin Probleme im richtigen Umgang mit M\u00e4dchen hat. Seine Klassenlehrerin hatte ihn neben Karin Maier gesetzt, ein h\u00fcbsches und freundliches M\u00e4dchen. Sie hatte ihm sofort gefallen. Anstatt sich jedoch mit ihr nach der Schule zu treffen, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen, hatte er sie immer nur angestarrt. Jedesmal wenn es ihr reichte, von der Seite angestarrt zu werden, und sie ihren Unmut dar\u00fcber zum Ausdruck brachte, war das Einzige, was er zu entgegnen wusste, eine Ver\u00e4ppelung Karins. Er machte sich \u00fcber ihren Haarschnitt, ihre Nase und sogar \u00fcber ihr angebliches \u00dcbergewicht lustig. Bald hatte sie die Nase voll von ihm und bat die Lehrerin, sie doch neben ein M\u00e4dchen zu setzen.<br \/>\nDiese hatte durchaus Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diesen Wunsch und befahl Peter Mierz, den Platz neben Martin Sehn einzunehmen.<br \/>\nDie beiden freundeten sich rasch an, hatten sie doch denselben Leitspruch: M\u00e4dchen sind bl\u00f6d! Auch Peter Mierz hatte keinen Schlag bei den M\u00e4dchen in der Klasse, somit galten er und Martin bald als die ewigen Querulanten.<\/p>\n<p>Nachdem Martin Sehn die Volksschule mit Ach und Krach hinter sich gebracht hatte, musste er auf Gehei\u00df seiner Eltern die Hauptschule besuchen &#8211; f\u00fcr ein Gymnasium h\u00e4tte es bei ihm einfach nicht gereicht. Peter Mierz hingegen durfte in ein solches eintreten, und die beiden Freunde und Leidensgenossen verloren einander f\u00fcr einige Jahre aus den Augen.<\/p>\n<p>In der zweiten Klasse fasste Martin Sehn Mut. Der Grund daf\u00fcr hie\u00df Petra Siegel. Sie war neu in der Schule und gefiel ihm auf Anhieb. Sie hatte lange blonde Haare, braune Augen und eine Fehlstellung der Schneidez\u00e4hne, welche sie in seinen Augen ebenso einzigartig wie liebenswert machte. Das M\u00e4dchen war nicht auf den Kopf gefallen und nutzte geschickt die Tatsache aus, dass Martin diese Klasse zum zweiten Mal besuchen musste.<br \/>\nPetra nahm sein Angebot, die Hausaufgaben gemeinsam zu erledigen, sofort an. In Wahrheit war es so, dass er die gestellten Aufgaben in kurzer Zeit l\u00f6ste, denn er hatte den Lehrstoff bereits im Jahr zuvor lernen m\u00fcssen, und sie diese einfach abschrieb. Davon abgesehen hielt sie nicht allzu viel von Martin, was sie dadurch zum Ausdruck brachte, dass sie s\u00e4mtliche Avancen seinerseits ins Leere laufen lie\u00df. Nicht einmal an seinem Geburtstag, beim \u00dcberreichen eines kleinen Geschenks, k\u00fcsste sie ihn auf die Wange, und H\u00e4ndchenhalten kam schon gar nicht infrage.<\/p>\n<p>Gegen Ende des zweiten Hauptschuljahres stellte er sie diesbez\u00fcglich zur Rede. Sie versprach, im n\u00e4chsten Jahr mit ihm H\u00e4ndchen zu halten, doch der Zufall wollte es, dass Arnold Fischer in die Klasse kam, der eigentlich schon in der vierten Hauptschulklasse h\u00e4tte sitzen sollen. Er machte nun die Hausaufgaben f\u00fcr Petra Siegel.<\/p>\n<p>Mit dem Alkohol kam Peter Sehn das erste Mal im Alter von vierzehn Jahren in Ber\u00fchrung. Sein Gro\u00dfvater, ein passionierter J\u00e4ger und schwerer Trinker, hatte ein volles Schnapsglas auf dem Tisch stehen lassen. Martin z\u00f6gerte nicht lange und leerte das Glas nach der Art seines Ahnen in einem Zuge. Der Korn brannte in seiner Kehle und dann seine Speiser\u00f6hre hinunter, doch als er den Magen erreichte und sich dort auszubreiten begann, war alles anders. Ein Gef\u00fchl von wohliger W\u00e4rme durchstr\u00f6mte Martins K\u00f6rper. Er f\u00fchlte zwar ein wenig Benommenheit, doch erm\u00f6glichte ihm diese, einen milden Blick auf die F\u00e4hrnisse seines Alltags zu richten. In diesem Augenblick wurde ihm bewusst, dass der Alkohol eine gute und wohl auch hilfreiche Sache sein musste.<\/p>\n<p>Nachdem er die Hauptschule abgeschlossen hatte, begann er eine Schmiedelehre. Sein Lehrherr tolerierte den Konsum von zwei Flaschen Bier t\u00e4glich, schlie\u00dflich mussten seine Lehrlinge schwere Arbeit in hei\u00dfen R\u00e4umen verrichten.<br \/>\nMit den anderen Lehrlingen kam Martin gut aus, ohne jedoch echte Freundschaft mit ihnen zu schlie\u00dfen. Seinen Eltern blieb nicht verborgen, dass er oft mit einer Bierfahne aus der Schmiede nach Hause kam, doch da sein Lehrherr nur das Beste \u00fcber ihn zu berichten wusste, nahmen sie diesen Umstand kommentarlos hin.<\/p>\n<p>Ein M\u00e4dchen brachte Martin nicht nach Hause. Eines Tages, im dritten Lehrjahr, als die Bezahlung besser war als in den Jahren davor, \u00fcberredeten ihn die anderen Lehrlinge, am Samstagabend mit in die Stadt zu fahren, um Frauen kennenzulernen. Martin lernte tats\u00e4chlich eine Frau kennen. Sie hie\u00df Shin und kam aus China. Ihre gemeinsam verbrachte Zeit dauerte zwar nur exakt sechzig Minuten, doch reichten die aus, ihn erkennen zu lassen, wie leicht ein Mann mit ein bisschen Geld in der Tasche Erfolg bei den Frauen haben kann.<br \/>\nNachdem Martins Lehrlingsentgelt nicht allzu \u00fcppig war, konnte er es sich lediglich einmal im Monat leisten, eine Frau auf diese Art und Weise kennenzulernen.<br \/>\nDen Rest seines Geldes wandte er f\u00fcr den Ankauf alkoholhaltiger Getr\u00e4nke an den Freitagen und Samstagen auf. Sein Gro\u00dfvater hatte f\u00fcr diesen speziellen Hang seines Enkels durchaus Verst\u00e4ndnis und griff ihm finanziell nach Kr\u00e4ften unter die Arme.<\/p>\n<p>Nach seiner Gesellenpr\u00fcfung begann Martin Sehns langsamer aber stetiger Abstieg.<br \/>\nEr sehnte sich nach einer Frau, nach der W\u00e4rme und Geborgenheit, die ihm eine solche w\u00fcrde bieten k\u00f6nnen, aber gleichzeitig sehnte er sich nach der verg\u00e4nglichen W\u00e4rme und der tr\u00fcgerischen Geborgenheit, die ihm die Flasche immer \u00f6fter bot. Nachdem sich beides gegenseitig ausschloss, entschied er sich f\u00fcr die Flasche.<br \/>\nSie war billig, jederzeit verf\u00fcgbar und willig, wenn ihn nach ihr gel\u00fcstete, au\u00dferdem hatte er von ihr keine Widerrede zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Martin Sehn ging keiner geregelten Arbeit nach. Ab und zu half er seinem Freund Peter Mierz aus Dankbarkeit daf\u00fcr, dass dieser ihm durch seine Beziehungen den Milit\u00e4rdienst erspart hatte. Geld nahm er daf\u00fcr nicht, er lebte bequem vom Erbe seines Gro\u00dfvaters.<br \/>\nPeter Mierz hatte das Gymnasium abgeschlossen und den Hof seiner Familie \u00fcbernommen. Da auch sein Erfolg bei Frauen ausgeblieben war, genoss er es, ab und an mit Martin in die Stadt zu fahren, um welche kennenzulernen. Der Trinkerei seines Freundes stand er ablehnend gegen\u00fcber. Er selbst trank h\u00f6chstens eine Flasche Wein pro Woche, doch ihre Freundschaft hielt und besteht bis heute.<\/p>\n<p>Martin verbrachte seine Tage auf folgende Weise: Er erwachte um elf Uhr, bereitete sich ein Mittagsmahl zu und dann trank er. Er fing mit Bier an, das er den Nachmittag \u00fcber konsumierte, am Abend trank er Wein und vor dem Schlafengehen Korn.<br \/>\nSeine Eltern hatten den Kontakt zu ihm, ihrem einzigen Kind, abgebrochen. Martin wurde zum Gesp\u00f6tt des Dorfes. Er ging keiner Arbeit nach, lebte von seinem Erbe und war ein haltloser S\u00e4ufer. So sahen ihn die Leute, und so sprachen sie auch \u00fcber ihn.<br \/>\nIm Grunde seines Herzens war und ist er ein freundlicher, gro\u00dfz\u00fcgiger Mann. Jeder im Dorf h\u00e4tte ihn um Hilfe fragen k\u00f6nnen &#8211; er h\u00e4tte geholfen und w\u00fcrde es noch immer tun.<\/p>\n<p>Er gab einige Kontaktanzeigen auf, doch die Frauen, die sich auf diese meldeten, waren wenig angetan von seiner Lebensf\u00fchrung. Martin hatte bereits in den Erstgespr\u00e4chen nicht damit hinter dem Berg gehalten, dass er trank.<br \/>\nEine einzige Frau, Greta Ponisch, hatte sich auf eine Beziehung mit ihm eingelassen. Sie gab vor, kein Problem mit Alkoholikern zu haben, denn sie w\u00e4re von Natur aus tolerant veranlagt.<br \/>\nWie sich bald herausstellte, stimmte das, zum Teil wenigstens. Tolerant war sie allemal, auch wenn sich ihre Toleranz lediglich auf den F\u00fcllstand der vor ihr stehenden Gl\u00e4ser beschr\u00e4nkte. Die durften ruhig bis zum Rand gef\u00fcllt sein.<br \/>\nAnfangs kamen sie gut miteinander aus, dies vor allem aus einem Grund: Sie waren meist zu betrunken, um ein ernsthaftes Gespr\u00e4ch miteinander zu f\u00fchren. H\u00e4tten sie ein solches gef\u00fchrt, w\u00e4ren sie schnell dahintergekommen, dass sie lediglich durch das Laster der Trunksucht miteinander verbunden waren.<\/p>\n<p>Sie hatten nichts gemein. Greta Ponisch war sechs Jahre \u00e4lter als Martin Sehn und hochverschuldet. Ihr Mann, ebenfalls ein Alkoholiker der \u00fcbelsten Sorte, hatte sie im Stich gelassen. Erst hatte er Kredite aufgenommen und seine Frau mit Versprechungen auf eine rosige Zukunft, welche diese in ihrer Trunkenheit nur allzu gern geglaubt hatte, dazu gebracht, als B\u00fcrgin zu fungieren. Dann hatte er sich das von den Banken bewilligte Geld auszahlen lassen und es mit Alkohol und Frauen von schlechtem Ruf durchgebracht. Nachdem alles aufgebraucht war, hatte er sich auf dem Dachboden einen Strick um den Hals gelegt. Greta sah in Martin einen Rettungsanker, ein Tau, das sie aus ihrer misslichen Lage h\u00e4tte befreien sollen.<\/p>\n<p>Anfangs lief es gut. Sie wachten gegen Mittag auf und starteten mit Bier in den Tag. Danach sa\u00dfen sie auf der Veranda, spielten Karten, und Greta lauschte gebannt Martins Erz\u00e4hlungen. Er erz\u00e4hlte ihr von seiner Lehrzeit, seinem Gro\u00dfvater und wurde nicht m\u00fcde ihr zu sagen, wie gl\u00fccklich er war, endlich eine zu ihm passende Frau gefunden zu haben. Sie glaubte ihm nur allzu gern, doch jedesmal wenn er anklingen lie\u00df, dass er es f\u00fcr an der Zeit hielt, mit dem Trinken Schluss zu machen und eine Familie zu gr\u00fcnden, schenkte sie ihm ein weiteres Glas ein.<br \/>\nEine Sommergrippe warf ihn f\u00fcr drei Wochen aufs Bett. W\u00e4hrend dieser Zeit durfte er nicht trinken, denn der Dorfarzt hatte ihm Antibiotika verschrieben. Greta Ponisch indes trank weiter.<br \/>\nNach diesen drei Wochen war er v\u00f6llig ausgen\u00fcchtert und vom Alkohol entw\u00f6hnt. W\u00e4hrenddessen hatte er erkannt, mit welcher Frau er sich eingelassen hatte. Er f\u00fchrte ein ernstes Gespr\u00e4ch mit ihr, welches in einem b\u00f6sen Streit endete. Am n\u00e4chsten Tag warf er sie aus dem Haus.<\/p>\n<p>Peter Mierz begl\u00fcckw\u00fcnschte ihn zu dieser Tat und hoffte insgeheim, dass das unsch\u00f6ne Ende dieser Beziehung der Weckruf f\u00fcr seinen Freund gewesen w\u00e4re, den Alkohol bleiben zu lassen.<br \/>\nIn der Tat brachte Martin es fertig, weitere drei Wochen n\u00fcchtern zu bleiben. In dieser Zeit dachte er jedoch oft \u00fcber seine nunmehrige Einsamkeit nach und griff doch wieder zur Flasche. Er war es leid geworden, in die Stadt zu fahren, um Frauen in Nachtlokalen zu treffen, also verlegte er sich auf das Frequentieren der drei Gasth\u00e4user des Dorfes.<br \/>\nIn allen wurde er freundlich aufgenommen, denn aufgrund seiner im Ort bekannten Trinkfestigkeit galt er von vornherein als guter Gast. Allerdings war Martins Beweggrund, die Wirtsh\u00e4user aufzusuchen, mitnichten das Trinken gro\u00dfer Mengen &#8211; die konnte er ebensogut zu Hause zu sich nehmen, ohne f\u00fcrchten zu m\u00fcssen, sich l\u00e4cherlich zu machen oder gar Lokalverbote zu erhalten. Er besuchte die Spelunken, um Frauen kennenzulernen.<\/p>\n<p>Hierbei tat er sich schwer. Ihm fehlte es an Erfahrung, und er war sich dessen bewusst. Um sich Mut zu machen, trank er vor den Lokalbesuchen jeweils ein paar Gl\u00e4ser Korn. Kam er dann mit Frauen ins Gespr\u00e4ch, so war deren erster Eindruck stets der in ihre Nasen dringende widerliche Geruch von Schnaps. Dies sagten sie ihm in deutlichen Worten, was dazu f\u00fchrte, dass er seinen Mut verlor.<br \/>\nAls er Peter Mierz davon erz\u00e4hlte, erbot sich dieser, Martin zu begleiten und ihm die Frauen vorzustellen, bei welchen sein Freund seiner Meinung nach w\u00fcrde landen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs dauerte nicht lange und die beiden hatten den zweifelhaften Ruf eines Duo Infernale. Peter bekam Wind davon und verzichtete fortan darauf, Martin zu begleiten. Bald gab auch dieser auf.<\/p>\n<p>Als er dreiunddrei\u00dfig Jahre alt war, war Martin Sehns Sucht so weit vorangeschritten, dass er ein k\u00f6rperliches und seelisches Wrack war. Letzteres, weil seine Gedanken einzig um ein Thema kreisten &#8211; Alkohol. Ersteres, weil sich k\u00f6rperliche Verfallserscheinungen zeigten, die nicht einmal der ihn st\u00e4ndig umgebende Dunst von Fusel zum Verschwinden bringen konnte. Die Schmerzen wurden einfach zu stark, und eines Tages klappte er zusammen. Peter fand ihn reglos auf dem K\u00fcchenboden und alarmierte die Rettung.<br \/>\nIm Krankenhaus wurde eine akute Entz\u00fcndung der Bauchspeicheldr\u00fcse diagnostiziert und Martin in k\u00fcnstlichen Tiefschlaf versetzt. Als er nach vier Wochen aus dem Koma geholt wurde, f\u00fchrte der behandelnde Arzt ein ernstes Gespr\u00e4ch mit ihm. Martin gab sich einsichtig und stimmte einem station\u00e4ren Alkoholentzug zu. Er wurde in eine daf\u00fcr geeignete Klinik verlegt und musste sich erst einmal an einen geregelten Tagesablauf gew\u00f6hnen. Die Monate in der Klinik empfand er keineswegs als Qual oder Strafe, er nahm sie vielmehr als Hilfe wahr, um in ein neues Leben zu finden.<\/p>\n<p>Er hatte erkannt, dass er ein gro\u00dfes Problem hatte, und auch, dass er damit nicht alleine war. M\u00e4nner und Frauen unterschiedlichen Alters und aus allen Gesellschaftsschichten lie\u00dfen sich dort helfen. Martin nahm an Einzeltherapiestunden ebenso teil wie an Gruppensitzungen und sportlichen Aktivit\u00e4ten. Nach drei Monaten wurde er entlassen, als f\u00fcr den Moment geheilter, doch lebenslang gef\u00e4hrdeter Alkoholiker.<br \/>\nPeter Mierz fuhr ihn nach Hause, wo Martin als erste Handlung alle alkoholischen Getr\u00e4nke wegsch\u00fcttete.<\/p>\n<p>Es war noch genug Geld von seinem Erbe \u00fcbrig, also lie\u00df er sich in einem Nebengeb\u00e4ude eine Schmiede einrichten und \u00fcbte zum ersten Mal in seinem Leben seinen erlernten Beruf aus. Er wurde Kunstschmied.<br \/>\nEs dauerte einige Zeit, bis er wieder s\u00e4mtliche handwerklichen F\u00e4higkeiten erlangt hatte, die sein Lehrherr ihm beigebracht hatte, doch danach wurde er zu einem gefragten Handwerker.<\/p>\n<p>Seine Eltern nahmen wieder Kontakt zu ihm auf, und allm\u00e4hlich wurde er zu einem im Ort geachteten Mann. Wann immer \u00fcber ihn gesprochen wird, findet die Tatsache, dass er dem Alkohol verfallen war und beinahe an ihm gestorben w\u00e4re, Erw\u00e4hnung, doch ist es so, dass ein Mann mit Ecken und Kanten seinen Mitmenschen im Allgemeinen mehr gilt als ein aalglatter.<br \/>\nVom Alkohol hat er sich seit seinem Aufenthalt in der Klinik ferngehalten, wohl wissend, dass ein einziger Tropfen ihn zur\u00fcck in die H\u00f6lle der Trunksucht bef\u00f6rdern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Eine Frau hat er, wie auch sein Freund Peter Mierz, noch nicht gefunden. Er hat jedoch die Hoffnung nicht aufgegeben. Im Bezirksanzeiger steht unter der Rubrik Vermischtes \/ Kontakte seit ein paar Monaten folgender Text zu lesen: \u2018Sehn sucht! Erfolgreicher Kunstschmied, 37, 180 cm, sucht Frau im Alter von 35 bis 37 Jahren zum gemeinsamen Altwerden. Strikte Antialkoholikerin erw\u00fcnscht!\u2019<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=1490\">s\u00fcffig<\/a> |Inventarnummer: 17037<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lange er denken kann, hat Martin Sehn Probleme mit Frauen, und seit seinem siebzehnten Lebensjahr auch mit dem Alkohol. Heute ist er siebenunddrei\u00dfig Jahre alt. Er hat eine Frau gesucht, aber noch keine gefunden. Wie zum b\u00f6sen Ausgleich hat ihn der Alkohol gefunden, obwohl Martin ihn gar nicht gesucht hatte. 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