{"id":5632,"date":"2016-12-09T18:28:24","date_gmt":"2016-12-09T18:28:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5632"},"modified":"2017-02-02T12:32:54","modified_gmt":"2017-02-02T12:32:54","slug":"cccc","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5632","title":{"rendered":"Hubert, der Beobachter"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5632&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5632&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p style=\"text-align: center;\"><strong>Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Hubert Laufschaft, ein Mann von achtunddrei\u00dfig Jahren, verwitwet und kinderlos, ist begeisterter Beobachter.<br \/>\nEr ist Beobachter, wohlgemerkt. Kein Voyeur oder Spanner!<\/p>\n<p>Im zarten Alter von sieben Jahren hatte sich sein Talent f\u00fcr das Beobachten gezeigt, als seine Gro\u00dfeltern ihm zu Ostern einen Feldstecher geschenkt hatten. Es war ein einfaches, kostenextensives Exemplar, lackiert in billigem Schwarz, welches bald durch Huberts Handschwei\u00df abzubl\u00e4ttern begann. Der Feldstecher hatte, damit er um den Hals seines Benutzers getragen werden konnte, einen Riemen aus schwarzem Kunststoff, welcher Leder imitieren sollte, dies jedoch nicht zur G\u00e4nze fertigbrachte, auch fehlte ihm eine Skalierung, mit deren Hilfe Hubert Entfernungen einigerma\u00dfen pr\u00e4zise h\u00e4tte bestimmen k\u00f6nnen. Hubert hatte dennoch gro\u00dfe Freude mit dem Geschenk, schlie\u00dflich war ihm damit die M\u00f6glichkeit gegeben worden, Tiere zu beobachten.<\/p>\n<p>Er beobachtete M\u00e4usebussarde, die in der l\u00e4ndlichen Gegend, in der er aufwuchs, in gro\u00dfer Zahl vorkamen, und wurde bald ein durchaus kundiger Ornithologe, freilich einer der zweiten Kategorie; um ein Ornithologe erster Kategorie zu werden, ist ein Studium vonn\u00f6ten.<br \/>\nEr beobachtete die Bussarde bei ihrer Balz im Flug, beim Bereinigen ungekl\u00e4rter Fragen bez\u00fcglich der Grenzen der Reviere einzelner Paare dieser Raubv\u00f6gel sowie bei der Jagd, diese faszinierte Hubert am meisten, auf Feldm\u00e4use und Kr\u00f6ten. Des Weiteren beobachtete er Habichte, die er bald von den Bussarden unterscheiden konnte, durch ihr g\u00e4nzlich anderes Flugbild am Himmel und nat\u00fcrlich durch die unterschiedliche F\u00e4rbung ihres Federkleids, wenn sie gelandet waren, ihre Beutetiere rupften oder ihnen das Fell abzogen und sie auffra\u00dfen.<\/p>\n<p>Weiters liebte Hubert das Beobachten der seltenen Wiedehopfe und der Eichelh\u00e4her. S\u00e4ugetiere beobachtete er nicht, au\u00dfer diese nahmen an den Jagden der Greifv\u00f6gel teil, als Beutetiere.<br \/>\nSeine Beobachtungen behielt Hubert f\u00fcr sich. Selbst seinem besten Freund erz\u00e4hlte er nicht, womit er seine Freizeit verbrachte.<\/p>\n<p>Als Hubert in die Pubert\u00e4t kam, entdeckte er das Beobachten von Menschen f\u00fcr sich.<br \/>\nEr, der keine Geschwister hatte, mit welchen er h\u00e4tte Zeit verbringen k\u00f6nnen, suchte sich Pl\u00e4tze am Waldesrand, die von niedrigen B\u00fcschen bewachsen waren, welche ihm Deckung gaben. Deckung war ihm wichtig, denn er, der kein Spanner war, f\u00fcrchtete, und das wohl zu Recht, als eben solcher hingestellt oder gar denunziert zu werden, im Falle seiner Entdeckung. Aus diesem Grund, und auch weil ihn Menschen in freinat\u00fcrlicher trauter Zweisamkeit nicht interessierten, machte er einen weiten Bogen um Pl\u00e4tze, die daf\u00fcr bekannt waren, dass sich an ihnen Liebespaare zu verlustieren pflegten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Susanne Laufschaft<\/strong><\/p>\n<p>Susanne war Huberts Ehefrau gewesen.<br \/>\nSie hatte dem Dr\u00e4ngen von Huberts Eltern nachgegeben, die der Ansicht waren, dass ihr Sohn im Alter von neunundzwanzig Jahren endlich unter die Haube kommen sollte. Sie hatten ihr eine Masse Geld gegeben, und sie hatte eingewilligt, Hubert zu ehelichen und sogar seinen Familiennamen angenommen. Geliebt hatte sie ihn nie und so war es auch kein Wunder, dass dieser Ehe kein Nachwuchs entsprungen war.<br \/>\nDie Menschen im Dorf begannen, sich \u00fcber diese Amour fou lustig zu machen, Ger\u00fcchte \u00fcber eine arrangierte, eine gekaufte Ehe begannen die Runde zu machen.<\/p>\n<p>Hubert blieb dies nicht verborgen und er stellte seine lieblose Ehefrau zur Rede. Sie best\u00e4tigte die Ger\u00fcchte und er\u00f6ffnete ihm, dass sie einen Mann kennengelernt hatte, den die wirklich liebte und dass sie die Scheidung w\u00fcnschte.<br \/>\nDies war der Moment, in dem Hubert beschloss, seine Ehefrau zu beobachten.<br \/>\nEr kaufte sich einen Feldstecher und folgte ihr, ohne dass sie dies bemerkte, auf Schritt und Tritt. Er, der keiner geregelten Arbeit nachging und vom Verm\u00f6gen seiner Familie lebte, hatte ausreichend Zeit, Susanne zu folgen und sie zu beobachten.<\/p>\n<p>Bald fand er heraus, wo der Mann, den seine Ehefrau wirklich liebte, wohnte. Er suchte sich einen Platz, von wo aus er die beiden beobachten konnte, ohne selbst gesehen zu werden.<br \/>\nEr beobachtete sie einige Male durch sein Fernglas mit Skalierung, und schlie\u00dflich war er sich sicher, dass Susanne die falsche Frau f\u00fcr ihn war. Er war froh, dass sein Feldstecher ihm erlaubte, die Entfernung zwischen seiner Ehefrau und seinem Platz in der Deckung zu bestimmen. An zwei aufeinander folgenden Tagen machten ihm Sommergewitter Striche durch die Rechnung, eines der Gewitter f\u00fchrte gar Hagel mit sich. Doch am dritten Tag war das Wetter perfekt.<br \/>\nEr beobachtete Susanne und bestimmte ein letztes Mal, um ganz sicherzugehen, die Entfernung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mathilde und Egon Laufschaft<\/strong><\/p>\n<p>Mathilde und Egon waren Huberts Eltern.<br \/>\nDieser, im schwarzen Anzug, stellte die beiden noch am Rande der Tafel von Susannes Leichenschmaus zur Rede. Er fragte sie, ob sie seiner Ehefrau Geld gegeben h\u00e4tten, um diese dazu zu bewegen, ihn zu heiraten.<br \/>\nDie beiden wollten anfangs nicht mit der Wahrheit herausr\u00fccken, deutlich erkennbare Furcht lag in ihren Augen, doch nach einigen Minuten fasste sich Huberts Vater ein Herz und bejahte die Frage. Hubert war au\u00dfer sich vor Wut und der verst\u00e4ndlichen Entt\u00e4uschung des Hintergangenen.<\/p>\n<p>Er \u00fcberlegte, ob er seine Eltern beobachten sollte,\u00a0 doch konnte er sich weder zu einem Ja noch zu einem Nein in dieser Frage durchringen. Vorerst. Drei Tage sp\u00e4ter er\u00f6ffnete Mathilde Laufschaft ihrem Sohn, dass sie eine neue Frau f\u00fcr ihn gefunden h\u00e4tte.<br \/>\nIn diesem Augenblick wurde Hubert klar, dass er seine Eltern w\u00fcrde beobachten m\u00fcssen. Er wollte schlie\u00dflich verhindern, ein zweites Mal an eine lieblose Ehefrau zu geraten.<br \/>\nEr zog sich in den Rand des Waldes bei seinem Elternhaus zur\u00fcck und beobachtete seine Eltern durch sein Fernrohr. Es war immer noch Sommer, doch war die Zeit der Unwetter vor\u00fcber.<br \/>\nEines Tages beobachtete Hubert seinen Vater, als dieser den Rasen des weitl\u00e4ufigen Grundst\u00fccks m\u00e4hte. Seine Mutter kam aus dem Haus und h\u00e4ufte das geschnittene Gras mit einem Rechen auf.<br \/>\nHubert ermittelte die Entfernung zwischen seinem Versteck und seinen Eltern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Gestern<\/strong><\/p>\n<p>Gestern ermittelte Hubert die Entfernung zwischen seinem Versteck und seiner Volksschullehrerin, die ihn getriezt hatte. Obwohl schwacher Wind weder die Flugbahn noch die Durchschlagskraft eines Projektils von gro\u00dfem Kaliber ma\u00dfgeblich beeinflusst, beschloss er zu warten. Er wird die Lehrerin wieder beobachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<strong>Heute<\/strong><\/p>\n<p>ist es windstill.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <span style=\"color: #333333;\"><a style=\"color: #333333;\" title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=972\">\u00e4rgstens<\/a><\/span> |Inventarnummer: 17007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgeschichte Hubert Laufschaft, ein Mann von achtunddrei\u00dfig Jahren, verwitwet und kinderlos, ist begeisterter Beobachter. Er ist Beobachter, wohlgemerkt. Kein Voyeur oder Spanner! Im zarten Alter von sieben Jahren hatte sich sein Talent f\u00fcr das Beobachten gezeigt, als seine Gro\u00dfeltern ihm zu Ostern einen Feldstecher geschenkt hatten. 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