{"id":5532,"date":"2016-11-27T15:00:29","date_gmt":"2016-11-27T15:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5532"},"modified":"2016-11-29T06:25:21","modified_gmt":"2016-11-29T06:25:21","slug":"von-kohle-und-meisen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5532","title":{"rendered":"Von Kohle und Meisen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5532&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5532&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>1<\/p>\n<p>Paul Meller lie\u00df sich auf den ihm zugewiesenen Ledersessel im Wohnzimmer seines Freundes Walter Hauser fallen. Mit nerv\u00f6sen Blicken musterte er Walter, registrierte dessen edlen Anzug und das goldene Malteserkreuz auf der Schlie\u00dfe seiner Armbanduhr. Sein Blick wanderte weiter und fiel auf mehrere \u00d6lgem\u00e4lde und eine enorme Bibliothek, schlie\u00dflich auf seine eigene zerschlissene Hose und seine Schuhe, die abgetreten und an zwei Stellen eingerissen waren.<\/p>\n<p>\u201eAch, Walter\u201c, seufzte er.<br \/>\n\u201eWie viel brauchst du dieses Mal?\u201c, fragte der Angesprochene mit kaum verhohlenem \u00c4rger in der Stimme.<\/p>\n<p>Sie kannten einander von Kindesbeinen an, waren beide in Gratwein aufgewachsen, einem kleinen Dorf in der N\u00e4he von Graz. Sie hatten gemeinsam die \u00f6rtliche Volksschule besucht, sich danach durch das Gymnasium eines Nachbardorfes gequ\u00e4lt und schlie\u00dflich studiert.<br \/>\nWalter Hauser war Arzt geworden, Paul Meller hatte sich nach dem Studium der Kunstgeschichte einige Jahre lang dem Alkohol hingegeben und war nie wieder auf die Beine gekommen. Walter hatte ihn stets finanziell unterst\u00fctzt und ihm auch in vielen anderen Belangen die Stange gehalten, doch mit den Jahren war er es leid geworden, Paul \u00fcber Wasser zu halten, w\u00e4hrend sich dieser Tr\u00e4umereien von einer gro\u00dfen Karriere als Schriftsteller hingab und keiner geldbringenden T\u00e4tigkeit nachging.<\/p>\n<p>\u201eMonika saugt mich aus, sage ich dir! St\u00e4ndig will sie Geld von mir, und ich habe doch keines!\u201c<br \/>\n\u201eWie oft habe ich dir schon gesagt, dass du diese Frau verlassen musst?\u201c, rief Walter. \u201eDu bist ihr h\u00f6rig. Richtiggehend s\u00fcchtig bist du nach ihr! Und was macht sie? Sie nutzt dich blo\u00df aus. Liegt auf der faulen Haut und l\u00e4sst dich \u00fcberall um Geld betteln.\u201c<br \/>\nPaul wischte sich schweigend Tr\u00e4nen aus den Augen.<br \/>\n\u201eAlso, wie viel?\u201c<br \/>\n\u201eDreitausend Euro.\u201c<br \/>\n\u201eBist du verr\u00fcckt? Wof\u00fcr braucht ihr so viel Geld?\u201c<br \/>\n\u201eMonika w\u00fcnscht sich eine neue Lederjacke, und die alleine kostet mehr als zweitausend.\u201c<br \/>\nWalter Hauser sprang auf, st\u00fctzte sich auf dem Couchtisch ab und rief: \u201eVerzeih, dass ich dich gefragt habe, ob du verr\u00fcckt seist. Diese Frage war unn\u00f6tig, denn du bist verr\u00fcckt!\u201c<br \/>\nPaul sah aus dem Fenster. Auf dem Fensterbrett hatte sich eine Kohlmeise niedergelassen und pickte darauf herum. Dann sah sie ihm in die Augen und flog davon.<\/p>\n<p>In diesem Augenblick ahnte Paul Meller, dass das Gl\u00fcck dabei war, ihn zu verlassen.<br \/>\n\u201eIch gebe dir tausend Euro, Paul\u201c, sagte Walter, der sich wieder beruhigt hatte. \u201eDas ist aber das letzte Mal, dass ich dir helfe. Meine Frau fragt mich schon, ob ich noch bei Trost bin, dir immer wieder Geld zu geben.\u201c<br \/>\n\u201eDanke\u201c, murmelte Paul. In seiner Stimme lagen Entt\u00e4uschung und Resignation.<br \/>\nSein Freund ging in einen Nebenraum und kam mit dem Geld in der Hand zur\u00fcck. Er reichte es Paul mit den Worten \u201eBitte sehr!\u201c<br \/>\n\u201eVielen Dank, Walter. Du bist ein echter Freund.\u201c<br \/>\n\u201eLassen wir das. M\u00f6chtest du ein Glas Cognac?\u201c<br \/>\n\u201eJa, gerne.\u201c<\/p>\n<p>Walter f\u00fcllte teuren Cognac in zwei Schwenker und stellte sie auf den Tisch. Nachdem sie angesto\u00dfen hatten, sagte er: \u201eHeute Abend findet in der Mehrzweckhalle ein Fest der Freiwilligen Feuerwehr statt. Wirst du hingehen?\u201c<br \/>\nPaul sch\u00fcttelte den Kopf und sagte: \u201eWas habe ich dort verloren?\u201c<br \/>\n\u201eMaria Reiner wird auch kommen\u201c, sagte Walter.<br \/>\n\u201eMaria Reiner wird auch kommen\u201c, wiederholte Paul, und pl\u00f6tzlich hellte sich seine Miene auf, um gleich darauf wieder d\u00fcster zu werden.<br \/>\n\u201eDu liebst sie immer noch, oder?\u201c, meinte Walter.<br \/>\n\u201eLieben&#8230; nun, ich w\u00fcrde sie noch immer gerne an meiner Seite haben, sagen wir es so. Doch au\u00dfer Ablehnung ist von ihrer Seite nie etwas gekommen.\u201c Er seufzte.<\/p>\n<p>\u201eIch finde, du solltest das Fest besuchen. Lass uns doch gemeinsam hingehen\u201c, schlug Walter vor.<br \/>\n\u201eIch habe kein sauberes Hemd. Du wei\u00dft, Monika ist im Haushalt nicht zu gebrauchen.\u201c<br \/>\n\u201eDas wei\u00df ich. Monika Schinagl ist f\u00fcr gar nichts zu gebrauchen.\u201c Er lachte, dann verlie\u00df er das Wohnzimmer und kam mit einem gest\u00e4rkten Hemd und einer Seidenkrawatte zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eDas Hemd und die Krawatte schenke ich dir. Ist es dir recht, wenn ich dich um acht Uhr abhole?\u201c<br \/>\nPaul sah auf die Kleidungsst\u00fccke und strahlte.<br \/>\n\u201eVielen Dank, Walter! Ja, acht passt mir gut.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2<\/p>\n<p>\u201eWie viel hast du bekommen?\u201c, fragte Monika Schinagl.<br \/>\n\u201eSiebenhundert Euro hat er mir gegeben\u201c, log Paul Meller.<br \/>\n\u201eDas reicht nicht!\u201c, rief sie. \u201eDu musst nochmal zu Walter gehen! Ich muss diese Lederjacke haben!\u201c<br \/>\nSie blickte ihn b\u00f6se an.<br \/>\n\u201eMonika, mehr hat er mir nicht gegeben. Was soll ich machen?\u201c<br \/>\n\u201eDas ist mir egal, mein Lieber. Ich will diese Jacke!\u201c<br \/>\n\u201eMan kann nicht immer alles haben, was man sich w\u00fcnscht\u201c, sagte er mit ruhiger Stimme.<br \/>\n\u201eDas stimmt. Wenn ich diese Jacke nicht haben kann, dann hast du eine Freundin gehabt!\u201c<br \/>\n\u201eWann wirst du endlich damit aufh\u00f6ren, mich mit dem Schlussmachen zu erpressen?\u201c, fragte Paul und vergrub sein Gesicht in den H\u00e4nden. \u201eDu wei\u00dft doch, dass ich alles f\u00fcr dich tue!\u201c<br \/>\n\u201eDas reicht eben nicht! Was ist in dem Plastiksack?\u201c<\/p>\n<p>Sie nahm Paul die T\u00fcte aus der Hand und zog das Hemd und die Krawatte heraus.<br \/>\n\u201eAha, der Herr war einkaufen\u201c, stellte sie schnippisch fest.<br \/>\n\u201eNein, der Herr hat von seinem besten Freund ein Hemd und eine Krawatte geschenkt bekommen\u201c, gab er zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eWof\u00fcr brauchst du das Zeug denn?\u201c<br \/>\n\u201eIch gehe heute Abend mit Walter auf das Feuerwehrfest.\u201c<br \/>\n\u201eGeh ruhig, wenn es dir nicht zu bl\u00f6d ist, die Leute aus Gratwein zu sehen.\u201c<br \/>\n\u201eNein, das ist es nicht.\u201c<br \/>\n\u201eIch werde jedenfalls auf dem Sofa liegen und weinend an meine Lederjacke denken.\u201c<br \/>\n\u201eNur zu, Monika\u201c, ermunterte er sie sarkastisch.<\/p>\n<p>\u201eIch habe \u00fcbrigens deine neuen Erz\u00e4hlungen gelesen.\u201c<br \/>\n\u201eGefallen sie dir?\u201c<br \/>\n\u201eSie sind ganz gut.\u201c<br \/>\n\u201eGanz gut?\u201c, fragte er entt\u00e4uscht. \u201eIch habe mir gro\u00dfe M\u00fche gegeben.\u201c<br \/>\n\u201eSie sind gut. Und jetzt gib mir die siebenhundert Euro.\u201c<br \/>\nEr gab ihr das Geld und sagte: \u201eIch brauche aber etwas f\u00fcr das Fest.\u201c<br \/>\nSie dr\u00fcckte ihm zehn Euro in die Hand und sagte: \u201eDas muss reichen. Wirst du Walter fragen, ob er dir noch etwas borgt?\u201c<br \/>\n\u201eJa, Monika, das werde ich\u201c, seufzte er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3<\/p>\n<p>Paul Meller hielt sich im Hintergrund, w\u00e4hrend Walter Hauser viele H\u00e4nde sch\u00fcttelte. Er hatte f\u00fcr jeden ein freundliches Wort \u00fcbrig, denn viele der G\u00e4ste der Veranstaltung waren seine Patienten.<br \/>\nPaul wurde blo\u00df von wenigen mit Handschlag begr\u00fc\u00dft, wobei ihm die Verachtung in den Augen, die auf ihn gerichtet waren, nicht entging. Unter all den erfolgreichen und wenigstens im Ort hochgeachteten Gratweinern kam er sich minderwertig vor. Dieses Gef\u00fchl wurde vom Hemd, das er von seinem Freund erhalten hatte, noch verst\u00e4rkt, denn auf der linken Seite waren die Buchstaben WH un\u00fcbersehbar eingestickt.<\/p>\n<p>Die Dorfmusikanten nahmen ihre Pl\u00e4tze ein und begannen ihre Darbietung mit einem flotten Marsch. Bald f\u00fcllte sich die Tanzfl\u00e4che, und Walter wurde von der Frau des B\u00fcrgermeisters zum Tanzen aufgefordert.<\/p>\n<p>Paul stellte sich an die Bar und trank zwei Schn\u00e4pse aus Plastikbechern, dann bestellte er ein Bier. Mit dem Becher in der Hand stand er am Rande der Tanzfl\u00e4che an die Wand gelehnt und rauchte eine Zigarette. Er bemerkte, dass die Leute \u00fcber ihn tuschelten und war gerade dabei, sich innerlich dar\u00fcber aufzuregen, als er Maria Reiner erblickte.<br \/>\nSie hatte in der Volksschule und im Gymnasium seine Klasse besucht, und er hatte sich in sie verliebt. Sie hatte von seiner Liebe gewusst, ihm jedoch stets die kalte Schulter gezeigt. Seine Liebe war nie erkaltet, er hatte sie blo\u00df zur Seite geschoben, um nicht von ihr gequ\u00e4lt zu werden.<br \/>\nAls er Maria sah, erwachten diese Gef\u00fchle wieder.<\/p>\n<p>Das Erste, was Maria Reiner an diesem Abend, als sie Paul Meller erblickte, empfand, war Best\u00fcrzung, danach Mitleid. Sie hatte von Pauls unaufhaltsamem Abstieg erfahren, doch als sie mit eigenen Augen sah, wie tief er gefallen war, konnte sie diese Emotionen nicht unterdr\u00fccken. Sie l\u00e4chelte, winkte ihm zu und besorgte sich ein Br\u00f6tchen und einen Becher Bier an der Bar.<\/p>\n<p>Walter kam auf seinen Freund zu und fl\u00fcsterte ihm ins Ohr: \u201ePaul, Maria ist hier. Sei nicht dumm! Geh zu ihr und unterhalte dich mit ihr.\u201c<br \/>\n\u201eSoll ich wirklich?\u201c, fl\u00fcsterte Paul aufgeregt zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eJa, nat\u00fcrlich sollst du.\u201c<\/p>\n<p>Paul wagte nicht, der Aufforderung seines Freundes Folge zu leisten. Er h\u00e4tte gerne mit Maria gesprochen, doch waren ihre zahllosen abweisenden Reaktionen noch zu pr\u00e4sent in seinem Ged\u00e4chtnis. Von dort waren sie in den Fokus seiner Wahrnehmung zur\u00fcckgekehrt.<br \/>\nEr stieg ein paar Stufen die Treppe hinauf, die zur Galerie f\u00fchrte, und setzte sich.<br \/>\nEr vergrub seinen Kopf in den H\u00e4nden und hob ihn erst, als er sp\u00fcrte, wie eine Hand sanft auf seine Schulter gelegt wurde.<br \/>\nEs war Maria Reiner, der die Hand geh\u00f6rte. Sie hatte sich neben ihn auf die Stiege gesetzt.<br \/>\nSie hatte Paul viele Jahre nicht gesehen, und als sie ihn an diesem Abend sah, hatte sie unwillk\u00fcrlich an ihr Verhalten ihm gegen\u00fcber denken m\u00fcssen. Dabei war ihr bewusst geworden, dass sie sich unfair verhalten hatte. Von seinem Abstieg hatte sie zwar erfahren und er hatte sie kalt gelassen, doch als dieser sich so deutlich vor ihr manifestierte, beschloss sie, Paul Meller zu tr\u00f6sten.<\/p>\n<p>\u201eWie geht es dir, Paul?\u201c<br \/>\n\u201eEs geht mir schlecht, Maria. Ich habe in den vierundvierzig Jahren, die ich am Leben bin, einfach zu viele falsche Entscheidungen getroffen.\u201c<br \/>\n\u201eM\u00f6chtest du mir von diesen erz\u00e4hlen?\u201c, fragte sie.<br \/>\nDa brach es aus ihm heraus.<br \/>\n\u201eSie saugt mich aus! Sie nimmt mir die Luft zum Atmen!\u201c, schluchzte er.<br \/>\nMaria war indigniert. Er sprach mit vom Alkohol schwerer Zunge, und sein Atem verstr\u00f6mte den s\u00fc\u00dflichen Geruch nach Bier und Schnaps.<br \/>\n\u201eAber\u201c, fuhr sie fort, \u201ewas ist denn passiert?\u201c<br \/>\nPaul setzte sie in knappen Worten \u00fcber seine Situation in Kenntnis. Dann fiel er ihr um den Hals und begann haltlos zu weinen. Seine Tr\u00e4nen f\u00e4rbten den Stoff ihres Abendkleides dunkel.<br \/>\n\u201eDas tut mir alles sehr leid f\u00fcr dich, Paul\u201c, sagte sie in bem\u00fcht freundlichem Ton, in dem auch eine gute und un\u00fcberh\u00f6rbare Portion Mitleid lag.<br \/>\n\u201eWirklich, Maria?\u201c, fragte Paul mit tr\u00e4nenerstickter Stimme.<br \/>\n\u201eJa\u201c, gab sie zur\u00fcck. Sie dachte eine Weile nach und sagte dann mit leiser Stimme, der Paul anmerkte, dass sie von Unsicherheit gepr\u00e4gt war: \u201eEs tut mir auch leid, dass ich mich dir gegen\u00fcber so verhalten habe, wie ich es eben getan habe, als wir jung waren. Das hattest du nicht verdient. Wie ich aus deiner Schilderung der Situation heraush\u00f6re, bist du ein guter Mensch, der leider einem schlechten untergekommen ist.\u201c<br \/>\n\u201eTja, so ist es wohl\u201c, gab Paul, der aufgeh\u00f6rt hatte zu weinen, zur Antwort.<\/p>\n<p>\u201eIch bin in der gl\u00fccklichen Lage, dir helfen zu k\u00f6nnen, Paul. Wenn du es m\u00f6chtest, kannst du in meiner Galerie in Graz anfangen. Walter hat mir vor vielen Jahren erz\u00e4hlt, dass du ein paar Semester Kunstgeschichte studiert hast, und deshalb glaube ich, dass dir ein solcher Job Freude bereiten w\u00fcrde.\u201c<br \/>\n\u201eWarum machst du das, Maria?\u201c, fragte Paul.<br \/>\nSie \u00fcberlegte.<br \/>\n\u201eWahrscheinlich weil ich damit etwas von der Qual, die ich dir bereitet habe, wiedergutmachen kann. Und weil gerade eine Stelle in der Galerie frei geworden ist\u201c, setzte sie lakonisch hinzu, doch Paul wusste, dass sie ihm wirklich unter die Arme greifen wollte.<br \/>\nEr nahm die Visitenkarte, die sie ihm reichte, und nachdem er sich von ihr verabschiedet und versprochen hatte, sie am n\u00e4chsten Tag anzurufen, machte sich Paul Meller auf die Suche nach Walter Hauser.<\/p>\n<p>Nachdem er ihn gefunden hatte, fl\u00fcsterte er ihm ins Ohr: \u201eWalter, ich f\u00fchle mich nicht gut. Ich vermute, dass es am Schnaps liegt.\u201c<br \/>\nWalter sah ihn ernst an.<br \/>\n\u201eNein, das stimmt nicht\u201c, sagte Paul. \u201eIch muss nachdenken, Walter, und dazu brauche ich Ruhe.\u201c<br \/>\n\u201eWas hat Maria denn zu dir gesagt?\u201c, fragte Hauser, doch Meller ging nicht auf die Frage seines Freundes ein.<br \/>\n\u201eIch glaube, ich habe vor wenigen Minuten einen Weg aufgezeigt bekommen, wie ich aus meinem Schlamassel herauskomme\u201c, sagte er, reichte seinem Freund die Hand und verlie\u00df die Mehrzweckhalle.<br \/>\nAuf dem Heimweg dachte er \u00fcber Marias Angebot nach, und kam zu dem Schluss, dass er seine Lebensumst\u00e4nde \u00e4ndern m\u00fcsste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4<\/p>\n<p>\u201eWie viel hast du von Walter noch erhalten?\u201c, so wurde Paul von Monika Schinagl begr\u00fc\u00dft.<br \/>\n\u201eIch habe kein Geld von Walter Hauser erhalten, Monika. Ich werde mich in Zukunft selbst erhalten.\u201c<br \/>\n\u201eWie soll denn das gehen?\u201c, fragte sie.<br \/>\n\u201eGanz einfach: Ich habe einen Job in Aussicht, der mir genug Geld einbringen wird, um ein bescheidenes Auskommen zu haben, bis ich meine Schulden bei Walter beglichen habe.\u201c<br \/>\n\u201eUnd dann?\u201c, fragte sie und l\u00e4chelte unsicher.<br \/>\n\u201eDann, wenn ich keine Schulden mehr habe, habe ich ein gutes Auskommen\u201c, sagte er mit ruhiger Stimme, die Monika erkennen lie\u00df, dass noch etwas kommen w\u00fcrde.<br \/>\nSie wartete jedoch nicht ab, was Paul sagen w\u00fcrde, sondern kam auf das f\u00fcr sie wichtigste Thema zu sprechen: \u201eWann kann ich mir die Lederjacke kaufen?\u201c<br \/>\n\u201eSobald du das Geld verdienst hast, das sie eben kostet, Monika. Im \u00dcbrigen m\u00f6chte ich, dass du die Wohnung bis morgen Mittag verl\u00e4sst.\u201c<br \/>\n\u201eWie bitte?\u201c<br \/>\n\u201eDu hast schon verstanden. Ich will, dass du ausziehst. Deine Eltern haben einen gro\u00dfen Bauernhof, und dort kannst du jederzeit wieder einziehen. Das hat deine Mutter dir versprochen.\u201c<br \/>\nMonika Schinagl begann zu weinen, und an den Fl\u00fcchen, die sie ausstie\u00df, erkannte Paul, dass ihre Trauer um die Lederjacke gr\u00f6\u00dfer war als die um das Ende ihrer Beziehung zu ihm.<\/p>\n<p>Am Morgen des n\u00e4chsten Tages rief er Maria Reiner an und vereinbarte einen Termin in der Galerie in Graz f\u00fcr den fr\u00fchen Nachmittag.<br \/>\nAls er, der als Tagedieb in die Landeshauptstadt gefahren und als Galerieangestellter in sein Dorf zur\u00fcckgefahren war, am Abend seine Wohnung betrat, war von Monika Schinagl und ihren Habseligkeiten nichts mehr zu sehen.<br \/>\nEr setzte sich an seinen K\u00fcchentisch und blickte aus dem Fenster. Zwei Kohlmeisen lie\u00dfen sich auf dem Fensterbrett nieder und starrten ihn an. Zwei Minuten sp\u00e4ter flogen die davon.<br \/>\nPaul nahm es als Zeichen: \u201eIch werde mir eine vern\u00fcnftige Freundin suchen &#8211; dann ist das Gl\u00fcck vollst\u00e4ndig zu mir zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=403\">verliebt verlobt verboten<\/a> |Inventarnummer: 16171<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Paul Meller lie\u00df sich auf den ihm zugewiesenen Ledersessel im Wohnzimmer seines Freundes Walter Hauser fallen. Mit nerv\u00f6sen Blicken musterte er Walter, registrierte dessen edlen Anzug und das goldene Malteserkreuz auf der Schlie\u00dfe seiner Armbanduhr. 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