{"id":5388,"date":"2016-11-03T12:58:56","date_gmt":"2016-11-03T12:58:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5388"},"modified":"2016-12-01T17:48:11","modified_gmt":"2016-12-01T17:48:11","slug":"sechs-liebe-briefe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5388","title":{"rendered":"Sechs liebe Briefe"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5388&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5388&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p><strong>Jennifer, <\/strong>17, angehende Fris\u00f6rin<\/p>\n<p>Lieber Bogdan! Ich habe einen Fehler gemacht, ich wei\u00df. Aber es war so ein lustiger Abend! Sanel hat mir ein Getr\u00e4nk nach dem anderen hingestellt. Und irgendwann ist es passiert, dass wir uns gek\u00fcsst haben. Und seine Hand war dann \u00fcberall. Und mir hat das gefallen. Ich wei\u00df, dass es ein Fehler war, dass ich mit zu ihm gegangen bin. Aber er war so nett und lieb! Er hat mir gesagt, dass ich den letzten Klopfer bei ihm zu Hause bekomme. Und so war es dann auch. Bitte, Bogdan, nimm mich zur\u00fcck! Denk einmal an die Zeiten, wo wir in die Lokale gekracht sind! Das war schon lustig. Das k\u00f6nnen wir wieder machen. Bitte nimm mich wieder, ich habe Dich lieb. Aber bitte ruf Du mich an, ich habe n\u00e4mlich kein Guthaben mehr. Jenny, die Dich lieb hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herta, <\/strong>53, Hausfrau<\/p>\n<p>Hallo Manfred. Ich hoffe, es geht Dir gut. Es ist so, dass ich mich in Dich verliebt habe. Ich schreibe Dir das ganz offen, denn ich m\u00f6chte, dass Du bei mir bist. Du isst gerne Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat, und genau das kann ich perfekt kochen. Wei\u00dft Du, seit mein Mann Heinz-Gustav gestorben ist, bin ich sehr einsam. Auf meinem Luster im Schlafzimmer brennt nur noch eine einzige Gl\u00fchbirne. Ich traue mich ja nicht auf die Leiter steigen. Und in den Keller traue ich mich auch nicht gehen. Dort ist es immer so dunkel und feucht, und erst die Asseln \u00fcberall. Ich glaube, Du hast mit so was weniger Schwierigkeiten. Als Du bei mir warst, da habe ich sofort gesp\u00fcrt, dass das passt zwischen uns. Mich haben auch Deine T\u00e4towierungen nicht gest\u00f6rt, bis auf die drei Punkte auf Deiner Hand halt. Die musst Du wegmachen lassen. Mein Heinz-Gustav hat sich seine ja auch wegmachen lassen. Keine Sorge, ich zahle Dir das. Jedenfalls, wenn Du wieder Freigang hast, dann musst Du unbedingt zu mir kommen. Bitte. Ich habe das Foto, das Du von mir haben wolltest, gemacht. Das war gar nicht so einfach, den Spiegel vor das Bett zu tragen, aber f\u00fcr Dich habe ich es gern gemacht. Also, mach es gut und pass bitte auf, dass Du nicht wieder mit den W\u00e4rtern \u00fcber Kreuz kommst. Deine Herta.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Albert, <\/strong>44, Psychiater<\/p>\n<p>Meine geliebte Dorothea, ich liebe Dich und frage Dich auf diesem Wege, ob Du meine Ehefrau werden m\u00f6chtest. Ich m\u00f6chte mein Leben mit Dir verbringen, denn wir teilen nicht blo\u00df die selben Interessen, Du bist dar\u00fcber hinaus mein Ruhepol. Bei Dir f\u00fchle ich mich geborgen und gut aufgehoben, Du bist mein Ausgleich zum stressigen Alltag in der Klinik. Bitte vergiss diese unn\u00f6tige Diskussion, die wir hatten. Nat\u00fcrlich darfst Du weiterhin als Cellistin t\u00e4tig sein. Ich w\u00fcrde mich sehr freuen, wenn Du f\u00fcr mich spieltest, jeden Abend, bevor wir zu Bett gehen. Du musst auch keine Tabletten nehmen, wenn Du nicht m\u00f6chtest. Es ist nur so, dass Du f\u00fcr mich viel einfacher handzuhaben bist, wenn Du sie nimmst. Ich habe in der Klinikapotheke nachgefragt und in Erfahrung gebracht, dass der Wirkstoff, den ich Dir verordnet habe, auch subkutan verabreicht werden kann. Du siehst, Tabletten sind nicht n\u00f6tig. In freudiger Erwartung Deiner positiven Antwort verbleibe ich mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Albert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herbert, <\/strong>49, unterstandslos<\/p>\n<p>Gute Frau Krumpel, liebe Hermine. Sie werden sich vielleicht noch erinnern, ich bin der, der Ihre Garagen gestrichen hat, und Ihren Rasen habe ich auch ein paar Male gem\u00e4ht. Ich habe geh\u00f6rt, dass Sie sehr krank sind. Das tut mir leid. Meine Oma war auch krank, als sie so alt war wie Sie. Sie hat dann aber noch vier Jahre lang gelebt, also ist sie erst mit zweiundneunzig gestorben. Als ich in Ihrem Park gearbeitet habe, haben Sie mir Wurstbrote und Limonade gebracht. Da habe ich angefangen, Gef\u00fchle f\u00fcr Sie zu haben. Das ist jetzt sieben Jahre her, ich wei\u00df, aber ich bin halt langsam bei so etwas. Jetzt wei\u00df ich, dass ich Sie liebe. Und Sie wollen Ihre letzten Jahre ganz bestimmt nicht allein verbringen, in so einem gro\u00dfen Haus. Also k\u00f6nnten wir es ja mal probieren, finde ich. Es ist nur so, dass ich bald eine Antwort von Ihnen brauche, ob Sie mich auch lieben, denn jeden Tag habe ich eine gr\u00f6\u00dfere Angst, dass der Altpapierlaster kommt und mir meine Wohnung wegnimmt. In dringender Liebe, Bertl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Horst, <\/strong>64, selbstst\u00e4ndig<\/p>\n<p>Liebe Min, es ist jetzt f\u00fcnf Jahre her, dass wir uns kennengelernt haben. Ich bin in dieser Zeit neunmal zu Dir nach Phuket geflogen, um Zeit mit Dir verbringen zu k\u00f6nnen. Du warst erst einmal bei mir in Wien, was ich ungerecht finden k\u00f6nnte, aber da ich Dich liebe, will ich mal nicht so sein. Ich hoffe, Deinen Eltern gef\u00e4llt das H\u00e4uschen, dass ich ihnen gekauft habe. Ich vermisse Dich, aber im Moment kann ich es mir nicht leisten, zu Dir zu fliegen, denn im Lokal ist die H\u00f6lle los. Die G\u00e4ste rennen mir die T\u00fcre ein, und ich arbeite jeden Tag f\u00fcnfzehn Stunden. Aus diesem Grund bitte ich Dich, nach Wien zu kommen, denn ich m\u00f6chte Zeit mit Dir verbringen. Keine Sorge, Du wirst nicht alleine sein, denn Du kannst bei mir im Lokal anfangen. So hast Du auch gleich die Gelegenheit, mir ein bisschen von dem Geld, das ich Dir \u00fcber die Jahre geborgt habe, zur\u00fcckzugeben. Die G\u00e4ste sind schon ganz wild darauf, Dich kennenzulernen. Ich hatte n\u00e4mlich erst eine Thail\u00e4nderin im Lokal, und die G\u00e4ste sagen, dass thail\u00e4ndische M\u00e4dchen besser sind als russische oder ukrainische. Also Min, sieh zu, dass Du nach Wien kommst! Ich habe n\u00e4mlich viel mit Dir vor. Dein Horst.<\/p>\n<p>P.S. Ich hoffe, Du kommst wirklich! Ansonsten w\u00fcrdest Du mich n\u00e4mlich zwingen, Dich zu holen \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Helga, <\/strong>43, Lehrerin<\/p>\n<p>Lieber Martin! Ich verstehe, dass Du mir aus dem Weg gehst. In der Situation, in der wir uns beide gegenw\u00e4rtig befinden, ist das auch der beste Weg. Dass Du mich allerdings v\u00f6llig links liegen l\u00e4sst, verletzt mich doch. Wenn ich Dir eine Frage stelle, beantwortest Du sie so knapp wie m\u00f6glich. Dabei liebe ich Dich doch. Das habe ich Dir auch jedes Mal gesagt, wenn Du mich in meinem Haus besucht hast. Jedes einzelne Mal war wundersch\u00f6n, das hast Du mir ja auch best\u00e4tigt. Ich w\u00fcrde mich sehr freuen, wenn Du mich wieder besuchen k\u00e4mst. Bitte sei mir gegen\u00fcber wieder ein bisschen zug\u00e4nglicher, so wie fr\u00fcher. Bitte denke wenigstens dar\u00fcber nach. Danke. Und bitte vernichte diesen Brief, nachdem Du ihn gelesen hast. Du wei\u00dft, was passieren w\u00fcrde, k\u00e4me dessen Inhalt ans Tageslicht. Innige Gr\u00fc\u00dfe und K\u00fcsse. Deine Helga.<\/p>\n<p>P.S.: Damit Du siehst, wie sehr ich Dich liebe: Ich habe Dir, obwohl sie wirklich schlecht ist, die Bestnote auf Deine Schularbeit gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=403\">verliebt verlobt verboten<\/a> |Inventarnummer: 16155<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jennifer, 17, angehende Fris\u00f6rin Lieber Bogdan! Ich habe einen Fehler gemacht, ich wei\u00df. Aber es war so ein lustiger Abend! Sanel hat mir ein Getr\u00e4nk nach dem anderen hingestellt. Und irgendwann ist es passiert, dass wir uns gek\u00fcsst haben. Und seine Hand war dann \u00fcberall. Und mir hat das gefallen. 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