{"id":5361,"date":"2016-10-31T08:48:16","date_gmt":"2016-10-31T08:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5361"},"modified":"2016-12-17T14:51:48","modified_gmt":"2016-12-17T14:51:48","slug":"3-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5361","title":{"rendered":"Ich war auch beim Film"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5361&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5361&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Ich, mein Name ist Dr. Igor Kushkurow, war beim Film. Um pr\u00e4zise zu sein, ich gebe n\u00e4mlich viel auf Pr\u00e4zision, studierte ich an der Staatlichen Schwarzrussischen Film- und Videohochschule.<br \/>\nIch tat dies gegen den Willen meiner Familie, jedoch auf Anraten meines Vetters Dmitri Lauskof.<br \/>\nMeine Familie hatte eine Laufbahn entweder als Professor f\u00fcr die Bodennahe Haltung schwarzrussischer Nutztiere, oder als Leiter der familieneigenen Betriebe, welche im Grenzbereich des Abbaus schwarzrussischer Bodensch\u00e4tze und deren Verbringung in die benachbarten Staaten t\u00e4tig waren, f\u00fcr mich vorgesehen.<\/p>\n<p>Heute bin ich als Professor f\u00fcr Vergleichende Studien an der Staatlichen Schwarzrussischen Universit\u00e4t t\u00e4tig. Zurzeit vergleiche ich Studien zur artgerechten Haltung des Schwarzrussischen G\u00e4nses\u00e4blers. Bei dieser Art handelt es sich um einen Vogel, der den K\u00f6rperbau einer gew\u00f6hnlichen westlichen Gans aufweist, jedoch anstelle eines Schnabels eine Art Klinge, nicht un\u00e4hnlich der eines S\u00e4bels, besitzt, bis zu einem Meter lang und \u00e4u\u00dferst scharf, daher der Name der Kreatur. Mein Assistent Haniball Moldarew hatte das Ungl\u00fcck, von einem solchen Klingenschnabel verletzt zu werden. Nun, seit diesem Vorfall nennen ihn alle Hanni. Um es auf den Punkt zu bringen, die artgerechte Haltung dieser Tiere ist einigerma\u00dfen diffizil, zumal diesen V\u00f6geln der Hang zum Duell immanent ist. Meine Empfehlung an die Schwarzrussische Kommission zur artgerechten Haltung wird daher lauten m\u00fcssen, diese V\u00f6gel einzeln in au\u00dfer Dienst gestellten Panzerfahrzeugen zu halten. So kann die F\u00fctterung gefahrlos \u00fcber das Panzerrohr erfolgen. Diese V\u00f6gel ern\u00e4hren sich bevorzugt von Schwarzrussischen Keilschwanzgreifern, einer Art Biber mit sechs Pfoten, die sich von kleinen Teichv\u00f6geln ern\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Ich vermute, dass es eine Art postpubert\u00e4r-pr\u00e4senile Ausformung der Rebellion gegen meine Familie war, mich von meinem Vetter Dmitri \u00fcberreden zu lassen, es an der Staatlichen Schwarzrussischen Film- und Videohochschule zu versuchen.<br \/>\nIch schrieb mich ein und wurde der Klasse des Dr. Vladimir Buschenwald, seine Vorfahren entstammten europ\u00e4ischem Landadel, zugewiesen. Dr. Buschenwald war bekannt f\u00fcr seine freiz\u00fcgigen Darstellungen des Paarungsverhaltens vieler schwarzrussischer Tierarten. Weit \u00fcber die Grenzen des Landes wurde er bekannt, und wohl auch ber\u00fcchtigt, als er die sowohl arten\u00fcbergreifende als auch gleichgeschlechtliche Paarung eines Schwarzrussischen Schnabelebers mit einem Wei\u00dfrussischen Tundrahahn filmisch begleitete, welche f\u00fcr zweitgenanntes Tier letal ausging. Ger\u00fcchte, wonach Dr. Buschenwald den Schnabeleber durch die Verabreichung stark luststeigernder Substanzen zu dieser Handlung gleichsam gen\u00f6tigt hatte, wollten nie verstummen.<\/p>\n<p>In der ersten Unterrichtseinheit wurden wir in die ordnungsgem\u00e4\u00dfe Handhabung der Ger\u00e4te eingewiesen, mit welchen wir bereits an unserem zweiten Tag an der Hochschule in die freie Natur entlassen wurden, mit dem Auftrag, m\u00f6glichst interessante Aufnahmen vom Paarungsverhalten der Tiere der Umgebung anzufertigen.<br \/>\nIch hatte Pech. Ich konnte blo\u00df einen Schwarzrussischen Hornesel filmen, der es nicht fertigbrachte, ein weibliches Tier derselben Art zum Vollzug der Paarungshandlung zu bewegen. Ich f\u00fchrte diesen Umstand auf die offensichtliche Jugend des Tieres zur\u00fcck. Als wir unsere Aufnahmen im Lehrsaal pr\u00e4sentierten, wurde ich verlacht, selbst der Professor verlachte mich, w\u00e4hrend die Aufnahmen meiner Kollegen helle Begeisterung hervorriefen. Einige Kolleginnen sinnierten laut, ob sie gewisse Stellungen privatim bereits ausprobiert hatten, dies in verst\u00e4rktem Ausma\u00df, als ein Film gezeigt wurde, in welchem ein Schwarzrussischer Tundrarammler ebenso rabiat wie stellungskreativ zu Werke ging. Mit der Zeit gelangen auch mir Aufnahmen, die meinen Professor zufriedenstellten, doch fehlte mir der Anreiz zusehends. Um pr\u00e4zise zu sein, hatte ich genug davon, schwarzrussische Tiere bei der Paarung zu filmen.<\/p>\n<p>In dieser Zeit trat ich einem Zirkel von Studenten und Studentinnen der Hochschule bei. Wir trafen uns in einer Art Klubhaus, wo wir tranken und allerlei Belanglosigkeiten zum Thema Film und Video austauschten. Der Name des Zirkels lautete \u2018Zum groben Klotz\u2019, ich wei\u00df heute nicht mehr, warum. Nun, eines Abends hatte eine Studentin die Idee, nicht lediglich die Paarung von schwarzrussischen Tieren zu filmen, sondern die von schwarzrussischen Menschen. Diese Idee fand allgemeine Zustimmung, das Klubhaus, es hie\u00df \u00fcbrigens \u2018Der grobe Keil\u2019, erbebte f\u00f6rmlich.<\/p>\n<p>Nun ging es an das Ausw\u00e4hlen einer geeigneten Frau. Sie sollte nicht allzu unattraktiv sein und keine Furcht haben, weder vor einer Kamera, noch vor einer, wie die Studentin sich ausdr\u00fcckte, ein\u00e4ugigen Schlange. Eine solche Frau war alsbald gefunden. Die j\u00fcngere Schwester eines Kollegen hatte sich soeben selbst den Titel \u2018Schenkelheberin von O.\u2019 verliehen, und nach dem, was ihr Bruder \u00fcber ihr Freizeitverhalten zu berichten wusste, diesen auch hoch verdient. Sie erkl\u00e4rte sich bereit, in unserem Film mitzuwirken, und dies sogar unter ihrem b\u00fcrgerlichen Namen.<br \/>\nEin passender Ort f\u00fcr den Dreh des Films war ebenfalls rasch gefunden. Es handelte sich um das Boudoir meiner Eltern in unserem Stadtdomizil.<\/p>\n<p>Nun galt es, einen geeigneten m\u00e4nnlichen Paarungspartner f\u00fcr die Schwester des Kollegen zu finden. Ein Aushang im Institut f\u00fcr Turnerische Ausbildung an der benachbarten Universit\u00e4t zeitigte keinen Erfolg, also schalteten wir eine Annonce in der gr\u00f6\u00dften kleinformatigen Tageszeitung Schwarzrusslands. Vier M\u00e4nner reagierten auf die Annonce. Sie sandten uns Fotos zu, die sie in der Aufmachung zeigten, in der sie im Film aufzutreten gedachten, auch teilten sie uns ihre K\u00fcnstlernamen mit, welche im Abspann der Films zu lesen sein w\u00fcrden, wie wir zugesichert hatten.<\/p>\n<p>Der erste Bewerber nannte sich Vlad Lederov. Auf seiner beigelegten Fotografie war jedoch lediglich die Partie um seine Augen erkennbar, der Rest seines K\u00f6rpers war mit schwarzem Leder offensichtlich bester schwarzrussischer Provenienz bedeckt. Da wir eine m\u00f6glichst naturnahe Darstellung des menschlichen Paarens auf Film bannen wollten, mussten wir Herrn Lederov eine Absage erteilen.<br \/>\nDer zweite Bewerber schockierte die Schwester des Kollegen zutiefst. Er hatte sich mit einer Reitgerte in der Hand ablichten lassen und nannte sich Igor Popshklesh. Auch Herrn Popshklesh sagten wir ab.<br \/>\nDer dritte Bewerber, Herr Rubel Harterdorn, erweckte das Interesse der Schwester des Kollegen. Er hatte sich nackt ablichten lassen, und das, was auf dieser Fotografie zwischen seinen Beinen zu sehen war, konnte er unm\u00f6glich Mutter Natur zu verdanken haben.<br \/>\nNun, da der vierte Bewerber, er nannte sich Ing. Marc Dickhead, der Schwester des Kollegen optisch missfiel, sie sprach auch von zu erwartenden olfaktorischen Misshelligkeiten, luden wir Herrn Harterdorn in das Stadtdomizil meiner Familie.<\/p>\n<p>Er traf p\u00fcnktlich ein und wurde in das Boudoir meiner Eltern gef\u00fchrt. Dort wartete des Kollegen Schwester bereits nackt auf der Bettstatt. Her Harterdorn entkleidete sich und legte sich neben die junge Frau. Sie fassten sich an die Stelle des K\u00f6rpers der jeweils anderen Person, welche die schwarzrussische Sonne f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht mit ihren Strahlen w\u00e4rmt, und f\u00fcr die beiden jungen Menschen w\u00e4re alles bereit gewesen, die Handlung des Sex zu vollziehen.<br \/>\nDoch, wie soll ich es ausdr\u00fccken, nun ja, Herr Harterdorn entpuppte sich als, nun, weiches Korn. Ungl\u00e4ubig starrten wir auf die Bettstatt meiner Eltern und forderten von Herrn Harterdorn eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr seine Unp\u00e4sslichkeit ein. Er er\u00f6ffnete uns, dass er in der Hoffnung erschienen war, der Bruder der Schwester des Kollegen, somit der Kollege h\u00f6chstselbst, w\u00fcrde in dem Film auch eine tragende Rolle \u00fcbernehmen. Sie w\u00fcrden sich n\u00e4mlich seit einiger Zeit kennen und auch treffen. Wir waren sprachlos.<br \/>\nWir beratschlagten und der Kollege erkl\u00e4rte sich letztendlich, und gar nicht ungern, wie mir schien, bereit, die Rolle seiner Schwester zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Nun, wir boten den Film einigen Videoausleihl\u00e4den unter dem Titel \u2018Der gute schwarzrussische Schwimmer &#8211; Wie die Paarung auch vollzogen werden kann\u2019 an. Die Folge war ein landesweiter Skandal.<br \/>\nMeine Eltern gerieten f\u00fcrchterlich in Harnisch und verbrannten ihre Bettstatt im Garten, dennoch legten sie ein gutes Wort ein und ein bisschen mehr Geld hin, um mich und meine Kollegen vor dem Gef\u00e4ngnis zu bewahren. Ich musste ihnen blo\u00df versprechen, k\u00fcnftig keinen Film mehr drehen zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=430\">\u00fc18<\/a> |Inventarnummer: 16151<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich, mein Name ist Dr. Igor Kushkurow, war beim Film. Um pr\u00e4zise zu sein, ich gebe n\u00e4mlich viel auf Pr\u00e4zision, studierte ich an der Staatlichen Schwarzrussischen Film- und Videohochschule. Ich tat dies gegen den Willen meiner Familie, jedoch auf Anraten meines Vetters Dmitri Lauskof. 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