{"id":5267,"date":"2016-10-19T15:50:39","date_gmt":"2016-10-19T15:50:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5267"},"modified":"2016-10-21T16:39:13","modified_gmt":"2016-10-21T16:39:13","slug":"laufen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=5267","title":{"rendered":"Laufen"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5267&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts5267&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Franz liebte es zu laufen. Seit seiner Jugend. Laufen, um den M\u00fcll des Alltags abzusch\u00fctteln, wieder frisch zu werden, sich zu sp\u00fcren und lebendig zu bleiben. Besonders nach der Arbeit und dem Stress. Aber nach jenem Tag verging ihm diese Lust. Er wollte nicht mehr. Er wollte sich nicht mehr frisch machen f\u00fcr Dreckskerle, die es nicht verdient hatten. An jenem Tag, an dem er seinen Job verlor, hatte ihm das Leben eine Lektion verpasst. Geh\u00f6rig! Freitag der 15. Mai, einer der ersten warmen Fr\u00fchlingstage des Jahres, war auch der erste Tag seit Langem, an dem sein Chef, Heinz, das Gespr\u00e4ch mit ihm suchte.<\/p>\n<p>\u201eIch muss mit dir sprechen\u201c, hielt er sich kurz. \u201eUm 10 Uhr bei mir im B\u00fcro.\u201c<br \/>\nEndlich, dachte er und hatte sich gefreut, nur weil sein Chef mit ihm reden wollte. Es war absurd, aber Heinz hatte das Wochen, ja Monate zuvor vermieden. Jedenfalls sa\u00df er Schlag 10 Uhr in seinem Zimmer. Auch Heinz war gerade eingetroffen. Von einem seiner Termine drau\u00dfen. Da war er meistens. Kein Mensch wusste, was er den lieben langen Tag so tat. Und kaum hatten sie zu reden angefangen, da dr\u00e4ngte seine Sekret\u00e4rin bei der T\u00fcr herein und machte ihm klar, dass einige Entscheidungen unbedingt jetzt erledigt werden mussten. Hektisch lief er wieder aus dem Zimmer und lie\u00df Franz an seinem Besprechungstisch allein zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eDu wei\u00dft ja \u2026\u201c, lachte Heinz.<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich\u201c, l\u00e4chelte Franz verkrampft zur\u00fcck, um Lockerheit zu zeigen.<br \/>\nDie Sonne knallte in ungewohnter St\u00e4rke durch die Scheibe und w\u00e4rmte ihm den Arm. Fr\u00fchling \u2026, endlich Fr\u00fchling, wird ja auch Zeit. Wie beruhigend!<\/p>\n<p>Als Heinz nach wenigen Minuten wieder hereinkam, ging er hinter seinen Schreibtisch und begann gleich im Stehen: \u201eDu wei\u00dft ja, in den letzten Wochen hat es immer Schwierigkeiten gegeben, und deswegen will ich da gar nicht lange herumreden. \u2013 Ich glaube, es ist besser, wir trennen uns.\u201c<br \/>\nFranz war sprachlos. &#8211; Andererseits war es endlich raus.<br \/>\n\u201eIch wei\u00df, arbeitsm\u00e4\u00dfig kann ich dir nichts vorwerfen\u201c, sagte er ruhig. \u201eDu hast deine Arbeit immer ordnungsgem\u00e4\u00df erledigt \u2026- Vor drei Monaten habe ich dir die Position des Gruppenleiters angeboten. Und du hast sie nicht angenommen. &#8211; Wird schon, hast du gesagt. \u2013 Ich versteh dich. &#8211; Ich h\u00e4tte das auch nicht angenommen an deiner Stelle. &#8211; Aber so kann es auch nicht weitergehen.\u201c<br \/>\nStimmt, so konnte es nicht weitergehen, das dachte Franz auch. Dennoch war er \u00fcberrascht.<br \/>\n\u201eHier \u2013 ich habe alles vorbereitet\u201c, setzte Heinz z\u00fcgig nach und legte ihm ein Schriftst\u00fcck vor: \u201eAufl\u00f6sungsvereinbarung\u201c.<br \/>\n\u201eLies es dir durch und wenn du einverstanden bist, dann unterzeichnest du einfach. \u2013 Ich w\u00fcrde es bevorzugen, wenn du keine Schwierigkeiten machst und zustimmst. &#8211; Die offizielle Version ist, dass du dich mit unserer neuen zweiten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Frau Piller nicht verstanden hast. \u2013 Das entspricht doch den Tatsachen. Oder?\u201c<\/p>\n<p>Nachdem Franz dieses l\u00e4ppische Blatt Papier durchgelesen hatte, lehnte er sich gefasst zur\u00fcck. Und wenn er auch f\u00fcr andere durch die Glasscheiben des B\u00fcros betrachtet einen gelassenen Eindruck machte, wurden in diesem Moment seine Gedanken wie Teilchen beschleunigt, die verzweifelt in ihrer Raserei zu ergr\u00fcnden versuchten, wie es blo\u00df so weit kommen hatte k\u00f6nnen \u2026 Sicher, er musste dem Schreiben nicht zustimmen! K\u00f6nnte auch k\u00e4mpfen. Aber was bedeutete das? In den n\u00e4chsten Tagen, Wochen, vielleicht Monaten eine giftige Atmosph\u00e4re ertragen? In der man alles gegen ihn auslegte, bis er schlie\u00dflich irgendwann selbst das Handtuch warf? &#8211; Auch wenn er sich Sch\u00fctzenhilfe vom Betriebsrat holen k\u00f6nnte. Letztlich war es doch nur eine Frage der Zeit. &#8211; Was sonst?<\/p>\n<p>Dieser Mistkerl von Heinz, der ihn vor einem Jahr erst geholt hatte, wollte ihn jetzt einfach so im letzten Moment an einem Freitag zu Mittag entsorgen. Auf die Schnelle. Als er ihn ansprach, war er in leitender Position eines Mitbewerbers t\u00e4tig: hochangesehen und erfolgreich. Franz wollte ihm Dienstleistungen anbieten. Heinz aber trieb im Kaffeehaus das Gespr\u00e4ch in eine andere Richtung, nachdem er zuvor sein Vorhaben einfach abgeschlagen hatte.<br \/>\n\u201eDaraus wird nichts\u201c, unterbrach ihn Heinz bald.<br \/>\n\u201eIch werde einen Mitbewerber wie dich mit meinen Auftr\u00e4gen nicht gro\u00dfziehen. Das wirst du doch verstehen. \u2013 Aber\u2026\u201c, setzte er fort, \u201e \u2026 so wie ich das sehe, kannst du nicht zufrieden sein mit deinem Job\u201c, begann er und z\u00e4hlte drei Gr\u00fcnde auf, warum er seiner Meinung nach nicht in der damaligen Funktion gl\u00fccklich sein konnte.<br \/>\n\u201e \u2026 und habe ich recht?\u201c, endete Heinz und schaute ihn fragend an.<br \/>\nDas traf. Und in Franz drin gab es tats\u00e4chlich so etwas wie Resonanz. Zweifellos war es seiner langj\u00e4hrigen Branchenkenntnis zuzuschreiben. Sein Mund verneinte jedoch, wollte Heinz in keinem Fall recht geben. Wenn er zuerst nicht wusste, worauf er hinauswollte, stellte sich jetzt doch heraus, was er nicht glauben wollte: \u201eWir suchen einen so wie dich. Als Abteilungsleiter. \u2013 \u00dcberleg dir, ob das was f\u00fcr dich ist.\u201c<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Tagen, in ruhigen Momenten dachte er noch einmal seine Situation durch: Er war in ein Unternehmen gekommen und hatte in einem turbulenten Jahr das Unternehmen aus der Kostenfalle herausgef\u00fchrt. Hatte dabei Personal entlassen m\u00fcssen, was nicht lustig gewesen war, aber die notwendige Antwort war auf den Reformstau, den sein Vorg\u00e4nger hinterlassen hatte. Nur die Abh\u00e4ngigkeit vom gr\u00f6\u00dften Kunden, der um seine Stellung wusste und diese ma\u00dflos ausnutzte, blieb erdr\u00fcckend. Von diesem Druck w\u00e4re er befreit, wenn er wechselte. Das w\u00e4re gewiss. Aber der n\u00e4chste Druck w\u00fcrde folgen. Wenigstens k\u00e4me er in ein gro\u00dfes, bekanntes, strukturiertes Unternehmen mit Background und Wachstumspotenzial. Was aber den Ausschlag gab, war, dass Franz sich geschmeichelt f\u00fchlte, gefragt worden zu sein. Obwohl ihn seine Branchenkollegen gewarnt hatten: dass Heinz ein Wendehals sei. Ganz nach dem Winde rede und handle. Aber er st\u00fcrzte sich hinein in das Neue. Zuerst auf jene Dinge, die vom Vorg\u00e4nger liegengeblieben waren, und er versuchte sie m\u00f6glichst rasch einer L\u00f6sung zuzuf\u00fchren. Ganz wie man es von einem Manager erwartete. Vor allem f\u00fcr Kurt, den Mann aus dem Controlling, war er der ersehnte Neuzugang. Kurt, der interimistisch die Dinge erledigte, konnte es schon nicht mehr erwarten, einen wie Franz in die ersten Schritte des Unternehmens und der Systeme einzuf\u00fchren. Und er konnte es auch nicht mehr erwarten, ihm all jene Themen umzuh\u00e4ngen, die ihm allzu lange schon l\u00e4stig waren. Daf\u00fcr war er f\u00fcr alle Fragen und Themen, die aus dem Tagesgesch\u00e4ft entstanden und \u00fcber die Franz noch nicht Bescheid wissen konnte, sein Ansprechpartner.<\/p>\n<p>Das Tagesgesch\u00e4ft lief rund, bis v\u00f6llig unerwartet viereinhalb Monate sp\u00e4ter der zweite Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer abhanden kam. In der einen oder anderen Bemerkung hatte es sich zwar schon einige Zeit davor abgezeichnet, dass neben Heinz, dem ersten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, sich ein zweiter als Kontrahent gegen Heinz von Tag zu Tag mehr in Stellung brachte. Franz hielt sich geflissentlich aus diesem Konflikt heraus und war schlie\u00dflich doch \u00fcberrascht, wie es ausgehen sollte.<\/p>\n<p>Der zweite Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, ein Mann mit traurigem Blick und steifem Genick, gab aufgrund seines h\u00f6heren Alters mit vielleicht 55 Jahren und einem Mehr an Erfahrung stets vor, die Nummer eins in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung zu sein. Er w\u00e4re auch vom Vorstand geholt worden, um Ruhe in das Unternehmen zu bringen und die st\u00e4ndige Abwesenheit des ersten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers auszugleichen. Fr\u00fcher war er beim Heer bei den Fallschirmspringern gewesen und einer der Ersten, der mit den damals schweren Kameras am Helm die Spr\u00fcnge filmte. Bei den Landungen hatte er sich \u2013 nach seinen Erz\u00e4hlungen \u2013 regelm\u00e4\u00dfig die Halswirbel gestaucht. Dieser Mann beschuldigte also Heinz, f\u00fcr seine Mitarbeiter nicht ausreichend da zu sein und lieber bei Kunden extern oder bei den Konzernbossen intern st\u00e4ndig dem Lobbying nachzugehen.<\/p>\n<p>Heinz, zehn Jahre j\u00fcnger als der zweite Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, war ein Mann mit geschwellter Brust. Wenn er dastand, streckte er seine Beine durch, so dass die ganze Energie nach oben stieg und nicht wieder nach unten flie\u00dfen konnte. Diese Eigenschaft sollte ihm zu gegebener Zeit entsprechend helfen, sich aufzublasen und seinem Gegner Angst einzujagen. Wie jetzt &#8211; da er Kampfansagen nicht duldete. Heinz war \u00e4u\u00dferst zuversichtlich, die wahrgenommenen Schw\u00e4chen des anderen eines Tages ausnutzen zu k\u00f6nnen, um ihn schlie\u00dflich mit seinen guten Kontakten aus dem Feld zu schlagen.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer mit dem traurigen Blick kam eines Morgens um 7 Uhr 30 Uhr mit seinem neuen Audi A6 in eine Besprechung und musste keine drei Stunden sp\u00e4ter das Unternehmen mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln verlassen. Sein Vorgesetzter und zugleich Eigent\u00fcmervertreter jenes Unternehmens, der ihn erst vor Kurzem eingestellt hatte, hatte ihn v\u00f6llig \u00fcberraschend dienstfrei gestellt und aufgefordert, unverz\u00fcglich alle Arbeitsmittel zur\u00fcckzugeben. Das Gespr\u00e4ch, in dem ihm das mitgeteilt wurde, hatte gerade mal drei\u00dfig Minuten gedauert. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte es niemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, dass ihn dieses Schicksal in seinem Alter je ereilen w\u00fcrde. Danach rief er seine Assistentin an sowie seine ihm unterstellten Mitarbeiter und machte sich unverz\u00fcglich auf den Weg, sein B\u00fcro zu r\u00e4umen.<\/p>\n<p>In den ersten Gespr\u00e4chen hatte er noch kampfeslustig erkl\u00e4rt, dass er die Nummer eins der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung w\u00e4re. Und jetzt musste er einsehen, doch am anderen gestrauchelt zu sein. Obwohl man ihm anfangs eine Aufgabe anvertraut hatte: n\u00e4mlich seinem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer-Kollegen auf die Finger zu schauen. Offenbar hatte er seine Job-Description falsch verstanden!<\/p>\n<p>Es dauerte keinen Monat, da wurde bekannt, dass mit Frau Piller, seiner Nachfolgerin aus dem Konzern mit Schwerpunkt auf das Kaufm\u00e4nnische, frischer Wind in das Unternehmen kommen w\u00fcrde. Im Eiltempo setzte sie eine strenge Kostenkontrolle durch, eine striktere Au\u00dfenst\u00e4ndeverfolgung und vieles mehr. Von Statur war sie eine gro\u00dfe, un\u00fcbersehbare Frau mit vehementem Ausdruck, die es liebte, das letzte Wort zu haben. Einige ihrer Ma\u00dfnahmen bedeuteten auch eine Delegierung von kaufm\u00e4nnischen Aufgaben in die n\u00e4chstuntere Hierarchie-Ebene, was bei den operativen Mitarbeitern Jammern und Klagen hervorrief: W\u00e4ren sie doch f\u00fcr die Durchf\u00fchrung zust\u00e4ndig und nicht f\u00fcr so viel kaufm\u00e4nnischen Kram.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Heinz seine Anfangsschwierigkeiten mit Frau Piller eingestehen musste, lie\u00df er sich dadurch nicht verunsichern, hatte er doch genug Raum, ihr auszuweichen, indem er es weiterhin vorzog, \u201edrau\u00dfen am Markt\u201c seiner Arbeit nachzugehen. W\u00e4hrenddessen durchforstete Frau Piller die Zahlen des Unternehmens und verschaffte sich durch ihre fordernde Art zur Umsetzung der Ma\u00dfnahmen Schritt f\u00fcr Schritt mehr Respekt. Nur dann und wann streifte sie ihre St\u00f6ckelschuhe unter ihrem Schreibtisch ab, st\u00fcrmte von ihrem Zimmer zur Toilette, um sich gleich darauf wie eine Spinne wieder in ihre Befehlszentrale zu begeben. Bald schon sch\u00fcttelten jene Mitarbeiter, die sie beobachtet hatten, ihre K\u00f6pfe. Im Konzern war man sich bewusst, dass ihre kaufm\u00e4nnisch-harte Art gerade jetzt nicht so falsch sein konnte. Und gerade in der Zeit der Wirtschaftskrise waren genauere Kostenkontrolle und Sparstift keine Fehler. Nicht nur Investitionen wurden gestoppt, sondern auch Neuaufnahmen, wenn sie nicht unbedingt notwendig oder vorher budgetiert waren. Franz jedenfalls hatte ihr und ihren Ma\u00dfnahmen ohne Wenn und Aber Unterst\u00fctzung und Sch\u00fctzenhilfe zu leisten.<\/p>\n<p>Mit ihrem Erscheinen hatte sich auch die Zust\u00e4ndigkeit und Zuordnung seiner Funktion ge\u00e4ndert: Obwohl ab sofort Heinz f\u00fcr Franz zust\u00e4ndig war und dieser sich bei offenen Punkten an ihn zu wenden hatte, musste er sich in der Realit\u00e4t mit Frau Piller besprechen, weil Heinz praktisch nie da war. Frau Piller tat aber nur ungern die Arbeit anderer. Nicht nur deswegen war ihr Ton stets ein ungehaltener und schroffer.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der Anfangsphase sein Kontakt zu Heinz und Kurt eng war, und er mit ihnen immer wieder zu Mittag a\u00df, wurde dieser mit der Zeit immer weniger, bis Franz schlie\u00dflich ganz auf sich allein gestellt war. Damit nahmen auch die M\u00f6glichkeiten sich abzustimmen rapide ab. Schmerzhaft in einer Zeit, wo die Probleme bei Kunden extern und intern aufgrund der Sparma\u00dfnahmen an Zahl und Auswirkung zunahmen, und er nicht befugt war, Entscheidungen allein zu treffen.<\/p>\n<p>Zwischen Frau Piller und Heinz musste im Hintergrund etwas besprochen worden sein; denn Problemf\u00e4lle, die aus dem Tagesgesch\u00e4ft bei ihm landeten, wurden von Heinz pl\u00f6tzlich gegen seine sonstige Gewohnheit kontrolliert und nachgefragt. Meldungen \u00fcber Teilfortschritte interessierten nicht. Man wollte Vollzugsmeldungen und pflegte dabei Druck zu machen. Franz sp\u00fcrte, wie sich die Atmosph\u00e4re in eine angespannte, feindselige wandelte, wie mit einem Mal die sch\u00fctzende Hand von Heinz \u00fcber ihm weg war. Auch bei den w\u00f6chentlichen Fu\u00dfballtrainings au\u00dferhalb der Arbeitszeit drehte er sich weg, mied jeden Kontakt. Eines Tages, bei einem der w\u00f6chentlichen Abteilungsmeetings mit Heinz und den Verantwortlichen aus seinem Bereich, fiel ihm auf, wie sehr diese Meetings von Heinz und seinem Lachen dominiert waren. Und wie alle dem Lachen des K\u00f6nigs huldigten.<\/p>\n<p>Das Lachen von Heinz war sein Markenzeichen. Und so bald er im B\u00fcro war, zeigte sein Lachen, dass er anwesend war. W\u00e4hrend er durch die B\u00fcror\u00e4ume zog, verstreute er weithin sein Lachen. Wie ein Hund sein Herrchen an den Schritten erkennen konnte, so konnte man ihn erkennen: am lauten, ungebremsten, Raum f\u00fcllenden Lachen. Mit seinem Lachen markierte er sein Revier. Kunstvoll verstand er es, sein Lachen mit immer neuen Witzen zu f\u00fcttern, f\u00fcr die er sich seine Zuh\u00f6rer suchte. Seine Auserw\u00e4hlten. Zu ihnen geh\u00f6rte Franz nicht mehr. Seine gesch\u00e4ftlichen Punkte, wie immer sie ihm auch unter den N\u00e4geln brannten, waren f\u00fcr Heinz nicht relevant. Er ignorierte sie, wie er ihn ignorierte. Gelang es Franz einmal, Heinz ihre Dringlichkeit klar zu machen, tat Heinz so, als ob er mit l\u00e4stigen Dingen gest\u00f6rt w\u00fcrde, die jeder andere besser entscheiden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Von Mal zu Mal kam Franz dieses Lachen herrischer, diktatorischer und ausschlie\u00dfender vor. Und Franz begann, diesem Lachen zu misstrauen, weil es ein so beklemmendes und kein erl\u00f6sendes war. Nein, eines, das den Dingen etwas abringen wollte. Mit seltsamer Absicht. Als angelernte Strategie, die er sich irgendwann angeeignet hatte. Weil er irgendwo gelernt haben musste: Lachen kommt gut. Gut einsetzbar als Auflockerung f\u00fcr \u00fcberforderte Mitarbeiter, als willkommenes Geschenk an Aufmerksamkeit und nat\u00fcrlich als Eisbrecher. In seinem Verhalten war Heinz derart firm, dass man den Eindruck bekommen konnte, dass nichts sein Lachen verstimmen konnte, es vielmehr von ungeheurer Selbstsicherheit und Selbstvertrauen zeugte, dessen man nur allzu gern ein Teil sein, Auserw\u00e4hlter sein wollte.<\/p>\n<p>Mit seinem Lachen wurde scheinbar die Subordination au\u00dfer Kraft gesetzt. Das \u00e4u\u00dferte sich in einem ernsten Unernst oder unernsten Ernst, aus dem sich der Geist in jede Richtung gehen lie\u00df, bis alles denkbar wurde, aber nichts mehr galt. Den harten Wahrheiten nahm er damit den Wind aus den Segeln. Allenfalls Andeutungen, Hinf\u00fchrungen, Umschreibungen, um weder Aufruhr noch Emp\u00f6rung zu erzeugen. Franz kam es so vor, als wollte Heinz mit seinem Lachen zeigen, dass nur Sch\u00f6nwetter geduldet und Unangenehmes nicht erw\u00fcnscht war. Der Oberfl\u00e4che war nichts anzumerken, sie blieb im Komfortbereich. Ein bisschen Kacke am Dampfen \u2013 schnell ein bisschen Lachen. Passt! Nur keine anderen Emotionalit\u00e4ten, nur keine Emp\u00f6rung, nur kein \u00c4rger, sondern Lachen. Lachen. Lachen.<\/p>\n<p>Als dann Frau Piller bei einer Abteilungsleitersitzung in einem Detail-Punkt nachhakte, deren Zusammenh\u00e4nge sie auch nach n\u00e4heren Erkl\u00e4rungsversuchen nicht verstehen wollte, sp\u00fcrte Franz, dass ein Moment gekommen war, da sie ihn abgeschrieben hatte. Ab jetzt w\u00e4re er ein totes Pferd, auf das niemand mehr setzte. Und Heinz, der neben ihr sa\u00df und keine Rettung, keine Verteidigung, keine Erkl\u00e4rung gab, dachte vermutlich ebenso. Franz war seltsam zumute: Seine Anwesenheit in diesem Hause hatte ein sp\u00fcrbares Ablaufdatum, das nur noch nicht ausgesprochen war.<\/p>\n<p>Und Franz hatte keine Idee, was er gegen diese Feindseligkeit tun konnte. Er f\u00fchlte sich in einer Sackgasse. Verzweifelte Denkschleifen nach Auswegen vernebelten ihn und dominierten nicht nur tags\u00fcber seine Welt. Ein seltsames Gef\u00fchl der Schwere \u00fcberkam ihn mit seinen langsamen Sinus-Schwingungen, das ihn ans Bett fesseln wollte. Und da er sich selbst nicht mehr helfen konnte, beschloss er, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n<p>Aber sobald er vor dem Coach sa\u00df, wusste er nicht mehr, wie er anfangen, davon erz\u00e4hlen sollte. Im Grunde schien ihm alles so l\u00e4cherlich. W\u00e4ren denn Worte kraft- und machtvoll genug, noch irgendetwas an den Dingen zu \u00e4ndern? Oder war nicht schon l\u00e4ngst alles entschieden?<br \/>\nDer Coach gab ihm den Rat, in sich einen lichten und fr\u00f6hlichen Ort zu finden und sich mehr darauf zu fokussieren, als sich von der Realit\u00e4t erdr\u00fccken zu lassen. Er riet ihm auch, Dinge zu unternehmen, die ihm Spa\u00df machten und sich nicht von seinen Pflichten auffressen zu lassen.<\/p>\n<p>Aber Schmerz und \u00c4rger waren real und pulsierten in ihm, bl\u00e4hten sich auf und wurden gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer. Wollten sie ihn beherrschen, ja verbrennen? Er f\u00fchlte sich ihnen ausgeliefert. Es zog ihn in einen Strudel hinein, riss ihn vom Sockel herab ins hilfloseste Dasein, dem er sich unterwerfen musste, so wie man sich am Ende von unm\u00f6glich gewordenen Protesten sogar der Unwahrheit beugt. Und hier war die Wahrheit keine andere als das Verschmelzen mit dem Furchtbaren. Kein Ausweichen war m\u00f6glich. Kein Drau\u00dfenbleiben, kein Dar\u00fcber und kein Daneben.<\/p>\n<p>Je mehr sich Franz bem\u00fchte, einen guten Job zu machen, desto mieser f\u00fchlte er sich behandelt und k\u00e4lter missachtet. Der gute Draht zu seinem unmittelbaren Umfeld war so gut wie abgerissen. Selbst inoffizielle, kollegiale Gespr\u00e4che mit seinen Vorgesetzten fanden nicht mehr statt. Und dieses Schweigen wurde von beiden Seiten nicht behoben. Franz konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, es mit gemeinen und durchtriebenen Menschen zu tun zu haben, die etwas gegen ihn im Schilde f\u00fchrten. Ohne Aussicht auf Ver\u00e4nderung, die von keiner Seite in Angriff genommen wurde. Und Franz f\u00fchlte sich au\u00dferstande, etwas daran zu \u00e4ndern. \u00dcber diesen Schatten konnte er nicht springen. Wenn es seinen Vorgesetzten ebenso erging, dann standen beide Seiten jetzt vor d\u00fcsteren Gef\u00fchlswolken, die sich unheilvoll wie ein Gewitter zusammenbrauten.<\/p>\n<p>Erst war es so gewesen, dass er jegliche Bem\u00fchungen auf Ver\u00e4nderung nicht auf sich nehmen wollte, weil er keine Notwendigkeit sah. Und als diese offenkundig wurde, konnte er nicht mehr, lie\u00df es laufen. Aber zu welchem Zeitpunkt war denn die Entscheidung, ihn loszuwerden, getroffen worden? Oder war etwa gar keine Strategie dahinter? Egal. All diese Fragen konnte er ohnehin nicht mehr kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Oder aber war es doch anders: Gerade weil er seine Arbeitswelt f\u00fcr feindselig hielt, dass sie sich diesem Bild anpasste wie eine Self-fulfilling Prophecy: Das \u00c4u\u00dfere spiegelte unbewusst seine \u00dcberzeugung wider. Fakt war, dass sich ihm in diesem Unternehmen die Brust zusammenschn\u00fcrte, sich ein nagendes Gef\u00fchl des Unbehagens in seinen Magen fra\u00df. Und all die Phasen des Reflektierens, Analysierens, bewussten Entspannens, ja sogar Meditierens hatten ihm nicht geholfen, obwohl er absolut \u00fcberzeugt davon war, dass ihm Meditation helfen w\u00fcrde, sein Herz zu beruhigen. Jeden Morgen dr\u00fcckte er sich in irgendeine Seitengasse in der N\u00e4he seines B\u00fcros an den Stra\u00dfenrand, um noch ein paar Runden zu meditieren, bevor er sich in seine H\u00f6lle wagte. Aber er schaffte es nicht, sich von seinem \u00c4rger und seiner Wut zu l\u00f6sen. Er blieb ihr Gefangener.<\/p>\n<p>Als schlie\u00dflich ein Gruppenleiter mit dem Entschluss an ihn herantrat, eine Hierarchie-Stufe zur\u00fcckzutreten, weil er Probleme mit dem Herzen hatte und seine Digitalis-Dosis erh\u00f6hen musste, bekam Franz von Heinz auch noch den Vorwurf, seine Mitarbeiter in die \u00dcberforderung zu treiben. Schlie\u00dflich legte Heinz ihm nahe, von seiner Position als Abteilungsleiter zur\u00fcckzutreten und jene des scheidenden Gruppenleiters zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Irgendwo in seinem Inneren hatte es Klick gemacht. Als ob sich sein Leben an einer Sollbruchstelle entzweit h\u00e4tte. Und das f\u00fchlte sich nicht gut an. Gar nicht gut. Als ob sein Wille, seine Arbeit sauber und fair abzuliefern, zerbr\u00e4che. Arbeit, auf die nicht nur er stolz sein konnte. Arbeit, nach der man sich ohne schlechtes Gewissen im Spiegel ansehen konnte. Arbeit, die keine verbrannte Erde hinterlie\u00df, die niemanden ausbeutete. Arbeit, die allen Gewinn und Nutzen brachte. Das alles z\u00e4hlte nichts mehr. Nichts. Hier z\u00e4hlte etwas anderes. Alles nur keine faire Arbeit. Nur noch, wie man seine eigene Haut rettete. Egal wie. Egal auf wessen Kosten.<\/p>\n<p>Das Gute an dieser Situation war, dass sie ihm die M\u00f6glichkeit bot, einmal drei Wochen Urlaub am St\u00fcck mit seiner Frau zu nehmen. Was er sich sonst nie erlaubt h\u00e4tte. Er schmiss die hinteren Sitze aus seinem Van, lie\u00df sich eine passende Schaumstoffmatratze zuschneiden, und fertig war das Schneckenhaus f\u00fcr seine Frau und ihn, mit dem sie ab nach S\u00fcdfrankreich d\u00fcsten.<br \/>\nAuf dieser Reise durch S\u00fcdfrankreich wurde ihm bewusst, dass er keine Ahnung davon hatte, wie hart es f\u00fcr ihn sein w\u00fcrde zu genie\u00dfen. Dass er etwas so Einfaches wie \u201eGenie\u00dfen\u201c vergessen hatte. Nicht einmal an einem der sch\u00f6nsten Str\u00e4nde konnte er es sich gem\u00fctlich machen. Bald hatte er entweder von der Sonne genug oder konnte nicht still liegen oder sitzen. Und in den St\u00e4dten, die sie besuchten, war er in eine Art Freizeitstress verfallen, der ihn st\u00e4ndig weiterdr\u00e4ngte, diese und jene Sehensw\u00fcrdigkeiten zu besuchen und abzuhaken. Aber darum ging es hier nicht. Franz tat sich schwer zu verstehen, dass sein K\u00f6rper keine Maschine war.<\/p>\n<p>Er wollte sich nicht eingestehen, dass die ungem\u00fctlichen Steine und Piniennadeln ihm schwerstens auf die Nerven gingen und er Hilfe in Anspruch nehmen konnte. Er musste nicht immer am Boden hocken. Er k\u00f6nnte sich auch mit einem Gegenstand wie einem Liegestuhl behelfen, der ihm das Leben erleichtern konnte. Der \u201eChaise de plage\u201c war eine durchaus sinnvolle Anschaffung seiner Frau und wurde zum Sinnbild ihrer Reise, die ihn auf eine andere Ebene erhob. N\u00e4mlich es sich wert zu sein, Dinge, die es gab, voll zu nutzen, um das Leben besser genie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wieder zu Hause begab er sich auf Arbeitssuche, und es ergriff ihn der Blues. Qu\u00e4lende Fragen holten ihn ein: Was nun? Wie wird das ohne Job? Wann werde ich wieder einen finden? In Zeiten der Finanzkrise! Und wenn &#8211; welchen? Falls aber nicht? Wie werde ich meine Familie erhalten k\u00f6nnen? W\u00e4re es vielleicht das Ges\u00fcndeste gewesen, sich mit flegelhaftem Unmut zu erheben und seiner Raserei freien Lauf zu lassen? &#8211; Stattdessen hielt er sich vielmehr an eine schicksalsergebene Erdulder-Haltung, die zu nichts anderem gut war, als seine Betroffenheit zu verbergen.<br \/>\n\u201eIch f\u00fchle mich nicht gut\u201c, hatte er irgendwann seiner Frau gestanden.<br \/>\n\u201eWie w\u00e4r\u2019s, wenn du wieder mal laufen gehst? Dich einfach ausl\u00fcftest?\u201c<br \/>\n\u201eKeine Lust\u201c, sagte er abwesend.<br \/>\n\u201eDavon wird es auch nicht besser.\u201c<br \/>\nNach Monaten rief ihn ein Freund an: \u201eUnd wie sieht\u2019s aus? Gehst du wieder einmal mit mir laufen?\u201c<br \/>\n\u201eNein. Nie wieder!\u201c<br \/>\nVerwundert \u00fcber diese rigorose Aussage fragte der Freund nach. Und Franz erz\u00e4hlte ihm von seiner Situation.<br \/>\n\u201eWarum passiert das alles ausgerechnet mir, kannst du mir das erkl\u00e4ren?\u201c<br \/>\nNat\u00fcrlich konnte sein Freund das nicht erkl\u00e4ren. Franz wollte sich einfach nur beklagen &#8211; und ertappte sich dabei, immer wieder zu jammern.<br \/>\n\u201eIch finde, dass die Welt dasteht wie ein Haus, in dem sich einerseits Menschen um einen Futtertrog zusammendr\u00e4ngen, w\u00e4hrend andere mit hoffnungsvollem Blick drau\u00dfen stehen und chancenlos in das Haus wollen. Als teilte sich die Welt in jene, die drinnen und jene, die drau\u00dfen sind. Und ich geh\u00f6re nicht mehr zu jenen, die drinnen sind. \u2013 Ich bin raus\u201c, sagte Franz resigniert.<br \/>\nDer Freund, erschlagen von seinem Gerede, fragte nur:<br \/>\n\u201eWann warst du das letzte Mal laufen?\u201c<br \/>\n\u201eWei\u00df nicht.\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht Franz, ob das so klug ist, was du da machst. &#8211; Mir kommt das eher wie ein Knieschuss vor. Du pinkelst dir doch nur selber ans Bein. Merkst du das nicht?\u201c<br \/>\nDas hatte gesessen. Das war in Franz eingefahren. Aber wozu hatte man denn Freunde?!<\/p>\n<p>Seine Arbeitssuche gestaltete sich folgenderma\u00dfen: Am Samstag sammelte er die Karrierebeilagen aus ein paar Zeitungen und dem Internet. Und am Mittwoch suchte er sich dann Stellen heraus, die f\u00fcr ihn in Frage kamen. An diesem Tag nahm er sich vor, seine Bewerbungen abzuschicken. Diesen Ablauf hielt er beinahe generalstabsm\u00e4\u00dfig ein. Struktur, sagte er sich, war jetzt das Wichtigste in jenem seltsamen Vakuum, in dem er sich befand. Au\u00dferdem stand einmal im Monat oder alle sechs Woche der Besuch bei seinem Betreuer im Arbeitsmarktservice auf dem Plan. Einem Mann, etwas j\u00fcnger als er selbst, der von den Schicksalen, die ihm gegen\u00fcbersa\u00dfen, nichts wissen wollte und nicht gerade vor Positivit\u00e4t spr\u00fchte. Die Grundhaltung seiner Aussagen war angstbesetzt und besorgniserregend: \u201eJeden Tag, den Sie l\u00e4nger in der Arbeitslosigkeit verbringen, verlieren Sie an Marktwert. Sind Sie sich dessen bewusst?! \u2013 Sie sind nicht mehr in der Position, Forderungen zu stellen. \u2013 Sie m\u00fcssen nehmen, was Sie kriegen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Papperlapapp. Aussagen dieser Art, wie auch die st\u00e4ndig wachsende Anzahl an Absagen, die er zur\u00fcckbekam, kotzten Franz an. Wie auch die vereinzelten Einladungen zu Gespr\u00e4chen, die dann nach ein bis zwei Runden ebenso in Absagen m\u00fcndeten. Wie war es denn m\u00f6glich, dass man auf einmal auf einen wie ihn, der vierzig Mitarbeiter gef\u00fchrt und zehn Millionen Euro verwaltet hatte, so leichtfertig verzichten konnte? Was machte er falsch in seinen Bewerbungen? Was erwarteten die Unternehmen denn? Und was konnten Bewerber, die ihm vorgezogen wurden, denn so viel besser als er? Gedanken des Vergleichens begannen an ihm zu nagen. Wozu war er denn noch n\u00fctze im Leben? \u2013 Aber auch zukunftsgerichtete Gedanken tauchten in ihm auf: Was machte ihm denn Spa\u00df? Was war seine Mission im Leben? Was konnte er besonders gut? Was war seine Leidenschaft? Fragen dieser Art hatte er sich lange nicht mehr gestellt.<\/p>\n<p>Dann musste er an seine Frau denken, die ihm einmal gesagt hatte: \u201eIst das Leben nicht ein einziger Wechsel von Aufstieg und Fall? &#8211; Du steigst auf und dann f\u00e4llst du. Na und? Und wenn du gefallen bist, stehst du einfach wieder auf. Wie ein Kind, das laufen lernt. Auch wenn es m\u00fchsam ist. Was ist schon dabei?\u201c Und als seine Frau einmal nicht zu Hause war, schl\u00fcpfte er in seine alten Joggingschuhe und drehte seit Langem wieder einmal eine Runde. Seine Runde.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Fritz Schuler<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a title=\"Que ser\u00e1, ser\u00e1?\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=3081\">\u00bfQu\u00e9 ser\u00e1, ser\u00e1?<\/a> | Inventarnummer: 16139<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franz liebte es zu laufen. Seit seiner Jugend. Laufen, um den M\u00fcll des Alltags abzusch\u00fctteln, wieder frisch zu werden, sich zu sp\u00fcren und lebendig zu bleiben. Besonders nach der Arbeit und dem Stress. Aber nach jenem Tag verging ihm diese Lust. Er wollte nicht mehr. 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