{"id":4946,"date":"2016-08-29T11:32:35","date_gmt":"2016-08-29T11:32:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4946"},"modified":"2016-10-22T14:51:17","modified_gmt":"2016-10-22T14:51:17","slug":"xxx-5","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4946","title":{"rendered":"Mittelstand und Mittelstrand"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4946&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4946&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Die \u00d6sterreicher haben, mit wenigen Ausnahmen, gelernt, ihren Unmut \u00fcber die Politiker des eigenen Landes durch eine Ver\u00e4nderung ihres Wahlverhaltens zu \u00e4u\u00dfern. Dass sie hierbei eine starke Tendenz nach weit rechts erkennen lassen, ist legitim, schlie\u00dflich machen sie ihre Kreuzchen beim Spitzenkandidaten einer im Parlament vertretenen Partei, jedoch zeugt es ebenso wenig von Selbsterkenntnis wie von \u00f6konomischem Weitblick.<br \/>\nEs ist nichts anderes als eine Protesthandlung, gleich der eines Welpen. Sie mag auf den ersten Blick verst\u00e4ndlich erscheinen, doch n\u00f6tigt der Welpe seine Halter und nicht zuletzt sich selbst, auf einem ve<span style=\"color: #333333;\">runreinigten Teppich zu gehen.<\/span><br \/>\nDie Ursache des Malheurs ist, wie so oft, ein Irrtum.<\/p>\n<p>Viele Jahre wurde den Menschen, die eine evidente oder vermutliche Inklination zum rechten Rand haben, \u00fcber die Medien ausgerichtet, dass sie den neuen Mittelstand dieses Landes bildeten.<br \/>\nUnd, seien wir ehrlich, welcher Mensch f\u00fchlt sich nicht in seinem, gleich wie beschaffenen, Dasein best\u00e4tigt, wenn er erf\u00e4hrt, dass er ein Teil der Mitte der Gesellschaft ist?<br \/>\nEr hat die selben Sorgen wie die anderen Angeh\u00f6rigen des neuen Mittelstandes. Alle paar Jahre einen neuen unterklassigen gebrauchten deutschen sogenannten Mittelklassewagen erstehen zu k\u00f6nnen &#8211; das eint ebenso wie der Drang, sich auf dem mittleren Badestrand eines \u00e4gyptischen All-inclusive-Hotels die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Wenn alle die Str\u00e4nde links und rechts des mittleren meiden, wird das schon seinen Grund haben.<br \/>\nDer Mensch von Welt und neuem Mittelstand achtet darauf, das neueste Smartphone zu besitzen und ist stets vielkanalig empfangsbereit, um nichts Relevantes zu verpassen. Seine Freunde, in den sozialen Netzwerken zwangsl\u00e4ufig zahlreicher als im realen Leben, leiten Meldungen weiter, posten Fotos und eigene geistige Erg\u00fcsse, die ihn in seinen Ansichten best\u00e4rken. Das ist nur logisch &#8211; schlie\u00dflich w\u00e4ren sie nicht seine virtuellen Kumpane, w\u00fcrden sie Dinge von sich geben, die dem, was er h\u00f6ren und lesen m\u00f6chte, diametral gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Weil er mit den Regierenden unzufrieden ist, w\u00e4hlt er einfach den Mann, der seiner und der Ansicht seiner Freunde nach der Erl\u00f6ser \u00d6sterreichs sein wird. Dieser ist kein Freund von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie w\u00fcrden den Einheimischen Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen.<br \/>\nDer Mensch des neuen Mittelstandes hat Angst vor Ausl\u00e4ndern, weil der fesche Politiker ihm st\u00e4ndig, oft laut schreiend, mitteilt, dass diese gef\u00e4hrlich w\u00e4ren. Ob die Putzfrau seines Stammlokals Ausl\u00e4nderin ist, k\u00fcmmert ihn nicht, denn er besucht das Gasthaus oder die Diskothek stets in den Abendstunden, und geputzt wird dort am Morgen.<br \/>\nDann wird der Oppositionelle Bundeskanzler und tats\u00e4chlich ist von einem Tag auf den anderen alles anders im Staate \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>In Windeseile werden die Ministerien umgef\u00e4rbt, und auch in staatsnahe Betriebe werden M\u00e4nner gesetzt, die ihre Ideologie auf der Zunge, im Herzen und auf der Wange tragen.<br \/>\nDie Warnungen der Intellektuellen erreichen zwar die Ohren der neuen Mittelst\u00e4ndler, l\u00f6sen sich jedoch zwischen diesen im Nichts auf. Dass \u00d6sterreich innerhalb der Europ\u00e4ischen Union isoliert ist, st\u00f6rt die neuen Machthaber nicht &#8211; sie sind viel zu besch\u00e4ftigt, ihre eigenen Leute an den Trog zu f\u00fchren, und dies in einer Aura aus beinhartem Neoliberalismus, gepaart mit alter Deutscht\u00fcmelei.<br \/>\nBald erkennt der Mensch des neuen Mittelstandes, dass er in einen Angeh\u00f6rigen der nun neuesten Mitte transformiert wurde.<\/p>\n<p>Das neue gebrauchte Auto geht sich nicht mehr aus, das Smartphone ist zu alt, um darauf die neuesten Serien in halbwegs guter Qualit\u00e4t anschauen zu k\u00f6nnen, und der mittlere Strand des Hotels ist f\u00fcr Menschen reserviert, die dem Mittelstand anderer L\u00e4nder angeh\u00f6ren und es sich immer noch leisten k\u00f6nnen, dort zu liegen.<br \/>\nWas wird er also tun?<br \/>\nEr geht auf die Stra\u00dfe und fordert mehr Geld, doch es ist keines da. Nun sieht er ein, welche Dummheit er begangen hat, diesen Politiker zu w\u00e4hlen.<br \/>\nPl\u00f6tzlich ist er den Mitb\u00fcrgern, die eine andere politische Einstellung haben, nicht mehr \u00fcbel gesonnen. Er biedert sich ihnen vielmehr an, verweist darauf, dass sie nur gemeinsam den Staat sanieren k\u00f6nnten.<br \/>\nEs gibt Neuwahlen und eine neue Regierung. Sie verspricht, die Ordnung wieder herzustellen.<\/p>\n<p>Der erst neue, dann neueste Mittelstand findet sich dort wieder, wo er \u00f6konomisch und intellektuell hingeh\u00f6rt, und ist froh, dass alle Staatsb\u00fcrger gemeinsam die Last zu tragen haben, die die abgew\u00e4hlten Machthaber dem Land durch wirtschaftliche Unwissenheit, Egoismus und Nepotismus aufgeb\u00fcrdet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <span style=\"color: #000000;\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=428\">think it over<\/a><\/span> | Inventarnummer: 16103<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00d6sterreicher haben, mit wenigen Ausnahmen, gelernt, ihren Unmut \u00fcber die Politiker des eigenen Landes durch eine Ver\u00e4nderung ihres Wahlverhaltens zu \u00e4u\u00dfern. 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