{"id":4526,"date":"2016-05-31T12:03:20","date_gmt":"2016-05-31T12:03:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4526"},"modified":"2016-06-03T05:36:34","modified_gmt":"2016-06-03T05:36:34","slug":"eine-erinnerung-an-alte-junge-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4526","title":{"rendered":"Eine Erinnerung an alte, junge Zeiten"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4526&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4526&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Sie hatte es wieder getan. Einen Mann vergrault, mit dem sie gemeinsame Zeiten in einer Beziehung gehabt hatte. Das Warum war zu kl\u00e4ren, aber nicht jetzt. Nun hie\u00df es erst einmal weiterleben, \u00fcberleben, ohne \u00fcber der Gr\u00fcbelei v\u00f6llig verr\u00fcckt zu werden.<br \/>\nW\u00e4sche waschen, das ist gut. Das ist f\u00e4llig und gut. Dann putzen, das Bad. Jawohl. Schlie\u00dflich die St\u00fccke der Gurke, die er ins Wohnzimmer gepfeffert hatte bei seinem unfreiwilligen Abgang, auflesen und in den Biom\u00fcll werfen. Diesen runtertragen.<br \/>\nEs geht ja. Kein Problem. Sie zitterte zwar noch am ganzen Leib, aber was war das schon gegen das Davor. Sie hatte ihr Herz im gesamten K\u00f6rper schlagen gesp\u00fcrt, und das war keine Einbildung gewesen. Sie wusste, wenn sie das jetzt aussprach, war es vorbei. Und sie tat es, obwohl ihr ganzer K\u00f6rper in Alarmbereitschaft war. Wie w\u00fcrde er reagieren? Das konnte sie nicht wissen.<br \/>\nSie bat ihn, den Schl\u00fcssel zu ihrer Wohnung zur\u00fcckzugeben. Nachdem sie ihm gesagt hatte, sie sehe keine gemeinsame Zukunft mehr. F\u00fcr sie sei es zu Ende. Und es tue ihr leid.<br \/>\nDrei Jahre diesmal. Recht lange gemeinsame Jahre, in denen viel passiert war. Keiner konnte etwas daf\u00fcr. Sie waren immer sehr verschieden gewesen, aber jetzt, nachdem der Lack ab war, traten die Unterschiede un\u00fcbersehbar deutlich zutage.<br \/>\nVon Anfang an war klar gewesen, dass das keine Beziehung auf Lebenszeit sein konnte.<\/p>\n<p>Und nun dachte sie sich, dass keine einzige Beziehung eine auf Lebenszeit sein konnte, zumindest f\u00fcr einen der beiden Beteiligten. Denn einer blieb ja immer \u00fcbrig. Also war dessen Lebenszeit noch nicht abgelaufen, aber die Beziehung zu Ende. Das \u00dcber-den-Tod-hinaus einmal geschenkt, das glaubte doch kein Mensch, dass er einem Toten zugeneigt war, in der Liebe der Lebendigen. Erinnerungen, ja, Gedenken auch, Dankbarkeit, Schmerz, sicher, aber Weiterlieben konnte man nur, wenn da etwas zur\u00fcckkam, Gegen\u00fcberliebe sozusagen, sonst keine Liebe, sondern Verlust der Liebe. Keine Illusion, das Band bestand, solange beide es in H\u00e4nden halten konnten. Sobald es einem entglitt, und der musste daf\u00fcr noch nicht einmal gestorben sein, war es vorbei.<\/p>\n<p>Warum sie, der Beziehungsmensch schlechthin, immer wieder infrage stellen musste, ob das alles gut sei f\u00fcr sie, so wie es war, ob es gen\u00fcgte. Ob das Band hielt, was es versprach. Sie wusste es nicht, aber eines wusste sie: Es war dringend zu hinterfragen.<br \/>\nSich selbst bedenken, das ist wohl die schwierigste \u00dcbung. Das eigene Gehirn dazu benutzen, um dar\u00fcber nachzudenken, wie das Denkwerkzeug funktioniert. Warum diese Windung diese Wende herbeigef\u00fchrt hat. Warum sie jetzt, als frischer Single sozusagen, dar\u00fcber nachdachte, weshalb sie diese Beziehung gehabt hatte, die schon Vergangenheit war. Das h\u00e4tte ein bisschen fr\u00fcher vermutlich mehr geholfen. Selbstkritik durchaus angebracht.<\/p>\n<p>Ihr Gehirn war und blieb ihr ein R\u00e4tsel. Warum hatte sie die Gurke erw\u00e4hnen m\u00fcssen, ja, m\u00fcssen? Das musste ihm ja wie Hohn erschienen sein. Seine Freundin macht Schluss mit ihm, m\u00f6chte den Wohnungsschl\u00fcssel zur\u00fcck, und zu guter Letzt fragt sie ihn, ob er die Gurke wieder mitnehmen m\u00f6chte. Die hatte er an dem Abend mitgebracht, um sie zum gemeinsam zuzubereitenden Salat beizusteuern. Die in einem Akt der Resignation, Aggression und Verzweiflung von ihm zu Boden geschleuderte vermaledeite Gurke lag nun vor ihren F\u00fc\u00dfen.<br \/>\nDa weinte sie, um die Gurke, um sich selbst, um das Komplizierte im Leben.<br \/>\nSie wollte kein Beziehungsmensch mehr sein. Es war ihr zu anstrengend, es setzte ihr zu sehr zu.<\/p>\n<p>Um eine Beziehung durchzustehen, musste man hartgesotten sein. Man musste einiges aushalten k\u00f6nnen. Man musste die Befindlichkeiten des Partners miterleben, mittragen, war den Launen ausgeliefert, den eigenen, denen des anderen.<br \/>\nMan bekam daf\u00fcr \u2013 ja, was? Geborgenheit, Zugeh\u00f6rigkeit, Z\u00e4rtlichkeit. Obwohl, wenn sie sich die meisten der ihr bekannten Beziehungen betrachtete, das mit der Z\u00e4rtlichkeit war wohl irgendwo am Weg verlorengegangen. Wie das verhindern, das Abdriften in die jeweiligen Niederungen? Den Partner als selbstverst\u00e4ndlich anzusehen, war ihrer Meinung nach der Anfang vom Ende. Um etwas Selbstverst\u00e4ndliches muss man sich ja nicht mehr bem\u00fchen. Oder danken wir der Sonne daf\u00fcr, dass sie aufgeht? Die Wenigsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Carmen Rosina<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=403\">verliebt verlobt verboten<\/a> | Inventarnummer: 16063<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie hatte es wieder getan. 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