{"id":4477,"date":"2016-05-23T12:39:09","date_gmt":"2016-05-23T12:39:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4477"},"modified":"2016-06-22T11:01:38","modified_gmt":"2016-06-22T11:01:38","slug":"die-grotesken-erlebnisse-des-anus-jung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4477","title":{"rendered":"Die grotesken Erlebnisse des Anus Jung"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4477&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4477&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Es war die Liebe zu harter australischer Rockmusik, die den alten Jung dazu bewegte, dem Standesbeamten des steirischen Dorfes Gratwein mitzuteilen: \u201cFredl, der Bub soll Angus hei\u00dfen!\u201d<br \/>\nAlfred Kriechmann, so hie\u00df der Beamte, erschrak und fragte: \u201cDu m\u00f6chtest, dass dein Sohn wie eine Rinderrasse hei\u00dft? Bist du verr\u00fcckt geworden, Franz?\u201d<br \/>\nDoch Franz Jung war dies keineswegs. Wissend blickte er auf den Aktenordner mit der Aufschrift \u2018Geistige Nahrung\u2019, der im Regal stand, und nachdem Kriechmann zwei Wassergl\u00e4ser mit Geistesnahrung gef\u00fcllt hatte, kl\u00e4rte Jung ihn auf: \u201cNein, Fredl, es geht nicht um K\u00fche, sondern um Rockmusik.\u201d<br \/>\nMit bedeutungsschwerem Blick deutete er auf den Schriftzug auf seinem schwarzen Shirt: \u2018Black in Back\u2019 stand dort. Er hatte das Textil einem H\u00e4ndler abgekauft, der auf dem letzten Gratweiner Kirtag einen Stand mit Devotionalien gehabt hatte, und der, wie er Franz stolz erz\u00e4hlt hatte, einst der wertvollste Reserveverteidiger der tschetschenischen Nationalmannschaft gewesen war.<\/p>\n<p>\u201cAustralische Rockmusik\u201d, f\u00fcgte Jung erkl\u00e4rend hinzu.<br \/>\nDa verstand der Standesbeamte und bereitete die entsprechenden Papiere vor, und er verga\u00df auch nicht flei\u00dfig nachzuschenken, denn Angelegenheiten von einiger Wichtigkeit werden in der Steiermark nur h\u00f6chst selten n\u00fcchtern behandelt.<br \/>\nH\u00e4tte Franz Jung dem auf dem Gebiet der harten Rockmusik unbeleckten Alfred Kriechmann bez\u00fcglich dessen Rinderrassentheorie recht gegeben, so h\u00e4tte dieser tats\u00e4chlich den Namen Angus eingetragen. Da er jedoch an jenem Tag der erste Bittsteller in der Kanzlei des Beamten war und dieser logischerweise wenig geistige Nahrung zu sich hatte nehmen k\u00f6nnen, intellektuell somit noch nicht warm geworden war, verschrieb sich Alfred und dem jungen Jung wurde der Name Anus gegeben.<\/p>\n<p>Auf dem Hof der Familie Jung fiel dieser Umstand niemandem auf. Das Dokument wurde zu den anderen in eine Mappe gelegt und diese in einer Truhe auf dem Dachboden verwahrt. Da die Jungs seit Generationen gro\u00dfe Gegner der katholischen Kirche waren und Anus selbstverst\u00e4ndlich nicht taufen lie\u00dfen, lebte dieser die ersten sechs Jahre seines Lebens quasi unerkannt unter falschem Namen auf seines Vaters Grund und Boden.<br \/>\nF\u00fcr alle war er Angus, der Sohn des reichsten Bauern in der Umgebung. Es war jedem Gratweiner klar, dass der Junge eines Tages das Geh\u00f6ft seiner Familie \u00fcbernehmen und, sollten die Rahmenbedingungen g\u00fcnstig sein, sogar vergr\u00f6\u00dfern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als er im Alter von f\u00fcnf Jahren seinen ersten Reisepass erhielt, stand tats\u00e4chlich Anus darin.<br \/>\nEr eilte zu seinem Vater und sagte: \u201cPapa, sie haben ein g vergessen!\u201d<br \/>\nFranz Jung starrte auf das Dokument und f\u00fchlte pl\u00f6tzlich W\u00e4rme in sich hochsteigen. Er lief zum Gemeindeamt, doch Alfred Kriechmann war in der Zwischenzeit in Pension gegangen und nach Pattaya verzogen, wie der enervierte Vater erfuhr.<br \/>\nDer neuen Standesbeamtin, Fr\u00e4ulein Magister Beate Schnepf, stand der Sinn nicht nach \u2018Geistiger Nahrung\u2019. Hinter ihr stand ein Ordner im Regal, der die Aufschrift \u2018Veganes Tagebuch\u2019 trug.<br \/>\nIn Franz Jung keimte der Verdacht, dass er mit Fr\u00e4ulein Schnepf nicht so gut auskommen w\u00fcrde wie mit Fredl Kriechmann, aber er beschloss trotzdem, das Problem zur Sprache zu bringen.<\/p>\n<p>Beate Schnepf suchte den entsprechenden Akt heraus, las ihn und brach in schallendes Gel\u00e4chter aus.<br \/>\n\u201cWissen sie, was Anus bedeutet, Herr Jung?\u201d, fragte sie, noch immer lachend.<br \/>\n\u201cJa, nat\u00fcrlich wei\u00df ich das\u201d, log Franz.<br \/>\n\u201cWo ist dann das Problem?\u201d, fuhr das Fr\u00e4ulein fort. \u201cSeien Sie doch froh, dass Ihr Sohn einen derart aus dem Leben gegriffenen Vornamen hat.\u201d<br \/>\nJung sah sie fragend an.<br \/>\nDa erkannte sie, dass er keinen blassen Schimmer von der Bedeutung des Wortes hatte.<br \/>\n\u201cEs ist sch\u00f6n zu sehen, dass es tats\u00e4chlich noch Eltern gibt, die ihren einzigen Sohn nach etwas benennen, das jeder Mensch hat. Sehen sie: Sie haben auch einen.\u201d Wieder begann sie zu lachen. \u201cStellen Sie sich vor, Herr Jung: Sie haben gleich zwei davon! Den, den Sie sowieso haben, und Ihren Sohn.\u201d Sie wischte sich Tr\u00e4nen aus den Augen. \u201cIch zum Beispiel \u00fcberlege, das kleine M\u00e4dchen, das ich eines Tages mit meiner Lebenspartnerin adoptieren werde, Vegana zu nennen.\u201d<br \/>\nDiese Information war zu viel f\u00fcr Franz Jung.<br \/>\n\u2018Zwei Frauen, die ein Kind aus dem Waisenhaus holen und ihm einen derart ordin\u00e4ren Namen verpassen wollen!\u2019, dachte er sich.<\/p>\n<p>\u201cBitte glauben Sie mir, Herr Jung\u201d, sagte Fr\u00e4ulein Schnepf, erhob sich und reichte ihm die Hand, \u201ces hat schon alles seine Richtigkeit mit dem Vornamen Ihres Sohnes. Seien Sie froh, dass Sie ihm einen so sonnigen Namen gegeben haben.\u201d<br \/>\n\u201cSonnig?\u201d, fragte Jung und sch\u00fcttelte ihre Hand. \u201cWas meinen Sie mit sonnig?\u201d<br \/>\n\u201cNun, Ihr Sohn wird sich mit Sicherheit viel \u00f6fter an den warmen Strahlen der Sonne erfreuen als Ihr eigener Anus.\u201d<br \/>\nJung verlie\u00df das Gemeindeamt in der \u00dcberzeugung, dass der Terminus Anus wohl die griechische Bezeichnung f\u00fcr einen Teil des menschlichen K\u00f6rpers sein musste, wie beispielsweise f\u00fcr den Bauchnabel, und er seinem Sohn einen guten Dienst erwiesen hatte.<\/p>\n<p>Br\u00fcllend wie ein bei lebendigem Leib am Spie\u00df gebratener \u00d6tscherb\u00e4r st\u00fcrzte der junge Jung ein Jahr sp\u00e4ter auf seinen Vater zu und schlug ihm mit dem Teppichklopfer der Familie, mit welchem er selbst bei verschiedenen Gelegenheiten hatte Bekanntschaft machen d\u00fcrfen, jedoch ohne dass sich daraus eine Freundschaft oder gar echte Zuneigung entwickelt hatte, zweimal so fest er konnte auf den Allerwertesten.<br \/>\n\u201cWarum hast du das gemacht?\u201d, br\u00fcllte er.<br \/>\n\u201cWas gemacht, Bub?\u201d<br \/>\n\u201cIn der Schule haben sie mir erkl\u00e4rt, was ein Anus ist!\u201d<br \/>\n\u201cUnd?\u201d, gab der Alte verst\u00e4ndnislos zur\u00fcck. \u201cJeder hat doch so etwas!\u201d<\/p>\n<p>Daraufhin lief der Junge ins Haus und weinte sich bei seiner Mutter aus. Diese holte die Dokumentenmappe vom Dachboden und ein W\u00f6rterbuch aus dem B\u00fccherregal im Keller des Hauses.<br \/>\nDa sie im Umgang mit B\u00fcchern unerfahren war, dauerte es eine Weile, bis sie herausfand, was Anus bedeutete.<br \/>\n\u201cFranz!\u201d Nun br\u00fcllte die Mutter. \u201cDu kommst jetzt her, und zwar sofort!\u201d<br \/>\nDrei\u00dfig Sekunden sp\u00e4ter stand er vor ihr.<br \/>\n\u201cBub, du schleichst dich sofort nach oben in dein Zimmer! Dein Herr Vater und ich haben etwas zu besprechen.\u201d<br \/>\nAnus ging nach oben.<br \/>\n\u201cWas bildest du dir eigentlich ein?\u201d, schrie Fani Jung, die Mutter von Anus. \u201cNur weil du s\u00fcchtig nach Backen bist, nennst du unseren Sohn Anus? Ja, soll denn das ganze Dorf erfahren\u201d, ihre Stimme begann sich zu \u00fcberschlagen, \u201cwas ich mir jede Nacht von dir gefallen lassen muss? Du bringst das wieder in Ordnung, Franz, sonst hat es sich f\u00fcr dich bei mir ausgeanust!\u201d<\/p>\n<p>Allein, die Sache war nicht mehr in Ordnung zu bringen.<br \/>\nDa in den ersten Lebensjahren des vermeintlichen Angus Jung niemand gegen dessen tats\u00e4chlichen Vornamen Protest eingelegt hatte, war Verj\u00e4hrung eingetreten und die einzige M\u00f6glichkeit w\u00e4re gewesen, dem Jungen einen anderen Namen zu geben.<br \/>\nDies zu tun h\u00e4tte aber eine Zuwiderhandlung gegen den ursteirischen Brauch bedeutet, nach welchem der Vater den Namen des Sohnes aussucht und der Sohn ihn zu behalten hat. Nennt ein Vater seinen Sohn beispielsweise stets Buakrot, so wird im Reisepass des Jungen unweigerlich Bubkr\u00f6te zu lesen sein.<br \/>\nDie Eltern von Anus einigten sich mit den Lehrern der Gratweiner Volksschule und den Eltern der Klassenkameraden ihres Sohnes darauf, dass dieser von allen Ani gerufen werden sollte.<\/p>\n<p>Da die Familie Jung gut im Gratweiner Dorfleben integriert war, kam Anus viel herum. Er wurde auf andere H\u00f6fe mitgenommen und lernte nach und nach die wichtigen Menschen des Dorfes kennen, wie den Arzt, den \u00f6rtlichen Apotheker und den Betreiber des Gemeindebordells.<br \/>\nDiese Honoratioren wussten zwar, wie Ani wirklich hie\u00df, doch hielten sie sich strikt an die offizielle Sprachregelung.<br \/>\nIn der Volksschule und danach in der Hauptschule wurde Anus zwar oft auf dem Pausenhof geh\u00e4nselt, doch mit der Zeit bildete er eine Resistenz gegen die Ver\u00e4chtlichmachungen seines Vornamens aus.<br \/>\nNach dem Abschluss der Hauptschule arbeitete Anus auf dem Hof seiner Eltern. Er f\u00fchrte das Leben eines gew\u00f6hnlichen Gratweiner Jugendlichen. Er traf sich mit Freunden, trank erst heimlich, dann \u00f6ffentlich Bier, rauchte Zigaretten und wurde von seinem Vater daf\u00fcr geohrfeigt, wilderte zwei sch\u00f6ne Rehb\u00f6cke und einen Habicht, wof\u00fcr er vom Revierp\u00e4chter \u00fcbers Knie gelegt wurde, und macht eine erste Erfahrung bez\u00fcglich einer Stellung.<\/p>\n<p>Das Bundesheer war der Ansicht, keinesfalls auf die Dienste des Anus Jung verzichten zu k\u00f6nnen, und berief ihn zur Musterung ein.<br \/>\nIn der Grazer Kaserne, in welcher diese vorgenommen wurde, sa\u00dfen alle pr\u00e4sumtiven Grundwehrdiener in einem gro\u00dfen Raum und mussten, sobald sie aufgerufen wurden, \u201cHier!\u201d rufen.<br \/>\n\u201cAnus Ju- Moment mal!\u201d, sagte der Wachtmeister. \u201cHei\u00dfen Sie tats\u00e4chlich Anus?\u201d<br \/>\n\u201cSie k\u00f6nnen mich Ani nennen. Alle nennen mich so\u201d, sagte Jung.<br \/>\n\u201cDas freut mich!\u201d, bellte der Unteroffizier. \u201cUnd das ist mir v\u00f6llig egal!\u201d<br \/>\nAnus begann zu lachen. Der Schnauzbart des Soldaten erinnerte ihn an den von Emil, der der d\u00fcmmste Knecht auf dem Hof war.<br \/>\n\u201cWas gibt es da zu lachen, Sch\u00fctze Anus vom letzten Glied?\u201d, rief der Verlachte, als ein Leutnant den Raum betrat und die jungen M\u00e4nner anwies, ihm zu den medizinischen Untersuchungen zu folgen.<\/p>\n<p>Einer h\u00fcbschen Krankenschwester fiel die Aufgabe zu, zu verifizieren, dass der Hodensack des Anus Jung gem\u00e4\u00df der nat\u00fcrlichen Ordnung gef\u00fcllt war, als diesem eine m\u00e4chtige Erektion schwoll.<br \/>\nRoutiniert griff die Schwester nach einem Glas mit eiskaltem Wasser und sagte: \u201cMach dir keine Sorgen, Anus.\u201d Sie las seinen Namen ein zweites Mal auf dem Papier, das er ihr gegeben hatte, und begann zu kichern. \u201cDas passiert mir oft. Nimm das Glas und geh damit hinter den Vorhang. Dort kannst du dich beruhigen.\u201d<br \/>\n\u201cDas kann ich auch hier\u201d, sagte er und erhob sich.<br \/>\nEr nahm das Glas, prostete der Krankenschwester zu und leerte es in einem Zug, w\u00e4hrend sein Penis in Richtung der auf einem Sessel sitzenden Frau ragte.<br \/>\nSo etwas war der jungen Frau allerdings noch nie passiert. Sie starrte ihn aus vor Schreck geweiteten Augen und mit offenem Mund an, als der Leutnant den Untersuchungsraum betrat.<br \/>\nSogleich sah er die geweiteten Augen und den offenen Mund, blo\u00df f\u00fcnf Zentimeter vom Penis entfernt.<br \/>\n\u201cFr\u00e4ulein Schlauch\u201d, seufzte der Offizier, \u201cich verwarne Sie hiermit ein weiteres Mal! Machen Sie das doch zu Hause!\u201d<br \/>\n\u201cNein, Herr Leutnant!\u201d, sagte sie schnell. \u201cDas hier ist eine ganz andere Situation.\u201d<br \/>\n\u201cDas sagen Sie jedes Mal. Jung, Sie kommen mit!\u201d<br \/>\nAnus wurde f\u00fcr untauglich befunden. \u2018Zu erwartende Konflikte wegen eigenwilliger Namensgebung vonseiten der Erziehungsberechtigten des Wehrpflichtigen\u2019, so lautete die in sch\u00f6nstem Soldatendeutsch abgefasste Begr\u00fcndung f\u00fcr Jungs Untauglichkeit.<\/p>\n<p>Wieder auf dem Hof seiner Familie, wurde Anus von seinen Eltern zur Rede gestellt.<br \/>\n\u201cAnus, wann bringst du endlich ein M\u00e4dchen mit nach Hause?\u201d, fragte Fani Jung.<br \/>\n\u201cWas soll ich mit so etwas anfangen?\u201d, gab er zur\u00fcck. Die Tatsache, dass seine Mutter ihn nicht Ani genannt hatte, machte ihm den Ernst der Situation klar.<br \/>\n\u201cNa, was man mit einer Frau eben macht!\u201d, rief sein Vater.<br \/>\n\u201cKochen?\u201d, fragte Anus.<br \/>\nFani Jung seufze und sagte zu ihrem Mann: \u201cNimm genug Geld mit, Franz. Vielleicht braucht der Bub zwei Stunden.\u201d<br \/>\n\u201cKomm, Bub, heute wirst du ein Mann!\u201d, sagte Franz und zog seinen Sohn aus dem Haus.<\/p>\n<p>In \u2018Josefs Knallerbude\u2019, dem Gratweiner Bordell, wurden Anus zwei Frauen vorgestellt. Dusica, eine Zwanzigj\u00e4hrige, und Edeltraud, ein Urgestein des horizontalen Gewerbes im Dorf, erfahrene vierundf\u00fcnfzig Jahre alt.<br \/>\nAnus deutete schnell auf Dusica und die beiden setzten sich an einen Tisch. Der Besitzer des Etablissements brachte ihnen zwei kleine Flaschen billigen Sekt und die junge Frau f\u00fcllte die Gl\u00e4ser. Sie stie\u00dfen an und Dusica r\u00fcckte dicht an Anus heran.<br \/>\n\u201cIch Dusica\u201d, fl\u00fcsterte sie in sein Ohr.<br \/>\nEr gab ihr die Hand und sagte: \u201cAnus.\u201d<br \/>\nSofort r\u00fcckte sie von ihm ab, sah ihn streng an und sagte \u201cNo! No Anus!\u201d<br \/>\nEr sah sie erstaunt an.<br \/>\n\u201cAnus\u201d, wiederholte er und versuchte sie auf die Wange zu k\u00fcssen.<br \/>\n\u201cNo!\u201d, rief sie. \u201cAnus no good!\u201d<br \/>\n\u201cAnus very good!\u201d, protestierte er und sah, dass sich Edeltraud bereits die H\u00e4nde rieb. Offensichtlich stand ihr der Sinn danach, dem Sohn ihres Stammkunden Jung zu zeigen, was nur eine erfahrene Gunstgewerblerin wissen und beherrschen kann.<br \/>\nDa schaltete sich der Bordellier ein.<br \/>\nEr kl\u00e4rte das Missverst\u00e4ndnis auf und als Anus nach einer Stunde grinsend zur\u00fcckkam und von seinem Vater, der an der Bar gewartet hatte, die Bezahlung einer weiteren Stunde forderte, erhielt er eine Ohrfeige.<\/p>\n<p>Als Anus sechsundzwanzig Jahre alt war, erf\u00fcllte er den Wunsch seiner Eltern und brachte eine Frau mit auf dem Hof.<br \/>\nSie hie\u00df Notburga Lunz und bald war sie sowohl in die Gemeinschaft auf dem Hof integriert als auch in die des Dorfes Gratwein. \u00dcbelmeinende Zungen setzten das Ger\u00fccht in die Welt, dass daf\u00fcr lediglich eine Tatsache verantwortlich sein konnte: n\u00e4mlich die, dass Notburga eine Inklination zur Promiskuit\u00e4t innewohnte und sie dieser oft und gerne nachgab.<br \/>\nAnus konnte nichts gegen das Verhalten seiner Freundin ausrichten, zumal ihm d\u00e4mmerte, dass diese nach dem Tod seiner Mutter ohne Weiteres seine Stiefmutter werden konnte.<br \/>\nSo kam es dann auch: Fani Jung starb an einer Lungenentz\u00fcndung und nachdem sie auf dem paganen Friedhof Gratweins unter dem Sch\u00e4del eines Ziegenbocks vergraben worden war, musste Anus Notburga mit \u2018Mutter\u2019 ansprechen. Von diesem Tag an sagte sie nie wieder Ani zu ihm.<\/p>\n<p>Anus \u00fcbernahm den Hof von seinem Vater, der sich mit Notburga in ein Ausgedingehaus zur\u00fcckgezogen hatte.<br \/>\nNachdem dieses von Anus warm abgetragen worden war, und nachdem er seinen Vater und Notburga aus Rache und gegen eine sch\u00f6ne Spende an die Kirche auf dem katholischen Friedhof begraben hatte, verkaufte Jung seinen Grundbesitz und verlie\u00df Gratwein.<br \/>\nZu seinem Nachbarn soll er zum Abschied gesagt haben: \u201cIch fliege nach Pattaya. Dort habe ich etwas zu erledigen. Und dann\u201d, bei den folgenden Worten soll sich seine Miene etwas aufgehellt haben, \u201cziehe ich nach Australien. In Sydney soll es eine Selbsthilfegruppe f\u00fcr Anguse geben, die unter Rechtschreibfehlern bei der Namensgebung zu leiden haben.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Michael Timoschek<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie: <span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=430\">\u00fc18<\/a><\/span> | Inventarnummer: 16057<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war die Liebe zu harter australischer Rockmusik, die den alten Jung dazu bewegte, dem Standesbeamten des steirischen Dorfes Gratwein mitzuteilen: \u201cFredl, der Bub soll Angus hei\u00dfen!\u201d Alfred Kriechmann, so hie\u00df der Beamte, erschrak und fragte: \u201cDu m\u00f6chtest, dass dein Sohn wie eine Rinderrasse hei\u00dft? 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