{"id":4089,"date":"2016-02-13T16:43:54","date_gmt":"2016-02-13T16:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4089"},"modified":"2016-02-20T12:57:25","modified_gmt":"2016-02-20T12:57:25","slug":"nicht-ohne-dich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.verdichtet.at\/?p=4089","title":{"rendered":"Nicht ohne dich"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4089&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/index.php?rest_route=wpv2posts4089&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><\/a><\/div><p>Noch t\u00e4uschen meine Augen mich mit Bildern der Erinnerung. Jetzt, wo ich dich lang genug gekannt \u2013 jetzt kann ich erst ermessen, wie einzigartig <em>alles<\/em> du mir warst. Ohne dich, so ohne dich, beginn ich langsam alles zu vergessen. Wo war ich blo\u00df? Von purer Blindheit derb geschlagen? War\u2019s Ignoranz? Ach, wenn ich an dich, mein Liebes, denke, du bist f\u00fcr mich so unbew\u00f6lkt, so sonnig und so klar. Und ich hingegen? Pechrabenschwarz die Seele, ein Griesgram wohl. Es ist noch kaum ein Jahr vorbei. Schon schwindet beinah alles, wie das mit dir so war.<br \/>\nGewiss, du konntest k\u00fchl sein, wenn du wolltest. Das wusstest du. Genau wie ich, und schattig. Jedoch \u2013 dein Schatten spendete begehrten Trost, den ich an hei\u00dfen Tagen oft entbehrte. Noch f\u00fchl ich deine Haut, so bl\u00fchend hell wie eine Rose. Als w\u00e4r\u2019s erst gestern. Wie oft war ich dein warmer Fr\u00fchlingstag, dein Berg im S\u00fcden. Und totes Grau fiel oft von mir auf dich und tauchte dich geheimnisvoll ins Dunkel. Ich dachte stets, die Ruhe br\u00e4chte Gl\u00fcck und Eintracht. Nicht immer, sagtest du. Ich wei\u00df. Denkst du daran, was ich dir oftmals vorgeworfen? Heut lach ich dr\u00fcber. Es ist vorbei. Ich sehe ein, dass ich kein Recht gehabt, was vorzuhalten. Jedoch, ich tat es nur aus Angst davor dich zu verlieren! Im Ernst! Es klingt grotesk. Verzeih, wenn du noch kannst.<\/p>\n<p>Mag sein, dass ich die Worte, die du sprachst, nur aus Gewohnheit nicht geh\u00f6rt. Verst\u00fcnd mich heute besser drauf zu h\u00f6ren. Noch klingt in meinen Ohren, ich sei dein Sonnenlicht und st\u00fcnde f\u00fcr das Hell, die Quelle deines Lebens. Was ist das f\u00fcr ein Deal gewesen? Die Sache mit uns beiden? Du, und ich?<br \/>\nUnd dennoch ist \u2013 was war, das waren wir gemeinsam. Wir beide, ja, ganz offensichtlich. Und was wird von uns bleiben? Nichts? Du warst mein Licht. Und ich? Ach ich \u2013 ich f\u00fchl mit Wonne den belebend sch\u00f6pfend k\u00fchlen, feuchten Tau, den dein F\u00fc\u00dfe sanft ber\u00fchrten, wenn du auf Erden schwebtest.<\/p>\n<p>Bist du mir b\u00f6se, weil ich, dein dunkler Schatten, dir manchmal deinen Atem nahm? Gewiss, ich war nicht aufmerksam genug. Ich fl\u00fcchtete zu dir aus Kummer und Entt\u00e4uschung. Wirfst du mir vielleicht vor, dass es nicht blo\u00df aus Liebe war? Dann bitt ich dich, sei wieder f\u00fcr mich da. Sei mir der Tag, sei mir der Sommer meines Lebens. Entfach mit deinem Sturm in mir das Feuer. Sonst bleibt es Nacht in meinen \u00f6den Wangent\u00e4lern, die die Tr\u00e4nen gruben.<br \/>\nDoch, ach, ich wei\u00df nur allzu gut. Einmal ist immer \u2013 irgendwann. Bei uns ist\u2019s jetzt. Ich suchte nach Geborgenheit und dachte nur an mich dabei. Du sagtest, f\u00fcg dich drein, ohne zu fragen. Das hab ich nicht verstanden. Zwar bin ich heute kl\u00fcger, doch trotzdem d\u00fcmmer als zuvor. Zu sp\u00e4t! Oh w\u00e4rme mich an deinen sonn\u2019gen H\u00e4ngen die nach S\u00fcden steh\u2019n, die ich so brauchte wie der Weinstock selbst.<\/p>\n<p>In deiner N\u00e4he schrieb ich ungeles\u2019ne, Briefe nur an dich, ich schw\u00f6r\u2019s! Du kannst es mir ruhig glauben. Und willst du wissen, was drin stand? In meinen Zeilen stand die Angst, es k\u00e4m der Tag, an dem wir nicht mehr zweisam w\u00e4ren. Du w\u00fcrdest mich an Alter \u00fcberholen. Ein Unsinn sicherlich. Ich sah den Berg als Ganzes. Und f\u00fchlte k\u00fchles Wetter. Wenn nicht gleich gar die Winternacht. Nun steh ich vor verschloss\u2019nen T\u00fcren, wo deine stets ge\u00f6ffnet waren.<\/p>\n<p>Du Himmlisches! Was bin ich m\u00fcd\u2019 und du bist fort. In welche ausgebreitet\u2019 Arme soll ich sinken, wenn nicht in deine? Wer wird mich jetzt in T\u00e4tigkeit versetzen? In Lethargie, als w\u00e4r ich wie gel\u00e4hmt! Nach einer halben Ewigkeit der gleichen Atmung und desselben Rhythmus! Du und ich \u2013 war alles zwischen Haupt und Gliedern. Das ist vorbei.<br \/>\nWei\u00dft du noch, den Baum, den wir gepflanzt? Heut ist er gr\u00f6\u00dfer als ein Haus. Du hattest ihn umarmt, nicht mich. Als Ausgleich zwischen unt\u2019 und oben sagtest du. Versteh kein Wort. Auch muss man alles nicht versteh\u2019n. Er ist wie wir, hast du gesagt. Bl\u00fcht auf, belebend sch\u00f6pferisch, ich kann mich gut erinnern. Und gl\u00e4nzend war sein schlankes Antlitz. Ich stand dabei, verborgen \u2013 mich zusammenziehend. Mein mattes Inneres nach au\u00dfen. Ganz einfach passiv. Ich hab dich stets daf\u00fcr bewundert, dass du so anders warst.<\/p>\n<p>Wir waren sehr verschieden, das sei nicht b\u00f6s gemeint, ich wei\u00df. Das Harte und das Weiche \u2013 hast du einmal gesagt. Das eine kann nicht ohne andrem sein. Und doch \u2013 es ist nicht wichtig. Und rein moralisch gibt es keinen \u00dcberleg\u2019nen. Schau unsre Liebe an, da ist der Anfang und das Ende. Dazwischen da sind wir. Ich wei\u00df, wir waren\u2019s! Doch welchem misst du mehr Bedeutung? Das eine ist ohne das andre nichts. Die Liebe selbst, ist es. Die war uns wichtig.<\/p>\n<p>Vergie\u00df doch deine hei\u00dfen Tr\u00e4nen, wenn\u2019s dir hilft!, ich h\u00f6r dich diese Worte fl\u00fcstern. Ich kann mich an den ew\u2019gen Kreislauf schwer gew\u00f6hnen. In diesen Dingen warst du ge\u00fcbter, mehr als ich. Das Leben kommt, das Leben geht, so wie die Hoffnung. Mal steigt sie, doch dann sinkt sie wieder. Das eine folgt dem anderen und umgekehrt. Mich in mein Schicksal f\u00fcgen \u2013 darin war ich schon immer ungeschickt. Vergeblich wart ich auf die Stille, der meist Bewegung folgt. Ganz ohne dich hab ich\u2019s verlernt zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Mein Gott, wie sch\u00f6n das war, mit dir so Hand in Hand zu gehen. Sind jetzt die schlechten Zeiten angebrochen? Mir bleibt nicht mal die Hoffnung mehr auf bess\u2019re. Ich wei\u00df, dass du nicht wiederkehrst. Sonst war es immer so gewesen, wenn sich die Not vermehrt, verringert sie sich wieder durch die Hoffnung. Doch diesmal bleibt sie aus. Der einst\u2019gen F\u00fclle durch dein bl\u00fchend Leben folgt nichts als Leere. Und du, mein Sonnenlicht, bist ganz verh\u00fcllt durch meine dunkle Wolke.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Norbert Johannes Prenner<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">www.verdichtet.at | Kategorie:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.verdichtet.at\/?page_id=418\">hardly secret diary<\/a> | Inventarnummer: 16029<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch t\u00e4uschen meine Augen mich mit Bildern der Erinnerung. Jetzt, wo ich dich lang genug gekannt \u2013 jetzt kann ich erst ermessen, wie einzigartig alles du mir warst. Ohne dich, so ohne dich, beginn ich langsam alles zu vergessen. Wo war ich blo\u00df? Von purer Blindheit derb geschlagen? War\u2019s Ignoranz? 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